Hurrikan: „Irma“ ändert Kurs auf Westküste Floridas

Die Furcht vor dem Wirbelsturm „Irma“ hat in Florida eine Massenflucht ausgelöst. Die Behörden in dem US-Bundesstaat forderten rund 6,4 Millionen Menschen auf, die Gefahrenzonen zu verlassen. Der Sturm ist unberechenbar. Zuletzt änderte er unerwartet seinen Kurs.

Hurrikan „Irma“ steuert mit zerstörerischer Kraft auf Florida zu und hat dort eine Massenflucht ausgelöst. Rund 54.000 Menschen im ganzen US-Staat suchten in Notunterkünften Zuflucht, Zehntausende weitere brachten sich in ihren Autos in Sicherheit. Insgesamt forderten die Behörden 6,4 Millionen Menschen und damit mehr als ein Viertel der Bevölkerung Floridas auf, ihre Häuser zu verlassen – eine der größten Evakuierungsanordnungen in der US-Geschichte.

Meteorologen warnten vor lebensbedrohlichen Windböen und Sturmfluten von bis zu 4,5 Metern Höhe entlang der Küste. „Irma“ schwächte sich zwar zwischenzeitlich zu einem Hurrikan der Stufe 3 ab, doch es wurde damit gerechnet, dass er noch einmal an Stärke gewinnt, wenn er am Sonntag bei den Florida Keys auf Land trifft, teilte das Nationale Hurrikanzentrum mit.

Neue Richtung: Tampa und St. Petersburg

Anders als in den vergangenen Tagen prognostiziert wird er dann wohl nicht Richtung Miami ziehen, sondern an der Westküste entlang auf die beiden Städte Tampa und St. Petersburg zusteuern. Die Gegend mit ihren drei Millionen Einwohnern wurde seit fast einem Jahrhundert nicht mehr direkt von einem großen Hurrikan getroffen.

„Sie müssen weg, nicht heute Abend, nicht in einer Stunde, jetzt sofort“, appellierte Gouverneur Rick Scott an die Bewohner in den betroffenen Gebieten.

Dass „Irma“ den Kurs änderte, traf viele entlang der Golfküste unvorbereitet. Zunächst hatten nur wenige Bewohner und Ladenbesitzer in St. Petersburg ihre Fensterfronten verbarrikadiert. „Fünf Tage lang sagten sie uns, dass er an der Ostküste sein wird, und jetzt, 24 Stunden, bevor er uns trifft, wird uns gesagt, er kommt die Westküste rauf“, sagte der 52-jährige Jeff Beerbohm verärgert über die Prognosen.

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Windböen in Hurrikanstärke in Miami

Die ersten Ausläufer von „Irma“ bekam Florida bereits zu spüren. Fast 30.000 Menschen in Miami und Fort Lauderdale waren ohne Strom. Das Zentrum des Sturms dürfte zwar an Miami vorbeiziehen, doch die Metropolregion mit ihren sechs Millionen Einwohnern werde dennoch, Windböen in Hurrikanstärke erleben, warnte das Hurrikanzentrum.

Auf den Schnellstraßen Richtung Norden reihte sich Auto an Auto. In den 320 Notunterkünften im ganzen Staat wurde es teilweise eng. In der Germain Arena, einem Eishockeystadion bei Fort Myers, warteten Tausende mehrere Stunden, um sich dort einen Platz zu sichern. Touristenattraktionen wie Walt Disney World, Universal Studios und Sea World sollen schließen, ebenso wie die Flughäfen in der Region.

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Hurrikan „Irma“ hinterlässt Spur der Verwüstung in der Karibik

So lang war noch kein Hurrikan so stark: Zwar wurde „Irma“ nun auf Stärke 4 herabgestuft, doch zuvor war er der längste beobachtete Wirbelsturm mit Stärke 5. Schon am Mittwoch fegte er mit dieser Intensität über die nördlichen Antillen hinweg. | Bildquelle: REUTERS

Notfallnummern des Auswärtigen Amtes

Das Auswärtige Amt in Berlin schaltete angesichts des Hurrikans Notfallnummern. Wie das Ministerium mitteilte, ist für Anrufer aus Deutschland die Telefonnummer 030/50003000 geschaltet. Für Anrufer aus den USA sei die deutsche Botschaft in Washington unter 001202/2984000 zu erreichen.

