Europa League: Berlin verpasst gegen Bilbao Heimsieg

Die baskischen Gäste zeigten den Hausherren zu Beginn erst einmal, was sie auf der europäischen Bühne erwartet. Atletico ist zum vierten Mal nacheinander international dabei – und sorgte bei Hertha für einige Nervosität.

Guter Thomas Kraft im Berliner Tor

Vor allem die rechte Abwehrseite mit dem neu in die Startelf gekommenen Peter Pekarik und dem eine Position nach vorn gerückten Mitchell Weiser hatte zunächst geschwächelt. Der 36-jährige Routinier Aritz Aduriz besaß die erste Gäste-Chance, doch Hertha-Keeper Thomas Kraft klärte zur Ecke.

Der erstmals von Beginn an aufgebotene Slowake Ondrej Duda fand als Hertha-Spielmacher keine Bindung. Erst ein Weitschuss von Vladimir Darida kurz vor der Pause brachte im 107. Europacupspiel der Berliner die erste Gefahr für die Gäste, der Ball strich knapp über die Latte.

Nach dieser wackligen ersten Halbzeit verpassten die Gastgeber vor nur 28.832 Zuschauern im Olympiastadion vor allem in einer starken ersten Viertelstunde nach der Pause mit gleich einem halben Dutzend Torchancen den Sieg. Auch der eingewechselte Matthew Leckie brachte kurz vor dem Ende den Ball nicht im Gästetor unter.

Keine Entlastung für Bilbao

Bilbao kam in dieser Phase kaum zu Entlastungsangriffen und überließ den Hausherren über weite Strecken das Feld. Beide Mannschaften suchten mit Mühe die Lücke in der Abwehr des Gegners, Hertha war gefährlicher und drückte auf den Führungstreffer. Die letzte gute Chance vergab der kurz zuvor eingewechselte Japaner Genki Haraguchi in der 89. Minute.

In zwei Wochen spielt die Hertha beim schwedischen Vertreter Östersunds FK.

Thema in Sport aktuell, Deutschlandfunk, Donnerstag, 14.09.17, 22.50 Uhr

Air-Berlin-Verkauf: Entscheidung erst nach der Wahl

Am 25. September entscheidet sich, welcher Investor den Zuschlag für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin bekommt. Bislang war ein früherer Termin im Gespräch gewesen. Kaufinteressenten müssen ihre Angebote bis morgen vorlegen.

Die Zukunft von Air Berlin entscheidet sich voraussichtlich am 25. September. An diesem Tag soll bekannt gegeben werden, wer den Zuschlag für die insolvente Fluggesellschaft bekommen soll. Möglich ist ein Verkauf an einen oder an mehrere Bieter. Bislang waren Experten von einer vier Tage früheren Entscheidung ausgegangen. „Der Plan ist, am 25. September die endgültigen Entscheidungen zu treffen“, bestätigte ein Konzernsprecher jetzt einen Bericht des „Tagesspiegels“.  

Damit bleibt die Frage nach der Zukunft von Air Berlin bis nach der Bundestagswahl am 24. September offen. Der Verkauf gilt als politisch heikel – unter anderem, weil die Fluggesellschaft seit ihrer Insolvenz Mitte August nur noch mit einem umstrittenen Staatskredit über 150 Millionen Euro weiterfliegen kann. Regierungsmitglieder wie Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatten sich dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa große Teile von Air Berlin übernehmen soll.

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Angebote bis Freitag vorlegen

Interessenten für einen Kauf von Air Berlin müssen ihre Angebote bis zu diesem Freitag vorlegen. Bislang zählen neben der Lufthansa auch die britische Easyjet und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl zum Kreis der Bewerber. Auch der frühere Formel-1-Weltmeister Niki Lauda will zusammen mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen Tochter Condor Teile von Air Berlin übernehmen. „Wir bieten um die 100 Millionen“, sagte Lauda dem österreichischen Rundfunk ORF.

