Schüsse vor Flüchtlingsheim in Berlin – Hintergründe unklar

Berliner Polizist mit einer schusssicheren Weste (Quelle: imago/Marius Schwarz).

An der Thielallee in Dahlem Unbekannte sollen auf Flüchtlingsheim geschossen haben

Vor einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Dahlem sind am Samstag Schüsse abgegeben worden. Wie ein Zeuge sagte, sollen die Schüsse aus einem Auto heraus abgefeuert worden sein. Laut Polizei sind die Hintergründe der Tat derzeit noch unklar.

Unbekannte haben vor einer Flüchtlingsunterkunft im Berliner Stadtteil Dahlem mehrere Schüsse abgegeben. Nach Angaben eines 52-jährigen Passanten feuerten sie am Samstag gegen 18 Uhr an der Thielallee aus einem Auto heraus auf ein Wohnheim.

Wie die Polizei am Sonntag berichtete, hatte sich der 52-Jährige, der derzeit in Berlin zu Besuch ist, mit Frau und Kind hinter einem geparkten Auto in Sicherheit gebracht. Durch die Schüsse habe der Familienvater einen Schock erlitten.

Polizei findet am Tatort mehrere Schreckschusspatronen

Wie der Zeuge laut Polizei sagte, saßen vier Menschen in dem Fahrzeug, das vor der Unterkunft langsamer geworden sein soll. Die Schüsse wurden demnach aus zwei Waffen abgefeuert.

Die Polizei habe am Tatort mehrere Patronen-Hülsen gefunden, „die sich eindeutig Schreckschusswaffen zuordnen lassen“, sagte Polizei-Sprecherin Valeska Jakubowski rbb|24 am Sonntagmittag. Ob sich die Schüsse gezielt gegen das Heim richteten, oder ob es der Zeuge nur so empfunden habe, müssten nun die weiteren Ermittlungen ergeben, sagte die Sprecherin.

Ermittlungen in enger Abstimmung mit dem Staatsschutz

Ob das polizeiliche Kennzeichen des Wagens bekannt ist, wollte Jakubowski aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht sagen. Da die Tat möglicherweise konkret gegen das Flüchtlingsheim gerichtet war, würde die Kriminalpolizei „in enger Abstimmung mit dem Staatsschutz“ ermitteln.

Wie Jakubowski weitere sagte, hat der Zeuge „Angst um seinen Leben gehabt“. Weil der Mann einen Schock erlitten habe, sei Anzeige wegen Körperverletzung gestellt worden. Eine weitere Strafanzeige sei erstattet worden, da das Abfeuern von Schreckschusswaffen, außer in Notwehr, eine Ordnungswidrigkeit darstelle.

Sendung: rbb aktuell | 03.09.2017 | 14.40 Uhr

Was ist eine Wasserstoffbombe?

Nuklearwaffen: Was ist eine Wasserstoffbombe? | tagesschau.de

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Stand: 03.09.2017 11:54 Uhr

Es ist der gleiche Prozess, der auch die Sonne antreibt: Wasserstoffbomben ziehen ihre zerstörerische Kraft aus dem Verschmelzen von Kernen des Elements Wasserstoff. Das macht diese Bombe zu einer weit gefährlicheren Waffe als eine einstufige Atombombe.

Es ist 65 Jahre her, da testeten Amerikaner die erste Wasserstoffbombe im Pazifik. Das Ergebnis: Ihre Sprengkraft war rund 800 Mal so groß wie die der ersten Atombombe.

Anders als Atombomben setzen Wasserstoffbomben Energie aus dem Verschmelzen von Atomkernen frei. Atombomben beziehen den Großteil ihrer Zerstörungskraft aus dem Spalten von Uran- oder Plutoniumkernen.

Als Zünder eine Atombombe

Kerne der Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium werden beim Zünden einer Wasserstoffbombe derartig stark verdichtet, dass sie zu Helium verschmelzen. Um diesen Prozess zu starten, sind mehr als 100 Millionen Grad Celsius nötig. Deshalb enthält eine Wasserstoffbombe als Zünder eine Atombombe. Aus diesem Grund spricht man bei der Wasserstoffbombe auch von einer zweistufigen Nuklearwaffe.

