Kommentar zum Fünfkampf: „Fast eine Wohltat“

Themen, die die Menschen interessieren, spitze Polemik und politischer Streit – der TV-Fünfkampf der kleinen Parteien hatte alles, was dem Duell zwischen Merkel und Schulz fehlte. Das liegt auch daran, dass es für die Parteien wirklich um etwas geht.

Von Oliver Köhr, ARD-Hauptstadtstudio

Nach dem Duell am Abend zuvor war das schon fast eine Wohltat: Da war politischer Streit. Da waren gegenseitige Angriffe. Da war Polemik. Ist im Wahlkampf ja auch nicht verboten. Okay, bei fünf Teilnehmern ist es einfacher, Leben in die Bude zu kriegen. Der Fünfkampf ist ein bisschen wie Anne Will, bloß nicht mit einem Thema, sondern mit allen Themen, die gerade wichtig sind.

Unterschiede werden klar

So eine Diskussion in größerer Runde möchte ich übrigens auch mit den beiden Kanzlerkandidaten sehen. Martin Schulz macht das, aber Angela Merkel verweigert sich dem. Gerade beim Aufeinandertreffen mit der Konkurrenz werden aber die Unterschiede klar. Wenn Zwischenfragen von rechts oder links kommen, wenn mal einer unterbricht. So wie eben beim Fünfkampf.

Ähnlich wie an diesen beiden Abenden könnte es auch bei der Wahl selbst werden. Ein etwas lahmer und vielleicht auch erwartbarer Kampf um die Spitzenposition. Aber wirklich spannend ist das Spiel um Platz drei. Da liegen die Positionen zum Teil weit auseinander – was dazu führt, dass es klare Abgrenzungen gibt.

Beispiel Flüchtlingspolitik und Abschiebungen: Von Linken über Grüne, FDP, CSU bis zur AfD wird der Kurs immer härter. Alles nicht neu, aber im Gegensatz zum Duell fragt sich hinterher keiner mehr: Wer steht hier eigentlich für was?

Alltagsthemen

Gut, dass es um Themen ging, die viele Menschen im Alltag betreffen: Mietpreise und Rente – das könnte für viele Bürger wahlentscheidender sein als Nordkorea. Beim Duell gestern konnte der Eindruck entstehen, dass Merkel und Schulz eine neue Große Koalition vorhaben. Dazu gab es heute Alternativangebote.

Die Herren Joachim Herrmann, Cem Özdemir und Christian Lindner diskutierten so leidenschaftlich und ernsthaft miteinander, dass es fast schon wie bei Koalitionsverhandlungen klang. Für die Kleinen Parteien – die AfD mal ausgenommen – ist der Kampf um Platz drei entscheidend: Wer hier gewinnt, hat gute Chancen, der nächsten Koalition inhaltlich seinen Stempel aufzudrücken.

Redaktioneller Hinweis

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WM-Qualifikation: Deutschland gewinnt 6:0 gegen Norwegen

Die Tore für die DFB-Elf erzielten Mesut Özil (10. Minute), Julian Draxler (17.), der auffällige Timo Werner (21./40.) und die eingewechselten Leon Goretzka (50.) und Mario Gomez (79.).

„Ich freue mich, dass ich auch in der Nationalelf treffe“, sagte Doppeltorschütze Werner, der vom Publikum in Stuttgart mit Sprechchören gefeiert wurde. „Das war heute etwas Besonderes in der Heimat. Klasse, wie mich die Fans unterstützt haben. Da spielt man doppelt so gern Fußball. Das bedeutet mir sehr viel.“

Drei Veränderungen in der Startelf

In seinem achten Spiel kam der Weltmeister dadurch zum achten Sieg. Die vorzeitige Qualifikation für die WM 2018 in Russland wurde trotz des klaren Sieges allerdings verpasst, da der Tabellenzweite Nordirland zuhause gegen Tschechien gewinnen konnte und die deutsche Elf theoretisch noch von Rang eins der Gruppe verdrängen kann. Der Gruppenzweite muss in die Playoffs.

