Hurrikan “Irma”: Das “große Monster” trifft Florida

Anders als erwartet tobt Hurrikan “Irma” nicht nur über Floridas Ostküste, sondern besonders im Westen, wohin sich viele in Sicherheit gebracht hatten. Mehr als zwei Millionen Menschen sind ohne Strom. US-Präsident Trump sprach von einem “großen Monster”.

Der Hurrikan “Irma” hat nach seinem Weg durch die Karibik nun auch im US-Bundesstaat Florida seine zerstörerische Kraft entfaltet. Zwar schwächte sich der Wirbelsturm inzwischen über Land ab und wird nun – zumindest vorübergehend – als Sturm der Kategorie zwei gewertet, dies mache ihn aber nicht weniger gefährlich, warnten die Behörden. Vor allem der Westen Floridas sei direkt betroffen, meldete das US-Hurrikanwarnzentrum NHC.

Durch seine Ausdehnung ist jedoch auch die Ostküste betroffen: So stehe das Wasser in Miami bereits in den Straßen und steige minütlich an, berichtet ARD-Korrespondent Jan Philipp Burgard. Zudem entwickelten sich dort zusätzlich Tornados – sechs binnen einer Stunde nach Angaben des nationalen Wetterdienstes.

Millionen ohne Strom

Mehr als zwei Millionen Menschen sind ohne Strom. Das teilte das Energieunternehmen Florida Power & Light mit, das den Großteil des Südens des US-Staates mit Strom beliefert. Mindestens drei Menschen starben in Florida bei Verkehrsunfällen in Folge der Sturmböen und des starken Regens.

“Stromkabel zerreißen”

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 215 Kilometern pro Stunde erreichte “Irma” die Südspitze des US-Bundesstaats. Der Wirbelsturm zog zunächst über die Inselgruppe der Florida Keys, sein Auge bewegte sich dann langsam an der Westküste des “Sunshine State” entlang.

“Die Schiffe werden weggerissen, die Palmen auf den Boden gedrückt, die Stromkabel zerreißen”, schilderte die Nothelferin Maggie Howes via Telefon das Eintreffen “Irmas” von Key Haven aus. “Zur Zeit kann niemand nach draußen, man kann sich in den Böen nicht aufrecht halten.”

Am Abend – vor Ort nachmittags – befand sich “Irma” 55 Kilometer südlich von Naples an der Westküste Floridas. Die Windgeschwindigkeiten des zu diesem Zeitpunkt auf Kategorie drei hinuntergestuften Wirbelsturms betrugen dort noch immer 195 Kilometer pro Stunde. “Irma” bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 19 Kilometern pro Stunde in Richtung Norden. “Bleiben Sie weg vom Wasser”, schrieb das NHC. Nahe Naples werden bis zu fünf Meter hohe Wellen vorhergesagt.

Trump: “großes Monster”

US-Präsident Donald Trump zeigte sich besorgt: “Irma” sei ein “großes Monster”, sagte Trump in Washington. Der Sturm werde hohe Schäden anrichten. Aktuell gehe es aber zunächst um die Rettung von Menschenleben. Er selbst werde “sehr bald” Richtung Florida aufbrechen.

In dem Bundesstaat waren insgesamt 6,3 Millionen Menschen zur Evakuierung aufgefordert worden. Gouverneur Rick Scott hatte gewarnt, “Irma” werde schlimmer als Hurrikan “Andrew” sein, bei dem 1992 insgesamt 65 Menschen ums Leben gekommen waren. Alle 20,6 Millionen Einwohner des Bundesstaates sollten sich für eine Flucht bereithalten.

Die Schwierigkeit besteht nun insbesondere in der Unberechenbarkeit des Sturms: Die Meteorologen waren lange davon ausgegangen, dass “Irma” vor allem die Ostküste treffen würde. Viele Menschen hatten sich daher beispielsweise in der Gegend um Tampa in Sicherheit gebracht. Doch genau dorthin soll der Sturm nun in den kommenden Stunden ziehen.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2017 um 20:00 Uhr.

