Kurden-Referendum: Angst vor Aufspaltung des Irak

Einen Tag vor dem geplanten Referendum über einen unabhängigen Kurdenstaat im Nord-Irak ist die Sicherheitslage angespannt. Die Kurden wollen die Abstimmung abhalten, trotz massiven Widerstands zahlreicher Länder und der UN.

Die Sicherheitslage im Nordirak bleibt kurz vor dem geplanten Unabhängigkeitsreferendum der Kurden angespannt. Bei einer Explosion eines Sprengsatzes südlich der Ölstadt Kirkuk wurden Sicherheitskreisen zufolge vier kurdische Peschmerga-Kämpfer getötet und sieben weitere verletzt. Die Explosion ereignete sich in Dakuk, einer Region, die an Gebiete grenzt, die von der radikalislamischen IS-Miliz gehalten werden.

Die Regierung der Autonomen Region Kurdistan will trotz Widerstands der Zentralregierung in Bagdad am Montag das geplante Unabhängigkeitsreferendum abhalten. Auch in der Nachbarprovinz Kirkuk soll die Volksabstimmung stattfinden. Die Lage in Kirkuk gilt als besonders explosiv, da dort Kurden mit Turkmenen und Arabern um die Macht ringen. Kirkuk wird zudem sowohl von der irakischen Zentralregierung als auch von der Regionalregierung Kurdistans beansprucht.

Massiver Widerstand mehrerer Länder

In mehreren Ländern gibt es Widerstand gegen das Referendum. Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi betonte mehrfach, das Referendum sei verfassungswidrig. Ihn treibt die Angst um, in seiner Amtszeit könnte der Irak auseinanderbrechen. Vor allem aber die Türkei und der Iran üben massiven Druck auf die Kurden aus. Sie befürchten, die Unabhängigkeitsbestrebungen ihrer eigenen kurdischen Minderheiten könnten Nahrung erhalten.

Das türkische Parlament verlängerte ein Mandat zum Einsatz von Soldaten im Irak und Syrien um ein Jahr. Verteidigungsminister Nurettin Canikli sagte, das geplante Votum werde als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ seines Landes betrachtet. Die Türkei werde das Ergebnis nicht anerkennen und „notwendige Maßnahmen ergreifen“.

Verbündeter USA ebenfalls gegen Referendum

Selbst die USA, eigentlich ein enger Verbündeter der Kurden, stellen sich gegen das Referendum. Auch der UN-Sicherheitsrat zeigte sich besorgt über die Abstimmung.

Das Weiße Haus kritisierte die Pläne als „provokant und destabilisierend“. Washington argumentiert, erst müsse der IS im Irak besiegt sein, dann könne über eine kurdische Unabhängigkeit gesprochen werden.

Die amerikanische Botschaft in Bagdad warnte ihre Staatsangehörigen vor Spannungen im Irak während des Referendums. Sie sollten Reisen in und durch Gebiete vermeiden, auf die die kurdische Regionalregierung und die irakische Regierung Anspruch erheben.

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Kurdenführer Massud Barsani hält trotz des massiven Widerstands bislang an dem geplanten Referendum fest. Am Samstag war er mit einer kurdischen Delegation zu Gesprächen mit der Zentralregierung nach Bagdad gereist. Eine für den Tag angesetzte Pressekonferenz Barsanis war auf Sonntag verschoben worden. Es wird erwartet, dass er sich bei der Pressekonferenz endgültig dazu äußert, ob das Unabhängigkeitsreferendum wie geplant am Montag stattfindet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. September 2017 um 13:39 Uhr.