Beide Telefonnummern seien ab sofort rund um die Uhr geschaltet. Die Bundesregierung stehe in engem Kontakt mit den US-Behörden und habe vor Ort ihre Krisenkapazitäten hochgefahren, erklärte das Auswärtige Amt. An der Botschaft in der Hauptstadt Washington sei ein Krisenstab eingerichtet worden, in Atlanta gebe es einen regionalen Krisenstab. Morgen werde der Krisenstab in Berlin tagen.

82.000 Fans feiern Rolling Stones in Hamburg

Stand: 09.09.2017 23:06 Uhr

Die Mähnen grauer, die Outfits bunter: Die Rolling Stones am Samstagabend im Hamburger Stadtpark.

Es war eines der größten Konzerte, die Hamburg je erlebt hat: Vor 82.000 Fans haben die Rolling Stones am Samstagabend im Stadtpark ihre Europa-Tournee gestartet. Für den großen Gig war die Festwiese mit Tribünen und einer gigantischen Bühne in eine Open-Air-Arena verwandelt worden. Relativ pünktlich um 20.35 Uhr begannen Mick Jagger & Co. ihren Auftritt. Die Besucher waren bereits seit der Öffnung um 14 Uhr durch zwei Eingänge auf das Gelände geströmt.

Einen ausführlichen Konzertbericht finden Sie später bei NDR.de.

Weitere Informationen

09.09.2017 19:30 Uhr

Hamburg Journal

Die Massen strömen: 80.000 Menschen werden beim Auftritt der Rolling Stones im Stadtpark erwartet. Die Rock-Veteranen beginnen in der Hansestadt ihre Europa-Tournee.
Video (06:00 min)

Logistische Herausforderung

Das Konzert war eine logistische Herausforderung für alle Beteiligten. Zu den Sicherheitsvorkehrungen gehören Absperrungen der Polizei und Personenkontrollen rund um das Konzertgelände. Größere Taschen durften nicht mitgebracht werden.

Probleme am U-Bahnhof Borgweg

Es wurde dringend geraten, auf das Auto zu verzichten und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Die Straßensperrungen und die übervollen Bahnen werden allerdings auch viele Hamburger betreffen, die nicht zum Konzert wollen. Am Nachmittag wurde der Bahnhof Borgweg von der U3 wegen Überfüllung zeitweise nicht mehr angefahren, wie die Polizei twitterte:

Twitter-Aktion für Wunsch-Hits

Über Twitter wurden die Fans aufgefordert, ein Lied auszuwählen, das die Band auf jeden Fall beim Auftakt spielen soll. Welche weiteren Songs die Stones bei ihrer Europa-Tournee spielen, bleibt bis zuletzt ein Geheimnis. Es hieß lediglich, die Fans könnten sich auf „eine Musikliste vollgepackt mit Klassikern freuen“, allerdings gebe es jeden Abend auch „einige unerwartete Tracks“ und „ausgewählte Überraschungen“ zu hören.

Das Vorprogramm bestritt die isländische Band Kaleo („Way Down We Go“). Das tagelange Hamburger Schietwetter hatte bereits die Proben durcheinandergewirbelt.

Die vielleicht letzte Tour

Die „No Filter“-Tournee umfasst 14 Konzerte in neun europäischen Staaten. In Deutschland gibt es noch zwei Gastspiele im Münchner Olympiastadion am 12. September und in der Düsseldorfer Esprit Arena am 9. Oktober. Mit dem letzten von drei Konzerten in Paris geht am 25. Oktober die Tournee zu Ende.

Die Rolling Stones: Eine Bilderbuch-Karriere

Weitere Informationen

09.09.2017 09:00 Uhr

NDR 90,3

Die Festwiese im Hamburger Stadtpark wurde in eine gigantische Open-Air-Arena verwandelt. 82.000 Fans werden erwartet und auf den Straßen wird es voll.
Audio (02:35 min)

Am 13. September 1965 treten die Rolling Stones das erste Mal in Hamburg auf. Am Rande der Konzerte hauen Randalierer ordentlich auf den Putz. Ein Rückblick in Bildern.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 |
NDR 90,3 Aktuell |
09.09.2017 | 18:50 Uhr

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Vorstoß zum Asylverfahren: De Maizière bekommt Unterstützung der SPD

Innenminister de Maiziere will die Regelungen für Asylbewerber europaweit angleichen. Dazu zählt unter anderem, Leistungen in Deutschland zu kürzen – denn die seien im EU-Vergleich „ziemlich hoch“. Unterstützungen bekommt er von SPD-Kanzlerkandidat Schulz.