TV-Fünfkampf: Viel Kampf, wenig Konsens

Der TV-Fünfkampf der kleinen Parteien lief deutlich kontroverser als das Duell der Kanzlerkandidaten am Vortag: Linke, Grüne, CSU, FDP und die AfD stritten über Flüchtlings-, Renten- oder Bildungspolitik. Hitzig wurde es bei einem überraschenden Element.

Nach dem gestrigen TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz diskutierten am Abend Spitzenpolitiker der fünf kleinen Parteien. Los ging es mit einem vergleichsweise harmlosen Thema: Digitalisierung. Hier herrschte bei den Teilnehmer – Sahra Wagenknecht (Linke), Cem Özdemir (Grüne), Joachim Herrmann (CSU), Christian Lindner (FDP) und Alice Weidel (AfD) – weitgehend Einigkeit. Schnelles Internet ausbauen, vor allem auf dem Land, wollen im Prinzip alle Parteien. Kleinere Differenzen gab es lediglich darüber, ob der Ausbau eher staatlich oder privatwirtschaftlich organisiert werden soll.

Rentenalter – kein Thema

Lebendiger wurde die Diskussion kurz darauf beim Thema Rente. Einer möglichen Erhöhung des Renteneintrittsalters erteilte Bayerns Innenminister Herrmann eine Absage: „Wir sehen überhaupt keinen Anlass, jetzt schon wieder über Veränderungen zu reden“, sagte der CSU-Politiker mit Blick auf Spekulationen über eine „Rente mit 70“.

Für die FDP erklärte deren Spitzenkandidat Lindner, die gesetzliche Rente müsse eine Basisabsicherung sein. Zudem seien flexible Ruhestandsregelungen nötig. Für die Grünen beklagte Özdemir, Geringverdiener wie Pfleger seien im Alter auf staatliche Hilfen angewiesen. Da besonders häufig Frauen solche Berufe ausüben, seien sie besonders häufig von Altersarmut betroffen. Hier müssten bessere Löhne bezahlt werden, damit diese Menschen auch größere Rentenansprüche erreichen könnten.

Hitzige Fragerunde

Ebenfalls kontrovers diskutiert wurde das Thema Flüchtlingspolitik. Für Erstaunen in der Runde sorgte eine Forderung der AfD-Vorsitzenden Weidel, eine fünfstellige Obergrenze für Flüchtlinge einzuführen. „Beim subsidiären Schutz da müssen wir über eine Obergrenze nachdenken, die vielleicht in einer Größenordnung von 10.000 anzudenken wäre“, sagte Weidel.

Subsidiärer Schutz wird denjenigen Menschen gewährt, die nicht als Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention der UN gelten, die aber ernsthaften Gefahren ausgesetzt werden, wenn sie in ihre Heimat abgeschoben werden.

Mehr zum Thema

Hitzig wurde die Stimmung auch bei einem Element der Sendung, auf das die Kandidaten nicht vorbereitet waren: Sie durften sich gegenseitig Fragen stellen. Özdemir wurde gleich zweimal gefragt – von Lindner und Herrmann -, Wagenknecht und Weidel behakelten sich gegenseitig mit Fragen.

Kontroverser als Schulz vs. Merkel

Gestern hatten sich Kanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer von der SPD, Martin Schulz, ein TV-Duell geliefert. In 90 Minuten setzten sie sich mit Themen wie Flüchtlingspolitik, dem Dieselskandal und den Beziehungen zur Türkei auseinander. In Umfragen sahen die meisten Zuschauer Merkel vorn: 55 Prozent fanden die Kanzlerin stärker, 35 Prozent fanden Schulz überzeugender.

Liveblog zum Nachlesen – Wie lief der Kampf der „Kleinen“?

Gestern Angela Merkel und Martin Schulz im TV-Duell, heute der Fünfkampf der Verfolger: Linke, Grüne, AfD und FDP sowie die CSU treten ab 20:15 Uhr im Ersten gegeneinander an. Wir sind live dabei – mit den Analysen unserer Korrespondenten.

21:31: Die Sendung ist vorbei – wir hoffen, unser Liveblog hat Ihnen gefallen. Einen schönen Abend noch!

