Waffenarsenal bei mutmaßlichem „Reichsbürger“ gefunden

Die Polizei hat in der Wohnung eines 64-jährigen Dresdners mehr als 50 zum Teil scharfe Waffen und mehrere hundert Schuss Munition gefunden. Die Beamten wollten am Freitag eigentlich von dem Mann 35 Euro eintreiben – gegen ihn lag ein Vollstreckungshaftbefehl vor. Doch er lehnte die Begleichung der Strafe ab.

In der Wohnung in Dresden-Briesnitz fanden die Beamten dann dutzende Pistolen, Revolver und Vorderlader sowie dazugehörige Munition. Er konnte zwar mehrere Waffenbesitzkarten vorweisen, ob diese aber das gesamte Arsenal abdecken, war noch unklar. Zudem entsprach die Aufbewahrung der Waffen nicht den Vorschriften. So waren Waffen und Munition nicht voneinander getrennt gelagert. Die Polizei nahm die Waffen vorerst mit.

Der Mann habe zwar bestritten, Reichsbürger zu sein. Aber sein Auftreten und seine Argumentation habe stark an die Bewegung erinnert. So habe der Mann die Rechtsordnung und das Handeln der Polizisten in Frage gestellt. Der 64-Jährige wurde festgenommen. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet.

Quelle: afp/PM/kb

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio :
MDR SACHSEN – Das Sachsenradio | Nachrichten aus der Region | 11.09.2017 | 14:30 Uhr

Spaniens Datenschutzbehörde bittet Facebook zur Kasse

Spanien hat Facebook wegen Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen zu einer Millionenstrafe verdonnert. Der US-Internetkonzern sammele unrechtmäßig private Daten seiner Nutzer und nutze sie kommerziell – ohne ausreichend darüber zu informieren.

Wegen Verletzung der Datenschutzbestimmungen soll Facebook in Spanien eine Geldstrafe von 1,2 Millionen Euro zahlen. Der US-Konzern habe ohne ausdrückliche Einwilligung der Nutzer Daten gesammelt und zu Werbezwecken benutzt, teilte die spanische Datenschutzbehörde AEPD mit. Die Strafe werde in der genannten Gesamthöhe wegen zweier schwerer und einer sehr schweren Verletzung des spanischen Datenschutzgesetzes verhängt, hieß es. 

Kommerzielle Nutzung auch privater Informationen

Facebook habe unter anderem auch Daten kommerziell benutzt, die in Spanien vom Gesetz besonders streng geschützt seien. Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Menlo Park hat nach Ansicht der Datenschützer Informationen der User gesammelt – zu „Ideologie, Geschlecht, religiösen Überzeugungen, persönlichen Vorlieben“ – und darüber, wo der Nutzer im Internet unterwegs sei. Die Nutzer seien dabei „nicht deutlich genug informiert“ worden.

Die Datenerhebung mittels Cookies sei auch bei Facebook-Besuchern durchgeführt worden, die nicht Mitglied des sozialen Netzwerkes gewesen seien, sowie bei Facebook-Mitgliedern, die Seiten von Dritten besucht hätten, ohne sich angemeldet zu haben. Die Daten würden vom Unternehmen zudem nicht gelöscht, so die AEPD.

Facebook kann Entscheidung anfechten

Der Konzern hat nun zwei Monate Zeit, um die Entscheidung anzufechten. Für eine Stellungnahme war Facebook Spanien zunächst nicht zu erreichen. Das Netzwerk hat inzwischen weltweit mehr als zwei Milliarden aktive Nutzer. Die Strafe von 1,2 Millionen Euro ist ein Bruchteil des Quartalsgewinns von zuletzt etwa acht Milliarden Dollar und der Marktkapitalisierung von etwa 435 Milliarden Dollar.

Ähnliche Ermittlungen sind auch in Belgien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden auf den Weg gebracht worden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. September 2017 um 17:00 Uhr in den Wirtschaftsnachrichten.