Saakaschwili reist trotz Verbots in die Ukraine

Machtkampf mit Poroschenko: Saakaschwili reist in die Ukraine | tagesschau.de

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Stand: 10.09.2017 21:12 Uhr

Er war Präsident in Georgien und Gouverneur der ukrainischen Stadt Odessa, bis er sich mit Präsident Poroschenko überwarf. Doch nun ist Saakaschwili zurück. Trotz Verbots gelang es ihm, die Grenze zur Ukraine zu überqueren. Dort hofft er auf ein politisches Comeback.

Der frühere georgische Präsident und ukrainische Gouverneur Michail Saakaschwili ist demonstrativ ohne gültige Papiere in seine zweite Heimat Ukraine eingereist. Zwar sperrte das Land einen Grenzübergang von Polen, den Saakaschwili zu Fuß passieren wollte. Doch dann durchbrach eine Gruppe seiner Anhänger von ukrainischer Seite die Kette der Grenzschützer und holte ihn aus dem Niemandsland bei dem Ort Schehyni. Stunden vorher war seine Einreise mit dem Zug von der polnischen Stadt Przemysl aus blockiert worden.

Staatenlos durch Passentzug

Saakaschwili wurde bei den Einreiseversuchen von der Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko und mehreren ukrainischen und polnischen Abgeordneten begleitet. Saakaschwili war 2015 von Präsident Petro Poroschenko als Reformhelfer in die Ukraine berufen worden. Seitdem haben die beiden sich aber überworfen. Poroschenko entzog seinem früheren Freund im Juli die ukrainische Staatsbürgerschaft – wodurch er jetzt staatenlos ist. Die Einreise ohne gültige Papiere begründete er damit, dass er vor Gericht um seine Staatsbürgerschaft kämpfen wolle.

Als Gouverneur der ukrainischen Schwarzmeerstadt Odessa hatte Saakaschwili zunächst versucht, Reformen durchzusetzen. Dann trat er aber zurück und ging auf Konfrontationskurs zu Poroschenko, dem er Korruption vorwarf. Saakaschwili strebt in der Ukraine nun offenbar eine neue Politkarriere an.

Wie es in der Ukraine für ihn weitergeht, ist unklar. Schlimmstenfalls droht ihm die Verhaftung.

In Georgien gesucht

2003 hatte Saakaschwili schon einmal einen Polizeikordon durchbrochen, allerdings in Georgien. Damals wollte er das Gebäude des georgischen Parlaments in Tiflis stürmen. Das war der entscheidende Schritt in der sogenannten Rosenrevolution, in der er Präsident Eduard Schewardnadse die Macht entriss. Normalerweise hält er sich in den USA auf.

Georgien hat wegen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs die Auslieferung seines Ex-Staatschefs beantragt. Saakaschwili war von 2004 bis 2013 Präsident Georgiens, nahm aber statt der georgischen die ukrainische Staatsbürgerschaft an, um dort Gouverneur der Provinz Odessa zu werden.

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Hurrikan “Irma” tobt über Florida

Die Warnungen waren drastisch – dennoch sind einige Menschen in den von Hurrikan “Irma” bedrohten Gebieten in Florida geblieben. Dort ist der Wirbelsturm nun angekommen, erste Überflutungen werden gemeldet. In mehr als einer Million Haushalte fiel der Strom aus.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Hurrikan Irma entfaltet seine volle Kraft über Florida. Mit Windgeschwindigkeiten von über 215 Kilometern pro Stunde ist das Auge über die Inselkette Florida Keys hinweggezogen. Die Gefahr ist damit nicht gebannt: Die Experten rechnen mit Sturmfluten, ausgelöst von den Winden, die Irma mit sich zieht.

Trotz der eindringlichen Warnungen der Behörden: Einwohner sind auf den Keys geblieben. So gab sich beispielsweise John Hines bei CNN optimistisch: “Wir sind in einem Betongebäude im dritten Stock, die Fenster verbarrikadiert.” Er sieht sich damit oberhalb einer möglichen Sturmflut, zudem werde der Hurrikan kein Betongebäude umhauen. “Die Ersthelfer sind in einem Hotel aus Beton auf der anderen Straßenseite. Wir haben viele Vorräte, Wasser, Nahrungsmittel, Alkohol. Wir sind bereit!”

