Bundesliga: Bayern gewinnen auf Schalke, Leipzig verliert

Schalke nicht effektiv genug

Wenig später legte der starke James nach einem Ballverlust der Gastgeber das 2:0 nach (29.). Schalke kämpfte um den Anschluss und hatte vor allem auch in der zweiten Halbzeit seine Möglichkeiten, brachte aber keinen Versuch im Tor unter. “Wir hatten einige Ballgewinne und Torchancen, haben aber trotzdem verdient verloren, weil Bayern sehr ballsicher war”, gab Schalkes Trainer Domenico Tedesco zu.

Leon Goretzka verzog knapp (55.). Guido Burgstaller scheiterte nach einem Solo allein vor dem Bayern-Tor an Sven Ulreich (69.), der den verletzten Manuel Neuer als Schlussmann vertrat. “Die Mannschaft hat stark gekämpft. Aber es hat nicht gereicht”, meinte S04-Torwart Ralf Fährmann, der mit einigen starken Paraden sein Team vor weiteren Gegentreffern bewahrte.

Vidal macht alles klar

Die Bayern zogen ihr Spiel durch. James setzte mit einem feinen Zuspiel in den Lauf den eingewechselten Arturo Vidal ein, der per Direktabnahme den Treffer zum 3:0 erzielte und den zweiten deutlichen Zu-Null-Sieg der Münchener in Folge unter Dach und Fach brachte.

Der FC Bayern ist mit 12 Punkten weiter auf dem Weg nach oben. Schalke sortiert sich nach der zweiten Saison-Niederlage im oberen Mittelfeld ein. “Wir dürfen heute enttäuscht sein, aber morgen heißt es wieder: Kopf hoch nehmen”, gab sich Goretzka nach der Partie kämpferisch.

Schalke 04 muss sich in Hoffenheim am Samstag gegen den nächsten Europacup-Starter beweisen. Bayern kann vor der nächsten Champions-League-Woche schon am Freitag weiter Selbstvertrauen, Sicherheit und Stimmungspunkte sammeln, wenn es im Heimspiel gegen den kriselnden VfL Wolfsburg geht.

Starkes Erdbeben erschüttert Mexiko

Ein schweres Erdbeben hat Mexiko erschüttert. Die Erdstöße erreichten dem US-Erdbebeninstitut USGS zufolge eine Stärke von 7,1. In der Hauptstadt Mexiko-Stadt stürzten Gebäude ein. Einwohner liefen in Panik auf die Straße, es gibt Berichte über Tote.

Genau am Jahrestag des schweren Erdbebens von 1985 ist Mexiko von einem heftigen Beben erschüttert worden. Die Erdstöße erreichten dem US-Erdbebeninstitut USGS zufolge eine Stärke von 7,1. Das Epizentrum lag demnach im Staat Puebla südöstlich der Hauptstadt Mexiko-Stadt in einer Tiefe von rund 50 Kilometern. Hier gibt es auch Berichte über mindestens zwei Tote, andere Quellen sprechen von mehr Todesopfern.

In Mexiko-Stadt wurde Katastrophenalarm für den gesamten Großraum ausgelöst. ARD-Korrespondentin Xenia Böttcher berichtete von stark schwankenden Gebäuden in der Stadt. Tausende verängstigte Menschen seien auf die Straßen und Plätze geflüchtet, das Telefonnetz brach zusammen. Mehrere Häuser seien schwer beschädigt, sagte Mexikos Innenminister Miguel Osorio Chong. Auf Bildern sind Verletzte und eingestürzte Gebäude zu sehen. Der Bürgermeister von Mexiko-Stadt sagte, Berichten zufolge seien Menschen in brennenden Häusern eingeschlossen.

Die mexikanische Regierung rief die Menschen auf, ihre Häuser zu verlassen. Präsident Enrique Peña Nieto berief eine Sitzung des nationalen Notfallrats ein, “um die Situation zu bewerten und um Maßnahmen zu ergreifen”, wie er auf Twitter mitteilte. Der Flughafen in Mexiko-Stadt stellte den Betrieb ein.

