Heizung falsch montiert: Wasserschaden in der Elbphilharmonie

Stand: 02.09.2017 13:55 Uhr

Im Foyer des Kleinen Saals der Elbphilharmonie ist Heizungswasser ausgelaufen und nun stehen aufwendige Sanierungsarbeiten an. Zu dem Schaden war es bereits Ende April gekommen, betroffen ist das Foyer samt Garderoben und Gastronomie. Nun müssen wohl Mauer- und Bodenteile herausgerissen werden, der gesamte Fußboden erneuert und der Estrich neu gegossen werden. “Ende November könnten die Arbeiten fertig sein”, sagte Enno Isermann, Sprecher der Hamburger Kulturbehörde, am Sonnabend zu NDR 90,3 und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der “Bild”-Zeitung.




Wasserschaden im Foyer des Kleinen Saals

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In der Elbphilharmonie stehen wegen eines schweren Wasserschadens Sanierungsarbeiten an. Möglicherweise müssen Konzerte im Kleinen Saal ausfallen.

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Wasser konnte ausfließen

Verursacht wurde der Wasserschaden laut Isermann durch einen nicht ordnungsgemäß montierten Heizkörper im Nebenraum des Kleinen Saals. Große Mengen Wasser konnten ausfließen und sich auf einer Fläche von etwa 300 Quadratmetern verteilen. Es kroch in Wände, Mauern und in den Fußboden.

Nachdem der Schaden entdeckt wurde, lief während der Sommerpause der Elbphilharmonie sechs Wochen lang jede Nacht ein Trocknungsgebläse. Anschließend prüften Fachleute, ob sich in Folge des Wasserschadens irgendwo Schimmel gebildet hatte. Das war der Fall und deswegen muss der Fußboden von Grund auf erneuert und die Wände wieder hergerichtet werden. Die Schimmelbelastung sei laut Isermann inzwischen aber bereits beseitigt worden.

Versicherung übernimmt die Kosten

Die Kosten für die Beseitigung des Schadens sollen im siebenstelligen Bereich liegen und werden von der Versicherung übernommen, sagte der Sprecher der Kulturbehörde. Die falsche Montage des Heizkörpers sei offenbar menschliches Versagen, für Sabotage gebe es bisher keinen Hinweis.

Im Kleinen Saal könnten eventuell Konzerte ausfallen, sagte Isermann zu NDR 90,3. Das werde aber wohl nur wenige Konzerte betreffen. “Hamburg Musik wird die entsprechenden Gäste schon bald persönlich kontaktieren.” Kommende Woche soll dazu mehr bekannt gegeben werden.

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01.09.2017 19:00 Uhr

NDR Elbphilharmonie Orchester

Beethoven steht im Mittelpunkt der Opening Night des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Mit dabei: Schauspieler Klaus Maria Brandauer, Katharina Konradi und Víkingur Ólafsson.
Video (113:16 min)

Die Sommerpause ist für die Elbphilharmonie vorbei. Großartige Künstlerinnen und Künstler, Solisten und große Orchester stehen auf dem Programm der neuen Saison. Dies sind die Highlights. (01.09.2017)
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Leicht wird der zweite wichtige Ort in der Elbphilharmonie vergessen: der Kleine Saal. Bevor am 12. Januar das “Ensemble Resonanz” diesen wichtigen Konzertraum eröffnet, sind starke Nerven nötig. (28.12.2016)
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02.09.2017 | 13:00 Uhr

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Vor Dieselgipfel im Kanzleramt: Kommunen fordern mehr Geld

Die Kanzlerin lädt zum zweiten Dieselgipfel: Am Montag kommen Vertreter aus mehr als 30 Städten ins Kanzleramt, um eine Lösung für die dreckige Luft zu finden. Um Fahrverbote zu vermeiden, fordern sie mehr Geld. Das könnte in Busse, Bahnen oder Radwege fließen.

Städte mit besonders hoher Luftverschmutzung fordern eine stärkere Unterstützung vom Bund im Kampf für weniger Diesel-Abgase. Darüber beraten Gemeindevertreter am Montag mit der Kanzlerin, die vier Wochen nach dem ersten Dieselgipfel mit der Autobranche zu dem Thema zusammenkommen. Schon im voraus ist klar: Es geht ums Geld.

“Tropfen auf den heißen Stein”

Der beim ersten Dieselgipfel beschlossene “Mobilitätsfonds” von 500 Millionen Euro sei “nur ein Tropfen auf den heißen Stein”, so der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindesbundes in der “Passauer Neuen Presse”. Der Forderung nach einer höheren Summe schließen sich viele der Bürgermeister an, die wegen erhöhter Stickoxidwerte in ihren Kommunen am Montag ins Kanzleramt geladen sind.