E-Commerce-Ranking: Das sind die umsatzstärksten Onlineshops in Deutschland

Ein Großteil des Onlineumsatzes entfällt in Deutschland erneut auf die Top 3: Amazon (8,1 Milliarden Euro), Otto (2,7 Milliarden Euro) und Zalando (1,1 Milliarden Euro) erzielen gemeinsam rund zwölf Milliarden Euro. Das entspricht rund 44 Prozent des Gesamtumsatzes der Top 100.

Die Top 10 komplettieren Notebooksbilliger.de (706 Millionen Euro), Bonprix (586,6 Millionen Euro), Media Markt (532,8 Millionen Euro), Cyberport (517,4 Millionen Euro), Conrad (471,8 Millionen Euro), Tchibo (450 Millionen Euro) und Alternate (432,3 Millionen Euro).

Als erster Lebensmittelvollsortimenter hat Rewe.de es mit Platz 58 und einem Umsatz von 108 Millionen Euro in die Liste der Top 100 geschafft. Hellofresh.de schaffte den Sprung von Platz 63 auf Platz 27.

Ein deutliches Plus verzeichnet zudem der Onlinehandel mit Medikamenten. Acht Apotheken befinden sich mittlerweile im Ranking und erzielen zusammen rund eine Milliarde Euro Umsatz. An der Spitze rangiert Docmorris.de mit 317 Millionen Euro Umsatz auf dem 15. Rang.

Anteil der Onlineshopper erreicht Allzeithoch

Mindestens 18 Polizisten auf der Sinai-Halbinsel getötet

Sinai-Halbinsel: Mindestens 18 Polizisten getötet | tagesschau.de

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Stand: 11.09.2017 15:52 Uhr

IS-Terroristen haben auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel einen Polizeikonvoi überfallen und mindestens 18 Polizisten getötet. Es ist der folgenreichste Angriff der vergangenen zwei Jahre in Ägypten.

Mindestens 18 Polizisten sind bei einem Angriff auf der Sinai-Halbinsel getötet worden. Sieben weitere Beamte seien verletzt worden, hieß es aus ägyptischen Militär- und Polizeikreisen. Zunächst seien Sprengfallen am Straßenrand explodiert. Dadurch seien mehrere gepanzerte Fahrzeuge zerstört und in Brand gesetzt worden. In Anschluss hätten die Angreifer mit Maschinenpistolen das Feuer eröffnet und einen Pickup-Truck der Polizei erbeutet.

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ bekannte sich zu dem Angriff, der rund 30 Kilometer westlich von Al-Arisch auf dem nördlichen Sinai erfolgte.

Ägypten kämpft seit Jahren gegen Extremisten. Deren Angriffe richteten sich in den vergangenen Jahren vorwiegend gegen ägyptische Sicherheitskräfte. Die Attacke vom Montag erfolgte, nachdem ägyptische Behörden erklärten, sie hätten zehn militante Extremisten in zwei Razzien in Kairo getötet.

Der Anschlag auf den Konvoi ist der folgenschwerste der vergangenen zwei Jahre.

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Polens Parlament für Kriegsreparationen von Deutschland

Noch hat es Polen nicht offiziell auf diplomatischer Ebene gefordert – doch nun kommt ein Gutachten des Parlaments zu dem Schluss, dass Polen Entschädigungen von Deutschland wegen des Zweiten Weltkrieges zustehen. Deutschland hält die Reparationsfrage dagegen für geklärt.