Von Janina Lückoff, ARD-Hauptstadtstudio

Mit drei Forderungen befeuert Bundesinnenminister Thomas de Maizière den Wahlkampf. Er will die Leistungen für Asylbewerber kürzen, die Asylverfahren europaweit vereinheitlichen und auch den Rechtsanspruch auf solche Verfahren EU-weit anpassen.

Unterstützung bekommt der CDU-Politiker von eher ungewöhnlicher Seite. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist mit dem Bundesinnenminister einer Meinung. Bei einem Wahlkampfauftritt sagte Schulz, er sei seit jeher für europaweit einheitliche Asylverfahren.

Laut Schulz sei es besser, dass de Maizière nun mit einer Schrecksekunde von vier Jahren aufgewacht sei, als weiter vor sich her zu pennen. Er fügte hinzu: Dass der Minister nun diese Forderung äußere, habe nur einen Hintergrund. De Maizière habe Panik vor der rechten Szene. Der Glaube, man könne mit dem Nachplappern von deren Parolen diese Leute in Schach halten, sei ein Irrtum, man mache sie nur stark, so Schulz.

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Linke: „Die Axt am Grundgesetz“

Deutliche Kritik an der Forderung nach europaweit einheitlichen Asylverfahren kam vom stellvertretenden Fraktionschef der Linken im Bundestag, Jan Korte. Ausgerechnet der Verfassungsminister lege die Axt ans Grundgesetz, sagte er. Wer das Asylrecht ernsthaft auf das Niveau von Ungarn oder Polen herunterbringen wolle, so Korte, wolle eine andere Republik.

Ein einheitliches Asylsystem ist nicht die einzige Forderung de Maizières. Er will auch die Leistungen für Asylbewerber angleichen. In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ sagte er: „Deutschland ist das Land, in dem die meisten leben wollen, auch weil unsere Verfahrens- und Aufnahmebedingungen im europäischen Vergleich großzügig sind und die Leistungen für Flüchtlinge im EU-Vergleich ziemlich hoch.“

De Maizière sprach von einem Sogeffekt, der auf Geflüchtete entstehe. Um die in manchen Ländern höheren Lebenshaltungskosten zu berücksichtigen, schlug er einen Kaufkraftzuschlag vor.

Kritik von den Grünen

Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt kritisierte den Vorschlag: „Die Leistungen für Flüchtlinge müssen laut Verfassungsgericht den unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in Europa entsprechen und können nicht unter das Existenzminimum gedrückt werden. Das sollte ein Verfassungsminister eigentlich wissen.“ Der Vorschlag de Maizières zeige, dass sich die Union im Wettlauf mit der FDP und der AfD für nichts mehr zu schade sei, so Göring-Eckardt.

Zum Thema Rechtsschutz sagte der Bundesinnenminister, auch der müsse seiner Ansicht nach europaweit vereinheitlicht werden. „Bei uns können abgelehnte Asylbewerber über diverse rechtliche Klagewege ihre Abschiebung hinauszögern, deutlich mehr als anderswo“, so de Maizière.

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De Maizière übernimmt CSU-Forderungen

Keine dieser drei Forderungen des CDU-Ministers findet sich so im Wahlprogramm der Union. Dort ist lediglich die Rede davon, dass Europa „das Europäische Asylgesetz“ vollenden müsse. Wie das aussehen soll wird nicht erläutert. Im Bayernplan der CSU dagegen steht explizit: „Innerhalb Europas sollen sich alle Staaten auf Basis einheitlicher Asylgesetzgebung und gemäß ihrer Leistungsfähigkeit einbringen.“

Damit übernimmt de Maizière zum zweiten Mal in diesem Wahlkampf eine CSU-Forderung. Denn auch die, den Familiennachzug für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutzstatus über März 2018 hinaus auszusetzen, steht so nur im Bayernplan der CSU. Und die CSU, so wird gemunkelt, würde nach der Wahl gerne Joachim Herrmann als Bundesinnenminister nach Berlin schicken.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. September 2017 um 06:04 Uhr.