Der frühere Energiemanager Utz Claassen habe derweil ein 17-seitiges „Angebot zur Komplettübernahme und expansiven Sanierung der Air Berlin“ vorgelegt, berichtet das „Handelsblatt“. Demnach biete der Manager ebenfalls einen Kaufpreis von 100 Millionen Euro. Claassen verspreche außerdem die Übernahme der gesamten Belegschaft „unter der Voraussetzung angemessener wettbewerbsgerechter Vergütungsstrukturen“.

ver.di: klare Absage an „Rosinenpickerei“

Die Gewerkschaft ver.di befürchtet dagegen, dass sich Investoren gezielt einen Teil der Belegschaft heraussuchen und zu schlechteren Konditionen neu einstellen könnten. „Wir erteilen dieser Rosinenpickerei eine klare Absage und fordern die vertragliche Übernahme von Personal zu guten Bedingungen“, sagte ver.di-Bundesvorstand Christine Behle. Viele Beschäftigte aus den Bereichen Technik, Verwaltung und Kabine hätten Angst, ihren Job zu verlieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. September 2017 um 20:00 Uhr.

Europa League: Hoffenheim verliert gegen Braga 1:2

Die Fans sahen es aber nicht ganz so. Nur halbvoll war das Stadion, dafür war das Duell mit dem portugiesischen Tabellenneunten zu unattraktiv.

Elf Brasilianer im Braga-Kader

Die, die kamen, sahen eine engagierte Hoffenheimer Mannschaft, die zunächst das Spiel bestimmte. Gegen die robuste Mannschaft aus Braga, bei denen elf Brasilianer im Kader stehen, suchte der Bundesligist mit spielerischen Mitteln den Weg zum Erfolg.

Dabei hatte Nagelsmann seine Mannschaft im Vergleich zum Bayern-Spiel gleich auf fünf Positionen umgestellt. Unter anderem fehlte der gegen die Münchner zweimal erfolgreiche Torjäger Mark Uth wegen einer Fußprellung. Dafür kehrte Nationalspieler Wagner zurück ins Team. Auch Abwehrchef Kevin Vogt stand wieder zur Verfügung.

Kaderabek trifft die Latte

Trotz der Änderungen lief zunächst alles nach Plan. Nach Vorlage von Kerem Demirbay hatte Pavel Kaderabek Pech, als er die Latte traf (23.). Der Tscheche sorgte auf der Außenbahn für viel Wirbel und war an mehreren guten Aktionen beteiligt.

So auch eine Minute später, als der verdiente Führungstreffer gelang. Diesmal war Kaderabek der Vorlagengeber, als Wagner zur Führung einköpfte. Es war der Lohn für die Überlegenheit der Hoffenheimer, die einen zweiten Treffer vor der Pause aber versäumten. Insbesondere Andrej Kramaric vergab nach einem Konter über Nico Schulz die große Chance zum 2:0 (37.).

Ausgleich noch vor der Pause

Das sollte sich rächen. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff wurden die Gastgeber eiskalt erwischt, als Sousa nach einer Flanke von Raul Silva ungehindert per Kopf traf. Es war ohne Zweifel ein Wirkungstreffer, denn auch nach der Pause fand der Bundesliga-Zweite nicht so recht zum Spiel.

Und so kam es noch schlimmer: Nach einer Flanke von Paulinho von der Torauslinie grätschten Havard Nordtveit und Benjamin Hübner am Ball vorbei, so dass Sousa nur noch einschieben musste. Danach drängte Hoffenheim auf den Ausgleich. Philipp Ochs (70.), zweimal Kramaric (75. und 77.) und Hübner (89.) vergaben aber gute Chancen.

Jetzt nach Bulgarien

In zwei Wochen reist Hoffenheim nach Bulgarien. Am 2. Europa-League-Spieltag heißt der Gegner dann Ludogorets Razgrad.