Polen steht nach einer Expertise des polnischen Parlaments Entschädigungen von Deutschland für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zu. Das Gutachten des Sejm – also des polnischen Parlaments – wurde heute veröffentlicht. Darin heißt es: „Es ist legitim zu sagen, dass die Republik Polen einen Anspruch auf Entschädigungen von der Bundesrepublik Deutschland hat und die Behauptung, dass die Ansprüche abgelaufen oder verjährt seien, ist unbegründet.“

Forderungsverzicht sei formal zu beanstanden

Dabei konzentriert sich das Gutachten auf individuelle Verluste durch Versklavung, Ermordung und mutwillige Zerstörung. Diese überträfen bei weitem die direkten Kriegsschäden. Zwar haben polnische NS-Opfer nach der Wende teilweise Entschädigungen erhalten, etwa Zwangsarbeiter über die Stiftung deutsch-polnische Versöhnung.

Das Gutachten führt aber aus, dass diese Zahlungen nur ein Prozent der Summe ausmachten, die Deutschland insgesamt bereitgestellt habe, ausgezahlt etwa an NS-Opfer in den USA oder Israel. Gleichzeitig aber habe Polen gemessen an der Bevölkerungszahl die höchsten Verluste erlitten. Juristisch beruft sich das Gutachten auf die Haager Konvention sowie das Potsdamer Abkommen von 1945.

Die Erklärung der polnischen Regierung aus dem Jahr 1953 über den Verzicht auf Reparationszahlungen sei verfassungswidrig gewesen und nur auf Druck der Sowjetunion erfolgt. Außerdem habe sie nur die DDR betroffen, heißt es in der Begründung. 

Keine einheitliche Position in der polnischen Regierung

Mitglieder der polnischen Regierung hatten sich in den vergangenen Wochen immer wieder für Forderungen an Deutschland ausgesprochen. Premierministerin Beata Szydlo hatte vor wenigen Tagen betont: „Polen stehen Reparationen zu, wir sind bereit sie einzufordern.“ Nun kündigte sie interne Abstimmungen innerhalb der Regierungspartei PiS an.

Unklar aber ist, ob Polen nun tatsächlich Deutschland eine Rechnung schicken wird. Polens Außenminister Witold Waszczykowski sagte dagegen heute, es seien weitere Gutachten sowie eine Analyse der Verluste Polens während des Zweiten Weltkriegs notwendig, bevor die Regierung einen offiziellen Standpunkt einnehme. 

Bundesregierung weist Forderungen zurück

Die Bundesregierung hatte ihre Haltung bereits am Freitag dargelegt und die Forderungen zurückgewiesen. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte nach Szydlos Äußerung zu dem Thema, Polen habe 1953 auf weitere Forderungen verzichtet und dies später mehrfach bestätigt.

Experten zufolge bekräftigte Polen diesen Verzicht auch als souveräner Staat nach 1989. Zum Beispiel bei der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags, wie Dariusz Pawlos, Vorsitzender der Stiftung Polnische-Deutsche Aussöhnung, der dpa sagte.

Die Bundesregierung bekannte sich aber zur Verantwortung für die „unfassbaren Verbrechen“ des Zweiten Weltkriegs.

Für die PiS wichtig: Deutung der Geschichte

Die deutsch-polnischen Beziehungen haben seit Regierungsantritt der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ – kurz PiS – 2015 gelitten. „Das Verhältnis ist vor allem auf politischer Ebene unterkühlt“, beschreibt Agnieszka Lada vom Warschauer Institut für Öffentliche Angelegenheiten.

Polens Nationalkonservative treiben Reformen zu Medien und Justiz voran, durch die internationale Experten die Demokratie in dem Land bedroht sehen. Die EU-Kommission leitete ein Rechtsstaatsverfahren ein. Auch die Deutung der Geschichte ist unter der Regierung der PiS ein entscheidendes Thema, wie beispielsweise der Streit um das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig zeigte.