Stärkere Bomben bei gleicher Größe

Während dieser Fusion von Wasserstoff-Atomkernen, der auch die Sonne antreibt, werden gigantische Energiemengen frei. Mit Wasserstoffbomben lassen sich also weit stärkere atomare Explosionen erzeugen als mit einstufigen Atombomben. So können bei gleichen Abmessungen stärkere Bomben konstruiert werden.

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Der Bau einer Fusionsbombe ist wegen ihres äußerst komplexen inneren Aufbaus jedoch erheblich schwieriger als der eines Kernspaltungs-Sprengsatzes. Die Staaten, die in den vergangenen Jahren in den Kreis der Atommächte aufgestiegen sind, verfügen nach Überzeugung von namhaften Experten aller Wahrscheinlichkeit nach bislang nicht über einsatzfähige Waffen dieses Typs – auch wenn Indien und jetzt auch Nordkorea dies behaupteten.

Noch nie im Krieg eingesetzt

Die erste zweistufige echte Wasserstoffbombe der Welt wurde von den USA am 1. November 1952 im Pazifik getestet, die Sowjetunion folgte im Jahr darauf. Diese Waffen waren aber eher Prototypen, die für Einsätze noch nicht geeignet waren. Militärisch nutzbare Bomben hatten die beiden Supermächte erst etwas später. In Kriegen eingesetzt wurden diese bisher nie.

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ARD-Korrespondentin: „Bei Atomtests bebt auch die Erde in China“

ARD-Korrespondentin Storfner: „Bei Nordkoreas Atomtests bebt auch die Erde in China“ | tagesschau.de

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Stand: 03.09.2017 10:05 Uhr

Immer wenn Nordkorea einen Atomtest unternehme, dann bebe die Erde auch in China, berichtet ARD-Korrespondentin Sascha Storfner. Daher sei den meisten auch heute klar gewesen, dass es sich um solch einen Test gehandelt habe.

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Pjöngjang meldet Test von Wasserstoffbombe

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erfolgreich eine Wasserstoffbombe für Interkontinentalraketen getestet. Die Bombe sei schlagkräftiger gewesen als frühere Versuche, hieß es. Zuvor hatte Japan einen Atomtest Pjöngjangs bestätigt.

Nordkorea hat eigenen Angaben zufolge eine Wasserstoffbombe getestet. Das hätten die Staatsmedien des Landes mitgeteilt, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Der Test sei erfolgreich gewesen. Die Bombe sei schlagkräftiger gewesen als frühere Versuche und ein wichtiger Schritt für das Atomwaffenprogramm des Landes, hieß es im Staatsfernsehen. Radioaktivität sei bei dem von Staatsführer Kim Jong-Un angeordneten Test nicht ausgetreten.

Kurz zuvor hatte Nordkorea Bilder veröffentlicht, die Staatschef Kim Jong Un bei der Begutachtung einer raketenfähigen Wasserstoffbombe zeigen sollen. Das Land hatte bereits Anfang vergangenen Jahres erklärt, eine Wasserstoffbombe getestet zu haben. Südkorea zog dies damals allerdings in Zweifel, weil die Stärke der Detonation zu gering gewesen sei. Selbst ein fehlgeschlagener Wasserstoffbombentest hätte stärkere Erschütterungen auslösen müssen als tatsächlich registriert wurden, hieß es damals.

Auch Japan bestätigt Test Nordkoreas

Erdbebenwarten in Südkorea, Japan, China und den USA hatten zuvor ungewöhnliche Stoßwellen registriert, die von einer Atomexplosion herrühren könnten. Japans Außenminister Taro Kono bestätigte daraufhin, dass es nach Erkenntnissen seiner Regierung einen Atomwaffentest gegeben habe. Das japanische Verteidigungsministerium teilte mit, mindestens drei Militärjets seien für Tests nach Radioaktivität aufgebrochen. Die Regierung berief den nationalen Sicherheitsrat ein. Ministerpräsident Shinzo Abe sprach von einem inakzeptablen Schritt. „Wir müssen eindringlich protestieren“, sagte er.Das US-Außenministerium reagierte zunächst nicht.

