Nur kein Stress: So gelingt der Einstieg nach dem Urlaub

87 % der Beschäftigten kommen erholt aus dem Urlaub, so eine Aussage des Projekts psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA). Doch viele starten mit gemischten Gefühlen in die Arbeit. Denn jetzt heißt es wieder „funktionieren“ und Ansprüche erfüllen: die vom Chef, von Kollegen und Kunden, aber auch die an sich selbst. Mit den Tipps von psyGA lässt sich der Wiedereinstieg gelassener angehen und die Urlaubsenergie länger bewahren.

Damit der Einstieg entspannt erfolgen kann, empfiehlt sich für den ersten Tag:

Nichtstun oder nur das tun, worauf man Lust hat, zeichnet Urlaub aus. Davon kann man so manches auch im Arbeitsalltag fortsetzen:

Die beste Unterstützung ist es, Vorbild zu sein und selbst entspannt aus dem Urlaub in die Arbeit einzusteigen. Ansonsten hilft:

Wenn die Arbeit leidet: Was hilft wirklich bei Smartphone-Sucht?

Experten warnen: Unter Umständen kann das Smartphone ein richtiges Problem werden. Dagegen hilft nur die Methode „Aus den Augen, aus dem Sinn“.

Kann jemand nie die Finger vom Smartphone lassen, leidet darunter irgendwann auch die Arbeit. Das hat Christian Montag, Professor für Psychologie an der Universität Ulm, in einer neuen Studie herausgefunden. „Wer nach eigener Einschätzung eher süchtig nach dem Smartphone ist, berichtet gleichzeitig auch mehr Produktivitätseinbußen“, sagt er. „Da sehe ich einen deutlichen Zusammenhang.“

Grund dafür sei die Fragmentierung des Alltags, sagt er – also die ständige Unterbrechung durch neue Push-Nachrichten. „Dadurch findet man nicht mehr den Flow am Arbeitsplatz, also in die Phase des konzentrierten Arbeitens, in der wir Raum und Zeit vergessen und die Tätigkeit am Arbeitsplatz leicht von der Hand geht.“

Zum Teil ist das für alle Smartphone-Nutzer ein Problem, so der Psychologe: „Bei dem ständigen „Ping“ einer neuen Nachricht kann das menschliche Hirn nicht anders, als sich ablenken zu lassen.“ Menschen mit Smartphone-Sucht seien dafür aber besonders anfällig. „Es gibt die ständige Angst, etwas auf dem Smartphone zu verpassen, was uns dann wiederum auf das Gerät fixiert und die Produktivität negativ beeinflusst.“

Was also tun? Das Smartphone lautlos zu stellen oder auf dem Schreibtisch umzudrehen, reicht meistens nicht aus. „Sobald das Gerät in dem eigenen Sichtfeld ist, bricht die Konzentration ein“, sagt Montag. „Weil da im Hinterkopf immer der Gedanke lauert, es könnte ja was Interessantes reinkommen.“ Wirklich hilfreich sei nur, das Smartphone aus dem Blickfeld zu befördern – es also in der Schublade oder der Aktentasche verschwinden zu lassen.

Wer sich gar nicht ablenken lassen will, könne das Smartphone natürlich auch komplett weglassen. Das hält Christian Montag in den meisten Fällen aber nicht für realistisch – und auch nicht für sinnvoll. „Wenn ich es smart einsetze, kann mich das Smartphone auch produktiver machen.“ Er nennt Beispiele: „Ich finde schneller den Weg zur Arbeit, ich weiß, dass ich im Notfall erreichbar bin und arbeite damit gegebenenfalls in manchen Situationen sorgenfreier.“

Gefährdungsbeurteilung: So ermitteln Sie psychische Belastung im Einzelhandel

Bei einer GB psych sind folgende Bereiche zu analysieren:

Dafür bietet die PegA u. a. Checklisten, Leitfäden und Poster, mit denen z. B. Unternehmer, Personalverantwortliche oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) die GB psych durchführen und dokumentieren können.

Das Programm behandelt in Modulen folgende Themen:

Bei einer Begehung geht es darum, die Arbeitsbedingungen und nicht die Beschäftigten zu bewerten. Der PegA-Expertencheck wurde extra für den Einzelhandel entwickelt. Mit ihm lassen sich auch Tätigkeitsbereiche mit geringer Beschäftigtenzahl oder Arbeitsplätze mit mehreren Teiltätigkeiten überprüfen.