Die Mittel seien “ein erster guter Schritt”, so die Städtetagspräsidentin und Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen, Eva Lohse, in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Allerdings sollte hier noch einmal nachgelegt werden, “am besten gemeinsam von Bund, Ländern und Automobilindustrie”. Gemeinsam lasse sich eine größere Wirkung im Sinne einer nachhaltigen Verkehrspolitik erzielen. Mit dem Geld könne man den Verkehr flüssiger und öffentliche Verkehrsmittel attraktiver machen. Zwar wollten die Städte Fahrverbote vermeiden, so Lohse. Wenn die Grenzwerte aber weiter nicht eingehalten würden, sei zu befürchten, dass Gerichte von einzelnen Städten Fahrverbote verlangen könnten.

“Mehr als gute Worte”

“Ich erhoffe mir, dass der Bund die Kommunen mit der Problematik nicht allein lässt”, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer der dpa. Wesentliche rechtliche und technische Fragen könne nur der Bund lösen. “Und wir brauchen mehr finanzielle Unterstützung, damit wir Mobilität umweltfreundlicher gestalten können.” Ein Stadtsprecher aus dem baden-württembergischen Reutlingen erwartet “mehr als gute Worte”: Benötigt werde Geld für den Ausbau des Stadtbusnetzes, die Umstellung auf Batteriebusse oder den Radverkehr.

Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch erwartet ebenfalls klare Hilfezusagen für die betroffenen Kommunen. Hamburg habe dafür “eine Vielzahl von Vorschlägen erarbeitet, die wir bei dem Treffen vortragen werden”, sagte er dpa. Er wirbt zum Beispiel für ein nationales Investitionsprogramm für Mobilität. Kostenpunkt: fünf Milliarden Euro pro Jahr.

Das wird teuer

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks rief zu gemeinsamen Anstrengungen für saubere Luft auf. Um Fahrverbote zu vermeiden, müssten Autobranche, Städte, Bund und Länder an einem Strang ziehen. Die Hersteller müssten “endlich ihre Altfahrzeuge richtig sauber machen”. Kommunen und Länder müssten die Weichen in Richtung Verkehrswende stellen und der Bund müsse sie unterstützen. Jedem müsse klar sein, dass das Milliardeninvestitionen erfordere.

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Neben den Gemeindevertretern und Kanzlerin Merkel nehmen an dem Treffen am Montag auch Vizekanzler Sigmar Gabriel und mehrere Bundesminister teil. Aus den Ländern werden die Ministerpräsidenten Horst Seehofer, Winfried Kretschmann und Stephan Weil erwartet.

Nordkorea-Konflikt: Merkel sieht Iran-Abkommen als Vorbild

Mit dem Abschuss einer Rakete über Japan hat sich der Konflikt um das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas weiter verschärft. Kanzlerin Merkel hat nun erneut eine diplomatische Lösung angemahnt – und nannte als Beispiel das Abkommen mit dem Iran.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht im Atomabkommen mit dem Iran ein Vorbild für ein mögliches Vorgehen im Nordkorea-Konflikt. In ihrem wöchentlichen Video-Podcast sagte sie, sie sei der festem Überzeugung, dass die Situation diplomatisch gelöst werden müsse. Die Raketentests in Nordkorea hätten zu einer sehr schwierigen Situation geführt, die “uns noch mehr anspornen muss, Abrüstungsbemühungen in Gang zu setzen.”

Dabei müsse die NATO zusammenstehen, auch Russland habe eine entscheidende Rolle. Durch gemeinsame Diplomatie sei es etwa gelungen, nach jahrelangen Verhandlungen ein Abkommen mit dem Iran abzuschließen. “Ähnliche Aktivitäten müssen wir jetzt auch im Blick auf Nordkorea entwickeln.”

Weitere Eskalation durch Mittelstreckenrakete

Das von Deutschland mit ausgehandelte internationale Atomabkommen von 2015 sieht eine Einschränkung des iranischen Nuklearprogramms vor. Es soll verhindern, dass der Iran Atomwaffen baut. Im Gegenzug wurden internationale Sanktionen gegen das Land aufgehoben.

Nordkorea hatte am Dienstag eine Mittelstreckenrakete abgeschossen, die über Japan flog und östlich der Halbinsel Hokkaido im Pazifik landete. Dies wurde international als weitere Eskalation des Konflikts gewertet, in dem das abgeschottete Nordkorea den USA bereits mit einem Atomschlag auf das US-Außengebiet Guam gedroht hat.

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Südkorea will Verteidigungsfähigkeit ausbauen

Angesichts der Verschärfung des Konflikts haben die USA und Südkorea beschlossen, ihr Raketenabkommen zu überarbeiten. Südkoreas Präsident Moon Jae In und US-Präsident Donald Trump hätten sich bei einem Telefongespräch am Freitag unter anderem prinzipiell darauf geeinigt, die Beschränkungen südkoreanischer Raketenkapazitäten zu lockern, teilte das südkoreanische Präsidialamt mit.

Südkorea will seine Verteidigungsfähigkeit ausbauen. Unter dem bestehenden bilateralen Abkommen dürfen die von dem Land entwickelten Raketen eine Reichweite von 800 Kilometern haben und eine Traglast von 500 Kilo. Diese will die Regierung in Seoul nun erhöhen.

