Oppositionsführer in Kambodscha festgenommen

Vorwurf des Landesverrats: Oppositionsführer in Kambodscha festgenommen | tagesschau.de

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Stand: 02.09.2017 23:03 Uhr

Der kambodschanische Oppositionsführer Kem Sokha ist festgenommen worden. Die Regierung wirft ihm Verrat vor. Im kommenden Jahr stehen Wahlen an. Die Opposition wollte dabei den seit mehr als drei Jahrzehnten amtierenden Regierungschef herausfordern.

Die Regierung in Kambodscha hat Oppositionsführer Kem Sokha wegen Landesverrats festnehmen lassen. Es gebe Beweise, wonach er sich mit ausländischen Mächten gegen seine Heimat verschworen habe, hieß es in einer Erklärung. Seine Tochter sagte, mehr als 100 Polizisten hätten in der Nacht das Haus ihres Vaters gestürmt und ihn in Handschellen abgeführt. Einen Haftbefehl hätten sie nicht gehabt.

Autoritärer Regierungschef

Kem Sokha ist Vorsitzender der Nationalen Rettungspartei Kambodschas, seit der ins Exil geflüchtete Oppositionsführer Sam Rainsy im Februar von dem Posten zurückgetreten war. Der autoritär regierende Ministerpräsident Hun Sen ist in Kambodscha seit mehr als 30 Jahren an der Macht. Ihm und seiner Regierungspartei wird immer wieder vorgeworfen, politische Gegner gezielt mundtot zu machen, besonders im Vorfeld von Wahlen.

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Die nächste steht im kommenden Jahr an. Die Spannungen in dem südostasiatischen Land haben zuletzt zugenommen.

Sam Rainsy war zurückgetreten, weil die Regierung ein Gesetz plante, demzufolge Parteien aufgelöst werden können, wenn ihre Vorsitzenden Vorstrafen haben. Das hätte dann mit Sam Rainsys Nationaler Rettungspartei passieren können, denn er war wegen Verleumdung zu zwei Jahren Haft verurteilt worden und ging nach Frankreich ins Exil, um dieser Strafe zu entgehen.

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Porträt: Wofür steht Richard Grenell?

Der konservative Außenpolitik-Experte Richard Grenell soll Trumps neuer Mann in Berlin werden. Bevor es losgeht, muss der Senat die Personalie noch bestätigen. Doch wofür steht der Fox-News-Kommentator – und was können die Deutschen von ihm erwarten?

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Für die Zuschauer des konservativen Senders „Fox News“ ist Richard Grenell ein bekanntes Gesicht: Er ist dort regelmäßig als außenpolitischer Experte zu sehen. Im Wahlkampf unterstützte Grenell frühzeitig Donald Trump – und jetzt lobt er dessen Außenpolitik überschwänglich.

In einem Gespräch bei „Fox News“ über Nordkorea sagte er zum Beispiel: „Die Medien konzentrieren sich auf militärische Aspekte, aber es ging wenig um die großartigen diplomatischen Bemühungen. Präsident Trumps Diplomatie mit anderen Ländern ist phänomenal und effektiv – weil er eine glaubhafte militärische Drohgebärde hat. Nicht einfach nur eine Drohung, sie ist glaubhaft. Das ist Diplomatie mit Muskeln, darauf haben wir gewartet.“

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Erfahrung bei den UN

Für Grenell hat Trump das, was Ex-Präsident Barack Obama fehlte: Eine kraftvolle Außenpolitik. Grenell kritisierte zum Beispiel den Atom-Deal mit Iran, den Obama abgeschlossen hatte. Beteiligt war auch Deutschland. Kritisch sieht Grenell auch Russland und die Ukraine-Politik von Präsident Wladimir Putin. Er verlangte, dass die USA Waffen an die Ukraine liefern.

Grenell ist 50 Jahre alt. Seine diplomatischen Erfahrungen hat er bei den Vereinten Nationen gesammelt. Ex-Präsident George W. Bush ernannte ihn 2001 zum Sprecher der amerikanischen Delegation. Er diente vier amerikanischen UN-Botschaftern, besonders eng soll er mit John Bolton zusammen gearbeitet haben, der als besonders konservativ gilt.