Fast 10.000 Tote vor genau 32 Jahren

Erst am 7. September waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen ums Leben gekommen, dabei lag das Zentrum aber im Pazifik und war in Mexiko-Stadt längst nicht so stark zu spüren. Danach gab es weit über tausend Nachbeben.

Bei einem der schwersten Beben in der Geschichte Mexikos waren vor genau 32 Jahren fast 10.000 Menschen ums Leben gekommen, damals wurde Mexiko-Stadt stark getroffen.

Zwei Stunden vor dem erneuten Beben hatte es noch eine große Katastrophensimulation mit Evakuierungen gegeben, um das Verhalten für den Fall eines erneuten Erdbebens zu trainieren.

Mexiko befindet sich in einer der weltweit aktivsten Erdbebenzonen. Der Großteil der Landmasse liegt auf der sich westwärts bewegenden nordamerikanischen Erdplatte. Unter diese schiebt sich die langsam nach Nordosten wandernde Cocosplatte. Der Boden des Pazifischen Ozeans taucht so unter die mexikanische Landmasse ab. Das führt immer wieder zu schweren Erschütterungen.

Kommentar: Trumps düstere Apokalypse im Weltsaal der UN

Was bleibt von Donald Trumps Debüt bei den Vereinten Nationen? Selten hat ein Staatschef am Ort der Diplomatie so unverhohlen gedroht. Und selten zuvor hat der US-Präsident so strukturiert seine außenpolitische Agenda dargelegt.

Ein Kommentar von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Wenn ein Präsident im Weltsaal der Vereinten Nationen, die einst aus den rauchenden Trümmern des Zweiten Weltkriegs gegründet wurden mit Ziel, die Geißel des Krieges der Menschheit künftig zu ersparen, wenn ein Präsident also im Weltsaal einer anderer Nation die totale Zerstörung androht, dann ist die Lage entweder sehr ernst oder Präsident Donald Trump spricht. Oder wie jetzt passiert eben beides.

Selten hat ein Staatschef an diesem Ort der Diplomatie so unverhohlen aggressiv gedroht. Die Premiere Trumps geriet zur düsteren Apokalypse all dessen, was auch passieren könnte, wenn diese Welt sich nicht aufstellt, wie Trump sie gern hätte.

Unilateralismus prallt auf Multilateralismus

Starke Nationalstaaten, das Besinnen auf sich selbst, die eigene Sicherheit und Souveränität über alles: So sieht Trump die Welt. “Der schwarze Prinz des Unilateralismus zu Gast im Tempel des Multilateralismus”, so hat es vorher ein langjähriger UN-Experte formuliert und so ist es gekommen. Und die Welt hält den Atem an.

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“Wir dürfen nicht in den Krieg schlafwandeln”, hatte UN-Generalsekretär António Guterres Minuten vor Trump die Welt und auch jenen US-Präsidenten gewarnt. Nicht nur die Tatsache, dass der zu spät kam, machte diese Warnung im Falle Trumps vermutlich hinfällig. Es war wohl kein Zufall, dass Trump zum großen Staunen der Zuhörer die militärische Stärke der USA an den Beginn seiner Rede stellte. 700 Milliarden Dollar würden die USA für Rüstung ausgeben, niemals sei die Armee stärker gewesen. UN-Generalsekretär Guterres wird im Stillen weinend kalkuliert haben, wie viel Leben, wie viel Zukunft, wie viel Hoffnung und wie viel Freude seine Vereinten Nationen mit 700 Milliarden Dollar der Welt schenken könnten.

Es geht auch strukturiert

Was also bleibt vom denkwürdigen Auftritt des Donald Trump: Der Eindruck, dass der Mann auch zusammenhängend reden kann. Seine Weltsicht, die losen gedanklichen Enden aus “America First” gepaart mit dem großen Potenzial der UN, die offene Drohung gegen Nordkorea und den Iran hier, die ausgestreckte Hand an den Rest der Welt da – zumindest rhetorisch hat Trump es geschafft, dies alles in einer strukturierten Rede unterzubringen. Auch das ist keine ganz kleine Leistung.