Angebliche E-Mail in der „Wams“: Radikale Töne von Weidel?

Eigentlich gilt sie als der wirtschaftsliberale Pol in der AfD-Doppelspitze. Jetzt hat die „Welt am Sonntag“ eine angeblich von der Spitzenkandidatin Weidel stammende rassistische E-Mail veröffentlicht, die sie in die Nähe der Reichsbürger-Ideologie rückt. Weidel bestreitet die Urheberschaft.

Die brisante E-Mail soll vom 24. Februar 2013 stammen – und gleich an mehrere Empfänger gegangen sein. Darin bezweifelt die heutige AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel die Souveränität Deutschlands:

Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen

So soll Weidel in dem Text, der der „Welt am Sonntag“ vorliegt, über die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel herziehen. Weiter heißt es darin:

Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden.

Weidel widerspricht

Weidel hatte sich mehrfach gegen Vorwürfe verwahrt, die AfD sei islam- oder ausländerfeindlich. AfD-Sprecher Christian Lüth sagte, Weidel habe ihm versichert, diese Mail stamme nicht von ihr. Es sei „eine Fälschung“. Weidels Anwälte sagten der „Welt am Sonntag“, dass es falsch und rechtswidrig sei, „öffentlich zu behaupten, unsere Mandantin habe diesen Text geschrieben, oder auch nur diesen Verdacht zu äußern“.

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Zeitung bleibt bei Darstellung

Laut der Zeitung liegt ihr jedoch eine eidesstattliche Versicherung des Mail-Empfängers, eines früheren Bekannten Weidels, vor. Der Empfänger der Mail führte gegenüber der Zeitung, dass sich die Betreffzeile der Mail auf ein Gespräch mit ihm beziehe, und sie diese wie üblich mit ihrem Spitznamen „Lille“ gezeichnet habe. Auch nach dpa-Informationen war „Lille“ früher ein Spitzname Weidels.

Zu der Zeit, aus der die Mail angeblich stammt, soll Weidel nach Angaben der Zeitung noch nicht Parteimitglied gewesen sein. Sie habe damals aber begonnen, sich im AfD-Vorläufer „Wahlalternative 2013“ zu engagieren, schreibt die „WamS“.

Fußball Bundesliga: Bayern verliert in Hoffenheim

Der deutsche Meister kassierte am Samstag (09.09.2017) beim 0:2 (0:1) in Sinsheim seine erste Saisonniederlage in der Fußball-Bundesliga. Stürmer Uth traf im Stile von Bayern-Torjäger Robert Lewandowski doppelt (27./51. Minute). So blieb das Team von Trainer Julian Nagelsmann auch im 19. Heimspiel hintereinander ungeschlagen.

„Das war ein hervorragender Abend für uns. Die wenigen Chancen, die wir hatten, haben wir genutzt. Ein bisschen Glück, dass wir keinen kriegen, war auch dabei“, sagte Uth beim TV-Sender Sky. Mäzen Dietmar Hopp meinte: „Nachdem ich unsere Verletztenliste gelesen habe, habe ich gesagt: Vielleicht schaffen wir es wie Freiburg gegen Dortmund ein 0:0 zu ermauern. Aber das ist super. Sensationell!“

Erstes Hoffenheimer Tor umstritten

Der erste Treffer war umstritten. Die Münchner um Mats Hummels protestierten heftig, aber vergebens, weil in der Szene zwei Bälle auf dem Rasen waren. Schiedsrichter Daniel Siebert gab den Treffer jedoch, auch der Videoassistent griff nicht ein.