Reaktion auf Pöbel-Fans: DFB-Team verweigert Gang in Fan-Kurve

Demonstrativ distanzierten sich die Nationalspieler von rund 200 Pöbel-Fans, die mit rechten Parolen und verbalen Entgleisungen gegen den Deutschen Fußball-Bund und einige seiner Stars wie Torschütze Timo Werner gehetzt hatten. Der schon in den 90 Spielminuten sportlich herausragende Münchner Hummels, der kurz vor dem Abpfiff mit seinem Kopfballtreffer die makellose Bilanz des Teams von Joachim Löw in der WM-Qualifikation erhalten hatte, wählte drastische Worte.

Nazi-Gesänge nicht noch bejubeln

“Katastrophe! Ganz schlimm! Das fing ja schon bei der Schweigeminute an. Da gab es schon ein schlechtes Verhalten von einigen. Timo Werner wird beleidigt, bepöbelt. Dann fangen die Fans an, diesen Scheiß zu rufen. Da distanzieren wir uns komplett davon”, erklärte der Bayern-Profi.

“Wenn du Gesänge hörst mit nationalsozialistischem Hintergrund, braucht man sich nicht zu wundern, dass wir das nicht bejubeln. Wir waren uns alle einig, dass wir da jetzt nicht noch in die Kurve gehen und das noch unterstützen”, sagte der Leverkusener Julian Brandt. Die Hooligans hatten ihre Eintrittskarten nicht über den offiziellen Verkaufsweg des DFB bezogen, berichtete Teammanager Oliver Bierhoff. Sie standen in einem direkt angrenzenden Zuschauerblock.

“Sind keine Fans”

“Das sind keine Fans, das sind Krawallmacher, Hooligans”, urteilte Hummels. Der 28-Jährige hofft auf Konsequenzen für diese Leute, die den Fußball selbst kaputt machten und das wissentlich. “Man muss einfach schauen, dass man sie aus dem Stadion rauskriegt.” Hummels tat der Verzicht auf den Gang in die Fankurve leid für die echten Fans, bei denen sich das Team nicht für die Unterstützung bedanken konnte. “Es war so weit daneben, es stand nicht zur Diskussion, dass man noch hingeht”, erklärte Hummels.

Mit Blick auf das anstehende Heimspiel in Stuttgart gegen Norwegen äußerte er sich hoffnungsvoll: “Ich bin mir sehr sicher, dass es am Montag anders ausschaut.” Dann soll auch das deutsche Spiel wieder mehr fußballerischen Glanz ausstrahlen. Denn in Prag wurde mit dem siebten Sieg im siebten Spiel der Qualifikation nur das vorrangige Ziel der ersten Dienstreise in der WM-Saison erreicht.


sid/dpa
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Stand: 02.09.2017, 11:16

Bombenentschärfung in Frankfurt: 60.000 Einwohner betroffen

Am Tag vor der Entschärfung einer Weltkriegsbombe in Frankfurt ist die größte Evakuierung in der Geschichte der Bundesrepublik angelaufen. Patienten aus zwei Kliniken und Altenheim-Bewohner werden als erste in Sicherheit gebracht. Die Polizei verteilt Flyer in der Sperrzone.

Ein Großteil der Patienten des Bürgerhospitals und des Marienkrankenhauses wird am Samstag in eine andere Klinik gebracht. Das berichteten Sprecher von Polizei und Feuerwehr. “Bislang gab es keine Probleme”, sagte ein Polizeisprecher.

Da einige Patienten nur liegend transportiert werden können, ist das für die Hilfsorganisationen sehr aufwändig. Die komplette Evakuierung des Bürgerhospitals mit 320 Betten soll bis Samstagabend perfekt sein. Die Chancen, dass das klappt, stehen gut. “Wir haben bisher keinen einzigen Fall, wo es Reibereien oder Unverständnis gab”, sagte der Ärztliche Direktor Oliver Schwenn.

Weitere Informationen

Service für betroffene Bürger

  • Bürgertelefon: 069/212111
  • Alternativ zum Bürgertelefon für Fragen rund um die Evakuierung: 115 (Sa. und So., 8-18 Uhr)
  • Infotelefon Bürgerhospital:  069/1500-5929 (Patienten), 069/1500-5930 (Schwangere)
  • Infotelefon Marienkrankenhaus:  069/79390
  • Feuerwehr hier, Polizei hier.

Ende der weiteren Informationen

Wegen der Entschärfung einer Weltkriegsbombe im Frankfurter Westend müssen bis Sonntag 8 Uhr mehr als 60.000 Bürger ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Die zu entschärfende Luftmine enthält 1.400 Kilogramm Sprengstoff.

Frühchen werden im Inkubator verlegt

Die Evakuierung betrifft auch Frühchen der größten hessischen Neugeborenenstation im Bürgerhospital. Diese werden in ihrem Inkubator in andere Kliniken verlegt. “Das ist für die Babys aber keine physische Belastung”, betonte der Ärztliche Direktor Schwenn. Betroffen ist zudem ein Zentrum für Risiko-Schwangerschaften.