Dass es phasenweise Beifall gab für den Mann, der diese Vereinten Nationen zuletzt als Debattierclub und Minderleister abtat, hat auch damit zu tun, dass jeder im Saal eine Gewissheit mit nach Hause nahm: Die USA sitzen am sehr langen Hebel. Der heißt: Geld. 22 Prozent des UN-Budgets fließen aus amerikanischer Kasse. Wenn Trump und Washington es wollen, gehen am East River in New York die Lichter aus. Auch im Weltsaal, dem Ort der Trump-Rede, in dem er dem sogenannten Schurkenstaat Nordkorea die totale Vernichtung androhte. Ein denkwürdiger Tag – in vielerlei Hinsicht.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

UN-Generaldebatte: “Trump-Tiger” gegen “Raketen-Mann”

Gestern wirkte er noch eher wie Kätzchen als Tiger, heute war Trump wieder ganz der Alte: Dem “Raketen-Mann” in Nordkorea drohte er mit völliger Zerstörung, auch den Iran griff er verbal scharf an. Nur zu einem Thema sagte Trump nichts.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Gestern noch das Treffen zur UN-Reform unter Vorsitz eines eher zahm wirkenden US-Präsidenten: eher Kätzchen als Tiger, so der Kommentar der Zeitung “New York Times”. Heute dagegen Schluss mit Kätzchen. Der Trump-Tiger war wieder da. Kämpferisch. Aggressiv.

Scharf attackierte er gleich mehrere von ihm sogenannte Schurkenstaaten, allen voran Nordkorea. “Die USA stehen für große Stärke und Geduld”, sagte er. “Aber wenn wir gezwungen werden, uns selbst oder unsere Verbündeten zu verteidigen, werden wir keine andere Wahl haben, als Nordkorea völlig zu zerstören. Der Raketen-Mann ist auf dem Weg des Selbstmordes für sich selbst und für sein Regime.”

Der Raketen-Mann – also Nordkoreas Führer Kim Jong-Un – war gar nicht erst nach New York gekommen. Das Losglück hatte seinem UN-Team Plätze in der ersten Reihe der Generalversammlung beschert, die aber waren leer, als Trump ans Rednerpult trat. Die USA seien bereit zuzuschlagen, warnte der US-Präsident. Auch wenn das hoffentlich nicht nötig sein werde, denn dafür gebe es die Vereinten Nationen ja schließlich.

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Kritik am Atomabkommen mit dem Iran

Nur eine halbe Stunde vor dem US-Präsidenten hatte UN-Generalsekretär Antonio Guterres Nordkorea für seine Raketen- und Atomtests zwar scharf verurteilt, zugleich aber für den Weg der Diplomatie geworben. “Wenn Spannungen zunehmen, dann auch die Gefahr von Fehleinschätzungen”, warnte er. “Hitzige Reden können so fatalen Missverständnissen führen. Die Lösung muss eine politische sein – diese Zeit verlangt Staatskunst.”

Die Mahnung blieb ungehört. Trump attackierte nicht nur Nordkorea, sondern auch den Iran. Er wiederholte seine Kritik an einem der – so der US-Präsident – schlechtesten Abkommen für die USA überhaupt, dem Atomabkommen. “Ehrlich gesagt: Dieses Abkommen ist geradezu peinlich für die USA”, sagte er. “Dazu wird noch mehr zu sagen sein – glauben Sie mir.”

Die kaum verhohlene Drohung, aus dem Abkommen auszusteigen – da war sie wieder. Der Iran sei auf einem Kurs von Tod und Zerstörung. “Die iranische Regierung verbirgt eine korrupte Diktatur hinter der Verkleidung einer Demokratie”, so Trump.

Hitzige Reden statt Diplomatie

Also doch mehr hitzige Reden als Diplomatie, begleitet von einem unterstützenden Nicken des israelischen Premiers Benjamin Netanyahu. Zu der mit Spannung erwarteten ersten Rede Trumps vor der Generalversammlung – rund 40 Minuten lang –  saß auch der russische Außenminister im Publikum, genauso wie Trumps Tochter Ivanka.