Parlament im Pumpenhaus – die Plenarsäle des Bundestags

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Wie der Bundestag sein Gesicht veränderte

Der erste Bundestag kommt im September 1949 in der ehemaligen Pädagogischen Akademie in Bonn zusammen. Das Gebäude, das seit August 1949 offiziell Bundeshaus heißt und auch den Bundesrat beherbergt, war in den Monaten zuvor unter anderem um den neuen Plenarsaal erweitert worden. Er schließt sich an die frühere Turnhalle der Akademie an, die nun die Wandelhalle ist. Der Plenarsaal hat eine Grundfläche von etwa 1000 Quadratmetern und ist damit knapp ein Drittel größer als der alte Plenarsaal im Berliner Reichstag. Vorgesehen sind Plätze für 420 Abgeordnete. Die Wand hinter dem Rednerpult und dem Bundestagspräsidium schmückt ein Vorhang mit den Wappen der Bundesländer. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Plenum des Bundestags im September 1949

Der erste Bundestag kommt im September 1949 in der ehemaligen Pädagogischen Akademie in Bonn zusammen. Das Gebäude, das seit August 1949 offiziell Bundeshaus heißt und auch den Bundesrat beherbergt, war in den Monaten zuvor unter anderem um den neuen Plenarsaal erweitert worden. Er schließt sich an die frühere Turnhalle der Akademie an, die nun die Wandelhalle ist. Der Plenarsaal hat eine Grundfläche von etwa 1000 Quadratmetern und ist damit knapp ein Drittel größer als der alte Plenarsaal im Berliner Reichstag. Vorgesehen sind Plätze für 420 Abgeordnete. Die Wand hinter dem Rednerpult und dem Bundestagspräsidium schmückt ein Vorhang mit den Wappen der Bundesländer.

Bundestagsabstimmung über Bonn als Regierungssitz

Ein wesentliches Element ist die Grundanordnung: Wie zuvor im alten Reichstag sitzen die Abgeordneten in einem Halbkreis der erhöht sitzenden Regierung gegenüber. Darauf hatte vor allem Konrad Adenauer bestanden. Er lehnte den ursprünglichen Entwurf des Architekten Hans Schwippert ab, der eine kreisförmige Sitzordnung vorgeschlagen hatte, bei der Regierung und Abgeordnete symbolisch vereint gewesen wären.

Alterspräsident Willy Brandt eröffnet 1983 die konstituierende Sitzung des neu gewählten Bundestages

Weil in der zweiten Wahlperiode die Zahl der Abgeordneten von 420 auf 509 steigen soll, wird der Plenarsaal im Sommer 1953 erweitert. Zur Rheinseite hin wird die Grundfläche auf 1235 Quadratmeter vergrößert. Zudem entstehen Tribünen für Presse, Diplomaten und Besucher. Hinzu kommt ein weiteres Element, das das Bild des Bundestages in den folgenden Jahrzehnten mitprägen wird: An der Wand hinter dem Rednerpult wird ein von Ludwig Gies gestalteter Bundesadler aufgehängt. Er ersetzt den Vorhang mit den Wappen der Bundesländer. Diese Version des Bundesadlers bekommt im Volksmund schnell den Beinamen „fette Henne“. Nach dem Umbau von 1953 bleibt der Bundestag für mehr als drei Jahrzehnte in seiner Form bestehen.

Bundestagsabstimmung über die Notstandsgesetze im Jahr 1968

Prägende Elemente des langjährigen Bonner Plenarsaals sind die beiden langen Fensterfronten auf der rechten und linken Seite. Die für diese Zeit noch ungewöhnliche Verwendung von so viel Glas begründet Architekt Schwippert mit dem Ziel der Transparenz. Die Bürger sollen bei der Arbeit des Parlaments ganz wörtlich zuschauen können. Für die Abgeordneten wiederum eröffnet sich der Blick auf den Rhein und in die Gärten. Dennoch soll die insgesamt dominierende Wand hinter dem Präsidium „die Konzentration auf die parlamentarische Arbeit“ erzwingen.