Tunesien: Musliminnen dürfen Nichtmuslime heiraten

Tunesien: Musliminnen dürfen Nichtmuslime heiraten | tagesschau.de

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Stand: 14.09.2017 20:02 Uhr

Der tunesische Präsident Essebsi hat einen Erlass aus dem Jahr 1973 aufgehoben, der Frauen die Ehe mit Nicht-Muslimen untersagte. Menschenrechtsaktivisten hatten sich seit Langem mit einer Kampagne dafür eingesetzt.

Muslimischen Frauen in Tunesien ist es künftig erlaubt, nichtmuslimische Männer zu heiraten. Bestimmungen, die derartige Partnerschaften bislang untersagt hatten, seien für nichtig erklärt worden, teilte das Präsidialamt in Tunis mit.

Das bisherige Verbot hatte nur Frauen betroffen. Die umgekehrte Konstellation, dass ein muslimischer Mann eine nicht-muslimische Frau heiratet, war hingegen legal. Kritiker sahen darin ein Verstoß gegen die in der Verfassung vorgesehene Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie gegen das Grundrecht jedes Menschen, seinen Partner frei zu wählen.

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Kampagne führte zum Ziel

Mit einer Kampagne hatten sich Organisationen der Zivilgesellschaft und Menschenrechtsaktivisten seit Langem für die Aufhebung des Erlasses von 1973 eingesetzt. Außerdem hatten sie Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht.

Im August kündigte der 90 Jahre alte Präsident Béji Caïd Essebsi schließlich an, sich für eine Abschaffung der Heiratsbeschränkungen einzusetzen. Diese sahen unter anderem vor, dass Frauen Nichtmuslime nur dann ehelichen durften, wenn diese zum Islam konvertierten.   

Frauen leiden unter Diskriminierung und Gewalt

Tunesien gilt zwar als Vorreiter für Frauenrechte in der arabischen Welt. So ist die Hälfte der Ingenieure und eine Mehrheit der Arbeitskräfte mit höherer Bildung – etwa im medizinischen und landwirtschaftlichen Bereich – weiblich. Aber noch immer leiden viele Frauen in dem nordafrikanischen Land unter Diskriminierung und Gewalt.

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Rohingya in Myanmar: „Beschimpft, bedroht, durchs Dorf getrieben“

Es ist schwer, sich zurzeit ein Bild über die Lage in Myanmar zu machen. ARD-Korrespondentin Sandra Ratzow ist vor Ort. Im Interview mit tagesschau24 sagt sie, die Rohingya, aber auch Buddhisten, die mit ihnen Geschäfte machen, werden beschimpft, bedroht und gedemütigt.

tagesschau24: Es wird berichtet, dass die Armee die Rohingya vertreibt und dann deren Dörfer anzündet. Können Sie das bestätigen?

Sandra Ratzow: Für uns ist es schwierig, sich ein wirkliches Bild der Lage zu machen, denn in die eigentlichen Gebiete, dort wo gekämpft wird, kommt man gar nicht rein. Da kommen Journalisten und auch internationale Beobachter nicht hinein. Das heißt, man kann sich nur auf die Zeugenaussagen der Flüchtlinge verlassen, die über die Grenze nach Bangladesch fliehen, aber auch auf Angaben der Armee. Wir haben wiederum in Sittwe – der großen Stadt im Norden – auch Flüchtlinge getroffen. Buddhisten, die sich von Rohingya bedroht gefühlt haben. Das ist eine ganz schwierige Gemengelage, und es ist in der Tat schwierig, sich ein wirkliches Bild zu verschaffen.