Auch Intensivpatienten, die beatmet werden müssen und todkranke Menschen, die palliativmedizinisch versorgt werden, müssen in andere Kliniken gebracht werden.


Evakuierung Frankfurt Marienkrankenhaus
Leere OPs, leere Patientenzimmer: Das Marienkranenhaus in Frankfurt soll bis Samstagabend geräumt sein.
Bild © Dernehl/hr

Polizei will Einbrecher abschrecken

Außer den beiden Krankenhäusern müssen noch zehn Altenheime im Sperrbezirk geräumt werden. Das berichtete der Ärztliche Leiter des Pflegedienstes, Leo Latasch. Mindestens 100 Menschen müssten liegend und etwa 300 bis 400 sitzend transportiert werden, sagte er weiter. Dies sei ein immenser logistischer Aufwand.

Einige Anwohner werden vermutlich bereits am Samstagabend ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Die Frankfurter Feuerwehr rät via Twitter, das Zuhause “urlaubsreif” zu verlassen. Das bedeutet: Fenster geschlossen halten, Rolläden runter und Eingangstüren abschließen.

Damit Einbrecher und andere Kriminelle die Situation nicht ausnutzen können, will die Polizei im Vorfeld der Entschärfung mit mehr Kräften als sonst in den betroffenen Stadtteilen unterwegs sein. Zudem warfen Polizisten Flyer in die Briefkästen in der Evakuierungszone.


Am besten hinterlassen Sie Ihre Wohnung so, wie Sie es tun, wenn Sie in den Urlaub fahren. Unsere
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Für den Tag der Bombenentschärfung werden zudem zwei Hallen auf dem Frankfurter Messegelände, die Jahrhunderthalle und die Fraport-Arena im Stadtteil Höchst vorbereitet: Hier können bis zu 6.500 Menschen Unterschlupf finden, die während der Entschärfung nicht woanders unterkommen können.

Falls der Platz dort nicht ausreicht sollen noch einige Turnhallen und Bürgerhäuser geöffnet werden. Wer seine Wohnung nicht aus eigener Kraft verlassen kann oder Hilfe beim Transport benötigt, kann sich ebenfalls schon heute an ein Bürgertelefon wenden.

Evakuierung ab 6 Uhr morgens

Um 6 Uhr am Sonntag soll dann die Evakuierung der Sperrzone mit einem Radius von eineinhalb Kilometern beginnen. Das wird auch zu Behinderungen im Straßenverkehr und dem öffentlichen Nahverkehr sorgen. Die Entschärfung der Luftmine ist zwischen 12 und 16 Uhr geplant. Um 20 Uhr soll die Sperrzone wieder freigegeben werden.


Bombenfund Frankfurt Karte
Im Radius von etwa 1,5 Kilometer um den Fundort der Bombe soll evakuiert werden.
Bild © hessenschau.de

Der Zeitplan kann laut des Frankfurter Sicherheitsdezerneten Markus Frank (CDU) nur eingehalten werden, wenn die Anwohner mitspielen. “Wir können erst anfangen, wenn keine Menschen mehr in dem Radius sind”, sagte er. Wen die Polizei nach 8 Uhr noch in der Sperrzone antrifft, dem erteilt sie einen Platzverweis – oder nimmt ihn gleich mit.

Weitere Informationen

hr-Berichterstattung am Sonntag

Auch der hr muss sein Gelände komplett räumen. Die Berichterstattung über Evakuierung und Bombenentschärfung ist aber gewährleistet. Dazu weicht der hr auf die Studios in Kassel, Wiesbaden und Darmstadt aus. Außerdem sind in Frankfurt Übertragungswagen im Einsatz.

  • Liveticker und Livestream bei hessenschau.de ab dem frühen Sonntagmorgen.
  • Das hr-fernsehen sendet am Samstagabend von 20.15 Uhr an ein “Hessen Extra”. Sonderprogramm ab Sonntag 6 Uhr aus dem Übertragungswagen in Frankfurt.
  • Stets aktuelle Infos über die Lage in Frankfurt bietet auch der Hörfunk. hr-iNFO beginnt am Sonntag um 6 Uhr mit seinem Live-Programm. Gesendet wird aus dem Studio in Kassel. Von dort präsentieren erstmals in ihrer Geschichte hr1, hr3 und hr4 ein gemeinsames Programm.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hessenschau,  02.09.2017, 19:30 Uhr

Monsun in Südasien: “Aus der letzten Flut nichts gelernt”

Das Rote Kreuz spricht von den schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten: In Südasien steigt die Zahl der Todesopfer immer weiter, die Fluten haben Häuser und Existenzen zerstört. Kritiker geben den Behörden eine Mitschuld an der Katastrophe.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

In Janakpur, im Süden Nepals, stehen die Leute Schlange. Sie warten darauf, etwas zu essen zu bekommen. Rajeeb Sada war schon an der Reihe. “Wir haben nur zwei Kilo Reis bekommen, ein Zelt und ein paar Klamotten”, sagt er. Aber das Problem sei sein Haus. “Es ist völlig zerstört von den Fluten. Nicht alle Menschen hier bekommen Hilfe. Wir kommen jetzt über die Runden, aber wir brauchen Unterstützung, um unser Haus wieder aufzubauen.”