Deutliche stärkere Kraft als sonstige Nukleartests

Die Sprengkraft der neuen Bombe war nach Angaben aus Südkorea um ein Vielfaches stärker als bei früheren Nukleartests Nordkoreas. Sie entsprachen 50 bis 60 Kilotonnen, wie die südkoreanische Wetteragentur mitteilte.

Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des ersten Bebens mit 6,3 in einer Tiefe von zehn Kilometern an. Die geringe Tiefe deutet ebenfalls auf einen Atomtest hin. Die zweite Erschütterung hatte laut Yonhab eine Stärke von 4,6. Das erste Beben bezeichnete die chinesische Erdbebenwarte als „mutmaßliche Explosion“, das zweite acht Minuten später als „Einsturz“.

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Potenzielle Reichweite von 6700 Kilometern

Anfang Juli dieses Jahres hatte das nordkoreanische Staatsfernsehen erstmals den Test einer Interkontinentalrakete des Typs Hwasong-14 vermeldet. Experten schätzen, dass die Rakete eine potenzielle Reichweite von 6700 Kilometern hat und damit theoretisch den US-Bundesstaat Alaska erreichen könnte.

Konflikt dürfte sich weiter verschärfen

Die Vorfälle dürften den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel weiter verschärfen. Nordkorea hatte am Dienstag eine Mittelstreckenrakete abgeschossen, die über Japan flog und nördlich der Region Hokkaido im Pazifik landete. US-Präsident Donald Trump bezeichnete das abgeschottete Land daraufhin als zunehmende Bedrohung für die Welt. Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verbieten Nordkorea den Bau von Atomwaffen und Raketen.

Beben in Nordkorea – Japan geht von Atomtest aus

In Nordkorea hat sich ein ungewöhnliches Beben ereignet. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldet, es könne sich dabei um einen Atomtest handeln. Das Beben hat nach chinesischen Angaben eine Stärke von 6,3 gehabt. Derweil berichtet Yonhab von einer zweiten Erschütterung.

Nordkorea hat möglicherweise einen neuen Atomtest durchgeführt. Die chinesische Erdbebenwarte berichtete von einem Beben der Stärke 6,3 im Nordosten des abgeschotteten Landes. Auslöser sei vermutlich eine Explosion.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf das Präsidialamt ebenfalls, es könne sich um den sechsten Atomtest des Nordens handeln. Yonhap gab eine Stärke von 5,6 für das Beben an. Epizentrum des Bebens sei der Bezirk Kilju gewesen, wo das Atomtestgelände liegt, hieß es unter Berufung auf Behörden. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs sei das Beben nicht natürlich gewesen. Man untersuche, ob es sich um einen Test gehandelt habe.

Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des Bebens zunächst mit 5,6 in einer Tiefe von zehn Kilometern an.

Zweites Beben?

Kurz nach dem ersten Beben meldete Yonhap, dass es ein zweites Beben gegeben habe. Dieses habe die Stärke 4,6 gehabt, meldete die Agentur weiter. Auch die chenesische Erdbebenwarte berichtet von einem zweiten Beben. Das erste bezeichnete die Erdbebenwarte als „mutmaßliche Explosion“, das zweite acht Minuten später als „Einsturz“.

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Südkorea und Japan und berufen nationale Sicherheitsrate ein

Die Regierung in Seoul habe eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats angesetzt. Auch die japanische Regierung beruft angesichts eines möglichen neuen nordkoreanischen Atomtests den nationalen Sicherheitsrat ein. Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte, sollte es sich bei dem kurz zuvor gemessenen Erdbeben in Nordkorea tatsächlich um einen Atomtest gehandelt haben, sei dies absolut inakzeptabel. Man werde aufs Schärfste protestieren.

