Digitalisierung : Welchen Einfluss hat sie auf die Gesundheit?

Die Zeitschrift impu!se setzt sich in der aktuellen Ausgabe damit auseinander, wie sich ein permanenter Interneteinfluss auf die Gesundheit auswirkt. Ausgangslage für die Betrachtungen ist die Tatsache, dass 90 % der Erwachsenen in Deutschland digital vernetzt sind. Doch wie und in welcher Form hat sich ihre Gesundheit dadurch verändert oder wird sich verändern?

Die Verdrängungsthese geht davon aus, dass sich das Internet negativ auf die Gesundheit auswirkt. Denn die Zeit, die wir im Internet verbringen, geht u. a. zu Lasten von Aktivitäten wie dem Treffen von Freunden oder Sport. Außerdem stellen lange Online-Zeiten ein Risiko für ausreichend und ungestörten Nachtschlaf dar.

Laut der Kompensationsthese lassen sich durch onlinebasierte Angebote Gesundheitsprobleme kompensieren. Dabei geht es u. a. um die Möglichkeit, sich im Internet ausführlich und anonym über Gesundheitsthemen informieren zu können. Außerdem ist es möglich, mit anderen in Kontakt zu treten, Gemeinschaften zu bilden und Unterstützung zu erhalten. Und das nahezu barrierefrei.

Die Digitalisierung beeinflusst unbestritten sowohl den objektiven als auch den subjektiven Gesundheitszustand. In impu!se findet sich u. a. ein Beitrag zu einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zu den Schattenseiten der Digitalisierung. Danach nimmt die Mehrzahl der Befragten eine Intensivierung der Arbeit wahr. 65 % geben an, dass durch die Digitalisierung immer mehr Aufgaben zu erledigen sind. Und 36 % aller Beschäftigten sagen, dass E-Mail, Handy und Internet eine schwer zu bewältigende Menge an Informationen verursachen. Die Digitalisierung stellt also für einen hohen Anteil der Beschäftigten eine Quelle psychischer Belastungen dar.

 

Neue ISO: ISO 45001 – kommt die Arbeitsschutzmanagement-Norm im März 2018?

Mit der ISO 45001, die voraussichtlich im März 2018 in Kraft treten wird, können Unternehmen einen Nachweis darüber geben, dass sie im betrieblichen Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz global verbindliche Standards einhalten.

Unternehmen, die nach der OHSAS 18001 zertifiziert sind, müssen sich auf veränderte Anforderungen an das Management von Arbeits- und Gesundheitsschutz einstellen.

Bei der Einführung eines integrierten Managementsystems profitieren Unternehmen in Zukunft vom neuen Standard, da die einzelnen Elemente nun eine einheitliche Struktur haben. Mit der neuen Norm wird die sogenannte High Level Structure umgesetzt. Diese ist bereits aus den neuesten Versionen der Umweltmanagementnorm ISO 14001 sowie der Norm 9001 für Qualitätsmanagement bekannt.

Laut dem TÜV Rheinland ist noch nicht klar, wie viel Zeit die Unternehmen haben werden, um auf den neuen Standard umzusteigen. Folglich ist auch noch nicht bekannt, wann der British Standard for Occupational Health- and Safety Assessment Series, kurz BS OHSAS 18001, erlischt. Doch es wird erwartet, dass es wohl auch hier eine dreijährige Übergangsfrist geben wird. Nach Ablauf der Frist muss dann die ISO 45001 umgesetzt sein.

Mehr zur ISO 45001 erfahren Sie hier: Die neue ISO 45001 kommt: Für sichere und gesunde Arbeitsplätze.

Zeitarbeit: Deutlich höhere Fehlzeiten

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat Zahlen zur Leiharbeit in Deutschland zum Jahr 2016 veröffentlicht. Diese belegen, dass die Tätigkeit eines Arbeitnehmers im Rahmen einer befristeten Überlassung an einen anderen Arbeitgeber, mehrfach belastend ist und zu höheren Fehlzeiten als in anderen Branchen führt.

Die Techniker Krankenkasse nennt eine ganze Reihe von Ursachen, die bei der Leiharbeit negative Auswirkungen auf die Beschäftigten haben. Dazu gehören vor allem:

Für das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) und für Angebot zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) sind die Zeitarbeitsfirmen verantwortlich. Denn sie können nicht davon ausgehen, dass ihre Arbeitnehmer während einer befristeten Überlassung am Programm zur BGF beim Entleiher teilnehmen können. Eigene Angebote oder Vereinbarungen zwischen der Zeitarbeitsfirma und dem entleihenden Unternehmen ermöglichen es auch den Zeitarbeitern, etwas für ihre Gesundheit bei der Arbeit zu tun.