Zeitweise stand ein Drittel des gesamten Landes in Nepal unter Wasser. Hier gehen die Fluten langsam zurück, aber die Katastrophe ist für die Menschen noch nicht vorbei. Wie in Nepal ergeht es derzeit mehr als 40 Millionen Menschen in Südasien, denn in Indien, Pakistan und Bangladesch brachte der Monsun in diesem Jahr besonders große Wassermengen.

“Wie sollen wir jetzt überleben?”

Es seien die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten in Südasien, sagt das Rote Kreuz. Millionen Menschen haben ihre Hütten oder Häuser auf dem Land verloren und stehen vor dem Nichts. “Wir hoffen auf Hilfe”, sagt eine Bauersfrau aus Bihar, das im Nordosten Indiens liegt. “Wir gehen unter, unsere gesamte Ernte ist hinüber. Wie sollen wir jetzt überleben?”

Millionen Quadratmeter Felder sind einfach weg geschwemmt. In Bangladesch steigen bereits die Preise für Lebensmittel. Die meisten Todesopfer gibt es in Indien, hier sind und waren sechs Bundesstaaten von den Fluten betroffen. Auch Mumbai lag komplett unter Wasser diese Woche. Der Umweltschützer Debi Goenka aus der Finanzmetropole in Indien ist sauer: “Es scheint als hätten wir aus der letzten großen Flut nichts gelernt. Sie sprechen von Entschlammungsanlagen, davon, Flüsse zu vertiefen oder zu erweitern, sie reden von Kontrollzentren und Pumpstationen. Aber nichts passiert, hier sind alle korrupt und nicht effizient.”

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Vor allem viele arme Gegenden sind betroffen

Hilfsorganisationen warnen davor, dass sich nun Krankheiten ausbreiten könnten. Es wird Monate oder länger dauern, fürchten Experten, bis die Menschen in den betroffen Regionen wieder ein einigermaßen normales Leben führen können. Es habe vor allem viele arme Gegenden in Südasien getroffen. Tausende Schulen wurden zerstört, Straßen und Brücken vom Wasser hinweg gerissen.

Der Klimawandel trage sicher dazu bei, dass es zu solch heftigen Wetterphänomenen komme, sagt Shreeshan Venkatesh, der am Zentrum für Wissenschaft und Umwelt in Mumbai forscht. Aber auch die Behörden in Indien würden eine Mitschuld tragen. Sie würden zulassen, dass neue Gebäudekomplexe entstehen, Auen zugepflastert und Wälder abgeholzt würden: “Wir missachten die klimatischen Verhältnissen, wenn wir Dinge planen. Bei der Infrastruktur, bei der Entwicklung, bei der Industrie. Wir neigen dazu, uns das Desaster anzuschauen, als sei es etwas Unvermeidliches.”

Umweltexperten warnen vor geplanten Maßnahmen

Der indische Premierminister Modi will das nicht auf sich sitzen lassen. Er will sein geplantes Mammut-Projekt nun endlich nächsten Monat umsetzen. Flüsse im Norden des Landes sollen verbunden werden, Dämme und Kanäle gebaut werden. Mindestens 87 Milliarden Dollar will er dafür investieren, um sowohl Dürren als auch Überflutungen zu stoppen. Doch Umweltexperten warnen davor: Der Eingriff in die Natur sei zu groß und würde mehr Schaden anrichten als bislang.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2017 um 06:16 Uhr.

Kolumbiens FARC-Rebellen betreten die politische Bühne

FARC gründen politische Partei: Ins Parlament statt in den Kampf | tagesschau.de

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Stand: 02.09.2017 10:44 Uhr

Mehr als 50 Jahre haben die linken FARC-Rebellen den kolumbianischen Staat erbittert bekämpft, nun wollen sie ins Parlament. Bei der Vorstellung ihrer neuen Partei bat FARC-Kommandeur Londono um Vergebung für vergangene Verbrechen.

Die frühere kolumbianische Guerillaorganisation FARC verwandelt sich nach mehr als einem halben Jahrhundert erbitterter Kämpfe in eine politische Bewegung. Die ehemaligen linken Rebellen stellten ihre neue Partei mit dem langen Namen Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común (Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes) in der Hauptstadt Bogota vor. Die Abkürzung FARC, die an den jahrzehntelangen blutigen Kampf erinnert, bleibt damit bestehen.

“Wir lassen die Waffen ruhen, um auf friedlichem und legalem Wege Politik zu machen. Wir wollen mit Euch allen ein anderes Land aufbauen”, sagte FARC-Kommandeur Rodrigo Londono alias Timochenko vor Tausenden Anhängern auf dem Bolívar-Platz. “Ein Land, in dem niemand mehr verfolgt und getötet wird, weil er anders denkt.”