Nordkorea hat seit 2006 fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Nordkoreas Staatsmedien hatten vor dem Beben gemeldet, das Land habe eine neue Wasserstoffbombe entwickelt.

Erdbeben in Nordkorea – möglicherweise Atomtest

Eilmeldung: Erdbeben in Nordkorea – möglicherweise Atomtest | tagesschau.de

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Eilmeldung


Stand: 03.09.2017 05:57 Uhr

Nordkorea hat nach Medienberichten möglicherweise einen Atomtest durchgeführt. Ein Beben der Stärke 5,6 sei in Nordkorea gemessen worden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Weitere Informationen in Kürze.

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TV-Duelle in den USA: Blass und unrasiert verliert

Wer in einem TV-Duell punkten will, braucht mehr als überzeugende Inhalte. Schlagfertigkeit, Natürlichkeit, der Eindruck, eine gute Gesellschaft beim Bier zu sein – all das kann wahlentscheidend sein, wie die lange Geschichte der US-TV-Duelle zeigt.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Das Fernsehen war noch ein junges Medium, als 1960 das erste TV-Duell zwischen zwei Präsidentschaftskandidaten stattfand: Der damalige Vizepräsident und erfahrene Politiker Richard Nixon galt als klarer Favorit gegen den jungen Senator John F. Kennedy.

Doch während die Zuhörer am Radio Nixons Argumente überzeugender fanden, sah die Mehrheit der Fernsehzuschauer Kennedy vorne. Nixon hatte es abgelehnt, sich schminken zu lassen, weshalb er blass, unrasiert und mürrisch aussah. Kennedy dagegen machte einen frischen und sympathischen Eindruck. Auch deshalb gewann er die Wahl mit hauchdünnem Vorsprung, sind viele Historiker überzeugt.

Untrügliches Gespür für Pointen und Timing

Wichtigste Lehre aus dem ersten aller TV-Duelle: Das äußere Erscheinungsbild ist im Fernsehen oft wichtiger als Argumente. Was kaum jemand so brilliant beherrschte wie der gelernte Schauspieler Ronald Reagan. Beim TV-Duell 1980 gegen den amtierenden Präsidenten Jimmy Carter war Reagan in puncto Gestik und Mimik haushoch überlegen. Noch dazu hatte Reagan ein untrügliches Gespür für Pointen und Timing. Mit einer einzigen Frage an das Fernsehpublikum besiegelte Reagan das Schicksal Jimmy Carters: „Geht es Ihnen heute besser als vor vier Jahren?“ Reagans Frage wurde zum Klassiker in der Geschichte der TV-Duelle.

Vier Jahre später, 1984 im TV-Duell gegen den 20 Jahre jüngeren demokratischen Herausforderer Walter Mondale, gelang dem mittlerweile 73-jährigen Reagan erneut eine meisterhafte Pointe. Auf die Frage des Moderators, ob sein Alter nicht zum Problem werde, kehrte Reagan den Spieß um: „Ich werde das Alter nicht zum Wahlkampfthema machen“, sagte er. „Ich werde nicht aus wahltaktischen Gründen die Jugend und Unerfahrenheit meines Herausforderers ausschlachten.“

Von Reagan kann man lernen, dass Pointen und Schlagfertigkeit in der Fernsehdebatte wichtiger sind als Detailkenntnisse oder Faktenhuberei. Die Geschichte der TV-Duelle in den USA ist jedoch auch voll von Beispielen, die lehren, was Politiker tunlichst vermeiden sollten.

Wer bin ich? Warum bin ich hier?