„Es ging natürlich sehr schnell, aber ich konnte nicht genau sehen, wo der zweite Ball war. Wir haben uns aber hinten auch nicht optimal verhalten, das war auch mit unsere Schuld“, sagte Bayern-Torhüter Manuel Neuer, der sich über die Niederlage ärgerte. „Wir hatten Hoffenheim am Anfang im Griff und hätten einfach in Führung gehen müssen.“

Lewandowskis Schuss touchiert die Latte

Bundesliga: Dortmund verpasst den Sieg

Dortmund hatte zwar einige Chancen, blieb aber insgesamt blass und konnte die Serie von zuletzt zwölf Siegen in zwölf Spielen gegen den SCF nicht ausbauen. Freiburg musste mit dem Punkt zufrieden sein, wartet nach drei Spieltagen in der Fußball-Bundesliga aber noch auf den ersten Saisonsieg. Für Schmelzer dauerte das Comeback nach überstandener Verletzung am Sprunggelenk und wochenlanger Pause nur eine halbe Stunde. Nach dem Tritt in die Wade von Freiburgs Ravet musste der Linksverteidiger mit einer Trage vom Platz gebracht und ausgewechselt werden. Der nicht souverän wirkende Schiedsrichter Benjamin Cortus zeigte dem Franzosen zunächst die gelbe Karte, entschied nach dem Einsatz des Video-Assistenten aber auf Rot. Dortmund rannte anschließend an, Freiburg verteidigte leidenschaftlich und verdiente sich damit den Punkt.

Streich krempelt sein Team um

Neben Ravet brachte SC-Trainer Christian Streich noch fünf weitere Profis, die beim 1:4 gegen RB Leipzig nicht in der Startelf standen: Lukas Kübler, Caglar Söyüncü, Amir Abrashi, Vincent Sierro, Tim Kleindienst und eben Yovic Ravet standen für Julian Schuster, den verletzten Marc-Oliver Kempf, Pascal Stenzel, den gesperrten Nicolas Höfler, Mike Frantz und Florian Niederlechner auf dem Feld. Bosz hatte eigentlich keinen Grund zu wechseln, schenkte seinem Kapitän Marcel Schmelzer jedoch das Vertrauen nach dessen Genesung. Der in den ersten Spielen gute Vertreter Dan-Axel Zagadou musste weichen.

Kleindienst vergab nach sechs Minuten bereits eine riesengroße Gelegenheit zur Führung für den Gastgeber. Freigespielt von Christian Günter und Janik Haberer scheiterte der Stürmer mit einem schwachen Abschluss an BVB-Keeper Roman Bürki. Mit bissigen Kontern und guter Defensivarbeit hätten sich die noch sieglosen Freiburger die Führung in der Anfangsphase verdient gehabt. Außer einem zu hoch angesetzten Kopfball von Pierre-Emerick Aubameyang brachte der BVB lange Zeit überhaupt nichts zustande und wirkte ideenlos. Allerdings musste Trainer Peter Bosz auch früh zweimal unfreiwillig wechseln. Vor Schmelzer musste bereits Innenverteidiger Marc Bartra nach 18 Minuten runter. Der Spanier hatte sich zuvor an die Leiste gefasst.

Dortmund fällt wenig ein

Nach dem kuriosen Platzverweis verlagerte sich das Spiel dann komplett in die Freiburger Hälfte. Nuri Sahin prüfte SC-Torwart Alexander Schowlow mit einem Distanzschuss (40.). Unmittelbar nach dem Seitenwechsel verhinderte Schwolow mit einer Parade gegen Christian Pulisic den Rückstand (46.). Ein Kopfball von Aubameyang geriet erneut zu hoch (54.), wenig später rutschten drei Dortmunder an einer Flanke von Gonzalo Castro vorbei – die Borussen konnten sich zu wenig Chancen erarbeiten und schossen auch nur dreimal auf das Tor der Freiburger. Lukasz Pisczeks Kopfball war nach langer Zeit die beste Chance zum späten Siegtreffer (81.).

Auch der in der Schlussphase eingewechselte Neuzugang Andrej Jarmolenko konnte am 0:0 nichts ändern. Am Ende des Spiels hatten die Dortmunde zwar fast 80 Prozent Ballbesitz, aber nur einen Punkt auf der Habenseite. Beim BVB hoffen sie nun vor dem Champions.League-Auftakt bei Tottenham Hotspur unter der Woche darauf, dass Schmelzer und Bartra nicht allzu schwer verletzt sind. Am Sonntag kommt der 1. FC Köln dann nach Dortmund. Die Freiburger müssen am selben Tag beim ebenfalls sieglosen Bayer leverkusen ran.