Bundestagsrede von Helmut Schmidt zum Bruch der Koalition 1982

Der Plenarsaal im Bundeshaus wird Schauplatz vieler historischer Debatten – wie hier nach der Rede von Bundeskanzler Helmut Schmidt im Jahr 1982 nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition. Über viele Jahre herrscht aber die Meinung, dass Bonn als Hauptstadt und Sitz des Bundestages einen provisorischen Charakter betonen soll, um das eigentliche Ziel der Wiedervereinigung nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere in den 1960er- und 1970er-Jahren, in denen sich die deutsche Teilung nach dem Bau der Berliner Mauer vertieft, wächst in Bonn der Wille, dem Regierungsviertel auch mit Neubauten einen repräsentativeren Charakter zu geben. Die Veränderungen betreffen aber weniger den Plenarsaal als vielmehr etwa die Büros der Abgeordneten, die 1969 in das neue Hochhaus mit dem Spitznamen „Langer Eugen“ einziehen.

Plenarsitzung des Bundestags 1974

1983 kommt ein Gutachten zu dem Schluss, dass der Plenarsaal erhebliche bauliche Mängel aufweist. In der Folge wird zunächst beschlossen, den alten Plenarsaal zu sanieren und zwischenzeitlich auf einen Ersatzplenarsaal auszuweichen, der im Pumpenhaus eines Wasserwerks im Bonner Regierungsviertel eingerichtet werden soll. Zunächst ist für 1987 die Rückkehr in den sanierten alten Plenarsaal geplant, später wird das Jahr 1988 angepeilt. Am 27. Juni 1986 kommt der Bundestag zum letzten Mal im alten Plenarsaal zusammen.

Sitzung des Bundestages 1986 im Wasserwerk in Bonn

Am 9. September 1986 tagen die Abgeordneten zum ersten Mal im Wasserwerk. Der Saal ist wesentlich kleiner als die bisherige Heimat des Parlaments. Nur 404 der 519 Abgeordneten haben einen festen Platz. Hinzu kommen bei Bedarf Klappsitze an den Wänden. Richtig eng wird es nach der Wiedervereinigung, als 144 zusätzliche Abgeordnete untergebracht werden müssen. Das ist nur möglich, indem die Armlehnen der Stühle verschwinden und die Reihen nochmals enger gestellt werden. Dass der 1990 gewählte Bundestag des vereinten Deutschlands überhaupt noch im Wasserwerk zusammenkommen muss, liegt an einer Kehrtwende. 1987 entscheiden sich die Abgeordneten mit großer Mehrheit für den Bau eines neuen Plenarsaals und gegen die Sanierung des alten. Grund dafür sind unter anderem der schlechte Zustand des bestehenden Gebäudes und die erwarteten hohen Kosten für dessen Sanierung.

Sitzung im neuen Plenarsaal des Bundestages im Jahr 1994

Im Oktober 1992 wird der neue Plenarsaal des Bundestags nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht. Der Architekt Günter Behnisch erntet viel Lob für seine Arbeit. Neu ist die Sitzordnung, die nur mit knapper Mehrheit beschlossen worden ist. Regierung, Abgeordnete und die Vertreter des Bundesrates sitzen nebeneinander auf einer Ebene in einem Kreis zusammen. Zum Rednerpult in der Mitte hin ist der Raum abgesenkt. Ein Problem des neuen Plenarsaals sind nicht nur die Kosten von 256 Millionen Mark, die fast drei Mal so hoch liegen wie ursprünglich geplant. Klar ist zum Zeitpunkt der Eröffnung bereits, dass der neue Plenarsaal nur eine Zwischenstation sein wird. Denn ein Jahr zuvor haben die Abgeordneten bereits beschlossen, den Sitz des Bundestages nach Berlin zu verlegen.

Sitzung des Bundestages im Bonner Wasserwerk im Sommer 1991

Nach wenigen Wochen kehren die Abgeordneten nochmals in das Wasserwerk zurück. Denn im neuen Plenarsaal des Behnisch-Baus fällt in der Haushaltsdebatte am 24. November 1992 die Tonanlage komplett aus. Letztlich dauert es zehn Monate, bis das Problem gefunden und behoben ist.