In der Vizepräsidentschaftsdebatte 1992 machte der Kandidat der Unabhängigen Partei, der hochdekorierte Admiral James Stockdale, deutlich, dass er eine Fernsehdebatte eigentlich für Unsinn hält. Auf die Bitte des Moderators nach einem Eingangsstatement witzelte der Admiral: „Wer bin ich? Und warum bin ich hier?“

Noch peinlicher war der Auftritt von Rick Perry 2012 im TV-Duell der republikanischen Präsidentschaftsbewerber: Als Präsident werde er drei Ministerien abschaffen, kündigte Perry vollmundig an: „das Handelsministerium, das Bildungsministerium und äh, was war nochmal das dritte…?“ Es war übrigens das Energieministerium, das Perry nicht einfiel. Ironie der Geschichte: Im Kabinett von Donald Trump arbeitet Perry heute als Energieminister.

„Ich habe Trumps Atem hinter mir gespürt“

Die jüngsten TV-Duelle zwischen Donald Trump und Hillary Clinton gingen in mehrfacher Hinsicht in die Geschichte ein. Das erste Duell verfolgten über 84 Millionen Amerikaner am Bildschirm – ein Allzeit-Rekord nach Jahren sinkender Quoten.

Und das zweite Aufeinandertreffen gilt als größte Schlammschlacht unter allen TV-Duellen. Immer wenn Clinton sprach, rückte ihr Trump von hinten auf die Pelle, um sie zu verunsichern: „Das war unglaublich unangenehm“, gestand Clinton kürzlich, „ich habe seinen Atem hinter mir gespürt. Mir spreizten sich die Nackenhaare.“

Mit wem würde ich lieber ein Bier trinken?

Am liebsten hätte sie sich umgedreht, so Clinton und gesagt: „Lass mich in Ruhe!“ Stattdessen versuchte sie, Trump zu ignorieren, was im Nachhinein ein Fehler war. Denn auch das ist eine Lehre aus amerikanischen TV-Duellen: Wer zu beherrscht und kontrolliert auftritt, wirkt kühl und unnahbar. Für viele Amerikaner ist die persönliche Ausstrahlung wahlentscheidender als politische Programme. Bevor sie ihr Kreuzchen machen, fragen sich viele: Mit welchem der beiden Kandidaten würde ich lieber ein Bier trinken? Und von wem würde ich lieber einen Gebrauchtwagen kaufen?

TV-Duell Merkel-Schulz: Die Königsdisziplin im Wahlkampf

Angela Merkel ist eine gefürchtete Gegnerin in TV-Duellen. Wenn sie heute Abend auf Martin Schulz trifft, kann sie drei erfolgreiche Fernsehschlachten vorweisen. Dabei mag Merkel solche Duelle eigentlich gar nicht.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Im Fernsehstudio kann man sich richtig anschreien, auch jenseits von TV-Duellen. So wie einst Helmut Kohl und Willy Brandt in den 1980er-Jahren. Kohl war damals Kanzler, Brandt SPD-Chef. Schulter an Schulter herrschten sie sich an. „Sie sagen dem Volk die Unwahrheit!“, schimpfte Brandt. „Sie können in Ihrem Parteibüro brüllen, aber hier nicht!“ pampte Kohl zurück.

Die Unentschiedenen schauen zu

So laut ist Angela Merkel öffentlich noch nie geworden. Und auch mit ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz wird die Kanzlerin im TV-Duell ruhig umgehen. Sie mag solche Duelle eigentlich nicht, weiß aber, dass sie nicht drum herum kommt.

Es gibt hohe Einschaltquoten. Und es schauen auch solche zu, die sich sonst eher wenig für Politik interessieren, sagen Wahlforscher. Das zählt auch für eine Kanzlerin. „Ich gebe mein Bestes“, verspricht Merkel, „und ich glaube, es wird wichtig sein, deutlich zu machen: Was steht an, vor welchen Herausforderungen stehen wir?“

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Der gut gelaunte Schulz

Das diesjährige Duell sollte nach dem Willen der ausstrahlenden Sender mehr Drive bekommen. Die Sender wollten das Format dementsprechend verändern. Doch Merkel verhinderte das – was Schulz kritisierte. Er liegt in allen Umfragen weit hinter der Amtsinhaberin.