Türkisches Außenministerium rät zu Vorsicht in Deutschland

Erklärung des Außenministeriums: Türkische „Reisewarnung“ für Deutschland | tagesschau.de

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Stand: 09.09.2017 17:25 Uhr

Keine politischen Debatten führen und Wahlkampfveranstaltungen meiden: Das Außenministerium in Ankara ruft Türken in Deutschland zur Vorsicht auf. Die Erklärung ist als „Reisewarnung“ tituliert und könnte eine Reaktion auf die deutsche Politik sein.

Das Außenministerium in Ankara hat Türken bei Reisen nach Deutschland und hier lebende Türken zur „Vorsicht“ ermahnt. In der mit „Reisewarnung bezüglich der Bundesrepublik Deutschland“ überschriebenen Erklärung rät das Ministerium dazu, „sich nicht auf politische Debatten einzulassen“ und „sich von Wahlkampfveranstaltungen politischer Parteien und von Plätzen fernzuhalten“.

Der Wahlkampf fuße „auf gegen die Türkei gerichteten Ressentiments“, so das Ministerium. Die politische Atmosphäre in Deutschland sei beeinflusst von rechtsradikaler und rassistischer Rhetorik.

Deutschland verschärfte Reisehinweise im Juli

Bei dieser „Reisewarnung“ handelt es sich offenbar um eine Reaktion der Türkei auf die Bundesregierung, die Mitte Juli einen Kurswechsel gegenüber der Regierung in Ankara vorgenommen und die Reisehinweise für die Türkei verschärft hatte. Eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes in Berlin gibt es allerdings nicht.

Das Auswärtige Amt bemüht sich seit Wochen um die konsularische Betreuung festgenommener Deutscher, die von den türkischen Behörden verweigert oder nur sporadisch zugelassen werden. Die Türkei verdächtigt sie, die Urheber des gescheiterten Militärputsches vom vergangenen Jahr unterstützt zu haben. Der bekannteste Fall ist der des Doppelstaatlers und Journalisten Deniz Yücel, der seit mehr als 200 Tagen in Haft sitzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. September 2017 um 17:00 Uhr.

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Ägypten: Grabkammer eines Goldschmieds entdeckt

Ägypten : Grabkammer eines Goldschmieds entdeckt | tagesschau.de

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Stand: 09.09.2017 17:21 Uhr

Archäologen haben in Ägypten eine wertvolle Grabkammer entdeckt. In ihr fanden sich Mumien, Sarkophage und Schmuck. Die Kammer soll 3500 Jahre alt sein. Die Regierung erhofft sich Impulse für den darbenden Tourismus.

Archäologen haben in der altägyptischen Nekropole Draa Abul Naga in Luxor an der Westseite des Nils die wertvolle Grabkammer eines Goldschmieds freigelegt. Zu dem Fund zählen die Mumien einer Frau und ihrer zwei Kinder, Sarkophage, Schmuck, Statuen und Masken. Das teilte das Antikenministerium mit.

Der Goldschmied nannte sich Amenemhat und widmete seine Arbeit dem Gott Amun. Eine von mehreren Skulpturen aus dem Grab zeigt den Goldschmied mit seiner Frau – zwischen beiden ein gemaltes Porträt ihres Sohnes.

Frau starb an Knochenerkrankung

Die ersten Untersuchungen der aufgefundenen Frauen-Mumie ergaben, dass sie mit etwa 50 Jahren starb. Sie litt an einer bakteriellen Knochenerkrankung.

Die Kammer soll aus der Epoche des Neuen Reiches (16. bis 11. vorchristliches Jahrhundert) stammen. Sie ist die neueste einer Reihe von archäologischen Entdeckungen in Ägypten in diesem Jahr.

Im April waren acht Mumien in einer weiteren Grabkammer in der Pharaonenstadt Luxor entdeckt worden. Im Vormonat fanden Archäologen eine riesige Statue im Boden eines Armenviertels in Kairo. Die ägyptische Regierung verspricht sich von den Entdeckungen Impulse für den wackeligen Tourismus im Land.

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London: Marsch gegen den Brexit

London : Ein Marsch gegen den Brexit | tagesschau.de

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Stand: 09.09.2017 16:39 Uhr

In der britischen Hauptstadt London sind Zehntausende Menschen friedlich gegen den Austritt Großbritanniens aus der EU auf die Straße gegangen. Am Abend soll es weitere Aktionen geben, etwa zur „Last Night of the Proms“.