Angeordnete Evakuierung der Florida Keys

Die Behörden hatten die Einwohner der Keys aufgefordert, die Inselkette zu verlassen. Sturmfluten könnten die Inseln komplett überfluten, die Brücken zerstört werden. Cammy Clark vom zuständigen Einsatzzentrum sagte resigniert: “Es ist zu spät, den Leuten zu sagen, sie sollten sich in Sicherheit bringen.”

Einige Menschen auf Booten hätten sich geweigert, ihr Boot zu verlassen. “Ich habe keine Vorstellung, wie es für sie sein wird.” Es gebe vier Notunterkünfte für Kurzentschlossene in Gebäuden, die für Hurrikans der Stärke fünf ausgelegt seien. “Ich hoffe, dass es allen, die dort sind, gut geht.”

Westküste Floridas bedroht

Meteorologen gehen davon aus, dass der Hurrikan entlang der Westküste Floridas nach Norden ziehen wird. Dort sind die Städte in besonderer Alarmbereitschaft. Sie hatten sich zunächst nur auf mögliche indirekte Auswirkungen von “Irma” vorbereitet – jetzt könnten sie direkt getroffen werden. Besonders groß ist die Sorge vor Sturmfluten. 

Bob Buckhorn, der Bürgermeister von Tampa an der Westküste, sagte bei NBC: “Die letzten 90 Jahre hat uns kein Hurrikan direkt getroffen: Wir waren überfällig.” Jedes Jahr werde für den Fall eines Hurrikans trainiert. “Wir sorgen uns wegen der Sturmflut”, so Buckhorn. Er rief die Menschen auf, die von der Sturmflut gefährdeten Gebiete zu verlassen. “Es wird eine lange, schwierige Nacht.”

Keine Entwarnung für andere Gebiete

Trotz der erwarteten Route des Hurrikans entlang der Westküste gibt es auch für die Ostküste und große Städte wie Miami keine Entwarnung: Meteorologen zufolge ist “Irma” so groß, dass auch diese Regionen von dem Hurrikan getroffen werden.

In mehr als einer Million Haushalte ist der Strom ausgefallen. In Florida gibt es über 500 Notunterkünfte. Gouverneur Rick Scott hatte eindringlich gewarnt: “Das ist ein tödlicher Sturm. Unser Staat hat noch nie etwas Vergleichbares gesehen. Millionen Einwohner werden erheblich Folgen spüren – mit tödlichen Sturmfluten und lebensbedrohlichen Winden.”

Der Gouverneur gab allen 7000 Mitgliedern der Nationalgarde von Florida den Einsatzbefehl. Von anderen Nationalgarden halten sich rund 30.000 Gardisten bereit, um in Florida zu helfen.

Verwüstung in der Karibik

In den vergangenen Tagen hatte der Sturm eine Spur der Verwüstung durch die Karibik gezogen. Mehr als 20 Menschen kamen auf den Inseln St. Martin, Saint-Barthélemy, Saint-Thomas und Barbuda und Antigua ums Leben. Teile der Inseln liegen in Trümmern. Über Kuba setzte “Irma” Hunderte Kilometer Küstenlinie unter Wasser und deckte zahlreiche Häuser ab. Nach Berechnungen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) verursachte “Irma” bislang Schäden von rund 8,3 Milliarden Euro.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2017 um 20:00 Uhr.

“Irma” in Florida: “”Das Wasser steigt minütlich”

“Irma” in Florida: “Das Wasser steigt von Minute zu Minute” | tagesschau.de

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Stand: 10.09.2017 20:51 Uhr

Die Sturmflut wird zur größten Bedrohung in Miami, berichtet Korrespondent Jan Philipp Burgard. Das Wasser könnte auf bis zu fünf Meter steigen. Die Unberechenbarkeit “Irmas” sei ein zusätzliches Problem.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2017 um 20:00 Uhr.