Lada zufolge geht es der PiS bei den Forderungen nicht ums Geld. „Wie in den meisten Fällen wird die Außenpolitik für die Innenpolitik missbraucht“, sagt die Expertin für deutsch-polnische Beziehungen. Sie interpretiert die Diskussion als Versuch, um im Streit um Polens Rechtsstaatlichkeit abzulenken. Die PiS arbeite mit Feindbildern. „Die Deutschen sind als Kandidat für so einen Feind hervorragend geeignet“ Die PiS wolle zeigen, dass Berlin kein Recht habe, Warschau in Sachen Demokratie zu belehren.

Mit Informationen von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. September 2017 um 15:12 Uhr.

Steuer-Initiative: Apple und Co. sollen mehr zahlen

Bisher zahlen Apple, Google und Co. kaum Steuern in Europa. Nach dem Willen von Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien soll sich das nun ändern. Sie fordern ein neues europäisches Steuermodell – auf Grundlage der hier erzielten Umsätze.

Deutschland fordert gemeinsam mit Frankreich, Spanien und Italien ein neues europäisches Modell zur stärkeren Besteuerung globaler Internetkonzerne wie Apple und Google.

Grundlage sollten erstmals die in Europa gemachten Umsätze sein, heißt es in einem Schreiben von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seinen Kollegen an die EU-Kommission.

„Minimale Beiträge in unsere Steuerkassen“

„Wir sollten nicht mehr akzeptieren, dass diese Firmen in Europa Geschäfte machen, aber nur minimale Beträge in unsere Steuerkassen zahlen“, schreiben die Minister. „Auf dem Spiel stehen wirtschaftliche Effizienz sowie Steuergerechtigkeit und Souveränität.“ Das Schreiben veröffentlichte das Portal „Politico“.

Die EU-Kommission, die zu einem konkreten Umsetzungsvorschlag aufgefordert wird, begrüßte den Vorstoß. „Wir freuen uns über das Interesse an diesem Thema“, sagte eine Sprecherin. Es werde auf der Tagesordnung der Wirtschafts- und Finanzminister Ende der Woche in Tallinn stehen. Unabhängig davon würden Pläne für eine gemeinsame Bemessungsgrundlage der Körperschaftssteuer weiter verfolgt.

Auch die estnische EU-Ratspräsidentschaft bereitete für das Treffen ein Schriftstück vor, nach dem Internetkonzerne dort besteuert werden sollen, wo sie Wert schaffen und nicht nur in Ländern, wo sie steuerlich ansässig sind.

Grüne: Initiative überfällig

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold nannte die Initiative der vier Länder überfällig. „Anstatt ihre Milliardengewinne in Steueroasen zu parken, müssen die Internetriesen auch in Europa ihren Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten“, betonte Giegold. Allerdings sieht er kaum Chancen für einen einstimmigen Beschluss der EU-Mitgliedsländer.

Über die Steuerzahlungen globaler Internetkonzerne in Europa wird seit langem gestritten. Verschiedene Anläufe scheiterten.

Irland war wegen der Minimalbesteuerung von Apple vor einem Jahr von der Kommission gemahnt worden, bis zu 13 Milliarden Euro von dem US-Konzern nachzufordern. Irland wehrt sich jedoch dagegen.

Am britischen Konjunkturhorizont ziehen dunkle Wolken auf

In der britischen Wirtschaft zeigen sich zunehmend konjunkturelle Bremsspuren. Insbesondere die private Konsum­nachfrage droht, noch stärker unter die Räder zu kommen. Die private Sparquote ist auf den tiefsten Stand seit Anfang der 60er-Jahre gefallen. Auch an den Häusermärkten zeichnet sich eine ausgeprägtere Abkühlungs­phase ab. Die gesamtwirt­schaftliche Wachstums­dynamik wird sich in Groß­britannien noch weiter abschwächen.

Am britischen Konjunkturhorizont ziehen dunkle Wolken auf  (PDF, 92 KB, nicht barrierefrei)

„Irma“ wütet in Florida: Wind lässt nach – Gefahr nicht gebannt

Straßenzüge stehen in Miami unter Wasser, der Flughafen ist gesperrt, in ganz Florida sind Millionen Menschen ohne Strom. Aus Angst vor Plünderungen gelten vielerorts Ausgangssperren. Auch wenn sich „Irma“ abgeschwächt hat, ist die Gefahr nicht vorbei.