Wir haben uns bei den Dreharbeiten oft beobachtet gefühlt. Zum Teil sind wir bedroht worden. Wir mussten eine Live-Schalte absagen, weil die Menschen auf uns zu kamen und uns den Vorwurf machten, wir – die internationalen Medien – seien dafür verantwortlich, dass die Weltöffentlichkeit ein völlig falsches Bild von der Lage in Myanmar habe. Schließlich seien es ja die Rohingya-Rebellen gewesen, die Überfälle gestartet hätten. Und die Armee habe mit ihren Strafaktionen nur darauf reagiert.

tagesschau24: Es heißt, die buddhistische Mehrheit in Myanmar hält die Aktion der Armee, diese Säuberungsaktionen, für völlig gerechtfertigt. Warum?

Ratzow: Es heißt hier, dass die Rohingya illegale Einwanderer seien, dass sie eigentlich nach Bangladesch gehörten und nicht nach Myanmar. Sie sind als Volksgruppe überhaupt nicht anerkannt. Selbst Buddhisten wird es schwer gemacht, mit den Rohingya einvernehmlich miteinander zu leben. Buddhisten, die versuchen, mit den Rohingya Geschäfte zu machen, ihnen Dinge zu verkaufen, werden beschimpft und bedroht. Manchmal werden ihnen auch Schilder umgehängt. Wir haben Bilder gesehen, auf denen wurde jemand durch sein Dorf getrieben. Auf dem Schild hieß es, „Ich bin ein Verräter“ – nur weil er mit Rohingya Geschäfte gemacht hat. Die Situation hier ist sehr, sehr angespannt.

tagesschau24: Es steht ja gegen die Rohingya der Vorwurf des Terrorismus im Raum. Ist denn daran etwas dran?

Ratzow: Vor drei Wochen hat das Ganze seinen Anfang genommen mit Überfällen der Rohingya-Rebellen auf verschiedene Polizeistationen. Es gibt unterschiedliche Aussagen darüber, wie viele Kämpfer es sind. Manche sagen ein paar Hundert, manche sagen, es seien ein paar Tausend, deren Ziel es sei, dass die Rohingya als Bevölkerungsgruppe anerkannt werden, dass sie genauso Rechte bekommen wie alle anderen auch. Es heißt zum Teil auch, dass sie Gelder aus dem Ausland bekommen – aus Saudi-Arabien. Das ist nur sehr schwer nachzuvollziehen und nachzuprüfen. Aber der Terrorismusvorwurf steht definitiv im Raum.

tagesschau24: Jetzt appellieren die Vereinten Nationen an Myanmar, die Aktionen gegen die Rohingya zu stoppen. Hat sich denn die faktische Regierungschefin Suu Kyi mittlerweile dazu geäußert?

Ratzow: Sie schweigt. Sie hat in der vergangenen Woche nur gesagt, es gebe einen Eisberg an Fehlinformationen und es werde nicht immer nur die Wahrheit über diesen Konflikt berichtet. Aber viele sind enttäuscht darüber, dass sie als Friedensnobelpreisträgerin nicht stärker an das Militär appelliert und öffentlich dazu Stellung nimmt, was da an brutaler Gewalt offenbar vor sich geht. Aber man muss auch dazu sagen, dass sie sich in einer sehr schwierigen Position befindet. Das Militär hat hier nach wie vor eine große Macht. 25 Prozent der Parlamentssitze gehen an das Militär. Alle wichtigen Minister- und Sicherheitsposten sind in der Hand des Militärs. Wir haben auch gehört, dass sie zum Teil noch nicht einmal genau wusste oder weiß, was die Militärs im Nordwesten der Region überhaupt planen. Aber viele im Ausland sind sehr enttäuscht, dass sie sich nicht dazu äußert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. September 2017 um 17:00 Uhr.

Schulz und die Koalitionen: Unkonkret aus gutem Grund

Bislang hat sich SPD-Kanzlerkandidat Schulz auf keine Aussagen über mögliche Ämter und Koalitionen nach der Wahl festgelegt. Je näher der Termin rückt, desto stärker wird er dazu gedrängt. Doch Schulz hat gute Gründe, so unkonkret wie möglich zu bleiben.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Martin Schulz wird gerade dauernd bedrängt, Dinge auszuschließen – dass er als Minister in ein Kabinett Merkel gehen würde, dass er mit der Linkspartei koalieren würde, dass die SPD nochmal als Juniorpartner in einer Großen Koalition zur Verfügung stünde. Die Wohlmeinenden unter den Bedrängern tun das, weil sie hoffen, dass solche Absagen der SPD nutzen würden, die nicht so Wohlmeinenden wollen den Kanzlerkandidaten schlicht in die Enge treiben.