Wie versöhnt der Mann des “America first” diesen nationalen Gedanken mit dem Miteinander der Weltgemeinschaft? Diese Frage beantwortete Trump schon fast mit einem Mantra, so oft wiederholte er seine Kernbotschaft: “Es gibt keinen Ersatz für strenge, eigenstaatliche und unabhängige Staaten. Länder, in denen Patrioten leben. Wir können nicht auf jemand anderen warten. Auf ferne Länder. Oder abgelegene Bürokratien. Das geht nicht.”

Kein Wort zum Klimawandel

Der starke Staat als Zelle einer starken Völkergemeinschaft – nur so könne die Welt ihre Probleme lösen. “America first”, natürlich, eine solche Selbstbesinnung gelte doch für jedes Land.

Eine Frontalattacke auf die Vereinten Nationen dagegen blieb aus – im Gegenteil: Ihre Reformpläne seien löblich, ihre Blauhelmeinsätze stabilisierten Länder vor allem in Afrika, verringerten so Flüchtlingsströme. Und noch ein Thema tauchte gar nicht auf: der Klimawandel. Ganz anders noch beim UN-Generalsekretär. Der hatte gesagt: “Wir wissen genug, um zu handeln, die Wissenschaft ist unanfechtbar. Ich fordere Regierungen dazu auf, den historischen Pariser Klimavertrag mit mehr Engagement den je umzusetzen.”

Die Antwort des US-Präsidenten: Schweigen.

Belgien: Deutsches U-Boot aus Erstem Weltkrieg entdeckt

Torpedorohr, Kommandobrücke, Balasttanks – alles mit Algen und Muscheln überwachsen, aber noch intakt: Taucher haben vor der belgischen Küste das Wrack eines deutschen U-Boots aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt. Im Inneren werden 23 Leichen vermutet.

Von Pascal Lechler, ARD-Studio Brüssel

Die belgischen Fernsehzuschauer trauten ihren Augen und Ohren nicht, als der Nachrichtensprecher des Senders VRT die Meldung verkündete: In belgischen Gewässern wurde ein deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg gefunden.

Auf den Fernsehbildern kann man allerdings nur erahnen, dass es sich bei dem Fund um ein U-Boot handelt. Im trüben, grün-grauen Nordseewasser sieht man ein Torpedorohr. Alles ist von Algen und Muscheln überwachsen, Krebse krabbeln auf dem Stahl. Kein Taucher hatte das Gebilde auf dem Meeresgrund zuvor entdeckt.

Marine-Experte Tomas Termote hat das Boot nun gefunden. “Es ist noch intakt bis auf einen Minentreffer am Bug”, sagt er. “Kommandobrücke, Sehrohr und die Ballasttanks – sie sind alle noch da. Ein sehr außergewöhnlicher Fund für Belgien.”

Leichen von 23 Besatzungsmitgliedern an Bord?

Das U-Boot liegt in 30 Metern Tiefe vor Ostende auf dem Nordseegrund. Wo genau, wollen die Belgier nicht verraten. Zu groß ist die Gefahr, dass Abenteurer es auf eigene Faust erkunden wollen. “Um welches Boot es sich handelt, wissen wir noch nicht”, sagt Termote. Drei Möglichkeiten gebe es. Und: “Die geschlossenen Luken lassen den Schluss zu, dass die Leichen der 23 Besatzungsmitglieder noch an Bord sind.”

Bislang ist es den Belgiern nicht gelungen, die Seriennummer an der Schiffsschraube zu entziffern und es damit genau zuzuordnen. Klar ist nur, dass es zur U-Boot-Klasse UB II der Kaiserlichen Marine gehört. Die 27 Meter langen Boote wurden vor allem in den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges eingesetzt. “Wenn wir genau wissen, welches U-Boot es ist, dann wissen wir exakt, wer noch an Bord ist”, sagt der Gouverneur der Provinz Westflandern, Carl Decaluwé. “Dann können wir über die deutschen Behörden etwaige Angehörige informieren.”