Auf seinem Weg über Florida hat Hurrikan „Irma“ Zerstörung großen Ausmaßes hinterlassen. Der gewaltige Sturm mit einer Breite von mehr als 600 Kilometern überschwemmte die Innenstadt von Miami, drückte das Wasser aus den Buchten und riss Baukräne um.

Nach Angaben des Katastrophenschutzes sind mehr etwa 5,7 Millionen Haushalte in Florida ohne Strom. Mindestens vier Menschen kamen bislang ums Leben. Wie groß die Schäden am Ende sein werden, ist noch völlig unklar. Versicherer rechnen mit Schäden in Milliardenhöhe. In der Nacht zum Montag (Ortszeit) wurde der Hurrikan, der zuvor Kuba und andere Teile der Karibik heimgesucht hatte, auf die niedrigste Kategorie eins herabgestuft. Die erwarteten Sturmfluten machen die Situation aber weiter gefährlich.

Teile von Miami unter Wasser

Am stärksten von „Irma“ getroffen wurde zunächst der Südwesten Floridas, doch wegen der enormen Ausmaße des Hurrikans wurde auch der Osten der Halbinsel von starken Regenfällen heimgesucht. Die Innenstadt von Miami und Miami Beach wurden teilweise überschwemmt, eine hölzerne Seebrücke fortgeschwemmt, Autos standen unter Wasser. Zwei riesige Baukräne stürzten um. Durch die Altstadt und das Bankenviertel von Miami strömten die Wassermassen.

Mehrere Medien berichten von ersten Plünderungen und Wohnungseinbrüchen in Florida genutzt haben. Viele Täter seien bewaffnet, hieß es. Die Polizei von Miami meldete mindestens 28 Festnahmen. In einigen Orten gelten Ausgangssperren.

Schwimmende Möbel in den Gärten

In den Florida Keys im Süden des Staates wurden mehr als drei Meter hohen Wellen verzeichnet. Häuser standen unter Wasser, Möbelstücke schwammen in den Gärten. Zahlreiche Boote sanken. Die Behörden kündigten an, von Haus zu Haus zu gehen, um den Menschen auf den Inseln Hilfe anzubieten.

Überschwemmungen waren auch die größte Sorge in der Küstenstadt Naples am Golf von Mexiko. Das Nationale Hurrikanzentrum meldete, dort seien die Pegel am Sonntagabend in nur 90 Minuten um mehr als zwei Meter gestiegen. Auch in der zentral gelegenen Großstadt Orlando berichteten Augenzeugen von hüfthohem Wasser.

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12.000 Flüge ausgefallen

Weltweit fielen wegen „Irma“ bereits mehr als 12.000 Flüge aus. Alleine im US-Bundesstaat Florida wurden an Flughäfen wie Miami, Orlando oder Tampa bereits mehr als 9000 Flüge nicht angefertigt, berichteten US-Medien unter Berufung auf die Flugbeobachtungs-Webseite FlightAware.

Auch Flüge nach Florida von Europa, Asien, Südamerika und Afrika wurden abgesagt. Der internationale Flughafen in Miami blieb vorerst geschlossen. Am Dienstag sollen nur vereinzelt Flüge abgefertigt werden.

Der Wirbelsturm schwächte sich inzwischen zu einem Tropensturm ab, die Lage bleibt aber angespannt. Zuletzt wurden noch Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde gemessen. Zuvor waren Böen von bis zu 229 Kilometer pro Stunde gemessen worden. Am Montagmorgen (Ortszeit) änderte das US-Hurrikanzentrum einen Teil der Einstufungen von Hurrikan- in Tropensturm-Warnungen.