Streitpunkt Homosexualität

Bei Konservativen stoßen Grenells außenpolitische Ansichten auf große Zustimmung – allerdings sind nicht alle mit seinem Privatleben einverstanden. Grenell steht offen zu seiner Homosexualität. Er bezeichnete die Ehe für alle als Sieg der Konservativen – weil sie dafür seien, dass sich der Staat nicht in das Privatleben seiner Bürger einmischen dürfe.

Viele Konservative sehen das anders. Als Mitt Romney im Wahlkampf 2012 Grenell als außenpolitischen Berater anheuerte, gab es eine Debatte über seine Sexualität. Im Sender „National Public Radio“ sagte er: „Ich fühle mich gut als Schwuler und als Konservativer. Wenn man versucht, einem Politiker in allen Fragen zuzustimmen, dann ist man selbst der Politiker. Die meisten erkennen, dass man Prioritäten setzen muss. Es gibt viele komplizierte Fragen. Wenn man wählt, entscheidet man, wer am besten die eigene Weltsicht repräsentiert.“

In der Trump-Regierung war Grenell schon für mehrere Botschafter-Posten im Gespräch, unter anderem als UN-Botschafter oder als NATO-Botschafter. Bei beiden Positionen wurde er übergangen, beim NATO-Botschafter-Posten soll er am Widerspruch von Außenminister Rex Tillerson gescheitert sein.

Trump erneut in Houston: Diesmal mit Empathie

Trump besucht Houston: Diesmal mit Umarmung und Shake-Hands | tagesschau.de

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Stand: 02.09.2017 20:45 Uhr

Nach seinem ersten Besuch im Katastrophengebiet musste US-Präsident Trump viel Kritik einstecken, weil er keine Opfer getroffen hatte. Deshalb reiste er nun erneut nach Houston, um mit den Menschen zu sprechen. Derweil werden Überschwemmungen in Giftmüll-Lagerstätten gemeldet.

US-Präsident Donald Trump ist zu seinem zweiten Besuch in der vom Tropensturm „Harvey“ schwer getroffenen Metropole Houston angekommen. Im NRG Stadion schüttelte der Präsident Hände und sprach mit Betroffenen. Dann halfen er und Melania bei der Ausgabe von Essen.

Trumps erste Visite am Dienstag hatte ausschließlich dem Ablauf und der Organisation von Hilfsaktionen gegolten. Es gab keinerlei persönliche Kontakte mit Flutopfern. Das hatte viel Kritik ausgelöst. So hatte etwa der ehemalige Sprecher von Ex-Präsident George Bush, Ari Fleischer, bemängelt: „Bei dem, was Trump gesagt hat, fehlte es  an Anteilnahme für die Menschen, die leiden“. 

Minister und Melania dabei

Er will sich in der Stadt mit weiteren Flutopfern und freiwilligen Helfern treffen. Begleitet wurde Trump von seiner Frau Melania und einer Reihe von Kabinettsmitgliedern, darunter Bildungsministerin Betsy DeVos und David Shulkin, Minister für Veteranenangelegenheiten. Anschließend will Trump nach Louisiana weiterreisen. Der Bundesstaat ist ebenfalls vom Sturm getroffen worden.

Mindestens 42 Menschen kamen durch die Katastrophe ums Leben. Während in Houston die Fluten allmählich zurück gehen, steht das Wasser andernorts noch meterhoch. Die US-Regierung plant mit rund 6,6 Milliarden Euro Nothilfe für die Katastrophenregion.

Überflutung in Giftmülllager

Derweil wurde bekannt, dass bei den Überschwemmungen in Texas sind auch mehrere Giftmüll-Lagerstätten unter Wasser gesetzt wurden. In den sogenannten Superfund-Lager im Großraum Houston drohen gefährliche und potenziell giftige Stoffe freigesetzt zu werden, befürchten Experten. Die für diese Lagerstätten zuständige Umweltschutzbehörde EPA erklärte, man müsse mit einer Bewertung warten, bis das Wasser zurückgehe.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. September 2017 um 20:00 Uhr.