Der SPD-Kandidat gibt sich zwar demonstrativ gut gelaunt: Nein, von Langeweile spüre er nichts im Wahlkampf, sagt Schulz und lacht etwas bemüht bei einem Auftritt in Leipzig. „Es gibt ja mich in diesem Wahlkampf, deshalb ist er nicht langweilig!“

Duelle – gut für Herausforderer

Aber kann Schulz durch das Duell nochmal aufholen? Der SPD-Chef setzt vor allem auf die unentschlossenen Wähler. Zwischen einem Viertel und der Hälfte der Deutschen ist laut Umfragen noch unentschieden. Und das Format der direkten Konfrontation ist eigentlich gut für den jeweiligen Herausforderer, sagt der Kölner Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister, denn der kann sich bekannt machen.

Aber es gibt auch Fallstricke: „Schulz muss klar angreifen“, sagt Hachmeister, „aber er darf nicht übertouren, und das ist in diesem Moment eine fast unlösbare Aufgabe.“ Grantige, aggressive Attacken kommen nicht an beim Wähler. Langeweile aber auch nicht.

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Kiesinger: „Es steht dem Kanzler nicht gut an“

Früher verweigerten sich Kanzler Fernseh-Duellen. SPD-Kandidat Willy Brandt forderte 1969 von Kurt-Georg Kiesinger einen gemeinsamen Auftritt. Doch der lehnte ab. „Es steht dem Kanzler der Bundesrepublik nicht gut an, sich auf ein Stühlchen zu setzen und zu warten, bis ihm das Wort erteilt wird“, war Kiesingers Begründung.

Auch Kohl hat keine Zweikämpfe zugelassen. Erst 2002 kommt es zum ersten echten TV-Duell: Edmund Stoiber gegen Gerhard Schröder, damals sogar mit Hin- und Rückrunde. Und erstmals strengen Zeitvorgaben: 90 Sekunden für eine Antwort. Mehr nicht.

Keine Angst vor Schulz

Für Merkel ist das aktuelle Duell schon das vierte. Bei ihrem ersten Auftritt 2005 gegen Gerhard Schröder war die damalige CDU-Herausforderin noch deutlich angriffslustiger als heute: „Herr Schröder, sie sind meilenweit davon entfernt, was sie mal versprochen haben!“, warf Merkel dem Kanzler an den Kopf.

Doch Gerhard Schröder wirkte souveräner – fast hätte er Merkel damals noch abgefangen. „Sie hatte berechtigte Angst vor Schröder“, sagt Kommunikationsforscher Hachmeister. „Das war bisher das einzige Mal, dass ein TV-Duell einen nachhaltigen Effekt hatte: die Aufholjagd von Schröder“. Der SPD-Kanzler habe Merkel „an die Wand gedrückt – aber das traue ich Schulz nicht zu“, sagt Hachmeister.

Schulz will kein Raufbold sein

Denn inzwischen hat Merkel Gelassenheit quasi perfektioniert. Schon 2009 gegen Frank-Walter Steinmeier, oder 2013 gegen Peer Steinbrück. Der verhakte sich mit Moderator Stefan Raab bei der Frage, ob er auch als Nummer Zwei in eine Regierung ginge: Steinbrück wich aus, Raab warf ihm vor, nur gestalten zu wollen, wenn er „King of Kotelett“, also Regierungschef, würde. Der Ausschnitt ist ein Hit im Netz.

Solche Highlights erwartet Hachmeister diesmal nicht unbedingt. Für Merkel ist das nicht so wichtig, sagt der Medienwissenschaftler: „Sie macht eher ein mokantes Gesicht und lässt damit testosteron-gesteuerte Männer auflaufen, das ist ihr Vorteil.“ Schulz will Merkel im TV-Duell überlegt und nicht wie ein Raufbold angreifen.