Sitzung des Bundestages 1998

Am 22. September 1993 wird der neue Plenarsaal des Bundestages zum zweiten Mal eröffnet. In den folgenden sechs Jahren bildet er den Mittelpunkt der parlamentarischen Arbeit. Die letzte Sitzung findet am 1. Juli 1999 statt.

Eröffnung des neuen Bundestages 1999

Nach der Schlüsselübergabe eröffnet Bundestagspräsident Wolfgang Thierse 1999 die erste Sitzung des Parlaments im neuen Plenarsaal. Die Sitzordnung entspricht wieder dem Vorbild aus dem alten Plenarsaal in Bonn: die Abgeordneten sitzen im Halbkreis der Regierung, dem Bundestagspräsidium und den Vertretern des Bundesrats gegenüber.

Plenarsaal des Bundestages während einer Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel

Die Stirnseite des Plenarsaals wird weiterhin durch den Bundesadler bestimmt, der nach der Vorlage von Ludwig Gies gestaltet wurde. Das Original aus Gips wurde nicht mehr montiert, sondern stattdessen eine leicht abgewandelte Variante aus Aluminium. Diese erstreckt sich über eine Fläche von 58 Quadratmetern und ist damit etwa ein Drittel größer als der ursprüngliche Adler, der im Bonner Plenarsaal hing.

Plenarsaal des Bundestages

Der Plenarsaal des Bundestages hat eine Fläche von etwa 1200 Quadratmetern und bietet Platz für mehr als 600 Abgeordnete. Hinzu kommen Tribünen für Besucher, Journalisten und Diplomaten.

Sitzung des Bundestags

Die Kuppel des Reichstages prägt nicht nur das äußere Bild des Gebäudes. Auch für den Eindruck von Helligkeit und Großzügigkeit im Plenarsaal spielt die Kuppel eine entscheidende Rolle.


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Frauen dürfen ins Stadion – ausnahmsweise

Für das ultra-konservative Saudi-Arabien ist es ein großer Schritt: Zum ersten Mal hat das Königreich Frauen den Zutritt zu einem Sportstadion erlaubt. Anlass waren die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag. Unterdessen sorgte ein Prediger mit frauenfeindlichen Beleidigungen für Empörung.

Das streng konservative Königreich Saudi-Arabien hat Frauen erstmals Zutritt zu einem Sportstadion gewährt. Hunderte Frauen durften am Samstag im König-Fahd-Stadion der Hauptstadt Riad in Begleitung ihrer Familie die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag verfolgen.

In der Sportarena, die rund 40.000 Menschen fasst, wurde dafür ein separater Bereich für Familien eingerichtet. Bislang wurden Frauen in Saudi-Arabien auch am Nationalfeiertag nicht ins Stadion gelassen. Zu diesem Anlass werden landesweit Konzerte gegeben, Tänze gezeigt und Feuerwerke abgebrannt.

Gehirne von Frauen nur halb so groß

Das konservative muslimische Königreich verfolgt eine strenge Politik der Geschlechtertrennung. Es ist das weltweit einzige Land, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen. Erst kürzlich hatte Geistlicher das Fahrverbot mit deren angeblichem „Winzgehirn“ gerechtfertigt. Die Äußerung löste allerdings einen Sturm der Entrüstung aus.

Auf einem Video, welches im Internet kursiert, ist zu sehen, wie Hidschri behauptet, die Gehirne von Frauen seien normalerweise nur halb so groß wie die von Männern. Wenn sie jedoch zum Shopping gingen, schrumpften ihre Gehirne auf sogar nur noch ein Viertel der Größe. Deshalb dürften sie keine Fahrerlaubnis erhalten.

Jegliche religiöse Aktivität untersagt

In den sozialen Medien forderten Frauenrechtlerinnen, Hidschri seines Amtes zu entheben. Allerdings gab es auch Stimmen aus dem erzkonservativen Lager, die sich mit ihm solidarisierten. Mittlerweile ist dem Prediger Saad al-Hidschri jegliche religiöse Aktivität untersagt. Die Internet-Zeitung „Sabk“ berichtete, nach dem Predigtverbot habe Hidschri angegeben, dass ihm ein „Ausrutscher“ unterlaufen sei.