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Deutsche Volleyballer erstmals im EM-Finale

Dabei hatte die DVV-Auswahl nach dem zweiten Satz schon wie der sichere Verlierer ausgesehen. Im ersten Satz konnten sich die Deutschen trotz eines zwischenzeitlichen Sieben-Punkte-Rückstands vor 8336 Zuschauern in Krakau nochmal herankämpfen und ausgleichen. Trotzdem ging der Durchgang 24:26 verloren.

DVV-Auswahl muss immer wieder Rückstände aufholen

Der zweite Satz war dann eine klare Angelegenheit. Die Serben führten schnell 10:5, ehe die DVV-Auswahl auf 11:12 herankam. Doch dann brachen die Deutschen plötzlich völlig ein. Serbien sicherte sich auch den zweiten Durchgang, dieses Mal sehr deutlich mit 25:15.

Und auch der dritte Satz begann nicht gut, Deutschland lag gleich wieder zurück. Doch dieses Mal ließ sich das Team davon nicht aus der Ruhe bringen und blieb dran. Nach dem 10:10-Ausgleich gelangen den Deutschen weitere sieben Punkte in Folge. Am Ende des Durchgangs hieß es 25:18 – und nach Sätzen nur noch 1:2.

Zwei Matchbälle für Serbien im vierten Satz

Plötzlich war die Partie wieder offen – und der vierte Satz wurde eine Nervenschlacht. Kein Team konnte sich absetzen. Punkt vor, Ausgleich, Punkt vor, Ausgleich: So ging es bis zum 25:25. Die Deutschen wehrten dabei zwei Matchbälle ab, ehe sie selbst ihren ersten Satzball zum 27:25 nutzten – nach Sätzen stand es 2:2.

Der fünfte Satz musste entscheiden – und der war wieder nichts für schwache Gemüter. Erneut wechselte die Führung dauernd. Erst beim 10:8 konnten sich die Serben einmal zwei Punkte absetzen. Doch die Deutschen ließen nicht locker und hatten beim Stand von 14:12 ihrerseits die ersten beiden Matchbälle. Den ersten vergaben sie, den zweiten verwandelten sie.

„Das ist unglaublich“, sagte Bundestrainer Andrea Giani nach der Aufholjagd seines Teams. „Wir haben unsere Identität gefunden. Ein starker Charakter ist so wichtig und die Mannschaft hat ihn.“ Die deutsche Auswahl spielt nun am Sonntag um 20.30 Uhr im Finale um Gold (ab 20.20 Uhr im Live-Ticker bei sportschau.de).

Thema in Sport aktuell, Deutschlandfunk, Samstag, 02.09.17, 22.50 Uhr


red/dpa
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Stand: 02.09.2017, 18:45

Russland bestellt US-Diplomaten ein

Schließung russischer Vertretungen: Russland bestellt US-Diplomaten ein | tagesschau.de

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Stand: 02.09.2017 17:43 Uhr

Die russische Regierung hat einen US-Diplomaten einbestellt – nach eigenen Angaben, um gegen die geplante Durchsuchung einer russischen Vertretung in Washington zu protestieren. Zuvor hatte Rauch über dem Konsulat in San Francisco für Aufregung gesorgt.

Im diplomatischen Streit mit den USA hat das russische Außenministerium in Moskau einen Vertreter der US-Botschaft einbestellt. Dem stellvertretenden Leiter der US-Vertretung, Anthony Godfrey, sei eine Protestnote überreicht worden, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Grund sei der Plan der USA, die gerade geschlossene russischen Handelsvertretung in Washington zu durchsuchen. Das sei eine „beispiellos aggressive Aktion“.

Dem Ministerium zufolge hatten die USA gedroht, die Eingangstür zum Handelsbüro in Washington aufzubrechen. Wer diese Drohung gemacht haben soll, wurde nicht gesagt. Zudem warf Moskau den USA vor, dass deren Geheimdienste bei einer Durchsuchung „kompromittierende Materialien“ in der russischen Vertretung verstecken könnte.