21:30: Die Faktenfinder haben Weidels Aussagen zu Stickoxiden überprüft:

21:27: Es wird kritisch diskutiert und moderiert:

21:25: Präferenzen der Teilnehmer?

21:24: Sahra Wagenknechts Frage an Alice Weidel:

21:22: Cem Özdemir fragt Joachim Herrmann, warum seine Partei mit dem C im Namen nicht alles daran setze, die Schöpfung zu bewahren und unter anderem Kohlekraftwerke abschalte. Herrmann fragt Özdemir, wo in Bayern es denn ein Kohlekraftwerk gebe:

21:18: Viele Fragen an Cem Özdemir:

21:16: Spannender Schlagabtausch:

21:15: Das Format “Eine Frage, eine Antwort” wird nicht konsequent von den Teilnehmern angenommen. Sowohl Fragen als auch Antworten sind mitunter sehr ausufernd. Sonia Mikich ermahnt Joachim Herrmann, der Cem Özdemir eine Frage stellt, dabei aber in einen Monolog gerät: “Herr Herrmann, eine Frage!”

21:12: Aus der Reihe “Weisheiten” des Kollegen Pokraka:

21:10: Zur Debatte um Fußfesseln:

21:10: Bundeswehreinsätze im Innern?

21:09: Das Suchinteresse nach den Teilnehmern auf Google in den letzten 100 Minuten:

21:07: Cem Özdemir zur Integration:

21:06: Die Kollegen vom WDR haben einen Faktencheck zu Weidels Behauptung gemacht, es gebe 630.000 Ausreisepflichtige in Deutschland:

21:04: Die Redezeit im Zwischenstand:

21:02: Joachim Herrmann spricht jetzt über innere Sicherheit. Christian Lindner fällt ihm ins Wort: “Sie schützen Ihre Bürger nicht!”

21:00: Funktioniert der Fünfkampf?

20:59: Die “Minuszuwanderung” von Alice Weidel:

20:57: Kollege Daniel Pokraka sammelt skurrile Weisheiten:

20:55: Bei dieser Äußerung von Cem Özdemir mussten im Pressezentrum einige Kollegen lachen:

20:52: Inzwischen geht es um das Thema Flüchtlinge:

20:48: Vergleich zum TV-Duell am gestrigen Abend:

20:43: Sonia Mikich verteidigt die Organisation des Fünfkampfs: “Es ist jetzt nicht das Spiel: Jeder darf zu allem etwas sagen und dann auch noch den anderen kommentieren, dann kommen wir mit 75 Minuten nicht durch.”

20:42: Kurzer Faktencheck zu Wagenknechts Aussage:

20:38: Sahra Wagenknecht erbittet sich mehr Redezeit für das Thema Rente. “Sie haben mich danach noch gar nicht gefragt. Frau Weidel durfte sich ja auch lang und breit dazu äußern.”

20:35: Im Galopp durch die Themen:

20:33: Hier lässt sich live nachverfolgen, wie sich das Suchinteresse nach den Teilnehmern des Fünfkampfs bei Google entwickelt:

20:32: Özdemirs Hintergrund:

20:31: Viele Themen in kurzer Zeit:

20:29: Sahra Wagenknecht und der Netzausbau:

20:27: Erste Bilanz:

20:25: Es geht nun um das Thema Bildung:

20:20: Joachim Herrmann zum Glasfaserausbau:

20:17: Jetzt spricht Alice Weidel über den Glasfaserausbau.

20:16: Begonnen wird mit dem Thema Digitalisierung, Christian Lindner hat das Wort.

20:15: Hier können Sie den Fünfkampf im Livestream sehen:

20:09: Die Teilnehmer sind bereit:

19:55: Die Location kann sich sehen lassen:

19:51: Auch Alice Weidel ist eingetroffen:

19:45: Die ersten Gäste treffen ein:

19:41: Ein Blick ins Fernsehstudio:

Es wird spannend
19:35: Der Fünfkampf verspricht, spannend zu werden. Spannender als das TV-Duell, meinen unsere Korrespondenten:

19:30: Herzlich Willkommen zu unserem Liveblog von vor Ort im Berliner Westhafen. Um 20:15 Uhr treten Spitzenkandidaten der fünf Parteien gegeneinander an, die sehr wahrscheinlich nach der Bundestagswahl im Bundestag vertreten sein werden: Sahra Wagenknecht von der Linkspartei, Cem Özdemir von Bündnis 90/Die Grünen, Christian Lindner von der FDP, Joachim Herrmann von der CSU und Alice Weidel von der AfD.