Zehntausende Demonstranten haben in London gegen den EU-Austritt Großbritanniens demonstriert. Der Protestzug mit zahlreichen EU-Flaggen zog mitten durch die Metropole bis zum Parlament. Die Demonstration wurde von Popmusiker Bob Geldof unterstützt.

Am Abend wollen die Protestler vor der Royal Albert Hall EU-Fähnchen verteilen. Dort findet die legendäre Veranstaltung „Last Night of the Proms“ statt, bei der das BBC Symphony Orchestra die traditionelle Saison der Henry-Wood-Promenaden-Konzerte mit einem Konzert abschließt.

Abstimmung über EU-Austrittsgesetze

Großbritannien wird im März 2019 die EU verlassen. Der Protestmarsch kam für die Regierung zu einem ungünstigen Moment. Am Montag stimmt das Unterhaus erstmals über das EU-Austrittsgesetz (European Union Withdrawal Bill) ab.

Auf der Grundlage des Gesetzes will die Regierung nach eigenem Gutdünken über 12.000 EU-Vorschriften in nationales Recht umformen. Die Opposition spricht von einem Eingriff in die Gewaltenteilung.

Bei der Abstimmung dürfte die Zukunft von Premierministerin Theresa May auf dem Spiel stehen. Sie ist seit der misslungenen Neuwahl im Juni politisch angeschlagen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. September 2017 um 16:00 Uhr.

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Wahlkampf der Linkspartei: Abstieg Ost?

Die Linkspartei ist die größte Oppositionspartei im Bundestag. Doch der Kampf um Platz drei ist hart. Sie braucht unbedingt ein gutes Wahlergebnis in Ostdeutschland, wo auch die AfD stark ist. Helfen soll eine neue, alte Wahlkampflok.

Von Eva Lodde, ARD-Hauptstadtstudio

„Popcorn und Frieden für alle“ – die Linkspartei ist auch an diesem Tag in Rostock großzügig in ihren Versprechen, für das Wohl aller zu sorgen. Die Popcorn-Maschine mit dem hübschen Slogan blubbert vor sich hin, die Sonne scheint und es plätschert fröhliche Musik aus den Lautsprechern. Es sind viele Menschen auf den Marktplatz in Rostock gekommen, um Dietmar Bartsch zu sehen.

Alle Bierbänke sind besetzt, in den hinteren Reihen stehen die Menschen. Der Spitzenkandidat gibt sich in seinem Wahlkreis optimistisch: Bartsch hofft sogar, dem CDU-Kandidaten das Direktmandat abzuluchsen. Es wird schwierig, aber unmöglich scheint es nicht.

„Im Osten sind unsere Hochburgen“, sagt Bartsch, „hier wollen wir beweisen, dass ‚Die Linke‘ Volksparteicharakter hat und deswegen gibt es ein besonderes Engagement in den neuen Ländern.“

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Gysi – zurück aus der Versenkung

Das besondere Engagement hat einen Namen: Gregor Gysi. Nach der Hälfte der Legislaturperiode war der langjährige Fraktionsvorsitzende eher widerwillig zurückgetreten, Bartsch und Sahra Wagenknecht übernahmen. Seitdem tauchte das redegewandte Schwergewicht der Linkspartei kaum noch auf, im Bundestag durfte Gysi nur selten reden. Zu groß war in der Partei die Angst, dass er den beiden Neuen nicht genug Raum lassen würde. Ja, sie sogar übertrumpfen könnte.

Nun hat die Linkspartei ihn pünktlich zum Endspurt im Wahlkampf reaktiviert. Neben den Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger, den Spitzenkandidaten Bartsch und Wagenknecht, die alle in der ersten Reihe stehen wollen, kommt nun also noch ein fünftes Gesicht an die Parteistände. Gysi, die neue, alte Wahlkampflokomotive für den Osten.