Keine Überraschungseffekte

Ob Fernseh-Duelle aber wirklich Wahlentscheidungen beeinflussen können, ist umstritten. „Schulz wird nach dem Duell wahrscheinlich zulegen, wie alle Herausforderer“, sagt Hachmeister. „Meist geht es da um zwei bis drei Prozentpunkte“. Bei Steinbrück sei das so gewesen, genau wie bei Steinmeier. Aber in den Wochen danach bis zur Wahl habe sich alles wieder auf dem früheren Niveau eingependelt. Die SPD-Kandidaten haben in beiden Wahlen krachend gegen die Kanzlerin verloren.

Und welche Taktik bewährt sich, wenn es schon nicht der offene Streit sein soll? „Schulz wird alles tun, um Merkel zu einem Fehler zu bewegen. Zu versuchen, sie wenigstens bei einem Thema in die Ecke zu drängen, damit sie schwerfällig wirkt“, meint Medienforscher Hachmeister. „Das ist aber problematisch, weil seine Partei, die SPD, in der Großen Koalition fast alles mit verantwortet hat. Da sehe ich kein Potential für große Überraschungseffekte.“

Nordkorea meldet Entwicklung von neuer Wasserstoffbombe

Nordkorea: Kim verfügt angeblich über Wasserstoffbombe | tagesschau.de

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Stand: 03.09.2017 01:15 Uhr

Nordkoreas Nuklearwissenschaftler haben laut Staatsmedien eine neue Wasserstoffbombe gebaut. Machthaber Kim sprach demnach von einem „Durchbruch“. Bereits Anfang 2016 hatte Nordkorea den Test einer Wasserstoffbombe verkündetet – was ausländische Experten bezweifelten.

Nordkorea hat nach eigener Darstellung eine fortgeschrittene Wasserstoffbombe entwickelt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldete, handelt es sich um eine thermonukleare Waffe, die eine Sprengkraft von hunderten Kilotonnen erreichen und in großer Höhe detoniert werden könne.

Staatschef Kim Jong Un habe eine Wasserstoffbombe inspiziert, die auf eine neue Interkontinental-Rakete (ICBM) montiert werden solle, meldete die Agentur weiter. Bei dem Besuch einer Fabrik für Nuklearwaffen lobte Kim den technologischen Durchbruch. Er sei „stolz auf die unbezwingbare Stärkung“ der Streitkräfte. Alle Teile seien in Nordkorea hergestellt worden, so dass man beliebig viele dieser Bomben bauen könne.

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Nordkorea hatte Anfang Januar 2016 den Test einer Wasserstoffbombe bekanntgegeben. Damals bezweifelten Experten, dass es sich bei dem Atomtest tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte.

Erst am Vortag hatten sich Südkorea und die USA darauf geeinigt, angesichts des Konflikts um das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas die Verteidigungsfähigkeit Südkoreas auszubauen. Der Konflikt mit dem Regime in Pjöngjang heizt sich seit Monaten auf.

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Zehntausende Frankfurter müssen ihre Wohnungen verlassen

Der Sonntag steht in Frankfurt ganz im Zeichen der Bombe. Mehr als 2.000 Einsatzkräfte koordinieren Evakuierung, Entschärfung und Rückkehr der Anwohner. Die Behörden wollen einen genauen Zeitplan einhalten.

Es ist ruhig in der Sperrzone. Viele Anwohner haben am Samstagabend das Gebiet rund um die Weltkriegsbombe bereits verlassen, auch die Krankenhäuser sind schon geräumt.

Am Sonntagmorgen dürfte es aber noch einmal hektisch werden, wenn weit über 1.000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten mit der Evakuierung beginnen und Polizisten in vierstelliger Zahl kontrollieren, dass sich wirklich niemand mehr in der Sperrzone aufhält. So soll der Sonntag ablaufen:

6 Uhr:

Die Evakuierung beginnt und soll um 12 Uhr abgeschlossen sein. Anwohner müssen bis 8 Uhr ihre Häuser verlassen haben.

8 Uhr:

Ab jetzt gilt Aufenthaltsverbot in der Sperrzone. Die Polizei wird alle Häuser und Wohnungen kontrollieren. Wer sich weigert, seine Bleibe zu verlassen, kann dazu gezwungen werden.