Atomstreit: Der Druck auf Nordkorea wächst

In der Verurteilung Nordkoreas wegen des jüngsten Atomtests sind sich die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats einig. Die USA wollen nächsten Montag eine Resolution zur Abstimmung vorlegen. Skeptisch bleiben China und Russland jedoch hinsichtlich verschärfter Sanktionen.

Nach der Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats war Japans UN-Botschafter Koro Bessho zufrieden: „Ich habe vernommen, dass alle Mitglieder des Sicherheitsrates Nordkorea deutlich verurteilt haben. Das ist gut. Gut ist auch, dass die USA eine neue starke Resolution ganz schnell vorlegen wollen.“

US-Botschafterin Nikki Haley kündigte die Vorlage einer Resolution in dieser Woche an. Nächsten Montag soll sie zur Abstimmung vorgelegt werden.

Haley wählte scharfe Worte bei der Beurteilung Nordkoreas: Sie hielt Staatsführer Kim Jong Un vor, er bettle um Krieg. Die USA wollten niemals Krieg. Aber die Geduld Amerikas sei nicht grenzenlos. Das hatte zuvor US-Verteidigungsminister James Mattis auch klar gemacht: Die USA würden jede Bedrohung ihres Territoriums oder der Verbündeten durch Nordkorea mit einer „massiven militärischen Reaktion“ beantworten. Nordkoreas Atomprogramm sei weiter fortgeschritten und gefährlicher als je zuvor.

Neue Tests erwartet

Südkorea führte eine Militärübung durch. Dabei wurden Angriffe auf die Region in Nordkorea simuliert, in der das Testgelände liegt, wie das Büro des Stabschefs in Seoul mitteilte.

Südkorea warnte zugleich vor neuen Tests. Es gebe „kontinuierlich“ Anzeichen dafür, dass Nordkorea ballistische Raketen einschließlich Interkontinentalraketen abfeuern könnte, hieß es in einem Bericht des Verteidigungsministeriums an das Parlament.

Nordkorea von Öllieferungen abschneiden

Angesichts dieser Lage schlug Südkoreas Präsident Moon Jae In scharfe Maßnahmen gegen Nordkorea vor. Der Nachbar solle von Öllieferungen abgeschnitten werden, sagte er in einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Auch solle der UN-Sicherheitsrat Maßnahmen prüfen, um Nordkoreas Devisenquellen auszutrocknen. So solle es anderen Staaten verboten werden, nordkoreanische Arbeiter ins Land zu holen.

Auch Japan, die USA und auch die Bundesregierung sprachen sich für eine Verschärfung der Sanktionen aus. Ziel sei es, den Druck so zu erhöhen, dass sich die Regierung in Pjöngjang bereit zum Dialog erklärt und eine friedliche Lösung herbeizuführen.

Darum ging es auch in einem Telefongespräch, das Kanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Donald Trump führte. Beide hätten die Auffassung vertreten, dass die internationale Gemeinschaft „den Druck auf das Regime in Nordkorea weiter erhöhen“ und der UN-Sicherheitsrat „rasch weitere und verschärfte Sanktionen beschließen“ müsse, wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte.

Merkel telefonierte auch mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon, um ihre Solidarität mit den Menschen dort zu bekunden. Eine militärische Eskalation müsse verhindert werden.

Spannungen reduzieren

China und Russland drängen jedoch auf Zurückhaltung. „Wir müssen unbedingt einen kühlen Kopf bewahren und ein Vorgehen vermeiden, das zu weiteren Spannungen führen kann“, sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja. Der Konflikt könne nicht militärisch gelöst werden. Putin forderte eine Wiederaufnahme der Verhandlungen. Politisch-diplomatische Mittel müssten aktiv genutzt werden, sagte er im Gespräch mit Moon.