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Bundesliga: Schalker Doppelschlag schockt Stuttgart

Stuttgarts Comebacker Andreas Beck war verärgert: “Wir waren eigentlich super in der Partie, haben dann aber in der Phase nach dem Wiederbeginn kurz die Kontrolle verloren. Das war entscheidend.”

“Mentalität hat den Ausschlag gegeben”

Schalke-Coach Domenico Tedesco analysierte: “Es waren gute Starts in beide Hälften, in der zweiten Hälfte haben wir das dann zum Glück auch besser genutzt. Wir waren nach dem 1:0 einfach zu passiv, später hat dann die Mentalität den Ausschlag gegeben.”

VfB-Trainer Hannes Wolf gab zu: “In der zweiten Halbzeit haben wir die Zweikämpfe in der letzten Linie nicht mehr gewonnen, vor allem auch gegen Guido Burgstaller. Insgesamt haben wir einiges richtig gemacht, aber es war am Ende gegen den Druck der Schalker zu wenig.”

Meyer in der Startelf

Die Schalker Fans hatten zuvor nicht nur den Abgang ihres Weltmeisters Höwedes beklagt. “70 Millionen ausgegeben, 70 Prozent der Identität verloren”, hieß es auf einem Spruchband an die Adresse von Manager Christian Heidel. Im Kader stehen nur noch fünf Eigengewächse aus der “Knappenschmiede” – vor drei Jahren hatten noch acht gemeinsam auf dem Feld gestanden. Diesmal waren es nur drei: Vor Torwart Ralf Fährmann besetzte Thilo Kehrer die rechte Außenbahn, in der Offensive durfte U21-Europameister Max Meyer, der seinen Abschied im nächsten Sommer angekündigt hat, erstmals von Beginn an die Fäden ziehen.

Beim VfB fehlte der verletzte Ex-Nationalspieler Holger Badstuber – und schon in der Anfangsphase war die Abwehr unsortiert: Orel Mangala traf nach nur 90 Sekunden im Strafraum Harit am Fuß, Schiedsrichter Frank Willenborg befragte den Videoassistenten, der auf Elfmeter entschied. Bentaleb verwandelte mit einer gehörigen Portion Glück, weil Zieler noch die Hände am Ball hatte.

Stuttgart drängt Schalke weit zurück

Nach der Führung zogen sich die Gastgeber unverständlicherweise weit zurück und überließen dem Aufsteiger die Initiative. Phasenweise spielte sich das Geschehen komplett in der Schalker Hälfte ab, die Zuschauer begannen zu murren. Ein Kopfball von Benjamin Pavard (20.) und ein Drehschuss von Simon Terodde (38.) verfehlten noch das Tor. Doch noch vor der Pause gelang Akolo nach Flanke des starken Josip Brekalo der verdiente Ausgleich für die Schwaben.

Für Meyer und Bentaleb war nach der Pause Schluss, Tedesco schickte Daniel Caligiuri und Burgstaller aufs Feld – mit Erfolg. Nach einem Freistoß von Bastian Oczipka traf erst Naldo, wenig später der österreichische Torjäger Burgstaller, der wegen einer Prellung zunächst auf der Bank gesessen hatte.

Die Schalker müssen nun am kommenden Samstag (16.09.07) beim SV Werder Bremen antreten. Stuttgart hat zeitgleich den VfL Wolfsburg zu Gast.

Kauder zur Türkei: “Beitrittsgepräche intensivieren”

Trotz des Streits mit der Türkei will CDU-Fraktionschef Kauder die EU-Beitrittsgespräche intensivieren. “Wir müssen über Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und die Zypern-Frage sprechen”, sagte er im Bericht aus Berlin. Der Grund dürfte vor allem taktischer Natur sein.

Inhaftierte Deutsche, Nazi-Vergleiche und Boykottaufrufe zur Bundestagswahl – das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei ist zurzeit alles andere als gut. Dennoch will der Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, weiter an EU-Beitrittsgesprächen mit Präsident Recep Tayyip Erdogan festhalten – und diese sogar noch intensivieren.