Ergonomie: Immer gleiche Handbewegung gefährdet die Gesundheit

Durch monotone Handbewegungen werden nicht nur die Hände belastet, sondern vor allem auch die Arme, der Nacken-Schulter-Bereich sowie die obere Wirbelsäule. Gefährlich für diese Körperregionen ist es u. a., wenn die Hände wiederholt gebeugt und gestreckt werden, ständig gebeugt sind oder wenn mit sehr hohem Kraftaufwand oder mit handgeführten vibrierenden Maschinen gearbeitet wird.

Monotone Handbewegungen treten z. B. auf beim …

Es ist aber nicht nur die Tätigkeit selbst, die krank machen kann. Auch die Art der körperlichen Belastung spielt eine große Rolle. Besonders auf seine Gesundheit sollte achten, wer …

Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) empfiehlt bei einem durch monotone Handbewegungen erhöhten Gesundheitsrisiko:

Müdigkeit am Steuer: Sekundenschlaf – für Pendler eine besondere Gefahr

Autopendler haben es nicht leicht. Zur Rushhour sind die Straßen oft verstopft. Das erfordert besondere Aufmerksamkeit. Hinzu kommt aber, dass die täglich gleiche Strecke wenig Abwechslung bietet und man sie fast „im Schlaf“ fahren könnte. Wer da nicht ausgeschlafen oder von der Arbeit müde ist, riskiert kurz einzunicken und einen Verkehrsunfall zu verursachen.

Mit der Kampagne „Vorsicht, Sekundenschlaf“ macht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) auf die Gefahren aufmerksam, die entstehen können, wenn man müde hinterm Steuer sitzt. Dabei sind zwei Schlaftypen zu unterscheiden, die „Lerche“ und die „Eule“. Je nach Typ, ist die Fahrt am frühen Morgen oder die am Abend nach Hause die gefährlichere.

„Lerchen“ sind morgens früh fit. Voraussetzung dafür ist aber, dass sie abends früh schlafen gehen. Vor der Heimfahrt am Spätnachmittag oder Abend empfiehlt es sich für die morgens Fitten, noch etwas frische Luft zu schnappen, bevor sie sich hinter das Steuer setzen.

Die Fahrt nach Feierabend fällt dagegen den „Eulen“ deutlich leichter. Für sie ist die Fahrt am frühen Morgen eine Herausforderung. Um nicht mit dem Schlaf kämpfen zu müssen, sollten sie sich morgens ausreichend Zeit zum Wachwerden nehmen. Wer unbedingt mit dem Auto fahren muss, könnte sich nach einer Fahrgemeinschaft umschauen. Ein wacher Beifahrer hält meist auch den Fahrer wach.

Entspannter ist meist die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn da kann man in Ruhe vor sich hindösen oder sich dem “Minutenschlaf” hingeben, wenn man müde ist.

SiFa: Wie kann man Fachkraft für Arbeitssicherheit werden?

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beantwortet auf ihrer Internetseite Fragen rund um die Ausbildung und die Bestellung von Fachkräften für Arbeitssicherheit.

Laut dem Informationszentrum der BAuA können auch Personen ohne sicherheitstechnische Fachkunde zur Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellt werden. Dafür müssen aber folgende Voraussetzungen gegeben sein:

Mit der Ausnahmegenehmigung ist es also bereits während der Qualifizierungsphase möglich, dass eine Person zur Sifa bestellt wird.

Den Einsatzzeitenrechner für Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte gemäß DGUV V 2 finden Sie hier.

Zur Berechnung der notwendigen Einsatzzeiten von Umweltbeauftragten und Umweltverantwortlichen gibt es bei Haufe auch einen Einsatzzeitenrechner, mehr dazu hier.

Selbstbestimmte Arbeitszeiten: Wann Abschalten besonders schwer fällt

Extrem flexible Arbeitszeiten gehen häufig zulasten der Beschäftigten. Interessanterweise reagieren Männer hier anders als Frauen. Männer sind am meisten gestresst, wenn sie ihre Arbeitszeit völlig selbst bestimmen können. Für Frauen stellen vor allem kurzfristige, unvorhersehbare Änderungen der Arbeitszeiten durch den Arbeitgeber eine hohe psychische Belastung dar.