Das chinesische Außenministerium erklärte, China setze darauf, dass sich alle Seiten zurückhielten. Es müsse nun darum gehen, die Temperatur zu senken und nicht darum, den Konflikt weiter anzuheizen, sagte ein Ministeriumssprecher in Peking.

Der chinesische Vertreter bei den Vereinten Nationen, Liu Jieyi, richtete sich aber auch an Nordkorea: Die Führung in Pjöngjang müsse aufhören, Schritte zu unternehmen, die falsch seien und die Situation verschärften. Liu forderte das traditionell mit China verbündete Land zudem auf, zur Lösung des Konflikts wieder auf Verhandlungen zu setzen.

Schweiz will vermitteln

Inmitten dieses Streits bot sich die Schweiz als Vermittler und Austragungsort von Gesprächen der zuständigen Minister an. „Es ist nun wirklich Zeit, sich an den Tisch zu setzen. Großmächte haben eine Verantwortung“, sagte die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard.

Der sechste Atomtest Nordkoreas am Sonntag war deutlich stärker als frühere. Nach nordkoreanischen Angaben wurde dabei erfolgreich eine Wasserstoffbombe gezündet. Am Dienstag vergangener Woche hatte Nordkorea erneut eine Mittelstreckenrakete getestet. Die Rakete flog über den Norden Japans. Seither wird bereits über neue Sanktionen diskutiert.

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Olympiapark München: Gedenkstätte für Opfer der Spiele von 1972

Olympiapark München: Gedenkstätte für Opfer der Spiele von 1972 | tagesschau.de

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Stand: 04.09.2017 20:56 Uhr

Es waren schwarze Stunden bei den Olympischen Spielen in München: Am 5. September nehmen palästinensische Terroristen israelische Sportler als Geiseln. Am Ende sind elf Israelis und ein Polizist tot. 45 Jahre danach gibt es im Olympiapark nun einen neuen Erinnerungsort.

Von Christoph Arnowski, BR

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. September 2017 um 20:00 Uhr.

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Live: WM-Qualifikation – Deutschland gegen Norwegen

40.Minute

Ganz starker Angriff der DFB-Elf. Özil bedient auf der linken Seite Werner, der in die Mitte zu Kroos passt. Der passt auf die rechte Seite zu Müller, der ein paar Meter mit dem Ball geht und dann genau auf den Kopf von Werrner flankt, der eiskalt einnickt.

Luftqualität: Stimmungsmache mit Stickoxiden

Mehrmals hat die AfD behauptet, in Büros gelten viel höhere Grenzwerte für Stickstoffdioxid als auf der Straße. Auch FDP-Chef Lindner äußerte sich entsprechend – und nun auch noch Markus Söder von der CSU. Richtiger wird die Behauptung dadurch aber nicht.

Kristin Becker, SWR

Von Kristin Becker, SWR

Auf den ersten Blick sind die unterschiedlichen Zahlen irritierend: Der Grenzwert für Stickstoffdioxid liegt im Außenbereich bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Viel höher – bei 950 Mikrogramm pro Kubikmeter – hingegen ist der Wert für bestimmte Arbeitsplätze. Im Wahlkampf nutzen Politiker diese Zahlen auf fragwürdige Weise und mit falschen Bezügen.

Die AfD entdeckt die Büros

Es ging mal wieder um Dieselautos und Fahrverbote. Anlass für die AfD-Politikerin Alice Weidel in der Talksendung „Anne Will“ zu behaupten, der Grenzwert für Stickoxide sei in Büros viel höher als im Straßenverkehr. Auch Parteichef Jörg Meuthen hatte in Facebook-Posts verbeitetet, dass in Büros 23-mal mehr Stickstoffdioxid erlaubt sei als an Straßen.