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“Kein Blutvergießen mehr für die Politik”

Londono bat um Vergebung für die von der FARC begangenen Verbrechen während des blutigen Kampfes gegen Regierung und Paramilitärs. Künftig solle das Wort die “mächtigste Waffe” sein. “Wir wollen keinen einzigen Tropfen Blut mehr vergießen für die Politik”, sagte Londono. “Wir wollen ein Kolumbien ohne Hass.” Nach dem Willem der FARC sollten alle Kolumbianer Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung haben.

Londono sprach er sich erneut für eine Übergangsregierung aus. Bei der Präsidentschaftswahl 2018 müsse ein Kandidat unterstützt werden, der die Umsetzung des Friedensabkommens garantiere. Laut Abkommen sind den FARC in den kommenden zwei Legislaturperioden jeweils fünf Sitze im Senat und in der Abgeordnetenkammer garantiert. Ab 2026 müssen sie ihre Sitze regulär bei den Wahlen erringen.

Seit Mitte der 1960er-Jahre kämpften die FARC gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und rechte Paramilitärs. Über 220.000 Menschen kamen dabei ums Leben. Nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrags mit der Regierung im vergangenen Jahr legten sie ihre Waffen nieder.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. September 2017 um 04:00 Uhr.

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93-jährige Amerikanerin vererbt Kölner Zoo 22 Millionen Dollar.

Der Kölner Zoo dachte zuerst an einen Scherz, freut sich jetzt aber umso mehr: Eine 93-jährige Witwe aus den USA spendet 22 Millionen Dollar. Und das, obwohl sie und ihr verstorbener jüdischer Ehemann nicht nur gute Erinnerungen an ihre Heimatstadt Köln haben.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die Millionenspende an den Kölner Zoo war ein Herzenswunsch ihres verstorbenen Mannes Arnulf, sagt die 93-jährige Elizabeth Reichert am Telefon in ihrem Haus am Atlantikstrand von New Jersey.

Als Kind musste sich Arnulf während der Nazi-Zeit wegen seines jüdischen Glaubens in Köln verstecken. Dass künftig das Südamerika-Haus im Kölner Zoo seinen Namen tragen wird, würde ihn sehr freuen, sagt sie. “Mein Mann und ich waren großer Tierliebhaber. Die Idee war, etwas für unsere Heimatstadt zu geben, in der Erinnerung an Köln.”

Die Geschichte der beiden Kölner Auswanderer Elizabeth und Arnulf Reichert ist eine typische Erfolgsgeschichte “vom Tellerwäscher zum Millionär”. 1944 lernt Elizabeth Reichert ihren Mann kennen. “Wir waren arme Kölner Kinder” sagt sie. Mit Hilfe befreundeter Familien gelang es Arnulf Reichert, die Nazi-Zeit zu überleben: “Er hatte im Untergrund gelebt: mal hier geschlafen, mal dort geschlafen; mal hier ein Essen bekommen, mal dort ein Essen. Es gab viele liebe, hilfsbereite Menschen. So hat er überlebt.”

Mit sieben Dollar nach Amerika

1946 wanderten sie über Israel in die USA aus. Am Anfang war alles neu: die Sprache, die Mentalität der Menschen. Und sie hatten kaum Geld. Mit sieben Doller seien sie nach Amerika gekommen, erzählt Elizabeth Reichert. Sie arbeitete als Friseuse und ihr Mann sparte, um sich selbstständig zu machen.

Aus seinem kleinen Geschäft wurde im Laufe der Jahre ein Großhandel für Haustierbedarf. Sie hätten beide viele Jahre hart gearbeitet, sagt die 93-Jährige. Auf Ferien, Kino oder anderen Luxus verzichteten sie. Stattdessen ging die Hälfte des Einkommens auf das Sparkonto und in Aktien. So entstand im Laufe der Jahrzehnte ein Millionenvermögen: “Wir hatten gar keine Zeit, Geld auszugeben. Wir kamen gar nicht auf den Gedanken, Geld auszugeben.”

Auch für Heimweh nach Deutschland blieb wenig Zeit. Sie wollten es ja in der neuen Heimat schaffen. Was sogar dazu führte, dass sie kaum mehr Rheinisch sprachen. “Das glauben Sie ja gar nicht: Wir haben nur Englisch gesprochen. Können Sie sich das vorstellen?”, so die alte Dame.

Die alte Heimat nie vergessen

Dennoch habe sie Köln und ihre rheinische Heimat nie vergessen. Mit zunehmendem Alter spielen Erinnerungen eine immer größere Rolle, sagt Elizabeth Reichert und dann zitiert sie Willi Ostermanns Lied “Heimweh nach Köln”.