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Schwarzer Rauch in San Francisco

Die US-Regierung hatte am Donnerstag eine Schließung des russischen Konsulats in San Francisco und der Handelsvertretungen in Washington und New York bis zum heutigen Samstag verlangt. Sie reagierte damit auf die Anordnung aus Moskau, die Zahl der Mitarbeiter an US-Vertretungen in Russland auf 455 zu reduzieren. Auslöser hierfür wiederum war der Beschluss des US-Kongresses über neue Sanktionen gegen Russland gewesen.

Bereits am Freitag hatte in San Francisco schwarzer Rauch für Aufregung gesorgt, der aus dem Kamin des russischen Generalkonsulats aufstieg. Wegen des Qualms rückte die Feuerwehr an, die aber dann nicht eingreifen musste. Was dort kurz vor der angekündigten Schließung verbrannt wurde, ist nicht bekannt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2017 um 17:00 Uhr.

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Bombenentschärfungen: 80.000 Menschen müssen raus

Dass Weltkriegsbomben entschärft werden müssen, passiert öfters. Doch selten sind so viele Anwohner betroffen wie an diesem Wochenende: 80.000. In Koblenz ist die Entschärfung schon geglückt. In Frankfurt/Main steht morgen die größte Evakuierung der Nachkriegsgeschichte an.

In Koblenz ist eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich entschärft worden.. Weil einige Bürger ihre Wohnungen in der Sperrzone erst nach intensiveren Gesprächen verlassen wollten, konnten die Entschärfer erst nach einer Verzögerung mit ihrer Arbeit beginnen. In zwei Fällen hätten Wohnungen vom Ordnungsamt geräumt werden müssen, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Bombe #Karthause. 16.13 Uhr. Ende gut, alles gut. Bombe erfolgreich entschärft. Sperrbezirk aufgehoben. Den Anwohnern gute Heimfahrt

Schließlich sei um 15.25 Uhr das Gebiet für den Kampfmittelräumdienst freigegeben worden. Ursprünglich war geplant, dass die Entschärfung gegen 15.00 Uhr beginnt.

Ein Fünftel der 113.000 Einwohner von Koblenz müssten ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Geräumt wurde eine Sperrzone mit einem Radius von einem Kilometer. Darin leben 21.000 Menschen. In dem Gebiet liegen auch zwei Bahnhöfe, ein Krankenhaus, zwei Altenheime, das Bundesarchiv, Schulen und Kitas sowie das Koblenzer Gefängnis. Dessen Häftlinge waren schon zuvor auf andere Justizvollzugsanstalten verteilt worden. Der 500-Kilogramm-Blindgänger US-amerikanischer Herkunft war am Montag bei Bauarbeiten für einen Kindergarten gefunden worden.

Frankfurt: Größte Evakuierung der Nachkriegsgeschichte

In Frankfurt läuft derzeit mit mehr als 60.000 Betroffenen die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik. Dort soll morgen eine 1,8 Tonnen schwere britische Luftmine unschädlich gemacht werden. In dieser Bombe befinden sich 1,4 Tonnen Sprengstoffinhalt.

„Es gibt Bomben, die sind bedeutend schwerer, haben aber weniger Sprengstoff“, sagt der hessische Kampfmittelräumdienst-Chef Dieter Schwetzler im hr. „Diese Bombe sollte Dächer abdecken, Türen eindrücken und Fenster zerstören. Sie sollte den Weg frei machen für Brandbomben, die hinterher geworfen wurden.“

Aus der 1,5-Kilometer-Sperrzone rund um den Fundort wurden bereits Patienten aus zwei Krankenhäusern verlegt, wie Sprecher von Polizei und Feuerwehr berichteten. Außer dem Bürgerhospital und dem Marienkrankenhaus müssen noch zehn Altenheime geräumt werden. Alle weiteren Bewohner müssen bis morgen Früh um 8 Uhr die Sperrzone verlassen haben. Die Entschärfung der Luftmine ist zwischen 12 und 16 Uhr geplant. Um 20 Uhr soll die Sperrzone wieder freigegeben werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. September 2017 um 17:00 Uhr.

