BRICS-Gipfel in Xiamen: China gibt den Kurs vor

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika: Das sind die BRICS-Staaten. Bei ihrem Gipfel wollen sie sich als Gegengewicht zu den USA und Europa präsentieren. Doch der Einfluss des Bündnisses ist begrenzt – und nur ein Land hat seine wirtschaftliche Stärke bewahrt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Chinas Außenminister Wang Yi ist dieser Tage als Chef-Promoter des BRICS-Gipfeltreffens unterwegs. Sein Land werde bei dem an diesem Sonntag beginnenden Treffen in Xiamen alles unternehmen, um BRICS in eine glänzende Zukunft zu führen, betonte er am Mittwoch in Peking. China wolle das Bündnis noch größer, stärker und stabiler machen.

Analysten regierungsnaher Thinktanks in China betonen, dass sich BRICS in den vergangenen zehn Jahren bewährt habe. Vor allem Handel und Wirtschaftsbeziehungen hätten profitiert. Zum Verbund gehören neben China Brasilien, Russland, Indien und Südafrika. Die fünf Länder sehen sich und den losen BRICS-Club als Gegengewicht zu den G7-Industrienationen und als Stimme aller Schwellen- und Entwicklungsländer.

Die Partnerländer haben Krisen durchlebt

Nach Auffassung von Klaus Meyer von der „China Europe International Business School“ in Shanghai gibt es de facto aber nur noch einen wirklich gewichtigen Player innerhalb der Gruppe: China. „Wenn man sich die Statistiken ansieht: Vor zehn Jahren, als es mit BRICS losging, waren alle der fünf Staaten treibende Kräfte innerhalb der Szene der Schwellenländer“, sagt er. Seitdem aber hätten außer China alle BRICS-Staaten Krisen erlebt. „Das einzige Land mit wirklich starker wirtschaftlicher Performance ist China.“

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Bilaterale Beziehungen wichtiger als Bündnisse

Die chinesische Wirtschaft wächst inzwischen zwar nicht mehr so stark wie noch vor Jahren, aber schon allein durch die enorme Marktgröße hängt das Land die anderen Staaten in Sachen ökonomische Bedeutung locker ab. Wirtschaftsprofessor Meyer glaubt sogar: Eigentlich bräuchte das Land den Staatenverbund gar nicht, weil es ohnehin immer häufiger den Ton angibt.

„China braucht im Grunde keine Bündnisse wie BRICS“, sagt er. „Außer vielleicht die G20-Gruppe, die hat eine gewisse Bedeutung, wenn es um die Zusammenarbeit mit Industrienationen geht.“ Doch mit Blick auf Chinas wirtschaftlichen Einfluss seien bilaterale Beziehungen zu den einzelnen Schwellenländern wichtiger für das Land.

Ausschließlich positive Meldungen in China

Im Gipfel-Gastgeberland selbst sieht man das naturgemäß anders. Pünktlich zum Treffen in Xiamen werden seit Tagen ausschließlich positive Meldungen zum Thema BRICS verbreitet. Von einem schwindenden Einfluss des Bündnisses könne keine Rede sein, schwärmt zum Beispiel Zhang Yansheng vom China-Zentrum für Internationalen Handel, einem regierungsfreundlichen Thinktank in Peking: „Das Gipfeltreffen in Xiamen wird die zweiten goldenen zehn Jahre für BRICS einläuten.“

In den Ländern des Bündnisses, in denen im Gegensatz zu China Meinungs- und Pressefreiheit herrschen, sind auch differenzierte Stimmen zum Thema zu hören – in Südafrika zum Beispiel. Das Land ist das mit Abstand kleinste Mitglied, was die Bevölkerungszahl und die Wirtschaftsleistung angeht.

Miriam Altman von der Planungskommission der südafrikanischen Regierung nennt BRICS eine „interessante Kombination“ von Staaten. Häufig aber hätten die Mitgliedsländer widersprüchliche Interessen, etwa beim Handel und beim Umweltschutz. „Da stellt sich die Frage: Wo ist die natürliche Verbindung zwischen den BRICS-Staaten, die für die gemeinsamen Interessen sorgt?“

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Auf gemeinsame Interessen konzentrieren

Experte Klaus Meyer glaubt, man werde sich – wie üblich bei solchen Gipfeln – auf die Bereiche konzentrieren, wo es gemeinsame Interessen gibt. Themen, bei denen die Länder unterschiedliche Meinungen haben, werde man einfach ausblenden. „Die Gipfelteilnehmer werden sich zum Freihandel bekennen und zu weltweiten Direktinvestitionen“, sagt er. „Die Probleme, die es zu diesem Thema im Gastgeberland gibt, werden wohl nicht erwähnt. So zum Beispiel die Tatsache, dass sich in China viele internationale Unternehmen unfair behandelt fühlen.“

Grenzstreit zwischen China und Indien

Was den BRICS-Gipfel in Xiamen teilweise überschattet, sind die politischen Probleme der fünf Teilnehmer-Staaten. Brasilien und Südafrika werden von Korruptionsskandalen erschüttert. Russland wird vom Westen wegen seines Verhaltens in der Ukraine-Krise weiter isoliert. Indien und China haben sich in der Himalaya-Region zuletzt heftig um einen ungeklärten Grenzverlauf gestritten, China hatte Indien sogar indirekt mit militärischer Gewalt gedroht.

Erst nach wochenlangem Hin und Her wurde schließlich am Montag verkündet, China und Indien hätten den Grenzstreit entschärft. Beide Seiten reduzieren ihre militärische Präsenz in der umstrittenen Region. Einen Eklat beim Gipfel-Empfang von Indiens Premier Narenda Modi durch Chinas Präsident Xi Jinping wollte man ganz offensichtlich vermeiden.

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