12 Uhr:

Laut Plan soll die Evakuierung nun abgeschlossen sein und die Entschärfung der 1,8-Tonnen-Bombe beginnen. Dafür sind vier Stunden vorgesehen, also bis 16 Uhr.

16 Uhr:

Im Idealfall ist die Bombe jetzt entschärft. Zunächst werden im Anschluss die vorübergehend ausgelagerten Patienten und alten Menschen in die Krankenhäuser und Altenheime zurückgebracht. Dafür planen die Experten bis zu vier Stunden ein.


Infos zur Rückkehr: bei Rückreise mit dem PKW beachten, dass Patiententransporte Vorrang haben müssen.
#Weltkriegsbombe
#Westend
#ffm
^fe

20 Uhr:

Die Sperrzone soll nun wieder freigegeben werden. Zuerst wird sie für Fußgänger geöffnet, danach soll der ÖPNV so schnell wie möglich den Betrieb wieder aufnehmen. Wann genau der Straßenverkehr wieder freigegeben wird, ist noch unklar, laut Feuerwehr jedoch so bald wie möglich.

Weitere Informationen

hr-Berichterstattung am Sonntag

Auch der hr muss sein Gelände komplett räumen. Die Berichterstattung über Evakuierung und Bombenentschärfung ist aber gewährleistet. Dazu weicht der hr auf die Studios in Kassel, Wiesbaden und Darmstadt aus. Außerdem sind in Frankfurt Übertragungswagen im Einsatz.

  • Liveticker und Livestream bei hessenschau.de ab dem frühen Sonntagmorgen.
  • Das hr-fernsehen sendet am Samstagabend von 20.15 Uhr an ein „Hessen Extra“. Sonderprogramm ab Sonntag 6 Uhr aus dem Übertragungswagen in Frankfurt.
  • Stets aktuelle Infos über die Lage in Frankfurt bietet auch der Hörfunk. hr-iNFO beginnt am Sonntag um 6 Uhr mit seinem Live-Programm. Gesendet wird aus dem Studio in Kassel. Von dort präsentieren erstmals in ihrer Geschichte hr1, hr3 und hr4 ein gemeinsames Programm.

Ende der weiteren Informationen

Sicherheitsdezernent appelliert an Verantwortung der Bürger

Der Zeitplan kann nach Aussage des Frankfurter Sicherheitsdezernenten Markus Frank (CDU) nur eingehalten werden, wenn die Anwohner mitspielen: „Wir können erst anfangen, wenn keine Menschen mehr in dem Radius sind.“ Wen die Polizei nach 8 Uhr noch in der Sperrzone antrifft, dem erteilt sie einen Platzverweis – oder nimmt ihn gleich mit.

Für den Tag der Bombenentschärfung werden zwei Hallen auf dem Frankfurter Messegelände, die Jahrhunderthalle und die Fraport-Arena im Stadtteil Höchst vorbereitet: Hier können bis zu 6.500 Menschen Unterschlupf finden, die während der Entschärfung nicht woanders unterkommen können.

Falls der Platz dort nicht ausreicht, sollen noch einige Turnhallen und Bürgerhäuser geöffnet werden. Wer seine Wohnung nicht aus eigener Kraft verlassen kann oder Hilfe beim Transport benötigt, kann sich an das Bürgertelefon wenden.

Weitere Informationen

Service für betroffene Bürger

  • Bürgertelefon: 069/212111
  • Alternativ zum Bürgertelefon für Fragen rund um die Evakuierung: 115 (Sa. und So., 8-18 Uhr)
  • Infotelefon Bürgerhospital:  069/1500-5929 (Patienten), 069/1500-5930 (Schwangere)
  • Infotelefon Marienkrankenhaus:  069/79390
  • Feuerwehr hier, Polizei hier.

Ende der weiteren Informationen


Bombenfund Frankfurt Karte
Im Radius von etwa 1,5 Kilometer um den Fundort der Bombe soll evakuiert werden.
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