Frauenrechtlerinnen kämpfen seit Jahrzehnten gegen die zahlreichen Beschränkungen an. Zuletzt gab es aber einige behutsame Lockerungen, wie nun der Zutritt zum Sportstadion. Bereits im Juli erlaubte das Bildungsministerium die Teilnahme von Mädchen am Sportunterricht staatlicher Schulen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. September 2017 um 02:00 Uhr.

#kurzerklärt: Wie entsteht die 18-Uhr-Prognose?

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Stand: 24.09.2017 05:21 Uhr

Auf die Bekanntgabe dieser Zahlen fiebern alle hin: Sobald die Wahllokale schließen, gibt es um Punkt 18 Uhr die erste Prognose zur Bundestagswahl. Doch wie entsteht sie eigentlich? Wie gehen Wahlforscher dabei vor?

Von Charlotte Gnändiger, WDR

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#btw17: Es geht um jedes Prozent

Weitere vier Jahre Merkel oder doch ein Kanzler Schulz? Schafft die FDP den Sprung über die Fünf-Prozent? Wird die AfD gar zweistellig? Diese Bundestagswahl ist so unvorhersehbar wie lange nicht. Bis 18 Uhr können mehr als 60 Millionen Bürger ihre Stimme abgeben.

Etwa 61,5 Millionen Wahlberechtigte können heute in Deutschland ihre Stimme abgeben. Wenn um 18 Uhr die Wahllokale schließen, werden viele gebannt auf die erste Hochrechnung schauen: Denn das Ergebnis der Wahl ist so unvorhersehbar wie lange nicht.

Union deutlich vor SPD

Der letzte ARD-DeutschlandTrend sieht die Union mit 37 Prozent klar vorn, die SPD liegt derzeit bei 20 Prozent. Doch knapp die Hälfte der Wähler zeigte sich noch unentschlossen, weshalb noch viel Bewegung möglich ist.

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ARD-DeutschlandTrend vom 14. September 2017

Sonntagsfrage

Besonders spannend wird es am heutigen Wahlsonntag beim Rennen um Platz drei. Für die kleinen Parteien geht es um jeden Prozentpunkt: Schafft es die AfD nicht nur in den Bundestag, sondern sogar zweistellig zu werden? Kann die FDP wieder ins Parlament einziehen und vielleicht sogar in eine Regierungskoalition eintreten? Gelingt den Grünen eine Trendwende? Oder wird es die Linkspartei sein, die auf den letzten Metern noch die entscheidenden Stimmen holt?

Größter Bundestag seit den 1950ern

Eines scheint nach Einschätzung der Beobachter klar: Dem neuen Bundestag werden sechs Fraktionen angehören, so viele wie seit der ersten Wahlperiode von 1949 nicht mehr. FDP und AfD liegen in den Umfragen schon seit längerem konstant über fünf Prozent.

Völlig unklar ist allerdings, mit welcher Regierungskoalition es nach der Wahl weitergehen könnte. Ausgeschlossen haben alle Parteien eigentlich nur eine Zusammenarbeit mit der AfD. Ansonsten ist vieles denkbar.

Koalitionen völlig offen

Nach derzeitigem Stand der Umfragen gibt es eine deutliche rechnerische Mehrheit für eine Neuauflage der Großen Koalition. Auch inhaltlich dürften hier Kompromisse gefunden werden. Zweierbündnisse mit den kleineren Parteien sind – Stand jetzt – rechnerisch nicht möglich. Für Schwarz-Gelb ist es allerdings relativ knapp. Die FDP ist erklärter Wunschpartner der Union.