Wenn einer die Tür zuschlägt, dann Erdogan

Im Bericht aus Berlin sagte er: “Wir müssen Erdogan sagen, wir wollen über diese Themen – Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und die Menschenrechte – mit dir reden.” Man wisse, dass die Türkei in diesen Bereichen große Probleme habe. “Wenn Erdogan dann sagt ‘nein’, dann hat er eine Entscheidung getroffen.” Solange die Zypern-Frage nicht geklärt sei, würden die Gespräche ohnehin schwierig.

Damit widerspricht er SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Dieser hatte im TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel ein Ende der Beitrittsverhandlungen gefordert. Merkel selbst hatte sich nicht festgelegt, sondern auf die europäischen Institutionen verwiesen. Der Grund für Kauders Haltung dürfte entsprechend eher taktischer Natur sein – der Aussage “wenn einer die Tür zuschlägt, dann soll es Erdogan selbst sein” stimmte der Unionspolitiker zu.

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Linkspartei hofft auf Platz drei

Während die Union kurz vor der Bundestagswahl unangefochten in Führung liegt in der Wählergunst und die SPD wohl Platz zwei erwarten kann, ist das Rennen um den dritten Platz weiter spannend. Die Linkspartei will mit einem Schlussspurt noch Stimmen holen. Dazu betonte der Parteivorsitzende Bernd Riexinger ebenfalls im Bericht aus Berlin, man sei weiter optimistisch, das Rennen gegen Grüne, FDP und AfD zu gewinnen – trotz harter Konkurrenz vor allem in Ostdeutschland.

Schaffen will Riexinger das mit dem Thema Gerechtigkeit: “Wir müssen für einen Politikwechsel werben und das heißt, dass wir die Themen auf die Agenda setzen, die den Menschen unter den Nägeln brennen: Rente, Löhne, prekäre Arbeit und Steuergerechtigkeit.”

Mit Blick auf eine mögliche Rot-Rot-Grüne Koalition betonte Riexinger, seine Partei sei offen für alle Optionen. Es gäbe zwar Differenzen, aber durchaus auch Überschneidungen mit der SPD. So wollten beide Parteien beispielsweise die “unnötigen Befristungen” in Arbeitsverträgen beenden. “Wenn jemand mitmacht, dann die SPD”, erklärte der Linken-Politiker im Gespräche mit Thomas Baumann.

Über dieses Thema berichtete der Bericht aus Berlin am 10. September 2017 um 18:30 Uhr.

Ermittlung wegen Volksverhetzung gegen AfD-Vize Gauland

Bei einer Wahlkampfveranstaltung hatte der AfD-Spitzenkandidat gesagt, man solle die Integrationsbeauftragte Özoguz “in Anatolien entsorgen”. Mehrere Menschen hatten Anzeige erstattet. Nun wird deshalb gegen Gauland ermittelt – wegen Volksverhetzung.

Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt gegen den AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland wegen Volksverhetzung. Das sagte ein Sprecher der Behörde der Deutschen Presse-Agentur, nachdem “Spiegel Online” zunächst darüber berichtet hatte. Anlass für die Ermittlungen sind Gaulands umstrittene Äußerungen über die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, SPD-Politikerin Aydan Özoguz. Gauland selbst wusste bis zum Abend nach eigenen Angaben nichts von den Ermittlungen. “Das halte ich für völlig verfehlt”, sagte er der dpa.

Brandenburger Landtag: bislang kein Veto

Gauland, der auch Fraktionschef der Brandenburger AfD und Vizechef der Bundespartei ist, hatte kürzlich bei einer Wahlkampfveranstaltung in Thüringen davon gesprochen, Özoguz in Anatolien zu “entsorgen”. Daraufhin seien mehrere Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen eingegangen, sagte der Behördensprecher – unter anderem vom ehemaligen Bundesrichter Thomas Fischer.

Volksverhetzung

Volksverhetzung ist laut Paragraph 130 des Strafgesetzbuch ein Äußerungsdelikt. Schuldig macht sich, wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet.

Volksverhetzung gehört zu den Offizialdelikten. Das heißt, dass die Staatsanwaltschaft von Amts wegen Ermittlungen aufnehmen muss, wenn sie, zum Beispiel durch eine Anzeige, davon Kenntnis erlangt. Sie kann die Ermittlungen aber auch wieder einstellen, wenn aus ihrer Sicht kein öffentliches Interesse besteht oder sich der Anfangsverdacht nicht bestätigt.