Keine Systemopposition mehr

Denn die Linkspartei hat ausgerechnet dort ein Problem. Der von Bartsch attestierte „Volksparteicharakter“ bröckelt. „‚Die Linke‘ hat ihr Maximum an Wählerpotenzial vor einigen Jahren ausgeschöpft“, meint Hendrik Träger, Politikwissenschaftler an der Universität Leipzig. Der ehemalige Erfolg sei zugleich ihr Problem. „Im Osten ist sie auch Regierungspartei und gilt nicht mehr als Systemopposition, Oppositionspartei oder Protestpartei“, so Träger.

Das wurde im vergangenen Jahr bei den Landtagswahlen deutlich: In Sachsen-Anhalt verlor die Partei 7,4 Prozentpunkte und stürzte auf 16,3 Prozent ab. Ähnlich in Mecklenburg-Vorpommern – dort büßte sie 5,2 Prozentpunkte ein.

Auffällig viele Wähler verlor sie an die AfD, die neue Protestpartei am Platze. Viele hätten die Linkspartei eben nicht aus Überzeugung, sondern aus Protest gewählt. Diese Wähler würden nun abwandern, meint Politikwissenschaftler Träger. Das daher ausgerufene Ziel „20 Prozent + X“ für die meisten Bundesländer in  Ostdeutschland hält er deshalb für ambitioniert. Doch nur dann hat die Linkspartei eine Chance auf ein zweistelliges Ergebnis und auf Platz drei bei der Bundestagswahl.

Eine Frage des Prestiges

Es ist wohl eine der spannendsten Fragen in diesem Wahlkampf, ob das FDP, Grüne, Linkspartei oder AfD schaffen. Im derzeitigen Bundestag hat die Linkspartei den Titel „größte Oppositionspartei“ und damit Platz drei inne. Es ist also eine Prestigefrage, ob sie den wieder erringen kann.

Für Wagenknecht ist es auch eine Machtfrage. Sie sagt: „Nehmen wir an, es gibt eine Große Koalition, was ich sehr befürchte, weil die SPD sich so eingerichtet hat unter Merkel. Dann wird es einen sehr großen Unterschied machen, ob ‚Die Linke‘ Oppositionsführerin wird oder andere Partei.“

Im Westen schwach

Im Westen Deutschlands ist die Linkspartei schwach geblieben: Bei den Landtagswahlen von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen verpasste sie den Einzug ins Parlament. Das Saarland als „Wohnzimmer“ Oskar Lafontaines war mit 12,9 Prozent die Ausnhame – und trotz des scheinbar hohen Wertes eine Niederlage. Bei der Landtagswahl zuvor hatte die Linkspartei noch 16,1 Prozent geholt.

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Eine „Allianz für Ostdeutschland“

Deshalb hat die Linkspartei im Wahlkampfendspurt Mitte August nochmal ihr Augenmerk gen Osten gerichtet und eine „Allianz für Ostdeutschland“ ausgerufen: Mit elf Punkten will sich die Partei als die Anwältin des Ostens profilieren. Dazu zählt die Angleichung der Ostrenten an Westniveau bis 2020 und die Forderung nach einem Bundesministerium für Infrastruktur und die neuen Länder. Auf dem Podium saß neben Bartsch auch Gysi.

Der gerade erschienene Bericht zum Stand der Deutschen Einheit scheint der Partei Recht zu geben: „Das Wachstum in Ostdeutschland ist weiterhin auf flankierende Maßnahmen (…) angewiesen“, so Iris Gleicke, die Ostbeauftragte der Bundesregierung. Eine wirksame Regionalförderung sei nötig, wenn der Solidarpakt auslaufe. „Der Osten ist weder ein ödes Jammertal noch ist er ein blühendes Paradies“, so Gleicke, „es gibt Licht und Schatten und es gibt noch jede Menge zu tun.“

Bartsch kämpft um das Direktmandat

Die Linkspartei will kurz vor der Wahl auch noch einmal ihr soziales Profil schärfen: Dieses Wochenende berät der Parteivorstand, auf welche Themen die Linkspartei sich in den kommenden zwei Wochen konzentrieren will.

Den zentralen Wahlkampfabschluss soll es am 22. September in Berlin geben. Vor dem Roten Rathaus in Ost-Berlin – natürlich. Am nächsten Tag reist Bartsch noch einmal nach Rostock. Denn für seinen Wahlkreis will er den Wahlkampf persönlich beenden. Mit Popcorn und Frieden für alle. Und hoffentlich einem Direktmandat.