Gerne würde sie noch einmal nach Köln zurückkehren. Aber mit 93 Jahren will sie sich den langen Flug nicht mehr zumuten. Könnte sie dennoch einen Tag lang in Köln verbringen, wüsste sie genau, was sie machen würde: “Ich würde in den Dom gehen. Und dann eine Tasse Kaffee und ein Stückchen holländische Kirschtorte im Cafe Reichard bestellen.”

Entlassung von FBI-Chef Comey: Sonderermittler untersucht Brief von Trump

Der Brief wurde zwar nicht abgeschickt, er könnte US-Präsident Trump dennoch in die Bredouille bringen: Sonderermittler Mueller soll ein Schreiben vorliegen, indem Trump seine Gründe für die Entlassung des FBI-Chefs Comey nennt. Auch die Russland-Affäre soll eine Rolle spielen.

US-Sonderermittler Robert Mueller untersucht laut Medienberichten einen Briefentwurf von Präsident Donald Trump zur Entlassung von FBI-Chef James Comey.

Das Schreiben, das nicht abgeschickt wurde, lege im Detail dar, warum Trump Comey loswerden wollte, berichtet die “Washington Post” unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. In dem Brief seien mehrere Beschwerden Trumps über Comey aufgelistet – darunter auch der Vorwurf, dass Comey nicht öffentlich sagte, dass in der Russland-Affäre nicht gegen den US-Präsidenten ermittelt wird.

Trump hatte den FBI-Chef am 9. Mai überraschend entlassen. Er sieht sich deswegen Vorwürfen ausgesetzt, er habe Einfluss auf die Russland-Ermittlung des FBI nehmen wollen. Den Brief sollen Trump und sein Berater Stephen Miller in den Tagen zuvor verfasst haben. Miller gilt als Heißsporn, der unter anderem dabei half, das umstrittene Einreiseverbot Trumps auszuformulieren und Einwanderungsrichtlinien zu verschärfen.

Trumps Rechtsberater hatte Bedenken

Der Rechtsberater des Weißen Hauses hatte laut “New York Times” jedoch Bedenken. Er habe verhindert, dass Trump den Brief abgeschickt habe, schreibt die Zeitung.

Am 9. Mai selbst veröffentlichte das Weiße Haus dann einen anderen Brief des stellvertretenden US-Justizministers Rod Rosenstein. Darin wurde der Umgang mit der E-Mail-Untersuchung gegen Hillary Clinton als Grundlage für Comeys Entlassung genannt. Entsprechend teile das Weiße Haus nach der Entlassung Comeys mit, Trump habe die Personalentscheidung auf Empfehlung des Justizministeriums getroffen.

Der Präsident selbst erklärte Tage später in einem TV-Interview wiederum, er habe während des Schritts an “die Russland-Sache” gedacht und die Entlassung ungeachtet von Empfehlungen geplant.

Der Brief könnte für Mueller, der gemeinsam mit einem Team von Ermittlern die Russland-Affäre untersucht, also ein Schlüsselhinweis sein. Konkret geht es um den Verdacht, dass Trump Comey gefeuert haben könnte, um die FBI-Ermittlungen zu mutmaßlichen Verbindungen zwischen seinem Wahlkampfteam und Moskau zu erschweren.

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Bilanz der Großen Koalition: Solide abgearbeitet

Schwarz-Rot hat seinen Koalitionsvertrag weitgehend abgearbeitet. Doch einige prominente Vorhaben sind liegen geblieben. Vor allem im Bereich Rente und Arbeit konnte die Koalition nicht alles halten, was sie versprochen hatte.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

Es war voll geworden im Paul-Löbe-Haus, einem weitläufigen Bürogebäude des Bundestags, als Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer vor nicht ganz vier Jahren den Vertrag über die dritte Große Koalition in der Geschichte der Bundesrepublik unterschrieben. Die Stimmung unter den rund 700 Gästen war gelöst. Schließlich hatte sich die Bildung des Bündnisses über Monate hingezogen.

Wochenlang rangen CDU, CSU und SPD zunächst um den Vertragstext. Im Anschluss hieß es warten, bis auch die Mitglieder der Sozialdemokratie das Zusammengehen gebilligt hatten. So zog sich die längste Regierungsbildung der Republik bis in den Advent hin. Erst am 16. Dezember – fast drei Monate nach der Bundestagswahl – konnten die Parteichefs den Koalitionsvertrag unterschreiben. Der anschließende Empfang fand zwischen Weihnachtsbäumen statt.

Mehr als 500 Gesetzesvorhaben

Geeinigt hatten sich die drei Parteien in ihren Verhandlungen auf eine ausgesprochen umfangreiche Arbeitsgrundlage: Acht Kapitel, mehr als 130 Seiten. Mindestlohn, Rente mit 63, Schwarze Null, Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen, Aufhebung der Optionspflicht, Pkw-Maut: Die großen Projekte der vergangenen vier Jahre waren in dem Vertrag festgehalten.

Und vieles, worauf sich Union und SPD in den Verhandlungen im Herbst 2013 geeinigt haben, wurde auch umgesetzt. Insgesamt beschloss der Bundestag mehr als 500 Gesetze, die Schwarz-Rot ins Parlament eingebracht hatte. 80 bis 90 Prozent des Koalitionsvertrags wurden umgesetzt. Mit einigen prominenten Ausnahmen.