Eine „Jamaika“-Koalition aus Union, FDP und Grünen ist rechnerisch zwar möglich, entsprechende Koalitionsverhandlungen dürften aber hart werden, insbesondere FDP und Grüne liegen inhaltlich weit auseinander, gleiches gilt für Grüne und CSU. Das Anfang des Jahres in linken Kreisen noch hoffnungsvoll betriebene Projekt Rot-Rot-Grün gilt mittlerweile sowohl rechnerisch als auch inhaltlich als sehr unwahrscheinlich. Auch für eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP dürfte es nicht reichen.

Spannend wird diesmal auch der Blick auf die Wahlbeteiligung. Seit den 2000er-Jahren ist sie fast kontinuierlich gesunken und lag bei der Bundestagswahl 2013 bei 71,5 Prozent. Bei den vergangenen Landtagswahlen war die Wahlbeteiligung jedoch jeweils um vier bis zehn Prozentpunkte gestiegen. Dieser Trend könnte sich im Bund nun fortsetzen.

In der Wahlkabine hat jeder Wähler zwei Stimmen: Mit der Erststimme wird der Kandidat für das Direktmandat des jeweiligen Wahlkreises gewählt. Die Zweitstimme für die Landesliste einer Partei entscheidet darüber, welche Partei mit wie vielen Sitzen in den 19. Deutschen Bundestag einziehen. Und damit auch darüber, welche Regierungskoalitionen möglich sind und welche Partei den Bundeskanzler stellen kann.

Bis zu 700 Abgeordnete erwartet

Durch die vielen zu erwartenden Ausgleichs- und Überhangmandate dürfte der künftige Bundestag noch einmal größer werden als noch in dieser Legislaturperiode. Statt wie heute 630 könnte das Parlament in den kommenden vier Jahren Schätzungen zufolge bis zu 700 Abgeordnete haben. Vorgesehen sind eigentlich nur 598 Parlamentarier.

Insgesamt treten 42 Parteien zur Wahl an, 34 davon stellen in mindestens einem Bundesland eine Landesliste, die restlichen treten mit Direktkandidaten in den insgesamt 299 Wahlkreisen an.

Bei der Wahl 2013 schaffte die Union mit Angela Merkel 41,5 Prozent, SPD-Herausforderer Peer Steinbrück kam auf 25,7 Prozent. SPD und Union gingen daraufhin in Koalitionsverhandlungen für eine Große Koalition. Mitte Dezember stand das Regierungsbündnis.

Nordkorea und USA: Drohungen und Machtdemonstration

Der nordkoreanische Außenminister sieht nach den Drohungen von US-Präsident Trump einen Raketenangriff auf das US-Festland als „unvermeidbar“. Die USA schicken als Machtdemonstration erstmals Bomber über die Gewässer vor Nordkorea – der Konflikt gewinnt an Schärfe.

Die USA haben mehrere B-1B-Bomber und Kampfjets an den nördlichsten Punkt der Grenze zwischen Nord- und Südkorea geschickt. Der Einsatz am Samstag in internationalem Luftraum sei der erste in diesem Jahrhundert, bei dem US-Kampfflugzeuge so nahe vor der Küste Nordkoreas geflogen seien, teilte das Pentagon mit. Er zeige, wie ernst US-Präsident Donald Trump das „rücksichtslose Verhalten“ Nordkoreas nehme.

Der Einsatz sei eine klare Botschaft, dass der US-Präsident viele militärische Optionen habe, eine Bedrohung abzuwehren, erklärte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Dana White. Nordkoreas Waffenprogramm stelle eine große Gefahr für den Asien-Pazifik-Raum und die gesamte Welt dar. Die B-1B-Bomber waren nach Angaben des Pentagons in Guam gestartet und wurden von Kampfflugzeugen aus Japan begleitet. Die Bomber sind nicht länger Teil der nuklearen Streitkräfte der USA, sie können jedoch eine große Anzahl normaler Bomben abwerfen.