Argentinien: Proteste nach Verschwinden von Indio-Aktivist

Argentinien: Protest nach Verschwinden von Indio-Aktivist | tagesschau.de

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Stand: 02.09.2017 16:55 Uhr

Der argentinische Indio-Aktivist Santiago Maldonado ist seit genau einem Monat verschwunden. Kritiker fürchten, er könnte aus politischen Gründen von staatlichen Sicherheitskräften verschleppt worden sein. Landesweit gingen deshalb Tausende Menschen auf die Straße.

Tausende Argentinier fordern Aufklärung über den Verbleib eines verschleppten Menschenrechtssaktivisten. „Wo ist er?“, riefen Demonstranten unter anderem während einer Kundgebung auf der symbolträchtigen Plaza de Mayo nahe des Regierungssitzes in Buenos Aires. Sie forderten die Regierung auf, Anstrengungen zu unternehmen, den 28-jährigen Santiago Maldonado wiederzufinden.

Auch Prominente, wie der ehemalige Fußballer Diego Maradona oder der Komponist Gustavo Santaolalla, unterstützen die Forderungen der Demonstranten.

Von Sicherheitskräften verschleppt?

Der Handwerker war vor einem Monat nach einem Protest für die Rechte von Mapuche-Indios im Zentrum des Landes verschleppt worden. Seitdem fehlt von dem ihm jede Spur. Laut Zeugenaussagen wurde Maldonado zuletzt gesehen, als er von Sicherheitskräften in dem Ort El Bolsón in der Provinz Río Negro geschlagen wurde.

Die Mapuches kämpfen dort seit Jahren um Land. Das Schicksal von Maldonado rief in dem südamerikanischen Land Angst vor früheren Zuständen hervor. Während der letzten Militärdiktatur (1976-1983) wurden Zehntausende Argentinier von Regimekräften verschleppt. Menschenrechtler sprechen von bis zu 30.000 Verschwundenen.

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Weltspiegel: Grönlands kostbarer Gletscherschlamm

Weltspiegel-Reportage: Grönlands kostbarer Gletscherschlamm | tagesschau.de

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Stand: 02.09.2017 15:36 Uhr

Der Däne Minik Rosing ist ein preisgekrönter Geologe. Doch sein Herzensprojekt klingt skurril: Er forscht, wie Grönland die Schlämme, die beim Auftauen der Gletscher freigelegt werden, nutzen könnte. Denn diese sind unendliche Speicher an mineralischen Nährstoffen.

Von Marc Christoph Wagner


Weitere Reportagen zu Grönland, Alaska und der Arktis am Sonntag um 19.20 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtet der Weltspiegel am 09. September 2017 um 19:20 Uhr.

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BRICS-Gipfel in Xiamen: China gibt den Kurs vor

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika: Das sind die BRICS-Staaten. Bei ihrem Gipfel wollen sie sich als Gegengewicht zu den USA und Europa präsentieren. Doch der Einfluss des Bündnisses ist begrenzt – und nur ein Land hat seine wirtschaftliche Stärke bewahrt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Chinas Außenminister Wang Yi ist dieser Tage als Chef-Promoter des BRICS-Gipfeltreffens unterwegs. Sein Land werde bei dem an diesem Sonntag beginnenden Treffen in Xiamen alles unternehmen, um BRICS in eine glänzende Zukunft zu führen, betonte er am Mittwoch in Peking. China wolle das Bündnis noch größer, stärker und stabiler machen.

Analysten regierungsnaher Thinktanks in China betonen, dass sich BRICS in den vergangenen zehn Jahren bewährt habe. Vor allem Handel und Wirtschaftsbeziehungen hätten profitiert. Zum Verbund gehören neben China Brasilien, Russland, Indien und Südafrika. Die fünf Länder sehen sich und den losen BRICS-Club als Gegengewicht zu den G7-Industrienationen und als Stimme aller Schwellen- und Entwicklungsländer.