Für die Studie wurden in den Jahren 2011 und 2012 mehr als 10.000 Personen befragt. Aus den Ergebnissen lassen sich folgende Rückschlüsse auf die Zusammenhänge zwischen Arbeitszeitmodellen, Verhalten und Arbeitsbelastungen ziehen:

45 % der Personen, die im Homeoffice arbeiten, können abends nicht abschalten. Das sind doppelt so viele, wie dies bei Beschäftigten der Fall ist, die nie zu Hause arbeiten.

40 % der Männer, die ihre Arbeitszeit völlig selbst bestimmen können, fällt das Abschalten schwer. Das sind 11 % mehr als bei den Männern mit festen Arbeitszeiten. Männer neigen offenbar dazu, übermäßig lange zu arbeiten, wenn es kein Zeitlimit gibt.

Frauen setzen ihre zeitliche Flexibilität bei selbstbestimmten Arbeitszeiten eher dazu ein, sich neben dem Beruf um Haushalt und Familie zu kümmern.

Positiv auf die Work-Life-Balance von Männern wirkt sich Gleitzeit aus. Sie können dann besser mit hohem Arbeitsdruck umgehen und fühlen sich wenig belastet.

Insgesamt machen feste Arbeitszeiten wenig Stress und versprechen Planungssicherheit. Sie können jedoch mit z. B. Abholzeiten von Kindergärten kollidieren.

Da noch immer Frauen den größeren Teil der Haus-, Pflege- und Erziehungsarbeit übernehmen, leiden sie am meisten unter unvorhersehbare Dienstzeiten kombiniert mit hohem Arbeitsdruck. Denn dies erschwert die Planung des Alltags enorm und lässt den Stress deutlich ansteigen.

Als Fazit hält Studienleiterin Dr. Yvonne Lott mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit grundsätzlich als vertretbar. Voraussetzungen dafür seien aber zeitliche Obergrenzen, eine Zeiterfassung, realistische Vorgaben für das Arbeitspensum, genug Personal sowie Vertretungsregeln. Als Risiko bei einer völligen Arbeitszeitautonomie sieht sie die „Traditionalisierung der Partnerschaften“, sprich, dass meist die Frauen den Männern den Rücken freihalten müssen.

GDA-Empfehlungen: So lässt sich die Gesundheitskompetenz von Mitarbeitern fördern

Der Mitarbeiter hat sich einen höhenverstellbaren Tisch gewünscht und nach kurzer Zeit nutzt er ihn nicht mehr. Oder im Betrieb wurde ein neues Hilfsmittel eingeführt, das nun in der Ecke verstaubt. Solche und andere Beispiele kennt jeder. Und jeder weiß auch, wie oft er sich selbst vorgenommen hat, sich mehr zu bewegen, regelmäßig Pausen zu machen oder sich gesünder zu ernähren. Und dann kommt wieder etwas dazwischen. Doch dranbleiben lohnt sich. Für Führungskräfte bedeutet das auch, die Mitarbeiter immer wieder neu zu motivieren und auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen.

Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) nennt Rahmenbedingungen, die für Verhaltensänderungen entscheidend sind und mit denen Führungskräfte die Gesundheitskompetenz ihrer Mitarbeiter fördern können. Dazu gehören:

Es liegt oft nicht am mangelnden Angebot oder fehlendem Interesse, dass bei der Arbeit zu wenig Rücksicht auf die eigene Gesundheit genommen wird. Es ist einfacher, vertraute Arbeitsroutinen beizubehalten – auch wenn man weiß, dass sie einem nicht gut tun – als dauerhaft eine Veränderung vorzunehmen. Besonders in Ausnahmesituationen wie hohem Zeit- oder Termindruck, fällt man nämlich schnell wieder in die alten, vertrauten Verhaltensweisen zurück. Deshalb heißt es: dranbleiben!

Wer sich die vor Augen halten will, wie sich gesundes Verhalten am Arbeitsplatz fördern lässt, für den gibt es das Poster Gesundheitskompetenz in der Arbeitswelt kostenlos zum Herunterladen.

Gesundheit: Wie viele Schritte man am Tag soll man gehen

Bewegungsmangel gilt in unserer Gesellschaft als die häufigste Ursache für Krankheiten. Viele sitzen hinterm Lenkrad, am Schreibtisch oder Computer. Bewegung fällt immer schwerer. Da hilft nur eins: Man muss sich die Bewegung antrainieren und in den Alltag einplanen.