Anders als in vielen Bundesländern sind die Abgeordneten in Brandenburg nicht automatisch gegen Ermittlungen geschützt. Auf Verlangen des Landtages sei jedoch “jede Strafverfolgungsmaßnahme gegen einen Abgeordneten, jede Haft und jede sonstige Beschränkung seiner persönlichen Freiheit” auszusetzen, wenn durch sie die parlamentarische Arbeit des Landtages beeinträchtigt werde, heißt es in der Verfassung. Bisher habe der Landtag jedoch kein Veto eingelegt, sagte der Sprecher.

Gauland sagte, er habe sich mit den Anzeigen gegen seine Person nicht weiter befasst. Ein für ihn negatives Ergebnis der Ermittlungen könne er sich nicht vorstellen. “Ich habe ja in keiner Weise zu irgendwas hetzerisch aufgerufen.”

Thema in Nürnberg: Özoguz-Äußerung

Am Wochenende nahm Gauland bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in Nürnberg Bezug auf seine Äußerung zur Integrationsbeauftragten, wie eine Videosequenz auf der Facebook-Seite der AfD-Nürnberg zeigt: “Ich habe der Dame nur empfohlen – ganz höflich -, dass sie doch vielleicht einen längeren Aufenthalt in einem Land nehmen könnte, in dem sie vielleicht die kulturellen Regeln besser versteht”, sagte er.

Die Stadt Nürnberg hatte sich zuvor bemüht, den Auftritt zu verhindern, indem sie den Mietvertrag mit der Halle kündigte. Das Verwaltungsgericht Ansbach befand die Kündigung jedoch für nicht rechtens. Die Richter urteilten, es sei nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu erkennen, dass Gauland in Nürnberg Äußerungen abgebe, die die Menschenwürde einzelner Menschen angreife, diese verächtlich mache oder dass er insbesondere Volksverhetzung begehe.

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Zurückweisung: Rassistische Sprache passe nicht zu Weidel

Die AfD steht aktuell mit einem weiteren Thema in den Schlagzeilen: Die “Welt am Sonntag” hatte eine angeblich von Spitzenkandidatin Alice Weidel stammende rassistische E-Mail veröffentlicht, die sie in die Nähe der Reichsbürger-Ideologie rückt. Weidel bestritt über einen AfD-Sprecher, Autorin der Mail zu sein. Der Zeitung liegt nach eigener Angabe unter anderem aber eine eidesstattliche Versicherung des Empfängers, eines früheren Bekannten Weidels, vor.

Nun wies auch Gauland die Berichte zurück: “Diese E-Mail ist nicht ihre Sprache, passt gar nicht zu ihr”, sagte er der “Bild”-Zeitung. “Es ist der üble Versuch, die AfD um jeden Preis aus dem Bundestag zu halten.”

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. September 2017 um 18:44 Uhr.

Fußball: Berlin und Bremen trennen sich unentschieden

Im ersten von einer Frau als Schiedsrichterin geleiteten Bundesligaspiel erzielte Mathew Leckie (38. Minute) mit seinem dritten Saisontor die Führung für die Berliner. Danach erlebte die Unparteiische Bibiana Steinhaus nur noch den wunderschönen Ausgleich durch Bremens Thomas Delaney (59.), der dem SV Werder den ersten Zähler der laufenden Saison bescherte.

Hertha nutzt einzige Bremer Unaufmerksamkeit

Die Partie begann zunächst mit viel Tempo, schon nach vier Minuten prüfte Bremens einziger neuer Mann in der Startelf Florian Kainz Hertha-Keeper Rune Jarstein mit einem Volleyschuss aus kurzer Distanz. Nach dieser kurzen und schwungvollen Abtastphase, in der beide Kontrahenten sich die ein oder andere Unsicherheit leisteten, stabilisierten sich die Mannschaften aber und es entwickelte sich ein von Taktik geprägtes, ausgeglichenes und torchancenarmes Bundesligaspiel.