„Ein psychisch gestörter Mensch voll von Größenwahn“

Der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho hatte zuvor einen Raketenangriff seines Landes auf das US-Festland als unvermeidbar dargestellt. Die Beleidigung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un als „Raketenmann“ durch Trump mache „den Besuch unserer Rakete auf dem gesamten US-Festland umso unausweichlicher“, sagte Ri am Samstag bei den Vereinten Nationen in New York. Trump sei „ein psychisch gestörter Mensch voll von Größenwahn und Selbstgefälligkeit“, der seinen Finger auf dem „Atomknopf“ habe, sagte Ri. „Kein anderer als Trump selbst befindet sich auf einer Selbstmordmission.“

Sollten unschuldige Amerikaner „wegen dieses Selbstmordanschlags“ getötet werden, „wird Trump vollständig dafür verantwortlich gemacht“, sagte Ri bei seiner Rede bei dem jährlichen Ministertreffen der UN-Vollversammlung.

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Drohungen vor UN

Trump hatte in seiner Rede an die Vollversammlung am Dienstag damit gedroht, Nordkorea im Falle einer Provokation „vollständig zu zerstören“. Kim reagierte, indem er ankündigte, Maßnahmen „auf höchster Ebene“ gegen die USA zu ergreifen. Ri hatte bereits am Freitag gegenüber Reportern angedeutet, dass Nordkorea eine Wasserstoffbombe testen könnte, um Kims Versprechen zu erfüllen. Am Samstag erwähnte er einen solchen Test aber nicht.

Erdbeben: Atomtest oder nicht?

Zuvor hatte ein Erdbeben in Nordkorea Spekulationen über einen weiteren Atomtest des Landes ausgelöst. Behörden in Österreich, Norwegen und Südkorea gingen von einer natürlichen Ursache des Bebens aus. Chinesische Experten dagegen vermuteten, dass eine Explosion die Erschütterungen ausgelöst habe.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 23. September 2017 um 23:15 Uhr.

Mallorca: Tausende protestieren gegen Massentourismus

Insel Mallorca: Proteste gegen Massentourismus | tagesschau.de

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Stand: 24.09.2017 02:53 Uhr

Tausende Menschen haben auf Mallorca gegen die Auswüchse des Massentourismus protestiert. Zu der Aktion hatten mehr als 50 Institutionen aufgerufen, darunter Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen. Sie fordern eine Diversifizierung der Wirtschaft auf der Insel.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Die etwa 3000 Demonstranten zogen friedlich durch die Innenstadt von Palma de Mallorca – begleitet von Flöten- und Trommelmusik. Viele hielten Transparente in den Händen mit Sprüchen wie „Bis hierher und nicht weiter“ oder „Ohne Touristenlimit haben wir keine Zukunft“. In der Nähe der Kathedrale der Hauptstadt versammelten sich die Teilnehmer zu einer Kundgebung.

Die Aktion richtete sich gegen die Folgen des Massentourismus: volle Innenstädte, Strände und Straßen. Palma solle nicht wie Barcelona oder Venedig aus allen Nähten platzen, hieß es von den Veranstaltern der Demo. Sie beklagen außerdem Umweltschäden auf Mallorca durch die vielen Mietwagen und Kreuzfahrtschiffe – und steigende Mietpreise, weil viele Wohnungsbesitzer ihre Zimmer lieber kurzfristig an Urlauber vermieten als langfristig an Einheimische.

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Wirtschaft diversifizieren

Die Organisatoren hatten im Vorfeld der Kundgebung erklärt, es müssten „neue Alternativen zum Tourismusmodell“ gefunden werden. „Wir müssen die Wirtschaft der Inseln diversifizieren und dürfen nicht allein vom Tourismus abhängen“, so Margalida Ramis von der Naturschutzorganisation GOB.

Aufgerufen zu der Demo hatten rund 50 Umwelt- und Bürgerinitiativen. Sie fordern die Inselregierung auf, den Massentourismus zu stoppen. Ihrer Ansicht nach reichen die bisherigen Gesetze nicht aus. Diese sehen vor, dass keine neuen Hotels gebaut werden dürfen und die Tourismussteuer im nächsten Jahr verdoppelt wird. In diesem Jahr werden auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln zwölf Millionen Gäste erwartet – so viele wie nie zuvor.