Zentrales Instrument des Expertenchecks sind Fragebögen zum Ankreuzen. Beim Check zu den Dokumenten finden sich unter der Rubrik Soziale Beziehungen z. B. Fragen wie:

Das PegA-Programm wurde von der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) gemeinsam mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Handel entwickelt. Alle Module können kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden.

Arbeitsunfähigkeit: Macht Zeitarbeit krank?

Leiharbeiter fehlen nach Einschätzung einer Krankenkasse häufiger am Arbeitsplatz als andere Arbeitnehmer. 20,3 Tage seien sie im vergangenen Jahr im Schnitt krankgeschrieben gewesen, berichtete die Techniker-Krankenkasse (TK) am 10.8.2017 auf Grundlage der 4,8 Millionen bei ihr versicherten Erwerbspersonen. Das waren 5,6 Tage mehr als bei den übrigen Beschäftigten, die auf 14,7 krankheitsbedingte Fehltage gekommen seien.

Vor allem von Erkrankungen der Psyche und des Muskel-Skelett-Systems seien Leiharbeiter überdurchschnittlich häufig betroffen. Die körperlichen Beschwerden seien auch darauf zurückzuführen, dass häufig körperlich schwere Arbeiten zu verrichten seien.

Ein rundes Drittel der zusätzlichen Fehlzeiten sei aber den spezifischen Belastungen der Zeitarbeit zuzuschreiben, erklärte TK-Experte Albrecht Wehner unter Hinweis auf frühere Befragungen. «Die Beschäftigten empfinden vor allem eine Arbeitsplatzunsicherheit und ihre begrenzten beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen als Belastung. Sie leiden unter der teilweise großen Diskrepanz zwischen ihrer fachlichen Qualifikation und dem Aufgabenfeld, in dem sie eingesetzt sind.» Auch die Einkommenssituation sei für viele belastend.

Heftiger Widerspruch kam von Thomas Hetz, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP). Die TK mache die Branche zum Sündenbock und zeichne ein Zerrbild. Zeitarbeiter seien sozioökonomisch besser mit der Versichertenschaft der AOK vergleichbar, bei der alle Versicherten im Schnitt schon auf  19,5 Fehltage im Jahr kämen. Ein Vergleich mit den TK-Versicherten gehe fehl. Eine Sprecherin der Kasse forderte den Arbeitgeberverband auf, endlich eine eigene Studie zum Krankenstand in der Branche vorzulegen.

Der zweite Arbeitgeberverband IGZ räumte hingegen spezifische Probleme ein. 54 Prozent der in der Zeitarbeit Beschäftigten seien ungelernte Hilfsarbeiter, die an ihren wechselnden Arbeitsplätzen schon aus Unerfahrenheit höheren Unfallgefahren ausgesetzt seien, sagte der Sprecher des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen, Wolfram Linke. Ständig vor neuen Aufgaben zu stehen, könne auch psychisch belasten. Die Zeitarbeitsfirmen seien aber gemeinsam mit den Entleihfirmen bestrebt, die Situation zu verbessern und präventiv zu wirken.

Betriebliche Gesundheitsförderung: Lauftreff kommt gut an

Der Turn- und Sportverein Hochdahl in der Nähe von Düsseldorf bietet seit einigen Jahren betriebliche Gesundheitsförderung an. Davon profitieren Firmen vor Ort, wie z. B. der Erkrather IT- und Datenspezialist TimoCom mit seinen rund 440 Mitarbeitern.

Seit März 2017 gibt es zwischen dem Verein und dem Unternehmen eine Kooperation in Sachen betriebliche Gesundheitsförderung: einen Lauftreff. Zweimal pro Woche geht es gemeinsam auf die Strecke. Beim Laufen lässt sich Stress aktiv abbauen. Das kommt dem körperlichen und seelischen Gleichgewicht zugute. Die Mitarbeiter und das Unternehmen profitieren aber auch davon, dass sich durch das regelmäßige Lauftraining ihre allgemeine Leistungsfähigkeit steigert.