Basis von Meuthens Behauptung ist ein Artikel von „focus.de“, der die Überschrift trägt: „Absurde Dieselpanik! Im Büro ist 20 Mal mehr Stickstoffdioxid erlaubt als auf der Straße“. Im Text selbst ist von Büros allerdings gar nicht die Rede. Es geht um „Arbeitsplatzgrenzwerte“, die für besondere Arbeitsstätten gedacht sind, an denen Menschen mit gefährlichen Substanzen umgehen. Durch die Kombination von Überschrift und Zahlen und die fehlende Zuordnung suggeriert der Autor jedoch, dass diese – in der Tat höheren – Grenzwerte auch für normale Büroarbeitsplätze gelten würden.

Lindner setzt auch auf das Thema

Ganz in diesem Sinne äußerte sich auch FDP-Chef Christian Lindner, der ebenfalls bei „Anne Will“ zugegen war, sich dort aber nicht zu den Grenzwerten einließ. In einem Interview mit der Rheinischen Post sagte Lindner später allerdings: „Wer im Büro arbeitet, darf dauerhaft sehr viel mehr Stickoxid einatmen, als auf der Straße für einen kurzen Moment erlaubt ist.“ Dieses Zitat verbreitet der Politiker prominent auch auf seiner Facebook-Seite.

Auf Nachfrage des ARD-faktenfinders erklärte sein Sprecher, die Aussage beziehe sich „in ihrem Ursprung auf mehrere Medienberichte der letzten Tage und Wochen und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe.“

Söder spricht von „Absurdität“

Ähnlich argumentiert nun auch der bayrische Finanzminister Markus Söder. In der „Welt am Sonntag“ schimpfte der CSU-Mann aktuell auf eine vermeintliche Absurdität der Grenzwerte mit den Worten: „Im Büro darf der Stickoxid-Wert um ein Vielfaches höher sein als auf den Straßen.“ Er beziehe sich, so eine Sprecherin gegenüber dem ARD-faktenfinder, ebenfalls auf Berichterstattung und die Differenz zwischen 40 und 950 Mikrogramm.

Richtiger wird die Behauptung zu Stickoxiden in Büros damit aber nicht. Der Blick auf die Regelwerke des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigt, warum.


Gesunde Luft im Büro

An sich gelten für Arbeitsplätze in Deutschland ganz allgemein die Arbeitsstättenverordnung und davon ausgehend die „Arbeitsstättenregeln„. In Sachen Luftqualität besagen diese Folgendes:

In umschlossenen Arbeitsräumen muss gesundheitlich zuträgliche Atemluft in ausreichender Menge vorhanden sein. In der Regel entspricht dies der Außenluftqualität.

Der Stickstoffdioxid-Grenzwert für die Außenluft liegt in der EU derzeit bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt. Basis dafür sind Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und die entsprechende Luftqualitätsrichtlinie der EU, nach der sich das deutsche Immissionsschutzgesetz richtet. Dabei geht es um die Allgemeinbevölkerung, besonders aber um „empfindliche Bevölkerungsgruppen und auch die Umwelt insgesamt“. Der Grenzwert soll daher Säuglinge, Kinder, Kranke, Schwangere oder alte Menschen schützen, die von einem solchen Schadstoff stärker als andere gefährdet werden könnten. Auf Basis der „Arbeitsstättenregeln“ gilt für normale Büros ein vergleichbarer Wert.

Innenräume: 40 oder 60 Mikrogramm?

In der Diskussion um Stickstoffdioxid wird teilweise auch ein Wert von sechzig Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (Wochenmittelwert) für Innenräume genannt. Diese Zahl stammt laut Umweltbundesamt aus den 1990er-Jahren und wurde seitdem nicht aktualisiert. Es handelt sich dabei um einen Richtwert, also einen Wert mit Empfehlungscharakter, der von der Innenraumlufthygienekommission lange vor der EU-Richtlinie ausgesprochen wurde. Das Umweltbundesamt empfiehlt jedoch aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse, diesen Wert nicht mehr anzuwenden. Das erklärte die Behörde gegenüber dem ARD-faktenfinder. Eine Überarbeitung der Richtwerte für Stickstoffdioxid stehe derzeit noch aus, werde sich aber voraussichtlich ebenfalls an dem Beurteilungswert für die Außenluft orientieren.