Die Häfen von Ostende und Zeebrugge wurden im Ersten Weltkrieg von der Kaiserlichen Marine als U-Boot-Häfen genutzt. Die Belgier überlegen nun, ob sie das U-Boot überhaupt bergen werden. Wahrscheinlicher ist es, dass es als Seemannsgrab da bleibt, wo es die letzten hundert Jahre schon war – auf dem Grund der Nordsee.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. September 2017 um 12:24 Uhr.

Gericht hält Mietpreisbremse für verfassungswidrig

Ungleiche Behandlung von Mietern: Gericht hält Mietpreisbremse für verfassungswidrig | tagesschau.de

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Stand: 19.09.2017 18:52 Uhr

Sie war das Prestigeprojekt der Großen Koalition: die Mietpreisbremse. Jetzt hat das Berliner Landgericht sie als verfassungswidrig eingestuft. Sie verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz.

Das Berliner Landgericht hat die Mietpreisbremse als verfassungswidrig eingestuft. Die entsprechende Vorschrift im Bürgerlichen Gesetzbuch führe zu einer “ungleichen Behandlung von Vermietern”. Dies widerspreche Artikel 3 des Grundgesetzes, nach dem “wesentlich Gleiches gleich zu behandeln” sei, erklärte das Gericht. Die Regelung beschneidet dem Landgericht zufolge die Vertragsfreiheit zwischen Mieter und Vermieter.

Ungleichbehandlung von Mietern

Diese Beschneidungen wirkten sich ungleich aus, weil die ortsübliche Miete etwa in München um ein Vielfaches höher sei als beispielsweise in Berlin. Als Bezugsgrößen würden die ortsüblichen Vergleichsmieten genutzt, sie wichen aber in verschiedenen Städten wesentlich voneinander ab. Außerdem würden Vermieter, die schon in der Vergangenheit zu hohe Mieten nahmen, begünstigt.

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Die seit Mitte 2015 geltende Mietpreisbremse soll in Gebieten mit “angespanntem Wohnungsmarkt” die Kosten bei Wiedervermietungen auf das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete plus zehn Prozent deckeln. Sie war das Prestigeprojekt der großen Koalition. Die Entscheidung des Berliner Landgerichts fällt wenige Tage vor der Bundestagswahl.

Verfassungsrichter müssen nun entscheiden

Das Landgericht hatte die Klage einer Mieterin behandelt. Eine endgültige Entscheidung über die Verfassungsgemäßheit kann aber nur das Bundesverfassungsgericht fällen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. September 2017 um 18:03 Uhr.

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Interview zu Ryanair: “Es steckt viel mehr dahinter”

Ryanair begründet die Streichung Tausender Flüge mit Problemen bei der Urlaubsplanung. Plausibler seien allerdings Szenarien wie Pilotenmangel oder Vorbereitungen auf ein plötzliches Air-Berlin-Aus, sagt ARD-Experte Michael Immel im tagesschau.de-Interview.

tagesschau.de: Die Billig-Airline Ryanair streicht bis Ende Oktober rund 2000 Flüge. Die offizielle Begründung: Schwierigkeiten bei der Urlaubsplanung der Piloten. Ist das plausibel?

Michael Immel: Das klingt schon ein bisschen kurios. Wenn man ein bisschen Geld in die Hand nähme und das den Piloten in die Hand drückt, hätte man das Problem sicher auch so lösen können. Ich glaube, dass viel mehr dahinter steckt als eine verkorkste Urlaubsplanung.

Ryanair will sich zum Netzwerk ausbauen

tagesschau.de: Was sind da mögliche Szenarien? Ursprünglich hieß es ja von Ryanair, die Airline wolle mit den Streichungen ihre Pünktlichkeit verbessern…  

Immel: Das ist nicht unwahrscheinlich, denn Ryanair will künftig mit Umsteigeverbindungen punkten, das heißt, nicht nur einzelne Flüge von einem Ort zum anderen anbieten, sondern auch Anschlussflüge. Um dahin zu kommen, muss man natürlich pünktlich sein und das war bei der Airline in den letzten Monaten nicht immer der Fall. Möglicherweise fehlen der Airline aber auch die Piloten.  

tagesschau.de: Warum das?