Der Lauftreff, nur einer von vielen Maßnahmen der langfristig angelegten Gesundheitskampagne von TimoCom, motivierte die Teilnehmer im ersten Jahr so sehr, dass 40 Mitarbeiter des Unternehmens an der Deutschen Firmenlaufmeisterschaft in Düsseldorf an den Start gingen und jeweils erfolgreich 6,2 km absolvierten.

Zu den weiteren Angeboten des Unternehmens zählen u. a. eine Bio-Impedanz- und Laufbandanalyse sowie eine Rückenschule zur Förderung von Gesundheit und Beweglichkeit. Mit der Gesundheitsförderung durch den Betrieb wird das Thema Prävention aktiv und effektiv angegangen. Ziel aus Unternehmenssicht sind gesunde, motivierte, glückliche, stressresistente und leistungsfähige Mitarbeiter.

Der TSV Hochdahl ist ein Breitensportverein mit 4.000 Mitgliedern und einem klassischen Angebot. Hinzu kommt ein breites Angebot im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung von

Außerdem können die Firmenmitarbeiter ins vereinseigene Gesundheitsstudio gehen oder an den Gesundheits- und Sportkursen teilnehmen.

Baustellensicherheit: Absturzunfälle vermeiden

Die BAuA hat die Absturzunfälle der Jahre 2009 bis 2016 ausgewertet.

In den Jahren 2009 bis 2016 wurden der BAuA 1.499 tödliche Unfälle gemeldet. 432 Unfälle davon – rund 28,2 % – waren Absturzunfälle.

99,5 % der Unfallopfer waren männlich. Nicht verwunderlich, da die tödlichen Absturzunfälle vor allem bei Fertigungs- und Montage- bzw. Demontagetätigkeiten auf Baustellen passieren.

Die Unfallopfer haben Berufserfahrung, überwiegend drei Jahre oder länger. In der Altersklasse 50 bis 60 Jahren liegt die Zahl der Opfer mit knapp über 30 % deutlich über dem Durchschnitt, ebenso im Vergleich zum Anteil der verunfallten Erwerbstätigen in anderen Tätigkeitsbereichen.

Bie fehlenden oder veralteten Gefährdungsbeurteilungen und wenn Vorschriften nict eingehalten werden, wird’s gefährlich.

Nach Einschätzungen der Unfallermittler können durch eine Sicherung Unfallfolgen weniger schlimm ausgefallen. Aber bei 32,2 % fehlten Absturzsicherungen.Außerdem:

Das Faktenblatt nennt Maßnahmen, mit denen sich das Unfallrisiko reduzieren und sich Absturzunfälle verhindern lassen. Dazu gehört u. a.:

Im Faktenblatt Tödliche Arbeitsunfälle – Absturzunfälle werden Unfallfaktoren und -ursachen durch die BAuA benannt. Anhand dieser Informationen sollen weitere Absturzunfälle verhindert werden. Die Fakten lassen sich u. a. für Schulungen einsetzen.

Online-Tool: Wie gestresst bin ich? – Ein Selbsttest

Stress kann krank machen. Deshalb ist es wichtig, die Warnsignale des Körpers zu kennen und mit Entspannung oder Bewegung der Belastung entgegenzusteuern. Mit dem Stress-CheckUp der Techniker Krankenkasse (TK), lässt sich online und anonym im Internet herausfinden, ob und wie stark man unter Stress leidet und ob er bereits Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Außerdem erhält man weitere Informationen, wenn Handlungsbedarf besteht.

Insgesamt sind 38 Fragen u. a. zu

auf einer Skala von nie bis ständig einzuschätzen. In der Auswertung gibt es dann neben einer allgemeinen Auswertung detaillierte Angaben zu den Bereichen

Der Test dauert knapp 10 Minuten. Er setzt sich ausschließlich aus Fragen zusammen, deren Antworten angeklickt werden müssen. Mein erster Eindruck: einfache und wenig ansprechende Aufmachung. Doch ich bleibe dran, will mehr wissen. Da sich der Test über 4 Seiten zieht, ist die Neugier geweckt.

„Sie können sich freuen!“ Der erste Satz der Auswertung entspannt mich deutlich. Auch die weiteren Aussagen, dass keine ernsthaften Stressfolgen zu erkennen sind, beruhigen mich.