Streit um befristete Teilzeit

Da wäre beispielsweise das angekündigte Rückkehrrecht auf befristete Teilzeit und die Rückkehr auf eine Vollzeitstelle. Im Koalitionsvertrag wurde die Maßnahme als Anstrengung für die Gleichstellung von Frauen versprochen. Doch ein entsprechender Gesetzesentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles scheiterte. Es sei “mit CDU und CSU nicht zu machen” gewesen, so SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zu tagesschau.de.

Mittlerweile scheint man das bei der Union jedoch anders zu sehen. In ihrem Wahlprogramm versprechen die Unionsparteien das Recht auf befristete Teilzeit erneut. Heil findet das “grotesk”.

Blockade bei Managergehältern

Viel passiert ist hingegen im Bereich Rente. Schließlich setzte die Große Koalition sowohl die Rente mit 63 (für Versicherte mit mindestens 45 Beitragsjahren) als auch die Erhöhung der Mütterrente wie vereinbart um. Allerdings hatten sich Union und SPD ursprünglich sogar noch mehr vorgenommen. So verspricht der Koalitionsvertrag eine “solidarische Lebensleistungsrente”. Sie sollte sicherstellen, dass Versicherte, die ein Leben lang gearbeitet haben, im Alter mehr Geld zur Verfügung haben als die Grundsicherung. Doch Union und SPD konnten sich nicht einigen. Im vergangenen Herbst wurde das Projekt vorerst zu den Akten gelegt.

Auch beim Thema Managergehälter kamen die Koalitionäre nicht weiter. Zu Beginn der Legislaturperiode hatten sie vereinbart, dass die Vergütung für Vorstände künftig durch die Hauptversammlungen abgesegnet werden soll. Die sollte Transparenz schaffen. Doch die SPD forderte bald, zusätzlich die steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern zu beschränken. Da machte die Union nicht mit. Damit waren die Verhandlungen blockiert.

Kaum Fortschritt beim Klimawandel

Gleiches gilt bei der längst versprochenen Abgabe auf Finanzgeschäfte. “Wir wollen eine Finanztransaktionssteuer mit breiter Bemessungsgrundlage und niedrigem Steuersatz zügig umsetzen und zwar im Rahmen einer verstärkten Zusammenarbeit in der EU”, heißt es im Koalitionsvertrag. Doch die Verhandlungen ziehen sich seit Jahren hin. Heute wollen sogar weniger europäische Staaten bei einer solchen Steuer mitziehen als noch vor vier Jahren. Auch bei der avisierten Regulierung der Schattenbanken kommt die Bundesregierung international kaum weiter.

Ein noch größeres Thema als die Regulierung der Finanzmärkte ist die Bekämpfung des Klimawandels. Hier hatten sich Union und SPD im Koalitionsvertrag zu dem Ziel bekannt, bis 2020 die Treibhausemissionen im Vergleich zum Referenzjahr 1990 um 40 Prozent zu senken.

“Enorme Erfolge”

Ein paar Jahre sind es zwar noch, doch bereits heute zeichnet sich ab, dass dieses Ziel wohl verfehlt werden wird. Bislang ist erst eine Reduktion um etwa 28 Prozent erreicht worden. Gerade in den vergangenen Jahren fielen die Fortschritte bescheiden aus.

Doch trotz dieser Versäumnisse: Insgesamt sind die Koalitionäre mit ihrer Bilanz zufrieden. Zwar sei er “in wichtigen Punkten schwer enttäuscht” von CDU und CSU, so SPD-Mann Heil, trotzdem hätten “vor allem sozialdemokratische Ministerinnen und Minister” in der Großen Koalition “enorme Erfolge” erringen können.

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Zufriedene Union

Auch die Union lobt die Ergebnisse der Zusammenarbeit. “Wir haben auf vielen Politikfeldern viel geschafft”, so Michael Grosse-Brömer, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, zu tageschau.de. Die deutsche Wirtschaft stecke in einer ihrer längsten Aufschwungphasen und werde aller Voraussicht nach 2017 bereits das achte Jahr in Folge wachsen.

“Renten und Löhne steigen und die Zahl der Beschäftigten bewegt sich auf Rekordniveau”, so Grosse-Brömer weiter. Umso erstaunter sei er, wie schlecht die Sozialdemokraten die Politik der vergangenen vier Jahre jetzt aus Wahlkampfgründen beschreiben. “Eine Regierung ist stets gemeinsam erfolgreich oder eben nicht. Deshalb sollte auch die SPD zu der guten Regierungsarbeit der letzten vier Jahre stehen.”

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Über dieses Thema berichtete unter anderem Deutschlandfunk am 01. September 2017 um 18:40 Uhr und am 15. Februar 2017 um 17:14 , BR am 06. Februar 2017 um 18:30 Uhr.