Die Partnerländer haben Krisen durchlebt

Nach Auffassung von Klaus Meyer von der „China Europe International Business School“ in Shanghai gibt es de facto aber nur noch einen wirklich gewichtigen Player innerhalb der Gruppe: China. „Wenn man sich die Statistiken ansieht: Vor zehn Jahren, als es mit BRICS losging, waren alle der fünf Staaten treibende Kräfte innerhalb der Szene der Schwellenländer“, sagt er. Seitdem aber hätten außer China alle BRICS-Staaten Krisen erlebt. „Das einzige Land mit wirklich starker wirtschaftlicher Performance ist China.“

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Bilaterale Beziehungen wichtiger als Bündnisse

Die chinesische Wirtschaft wächst inzwischen zwar nicht mehr so stark wie noch vor Jahren, aber schon allein durch die enorme Marktgröße hängt das Land die anderen Staaten in Sachen ökonomische Bedeutung locker ab. Wirtschaftsprofessor Meyer glaubt sogar: Eigentlich bräuchte das Land den Staatenverbund gar nicht, weil es ohnehin immer häufiger den Ton angibt.

„China braucht im Grunde keine Bündnisse wie BRICS“, sagt er. „Außer vielleicht die G20-Gruppe, die hat eine gewisse Bedeutung, wenn es um die Zusammenarbeit mit Industrienationen geht.“ Doch mit Blick auf Chinas wirtschaftlichen Einfluss seien bilaterale Beziehungen zu den einzelnen Schwellenländern wichtiger für das Land.

Ausschließlich positive Meldungen in China

Im Gipfel-Gastgeberland selbst sieht man das naturgemäß anders. Pünktlich zum Treffen in Xiamen werden seit Tagen ausschließlich positive Meldungen zum Thema BRICS verbreitet. Von einem schwindenden Einfluss des Bündnisses könne keine Rede sein, schwärmt zum Beispiel Zhang Yansheng vom China-Zentrum für Internationalen Handel, einem regierungsfreundlichen Thinktank in Peking: „Das Gipfeltreffen in Xiamen wird die zweiten goldenen zehn Jahre für BRICS einläuten.“

In den Ländern des Bündnisses, in denen im Gegensatz zu China Meinungs- und Pressefreiheit herrschen, sind auch differenzierte Stimmen zum Thema zu hören – in Südafrika zum Beispiel. Das Land ist das mit Abstand kleinste Mitglied, was die Bevölkerungszahl und die Wirtschaftsleistung angeht.

Miriam Altman von der Planungskommission der südafrikanischen Regierung nennt BRICS eine „interessante Kombination“ von Staaten. Häufig aber hätten die Mitgliedsländer widersprüchliche Interessen, etwa beim Handel und beim Umweltschutz. „Da stellt sich die Frage: Wo ist die natürliche Verbindung zwischen den BRICS-Staaten, die für die gemeinsamen Interessen sorgt?“

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Auf gemeinsame Interessen konzentrieren

Experte Klaus Meyer glaubt, man werde sich – wie üblich bei solchen Gipfeln – auf die Bereiche konzentrieren, wo es gemeinsame Interessen gibt. Themen, bei denen die Länder unterschiedliche Meinungen haben, werde man einfach ausblenden. „Die Gipfelteilnehmer werden sich zum Freihandel bekennen und zu weltweiten Direktinvestitionen“, sagt er. „Die Probleme, die es zu diesem Thema im Gastgeberland gibt, werden wohl nicht erwähnt. So zum Beispiel die Tatsache, dass sich in China viele internationale Unternehmen unfair behandelt fühlen.“

Grenzstreit zwischen China und Indien

Was den BRICS-Gipfel in Xiamen teilweise überschattet, sind die politischen Probleme der fünf Teilnehmer-Staaten. Brasilien und Südafrika werden von Korruptionsskandalen erschüttert. Russland wird vom Westen wegen seines Verhaltens in der Ukraine-Krise weiter isoliert. Indien und China haben sich in der Himalaya-Region zuletzt heftig um einen ungeklärten Grenzverlauf gestritten, China hatte Indien sogar indirekt mit militärischer Gewalt gedroht.