Größte US-Evakuierungsaktion

Zuvor waren mehr als 6,5 Millionen Menschen aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Es war eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der USA. Weit über 100.000 Menschen harrten in Notunterkünften aus.

Mit der Ausrufung des Katastrophenfalls ist der Weg frei für Notfallhilfen der Regierung für den Bundesstaat. Betroffene Bürger Floridas können damit nach Abzug des Sturms Mittel zur Reparatur ihrer Häuser beantragen. Außerdem können Unterkünfte für die mehr als 54.000 Menschen finanziert werden, die ihre Häuser verlassen mussten. Trump kündigte an, „sehr bald“ nach Florida zu reisen.

Die EU hat für die durch den Wirbelsturm „Irma“ getroffenen Inseln in der Karibik zwei Millionen Euro bereit gestellt. Die „Ersthilfe“ gehe an die am stärkten betroffenen Gebiete, teilte die EU-Kommission mit. Sie solle zur Wiederherstellung der Wasser- und Gesundheitsversorgung sowie von Abfallbeseitigung und Logistik eingesetzt werden. Die Kommission stellte zudem weitere Finanzhilfen für den Wiederaufbau in Aussicht.

Schwere Schäden auf Karibikinseln

„Irma“ hält die Region bereits seit Tagen in Atem. Bei seinem Zug durch die Karibik hatte der Sturm auf Kuba, den Jungferninseln, sowie auf Barbuda und Saint-Bartélémy schwere Schäden angerichtet. Einige Gebiete gelten als unbewohnbar. Nach noch nicht bestätigten Angaben sollen mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen sein.

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„Irma“ und die Folgen

Mit gewaltiger Kraft hat Hurrikan „Irma“ gestern Florida getroffen. Wie hier in Boynton Beach schlugen hohe Wellen an die Küste. | Bildquelle: dpa

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 10. September 2017 um 22:45 Uhr.

Roaming-Gebühren: Telefonanbieter O2 in der Kritik

Wer im EU-Ausland telefoniert, soll nicht mehr bezahlen als zu Hause. Das hat die EU-Kommission vor drei Monaten beschlossen. Weil O2 das nicht automatisch umsetzt, klagt nun die Verbraucherzentrale. Ärger droht O2 auch von der Bundesnetzagentur.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat vor dem Landgericht München Klage gegen die Roaming-Praxis von O2 eingereicht, wie sie heute bekannt gab. Das bestätigte eine Sprecherin. Die Verbraucherschützer bemängeln, dass O2-Kunden erst dann vom Wegfall der Roaming-Kosten profitieren, wenn sie zuvor eine SMS an ihren Anbieter schicken. Das widerspricht allerdings der Idee des europäischen Gesetzgebers, EU-weit ohne zusätzliche Kosten zu telefonieren, zu surfen und SMS zu versenden.

„EU-Roaming gilt aus unserer Sicht automatisch und nicht erst, wenn Verbraucher ihren Telefonanbieter darum bitten“, erklärte Heiko Dünkel, Rechtsreferent bei der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Wir sehen uns darin durch öffentliche Erklärungen der Europäischen Kommission bestätigt.“

Immer mehr Beschwerden

O2 war in den vergangenen Wochen mehrfach in die Kritik geraten. Kunden beschwerten sich nicht nur darüber, dass sie erst eine SMS senden müssten, um im EU-Ausland kostenfrei telefonieren zu dürfen. Sie monierten auch die Servicequalität der Hotline von O2. Einen Anstieg der Beschwerden verzeichnete auch die Bundesnetzagentur. Seit Ende 2016 hätten sich vermehrt Kunden beschwert: „Die faktische Nichterreichbarkeit der Hotline hat zu einem deutlichen Anstieg der Warteschleifenbeschwerden geführt“, heißt es in einem Brief der Bundesnetzagentur an die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, der tagesschau.de vorliegt. „Alleine 208 von 317 Beschwerden im Jahr 2017 beziehen sich auf Warteschleifen, die im Rahmen einer entsprechenden Kontaktaufnahme zur O2-Hotline auftraten“, so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