Korrespondent




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USA: Trump will knieende Footballer feuern

Protest bei Nationalhymne: Trump will knieende Footballer feuern | tagesschau.de

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Stand: 24.09.2017 02:52 Uhr

US-Präsident Trump ist für beleidigende Worte bekannt. Doch diesmal griff er in die unterste Schublade: Football-Spieler, die aus Protest gegen die Diskriminierung Schwarzer bei der Nationalhymne knieen, nannte er „Hurensöhne“ und forderte die NFL auf, sie zu feuern.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Die Nationalhymne gehört zu jedem Football-Spiel dazu: Zu besonderen Anlässen wird sie von einem Musikstar live gesungen. Die Zuschauer und Spieler im Stadion erheben sich. Manche singen mit. Doch einige Spieler gehen in diesen Minuten bewusst auf die Knie. Sie wollen auf die Rassendiskriminierung aufmerksam machen. Seit gut einem Jahr wird in den USA über diese Form des Protests diskutiert.

Für US-Präsident Donald Trump handeln die knieenden Football-Spieler respektlos. Trump wendete sich gestern auf einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Alabama an die Klubchefs der Football-Profiliga NFL. Diese sollten die protestierenden Spieler entlassen. Vor seinen feiernden Anhängern polterte Trump: „Würden Sie nicht gerne hören, dass einer der Bosse der National Football League sagt, wenn jemand unsere Flagge nicht respektiert: ‚Nehmt diesen Hurensohn sofort vom Feld! Er ist gefeuert!‘?“ Und weiter: „Dies ist eine totale Respektlosigkeit gegenüber unserer Tradition und gegenüber allem, für das wir stehen.“

Welle des Protests

Begonnen hat der ungewöhnliche Hymnen-Protest vor gut einem Jahr. Quarterback Colin Kaepernik, damals bei den San Francisco 49ers, weigerte sich zu stehen. Dafür erntete der prominente Spieler viel Kritik. Weitere Spieler, auch anderer Teams, folgten seinem Beispiel. Derzeit ist Kaepernik vereinslos.

Trump will dieses Verhalten stoppen und ruft zum Boykott auf. „Auch wenn es nur ein Spieler ist – verlasst das Stadion! Ich garantiere euch, diese Dinge werden dann aufhören. Steht einfach auf und geht.“

NFL verurteilt Trump-Äußerungen

Die Football-Profiliga NFL reagierte mit scharfen Worten. Trumps Aussagen seien spalterisch und respektlos, heißt es in einem offiziellen Statement, das die NFL per Twitter veröffentlicht hat.

Korrespondent




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Liam Gallagher solo: „Ich kann jederzeit ein Arsch sein“

Tagesthemen über Liam Gallagher: „Ich kann jederzeit ein Arsch sein“ | tagesschau.de

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Stand: 24.09.2017 00:27 Uhr

Zusammen mit seinem Bruder Noel feierte Liam Gallagher mit Oasis Riesenerfolge. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, die Brüder heillos zerstritten. Nun war Liam mit seinem Solo-Projekt beim Hamburger Reeperbahn-Festival. Ob er altersmilde geworden ist? Eher nicht.

Von Ralph Baudach, NDR

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Tagesthemen: Gibt es Überraschungen am Wahlabend?

Tagesthemen-Interview: Gibt es Überraschungen am Wahlabend? | tagesschau.de

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Stand: 24.09.2017 00:20 Uhr

Könnte es bei der Bundestagswahl zu Überraschungen wie beim Brexit oder der US-Wahl kommen? ARD-Wahlexperte Schönenborn sieht in den Umfrageergebnissen die Größenverhältnisse zwischen den Parteien gut abgebildet, kleine Abweichungen hält er jedoch für möglich. Überraschend ist, welche Themen die Menschen bei der Wahl interessieren.

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