Immel: Mir wurde zugetragen, dass Ryanair-Chef O’Leary in einer Telefonkonferenz mit Analysten darüber gesprochen haben soll, dass es Versuche gibt, Piloten abzuwerben. Dazu muss man wissen, dass gut ausgebildete Piloten aus Europa weltweit gerade sehr begehrt sind, weil wieder mehr geflogen wird. Da kann ich mir bei den umstrittenen Arbeitsbedingungen von Ryanair gut vorstellen, dass der eine oder andere Pilot sich überlegt, zu wechseln.

Mehr zum Thema

Vorbereitungen auf ein Air-Berlin-Aus

tagesschau.de: Diese Meldung von Ryanair kommt ja auch mitten in den Verhandlungen über die Insolvenz von Air-Berlin. Ein Zufall?

Immel: Ich gehe davon aus, dass Ryanair sich auf die Möglichkeit eines “Groundings” bei Air Berlin vorbereitet hat – also auf den Fall, dass Air Berlin von heute auf morgen das Geld ausgeht und ihre Flieger nicht mehr starten können. Dann würde der Koordinator der Slotrechte von Air Berlin ganz rasch einen Teil der Slots – also der Start- und Landezeiten – neu verteilen müssen.

tagesschau.de: Und an denen hätte Ryanair Interesse?

Immel: Mit Sicherheit. Die Hälfte der Slots ginge zwar auf jeden Fall an Airlines, die an dem Flughafen bisher neben Air Berlin geflogen sind. Aber um um die andere Hälfte der Slots kann sich jede andere Fluglinie bewerben. Und Chancen hat natürlich nur, wer dann auch freie Maschinen zur Verfügung hat. Dass Ryanair mit den Streichungen ein paar Flugzeuge für diesen Fall vorhalten will, ist also durchaus denkbar. Denn den lukrativen deutschen Luftfahrtmarkt will man nicht allein den anderen überlassen. Deswegen plant Ryanair sicher selbst für diesen Fall – auch wenn es momentan keine konkreten Anzeichen gibt, dass er eintritt.

Slots, aber ohne Flugzeuge bitte

tagesschau.de: Warum hat sich Ryanair dann aus dem Bieterkampf um die insolvente Air Berlin zurück gezogen? Da werden doch auch Slots vergeben…

Immel: Das stimmt, aber die Slots gibt es dann nur im Paket mit den Maschinen von Air Berlin. Und das sind sehr viele Airbusmaschinen. Die kann O’Leary aber nicht gebrauchen, weil er nur Boeing fliegt.

tagesschau.de: Die Fluglinie TUI Fly hat heute angekündigt, dass sie 30 Millionen Euro einsparen muss, weil sie einen Teil ihrer Flotte an die nun insolvente Air Berlin vermietet hatte. Was heißt das jetzt für die Branche?

Immel: Das ist sehr schwer einzuschätzen. Die Frage, die sich stellt, ist ja, ob TUI Fly diese Flieger wieder zurück nehmen muss. Sie werden natürlich hoffen, dass jemand anders die Mietverträge – sogenanntes “Wetlease” – übernimmt. Dies aber vermutlich zu deutlich schlechteren Konditionen für TUI Fly. Mehr werden wir aber erst nach der Bundestagswahl – also am 25. September – wissen. Dann verkündet der Aufsichtsrat von Air Berlin seine Entscheidungen.

Das Interview führte Marie Löwenstein, tagesschau.de

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 19. September 2017 um 22:15 Uhr.

Interview zu Ryanair: “Da steckt viel mehr dahinter”

Ryanair begründet die Streichung Tausender Flüge mit Problemen bei der Urlaubsplanung. Plausibler seien allerdings Szenarien wie Pilotenmangel oder Vorbereitungen auf ein plötzliches Air-Berlin-Aus, sagt ARD-Experte Michael Immel im tagesschau.de-Interview.

tagesschau.de: Die Billig-Airline Ryanair streicht bis Ende Oktober rund 2000 Flüge. Die offizielle Begründung: Schwierigkeiten bei der Urlaubsplanung der Piloten. Ist das plausibel?