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In einer Stellungnahme erklärte O2, die Erreichbarkeit und die durchschnittlichen Wartezeiten in der Hotline hätten sich in den vergangenen Wochen und Monaten „sukzessive verbessert“. Bei der Hotline-Erreichbarkeit für Mobilfunkkunden erziele O2 wieder durchschnittliche und branchenübliche Wartezeiten von wenigen Minuten.

Erfahrungen von tagesschau.de-Redaktionsmitgliedern zeigen jedoch, dass „wenige Minuten“ bis zu einer Dreiviertelstunde Wartezeit bedeuten können.

DDV: Alfred Gerardi-Gedächnispreis geht an vier Nachwuchs-Wissenschaftler

Prof. Dr. Siham El Kihal, Goethe-Universität Frankfurt am Main, wird für die beste Dissertation zum Thema „Product Return Management in Online Retailing“ mit dem AGGP ausgezeichnet. Die wissenschaftliche Arbeit zeigt unter anderem, dass bereits kleine Änderungen in der Retourenquote zu einem erheblichen Gewinnanstieg von Online-Händlern führen können. Sie findet außerdem heraus, dass Online-Händler unter bestimmten Umständen Verschiff- und Rückholgebühren berechnen sollten, ohne eine Abnahme des Gewinns befürchten zu müssen.

Der AGGP für die beste Masterarbeit geht an Lukas Leister, Technische Hochschule Ingolstadt. Seine Arbeit befasst sich mit dem Thema „Native Advertising. Wirkungen gestaltungs- und inhaltskongruenter Werbung auf die Glaubwürdigkeit von Nachrichtenwebseiten und die Attitude toward the Ad“. Der Autor untersucht, welche Wirkung Native Advertising auf die Werbewirkung und die Glaubwürdigkeit des Medienumfeldes beim Rezipienten hervorruft. Sein Fazit: Je weniger die Werbung optisch als solche erkennbar ist, desto besser ist die Einstellung der Rezipienten gegenüber der Werbung (Attitude toward the Ad) aber desto schlechter ist die Glaubwürdigkeitsbeurteilung des publizierenden Trägermediums.

„Bekanntheit, Wahrnehmung und Wirkung von Gütesiegeln als Vertrauenselemente im E-Commerce – Empirische Untersuchung am Fallbeispiel eines B2C- und B2B-Online-Shops eines Versandhändlers für Büromaterial“ war das Thema der Arbeit von Jaqueline Alterauge, Hochschule Offenburg, die den AGGP in der Kategorie beste Bachelorarbeit erhält. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Online-Gütesiegel in der Zielgruppe der Untersuchung wenig bekannt sind und einen geringen Einfluss auf die Kaufentscheidung haben. Außerdem werden Online-Gütesiegel nicht als relevantes Kriterium von den Konsumenten bei der Auswahl des Onlineshops berücksichtigt.

Oliver Pürner, DDA Deutsche Dialogmarketing Akademie, wird mit dem AGGP in der Kategorie beste Diplomarbeit Akademien ausgezeichnet. Seine Arbeit „Programmatic CRM – Neue Potenziale für programmatische Dialogmarketingmaßnahmen“ beschäftigt sich mit den Potenzialen von Programmatic CRM in der Ansprache des Kunden und den Herausforderungen, die bei der Implementierung innerhalb des eigenen Unternehmens beachtet werden müssen.

Der Alfred Gerardi Gedächtnispreis wird am 27. September im Rahmen des 12. wissenschaftlichen interdisziplinären Kongress für Dialogmarketing an der Uni Kassel verliehen. Die Preisträger werden ihre Arbeiten bei der Preisverleihung persönlich präsentieren.