Die empfohlene Schrittzahl, um gesund zu bleiben, sind 10.000 Schritte pro Tag gehen. Dann können die Organe gut funktionieren. Blutdruck, das Risiko von Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall reduzieren sich. Und dem Rücken bekommt die Bewegung auch gut. Außerdem verbrennt man so pro Woche 2.000 bis 3.500 Kalorien zusätzlich.

10.000 Schritte entsprechen 5 bis 8 Kilometer, je nach Schrittlänge. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, darf sich für 30 Minuten radeln, 3.000 Schritte gutschreiben.

Um das Schrittpensum von 1.500 auf 10.000 Schritte zu steigern, sollte man sich ein realistisches Wochenziel stecken, z. B. die aktuelle Schrittzahl verdoppeln. Stellt man am Ende der Woche fest, dass das Ziel machbar war, nimmt man sich für die kommende Woche noch mehr Schritte vor, so lange bis man 10.000 pro Tag erreicht hat.

Am besten baut man die zusätzlichen Schritte über den Tag hinweg ein. So empfindet man sie nicht als störenden Aufwand und sie gehören bald zum Tagesablauf. Und so gelingen ein paar Schritte mehr pro Tag ganz nebenbei:

Es ist aufwendig, die Schritte zu zählen und oft schwierig einzuschätzen, wie viele man gegangen ist. Ein Schrittzähler kann diese Aufgabe zuverlässig übernehmen.

Die Berufgenossenschaft Verkehr hat dafür eine Schrittzähler-App entwickelt, die kostenlos auf jedem Smartphone installiert werden kann. Bei der App lassen sich Tagesziel und Schrittlänge individuell einstellen. Schrittzahl, zurückgelegte Distanz und prozentuale Anteil am Tagesziel werden übersichtlich dargestellt.

Mehr zum Thema “betriebliches Gesundheitsmanagement” finden Sie auf dieser Themenseite.

Sichere Evakuierung: Notfallübung – was ist zu beachten

Der Arbeitgeber hat, laut § 10 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), dafür zu sorgen, dass im Notfall angemessen reagiert werden kann, z. B. durch eine Evakuierung. Das bedeutet, dass er für die Planung entsprechendes Fachwissen im Unternehmen braucht und eine gewisse Routine für die Durchführung.

Für eine erste Übung im Betrieb empfiehlt die International Security Academy (ISA e. V.) ein Brandszenario. Die Übung sollte einen möglichst realistischen Bezug zum Unternehmen haben. Wo gibt es Brandlasten oder -quellen? Wie wird sich der Brand ausbreiten? Gibt es Gefahrstoffe?

Am besten nimmt die örtliche Feuerwehr an der Übung teil. So kann sie gleich die Anfahrtswege, Aufstellungsflächen oder die Löschwasserversorgung überprüfen und das Anleitern am Gebäuden üben. Außerdem kann die Feuerwehr als externer Beobachter, Dinge wahrnehmen, die man selbst während der Übung übersieht.

Erstelfer und Vorgesetzte sollten regelmäßig geschult werden. Ihre Aufgaben sind es, Kollegen bei der Selbstrettung zu unterstützen, Mitarbeiter zur Sammelstelle zu bringen und die Vollständigkeit zu kontrollieren. Denn im Notfall ist es u. a. wichtig, dass die Rettungskräfte wissen, ob und wie viele Personen sich noch in einem Gebäude befinden.

Führt ein Unternehmen zum aller ersten Mal eine Notfallübung durch, sollte diese besser angekündigt werden. Spätere Übungen finden dann „überraschend“ statt. Allerdings ist es immer notwendig, die Behörden wie Feuerwehr oder Polizei rechtzeitig über eine geplante Übung zu informieren.

Deshalb empfiehlt es sich, für die Übung je nach Betriebsgröße etwa 3 – 6 Monate Planungszeit einzukalkulieren. Wichtig ist es auch, dass die Geschäftsführung informiert und bei der Übung dabei ist. Außerdem sollte auf die Witterung Rücksicht genommen werden, also keine Übung bei Eis und Schnee oder Gewitter durchführen.

Nach der Notfallübung sollte eine ausführliche Auswertung stattfinden. Dabei ist zu prüfen, ob festgelegte Ziele, wie z. B. die erwartetet Evakuierungszeit, eingehalten wurden und ob alle auf den Alarm reagiert haben. Eine Befragung aller Helfer und Beobachter trägt dazu bei, das Sicherheitskonzept im Unternehmen zu verbessern und Risiken zu senken.