Die Gefahrstoffverordnung

Anders sieht es aus bei manchen Arbeitsplätzen in der Industrie oder im Handwerk – beispielsweise beim Stahlkochen, in einer Schweißerei, einer Autowerkstatt oder einer Tunnelbaustelle, wo etwa durch dieselbetriebene Maschinen oder andere Verbrennungsprozesse Stickoxide und weitere Schadstoffe entstehen können. Für Tätigkeiten an solchen Arbeitsstätten gelten die Vorschriften der Gefahrstoffverordnung und die entsprechenden „Technischen Regeln für Gefahrstoffe„. Dort finden sich besondere Grenzwerte beispielsweise für den Umgang mit Aceton, Schwefeldioxid oder eben Stickstoffdioxid. Erstellt wird die Liste vom Ausschuss für Gefahrenstoffe.

Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS)

Der AGS ist ein Expertengremium, dass das Bundesministerium für Arbeit und Soziales berät, wenn es um Gefahrenstoffe geht. Die Mitglieder des Ausschusses kommen aus Industrie, Wissenschaft und Unfallversicherung, aber auch von Arbeitnehmerseite, etwa den Gewerkschaften. Der AGS erstellt auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen die Arbeitsplatzgrenzwerte für den Umgang mit Gefahrstoffen.

Der zentrale Unterschied: Der Grenzwert bei Arbeiten mit Gefahrstoffen zielt auf gesunde Erwachsene, die in einer definierten Zeit – fünf Tage pro Woche maximal acht Stunden pro Tag – diesen Substanzen ausgesetzt sein dürfen. Im Fall von Stickstoffdioxid darf dann nicht mehr als 950 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Luft sein.

Der viel niedrigere Wert für die Außenluft hingegen gilt für alle Menschen und bezieht besonders auch die Schwächsten mit ein. Ziel ist, dass sich ein Mensch – auch einer, der angeschlagen ist – im Freien bzw. in seiner anliegenden Wohnung problemlos ein ganzes Leben lang aufhalten können soll. Während also die Luft draußen und in den meisten Innenräumen „gesundheitlich zuträglich“ sein soll, geht es im Fall der beschriebenen Industrietätigkeiten darum, dass die Luftbelastung einem gesunden, erwachsenen Menschen im Allgemeinen nicht schaden darf.

Spezielle Arbeitsplätze, spezielle Grenzwerte

Es ist dabei nicht ungewöhnlich, dass für spezielle Arbeitsbereiche andere Grenzwerte gelten als für die Allgemeinheit. Beispielhaft dafür ist auch die Strahlenbelastung. So gilt laut Bundesamt für Strahlenschutz für die normale Bevölkerung ein Grenzwert von ein Millisievert. Für sogenannte strahlenexponierte Personen – dazu gehören unter anderen Piloten, Arbeiter in Atomkraftwerken oder Radiologen – liegt die effektive Jahresdosis bei 20 Millisievert. Also 20-mal höher.

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung Anne Will am 20. August 2017 um 21:45 Uhr und BR2 radioWelt am 18. Juli 2017 um 06:05 Uhr.

Queen eröffnet Queensferry-Brücke in Schottland

Queensferry in Schottland: Die Königin unter Britanniens Brücken | tagesschau.de

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Stand: 04.09.2017 18:54 Uhr

Die Baukosten blieben unter der veranschlagten Summe und sie soll selbst bei Starkwind befahrbar sein: Nicht nur deshalb stellt die Queensferry Crossing für die Schotten sogar die Golden Gate Bridge in den Schatten. Die Einweihung übernahm die Queen persönlich.

Von Hanni Hüsch, ARD-Studio London

Korrespondentin




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Volksabstimmungen – wirklich eine tolle Sache?

#kurzerklärt: Volksabstimmungen – wirklich toll? | tagesschau.de

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Stand: 04.09.2017 17:43 Uhr

Immer wieder wird der Ruf nach mehr Volksabstimmungen auf Bundesebene in Deutschland laut. Wäre doch toll, wenn die Bürger wichtige Fragen direkt mitentscheiden könnten. Wirklich? Kritiker warnen: Die Bürger könnten viel leichter manipuliert werden, Beispiel: Brexit.

Von Demian von Osten, WDR

Korrespondent




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