Erst nach wochenlangem Hin und Her wurde schließlich am Montag verkündet, China und Indien hätten den Grenzstreit entschärft. Beide Seiten reduzieren ihre militärische Präsenz in der umstrittenen Region. Einen Eklat beim Gipfel-Empfang von Indiens Premier Narenda Modi durch Chinas Präsident Xi Jinping wollte man ganz offensichtlich vermeiden.

Myanmar: Tausende Rohingya fliehen nach Bangladesch

Seit militante Rohingyas in Myanmar Polizeistationen überfielen, spitzt sich der Konflikt zwischen Buddhisten und der muslimischen Minderheit weiter zu. Tausende Rohingyas fliehen vor der eskalierenden Gewalt. Sie erzählen von Mord, Folter und Vergewaltigungen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Wut und Tränen – Szenen der Verzweiflung ganz oben im Norden Myanmars an der Grenze zu Bangladesch. Frauen mit ihren Kindern, erschöpft und schmutzig von dem langen Fußmarsch aus der Unruheprovinz Rakhine, werfen sich schluchzend vor den Grenzsoldaten aus Bangladesh in den Staub.

Die blicken – ihr Sturmgewehr fest im Griff – betreten und starr an den Flüchtlingen vorbei. „Bitte schickt uns nicht zurück“, fleht eine, „wenn ihr uns zurückschickt, werden wir alle getötet. Dann erschießt uns lieber gleich hier, das ist gnädiger“.

„Allah, bitte rette die Rohingya-Muslims“

In stetem Strom ziehen sie aus dem ärmsten Teil Myanmars Richtung Grenze: In Lumpen gehüllte Frauen, Kinder und Männer, die mit ihrer Habe in Säcken auf dem Kopf barfuß durch den Matsch stapfen. Rohingya, die Angehörigen der muslimischen Minderheit im überwiegend buddhistischen Myanmar sind auf der Flucht vor der Armee und buddhistischen Mönchen.

„Allah, bitte rette die Rohingya-Muslims! Bitte Allah, sie sind in großer Gefahr, die Buddhisten töten unsere Leute, bitte rette sie!“, fleht eine Frau.

Sie berichten von Mord, Folter, Vergewaltigungen und in Brand gesetzten Dörfern. Nachprüfen lassen sich die Berichte nicht. Die Armee Myanmars verweigert Journalisten den Zutritt zur Rakhine-Provinz. Doch viele Flüchtlinge haben Schussverletzungen.  

Zehntausende Rohingya in Bangladesch

Vergangene Woche hatte ein UN-Bericht die Armee wegen ihres Umgangs mit den Rohingya kritisiert und vor Radikalisierung gewarnt – einen Tag nach seiner Veröffentlichung griffen Rohingya-Aktivisten Polizeistationen an. Es war der Auftakt zu einer neuen Welle der Gewalt.

Immerhin 27.000 Rohingya hatten es bist Freitag über die Grenze nach Bangladesch geschafft, die UN sprechen inzwischen sogar von 60.000. Sie vegetieren dort in armseligen Lagern. Auch hier sind sie unerwünscht. Die Regierung Bangladeschs warnt vor einer humanitären Katastrophe. Allein in den vergangenen Tagen wurden Dutzende Leichen aus dem Meer gefischt – Rohingya die in Nussschalen die Flucht auf die unruhige See gewagt haben.

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Wo ist Aung San Suu Kyi?

Angeführt von buddhistischen Mönchen in karmesinroten Roben demonstrieren in Myanmars größter Stadt Rangun derweil Tausende gegen die muslimische Minderheit. „Schützt Rakhine“ steht auf ihren Transparenten. Ein Mönch fordert unter dem Beifall der Menge vom burmesischen Militär mehr Härte gegen die Rohingya.

Und was tut Aung San Suu Kyi, die Friedensnobelträgerin, Ikone der Demokratie, Vorkämpferin der Menschenrechte? Sie schweigt. Man kann das als Desinteresse interpretieren oder machttaktisches Kalkül. Oder als Zeichen, dass in der jungen Demokratie immer noch die Armee die heimliche Herrscherin ist.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2017 um 12:40 Uhr.