Michael Immel: Das klingt schon ein bisschen kurios. Wenn man ein bisschen Geld in die Hand nähme und das den Piloten in die Hand drückt, hätte man das Problem sicher auch so lösen können. Ich glaube, dass viel mehr dahinter steckt als eine verkorkste Urlaubsplanung.

Ryanair will sich zum Netzwerk ausbauen

tagesschau.de: Was sind da mögliche Szenarien? Ursprünglich hieß es ja von Ryanair, die Airline wolle mit den Streichungen ihre Pünktlichkeit verbessern…  

Immel: Das ist nicht unwahrscheinlich, denn Ryanair will künftig mit Umsteigeverbindungen punkten, das heißt, nicht nur einzelne Flüge von einem Ort zum anderen anbieten, sondern auch Anschlussflüge. Um dahin zu kommen, muss man natürlich pünktlich sein und das war bei der Airline in den letzten Monaten nicht immer der Fall. Möglicherweise fehlen der Airline aber auch die Piloten.  

tagesschau.de: Warum das?

Immel: Mir wurde zugetragen, dass Ryanair-Chef O’Leary in einer Telefonkonferenz mit Analysten darüber gesprochen haben soll, dass es Versuche gibt, Piloten abzuwerben. Dazu muss man wissen, dass gut ausgebildete Piloten aus Europa weltweit gerade sehr begehrt sind, weil wieder mehr geflogen wird. Da kann ich mir bei den umstrittenen Arbeitsbedingungen von Ryanair gut vorstellen, dass der eine oder andere Pilot sich überlegt, zu wechseln.

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tagesschau.de: Und an denen hätte Ryanair Interesse?

Immel: Mit Sicherheit. Die Hälfte der Slots ginge zwar auf jeden Fall an Airlines, die an dem Flughafen bisher neben Air Berlin geflogen sind. Aber um um die andere Hälfte der Slots kann sich jede andere Fluglinie bewerben. Und Chancen hat natürlich nur, wer dann auch freie Maschinen zur Verfügung hat. Dass Ryanair mit den Streichungen ein paar Flugzeuge für diesen Fall vorhalten will, ist also durchaus denkbar. Denn den lukrativen deutschen Luftfahrtmarkt will man nicht allein den anderen überlassen. Deswegen plant Ryanair sicher selbst für diesen Fall – auch wenn es momentan keine konkreten Anzeichen gibt, dass er eintritt.

Slots, aber ohne Flugzeuge bitte

tagesschau.de: Warum hat sich Ryanair dann aus dem Bieterkampf um die insolvente Air Berlin zurück gezogen? Da werden doch auch Slots vergeben…

Immel: Das stimmt, aber die Slots gibt es dann nur im Paket mit den Maschinen von Air Berlin. Und das sind sehr viele Airbusmaschinen. Die kann O’Leary aber nicht gebrauchen, weil er nur Boeing fliegt.

tagesschau.de: Die Fluglinie TUI Fly hat heute angekündigt, dass sie 30 Millionen Euro einsparen muss, weil sie einen Teil ihrer Flotte an die nun insolvente Air Berlin vermietet hatte. Was heißt das jetzt für die Branche?

Immel: Das ist sehr schwer einzuschätzen. Die Frage, die sich stellt, ist ja, ob TUI Fly diese Flieger wieder zurück nehmen muss. Sie werden natürlich hoffen, dass jemand anders die Mietverträge – sogenanntes “Wetlease” – übernimmt. Dies aber vermutlich zu deutlich schlechteren Konditionen für TUI Fly. Mehr werden wir aber erst nach der Bundestagswahl – also am 25. September – wissen. Dann verkündet der Aufsichtsrat von Air Berlin seine Entscheidungen.

Das Interview führte Marie Löwenstein, tagesschau.de

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