Schulz wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, auf entsprechende Aussagen festgelegt zu werden – und das mit gutem Grund. Als sein Vorgänger Peer Steinbrück 2013 einen Ministerposten unter Bundeskanzlerin Angela Merkel ausschloss, tat er das deshalb, weil es ihm nur um sich selbst und den Chefposten ging und um nichts anderes. Sympathiepunkte hat diese Haltung Steinbrück bei den Wählern nicht gebracht.

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„R2G“ eher unwahrscheinlich

Beim Thema Koalitionen tut Schulz ebenfalls gut daran, nichts auszuschließen – abgesehen von einer Zusammenarbeit mit der AfD. Was die Linkspartei angeht: Spräche sich Schulz jetzt, ein paar Tage vor der Wahl kategorisch gegen eine Kooperation aus, würde er damit eine Koalitionsoption adeln, die im Moment gar keine ist. Denn dass es am 24. September für „R2G“ reicht – wie Rot-Rot-Grün in Berlin gerne genannt wird – glaubt doch niemand.

Der Eiertanz um eine mögliche Absage an eine erneute Große Koalition ist das kniffligste Thema für Schulz, weil die „GroKo“ unter Merkel für die SPD die realistischste, vermutlich sogar die einzige Machtoption nach der Wahl sein dürfte.

Forderungen der Jusos

Die Jusos fordern schon lange, dass Schulz eine Fortsetzung ausschließt, nicht zuletzt, weil sie wissen, wie die Parteibasis darüber denkt. Dort sagt die überwältigende Mehrheit: „Bloß nicht nochmal vier Jahre mit Merkel, nicht nochmal vier Jahre, in denen all unsere Erfolge mit ihr nach Hause gehen, dann wären wir endgültig auf Kleinpartei-Niveau geschrumpft.“ Lieber sollte sich die SPD in der Opposition regenerieren, meinen diese Stimmen, und dann 2021 gestärkt einen neuen Anlauf gegen einen CDU-Kanzlerkandidaten unternehmen, der nicht Merkel heißt.

Doch Schulz‘ Denke geht vermutlich anders. Auch wenn die SPD-Basis gerne ein „Nein“ zur Großen Koalition hören würde – um sie kämpft Schulz in diesen letzten Tagen nicht. Für ihn geht es um die vielen unentschlossenen Wähler, und da ist es recht wahrscheinlich, dass die zu denjenigen im Land gehören, die die Große Koalition gar nicht so übel finden und die SPD als funktionierendes Korrektiv zur Union wahrnehmen.

Ärger über Ex-Parteichef Gabriel

Um diese Wähler zu bekommen, würde es Schulz wohl kaum nutzen, eine Neuauflage der schwarz-roten Koalition auszuschließen. Deshalb war der Kandidat auch ziemlich verärgert, als Ex-Parteichef Sigmar Gabriel in einem Interview Anfang August genau das zu tun schien. Unter Hinweis auf die inhaltlichen Differenzen mit der Union sagte Gabriel: „Deshalb werden wir uns trennen.“ Wenig später distanzierte er sich etwas von der Aussage.

Aber eine Absage an Schwarz-Rot wäre nicht nur aus taktischen Gründen unklug. Wer sich in Berlin unter der Hand bei sozialdemokratischen Spitzenpolitikern umhört, trifft auf nicht wenige, die zwar keine große Lust auf eine Große Koalition haben, diese Option aber allemal besser finden, als in die Opposition zu gehen. Dort vielleicht mit Linkspartei und AfD zu sitzen, während eine Jamaika-Koalition regiert, ist für viele SPD-Mitglieder eine Horrorvorstellung.