Erst in der 37. Minute verzeichnete die Statistik schließlich den ersten Torschuss der Gastgeber. Der war allerdings drin. Vedad Ibisevic eroberte den Ball gegen den Bremer Robert Bauer, steckte die Kugel auf Valdimir Darida durch, Steinhaus ließ ein Foul am Tschechen korrekterweise weiterlaufen und Leckie nutzte den Vorteil und schoss rechts im Strafraum flach ins Bremer Gehäuse. Die Pausenführung war angesichts der wenigen Offensivaktionen etwas glücklich, aber auch nicht völlig unverdient, da die Mannschaft von Pal Dardai auch selbst defensiv kaum einmal etwas anbrennen ließ.

Starke Einzelaktion von Bremens Delaney

So ging es dann auch in der zweiten Hälfte zunächst weiter. Kaum Torraumszenen und auf beiden Seiten eine sehr disziplinierte Abwehrarbeit. Genau wie die Berliner Führung zuvor fiel dann der Ausgleich nach einer der ganz seltenen Unaufmerksamkeiten. Herthas Abwehr klärte per Kopf nur in die Mitte, wo Delaney den Ball behauptete. Der Däne verarbeitete die Kugel elegant und vollstreckte dann punktgenau unten rechts ins Eck. Kurz danach hätte Fin Bartels beinahe sogar auf 1:2 für die Elf von Alexander Nouri gestellt, scheiterte aber nach einem Konter frei vor Jarstein (63.).

Geburtstagskorso für inhaftierten Journalisten Yücel

Inhaftierter Journalist: Geburtstagskorso für Yücel | tagesschau.de

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Stand: 10.09.2017 16:27 Uhr

Seit 209 Tagen sitzt der Journalist Yücel in türkischer Haft – heute verbringt er dort seinen 44. Geburtstag. Aus diesem Anlass gab es in Berlin einen Autokorso mit Hunderten Teilnehmern und Glückwünsche von prominenter Seite.

Am 44. Geburtstag des in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel haben Hunderte Menschen bei einem Auto- und Fahrradkorso zum Bundeskanzleramt seine Freilassung gefordert. Sie wollten an das Schicksal des Deutschtürken sowie der anderen Deutschen erinnern, die in der Türkei derzeit aus politischen Gründen im Gefängnis sitzen. Die Organisatoren sprachen von etwa 400 Teilnehmern an der Abschlusskundgebung, die Polizei von mehr als 200.

Die Initiatoren des Korsos – der Freundeskreis #FreeDeniz – forderten ein Verbot für Rüstungsgeschäfte mit der Türkei. Außerdem verlangten sie, Investitionen deutscher Unternehmen sollten nicht mehr über Exportbürgschaften abgesichert werden und die Bundesregierung solle ein Veto beim Thema Zollunion einlegen, um den Druck auf die Türkei zu erhöhen. Yücels Schwester Ilkay bedankte sich bei der Abschlusskundgebung bei den Demonstranten für ihr Engagement und sagte, sie hoffe, es werde der letzte Geburtstag sein, den ihr Bruder im Gefängnis verbringen müsse.

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Seit 209 Tagen in Haft

Yücel ist Korrespondent der Zeitung “Die Welt” und sitzt seit mehr als 200 Tagen in Haft. Ihm wird Unterstützung von Terroristen vorgeworfen. Auch die deutsche Journalistin Mesale Tolu und der Menschenrechtler Peter Steudtner sitzen – wie weitere Deutsche – aus politischen Gründen in Haft.

Die “Welt” veröffentlichte mehrere Geburtstagsgrüße für Yücel, unter anderem von Politikern und Journalisten. Außenminister Sigmar Gabriel versprach: “Wir werden nicht ruhen, bis Sie freigelassen werden.” Kanzleramtschef Peter Altmaier äußerte sich ähnlich: “Wir kämpfen mit Ihnen für einen schnellen, fairen Prozess, für Ihre baldige Freiheit. Wir nennen das Unrecht, das Ihnen geschieht, beim Namen.” Auch Regierungssprecher Steffen Seibert gratulierte Yücel.

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