Müntefering: „Opposition ist Mist“

Gerne wird in diesen Tagen Ex-Parteichef Franz Müntefering zitiert: „Opposition ist Mist.“ Laut sagt das kaum einer und wenn, wird er schief angeguckt. Ein Beispiel ist SPD-Fraktionsvize Eva Högl, die in einem Interview über die Machtoptionen der Partei sinnierte. Sie sagte: „In der Opposition setzt man natürlich gar nichts durch. Opposition ist immer das Schlechteste. Da landet alles im Papierkorb oder in der Schublade.“

Die SPD versucht den Balanceakt. Einerseits will sie sich die Option der Großen Koalition offenhalten, sie will aber andererseits dabei bloß nicht zu große Sympathien für die Variante erkennen lassen. Trotz der derzeit miserablen Umfragewerte würde das den immer noch verkündeten Anspruch, nach der Wahl den Kanzler zu stellen, endgültig ad absurdum führen.

Über dieses Thema berichteten am 14. September 2017 Inforadio um 08:07, 09:37 und 10:05 Uhr. NDR Info berichtete um 16:20 Uhr.

Dutzende Tote bei Selbstmordanschlägen im Irak

Terror im Süd-Irak: Dutzende Tote bei Selbstmordanschlägen | tagesschau.de

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Stand: 14.09.2017 17:14 Uhr

Mindestens 50 Menschen sind bei zwei Anschlägen in der Nähe der südirakischen Stadt Nasiriyya ums Leben gekommen. Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ bekannte sich zu den Angriffen auf ein Restaurant und einen Kontrollposten.

Mindestens 50 Menschen sind zwei Bombenanschlägen in der Nähe der südirakischen Stadt Nasiriyya zum Opfer gefallen. Mindestens 80 weitere Menschen wurden verletzt, als Terroristen ein Restaurant und einen Kontrollposten mit Feuerwaffen und Sprengstoff angriffen, teilten Polizei und Rettungskräfte mit.

Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) reklamierte die Attentate für sich: „Dutzende Schiiten“ seien getötet worden, hieß es in der Erklärung der Propaganda-Agentur Amak, des Sprachrohrs der radikalen sunnitischen IS-Miliz.

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Viele iranische Pilger unter den Toten

Das angegriffene Restaurant und der Kontrollposten liegen an einer Autobahn südwestlich von Nasiriyya. In dem Lokal habe ein Angreifer eine Sprengstoffweste gezündet, gleichzeitig hätten drei oder vier weitere Angreifer auf die Gäste in dem Restaurant geschossen. Nach Angaben des Gouverneurs der betroffenen Provinz handelt es sich bei den meisten Toten um iranische Pilger, die in dem Restaurant zu Gast waren. Die Zahl der Toten könne noch steigen, da einige Menschen sehr schwer verletzt worden seien.

Armee rückt auf IS-Hochburgen vor

Im Norden des Irak bereitet die Armee zurzeit eine Offensive auf die letzten IS-Hochburgen des Landes vor. Einheiten der irakischen Artillerie sind bei den Ortschaften Rawa und Anna in Stellung gegangen. Dort und in dem Ort Al-Kaim nahe der syrischen Grenze halten sich nach Einschätzung der Armee noch rund 1500 Dschihadisten verschanzt.

Auch für die Stadt Hawidscha rund 300 Kilometer nördlich von Bagdad hat die irakische Armee eine Offensive angekündigt. Anfang Juli hatten die Streitkräfte die IS-Miliz bereits aus Mossul vertrieben, der zweitgrößten Stadt des Landes.

Über dieses Thema berichteten am 14. September 2017 Deutschlandfunk um 16:00 und 17:00 Uhr in den Nachrichten sowie Inforadio um 16:33 Uhr.

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