„Keine ernsthaften Stressfolgen“ steht da. Und auch bei den Detailauswertungen stehen Begriffe wie „äußerst gering“, „kaum zu befürchten“. Das heißt, irgendetwas könnte ich besser machen. Und dann entdecke ich bei der Kategorie kognitiven Stressreaktion den Hinweis auf deutliche Belastungssignale und den Satz: „Wenn keine dauerhafte Änderung der Situation absehbar ist, empfehlen wir Ihnen, aktiv gegenzusteuern.“

Überrascht bin ich nicht vom Ergebnis. Denn recherchieren, schreiben oder lange am Bildschirm sitzend arbeiten, lässt mich manchmal „langsam im Kopf“ werden. Deshalb setzte ich jetzt auch gleich zwei der Empfehlungen zum Gegensteuern um und mache eine Pause, in der ich einen kurzen Moment meditieren werde.

Energiekosten sparen: „Energie einkaufen ist wie Aktienhandel“

Beim Energieeinkauf gibt es bestimmte Rahmenbedingungen. Diese sollte man wissen, um Kosten zu sparen.

Haufe Online-Redaktion: Herr Riechel, was unterscheidet den Einkauf von Energie vom Einkauf anderer Dienstleistungen?

Michael Riechel: Die Energie an sich ist in der Lieferung von jedem Versorger gleich. Jeder Versorger versucht aber zusätzlich durch „außergewöhnliche“, kostenpflichtige Dienstleistungen beim Kunden zu punkten, um sich von den anderen Wettbewerbern zu unterscheiden. Und, der Energieeinkauf ist ein kontinuierlicher Prozess, da eine – teilweise sehr volatile – Börse hinter der Beschaffung steht. Die Börse – und nicht der Versorger – bildet den Energiepreis.

Haufe Online-Redaktion: Das heißt, der genaue Kaufzeitpunkt beim Einkauf von Energie entscheidet über Erfolg und Misserfolg? Ist das dann so ähnlich wie beim Aktienhandel?

Michael Riechel: Ja, die Parallelen sind hier durchaus gegeben, wobei andere Markteinflüsse auf die Preisbildung wirken als an der Aktienbörse. Lassen Sie mich das einmal an einem vereinfachten Zahlenbeispiel erklären.

In den letzten 10 Jahren hat sich der Strombörsenkurs zwischen 2 und 9 ct/kWh bewegt. Unter Berücksichtigung, dass nur 1 ct/kWh Kursschwankung für einen Kunden mit 1 GWh/a Stromabnahme Mehr- oder Minderkosten von 10.000 €/Jahr bedeuten, sollte es für Unternehmen Grund genug sein, die Energiebörse im Blick zu behalten. Denn insofern gilt hier das gleiche wie bei Aktiengeschäften. Durch die Summeneffekte sind das Risiko durch steigenden bzw. die Chance durch sinkende Börsenkursen für größere Unternehmen größer.

Haufe Online-Redaktion: Beim Einkauf von Energie vergleicht man ja keine Strom- oder Gaspreise, sondern eine „Dienstleistungsfee“ – „fee“ aus dem Englischen für „Gebühr“. Was genau bedeutet das?

Michael Riechel: In einer klassischen Festpreisbeschaffung kann sich ein Anbieter kaum durch Dienstleistungen unterscheiden. Außerdem ist es bei Festpreisen unüblich, Gebühren für Dienstleistungen auszuweisen. Anders ist das bei Tranchenmodellen, also wenn das Unternehmen keine komplette Jahresmenge auf einen Schlag kauft, sondern nur Teilmengen über einen gewissen Zeitkorridor für einen zukünftigen Zeitraum. Dann ist die Dienstleistungsfee ausschlaggebend.

Wir erleben allerdings immer wieder, dass die Formeln, die hinter einem Tranchenmodell stecken, nachteilig für den Kunden ausgelegt werden und dass dafür die Dienstleistungsfee niedriger ausfällt. Letztendlich bedeutet das aber höhere Kosten für den Kunden. Deshalb empfehlen wir es hier so zu halten wie bei Versicherungen und nur das abzuschließen, was wirklich benötigt wird und alles andere separat einzukaufen. Sonst sind die Angebote nicht mehr vergleichbar und für den Kunden im Endeffekt teurer.

Beim Energieeinkauf (Strom/Erdgas) ist es für Unternehmen heute notwendig, zwei Kernfragen zu beantworten und richtig zu gewichten: Wann soll ich einkaufen? Und wo? Der Zeitpunkt hat oberste Priorität, denn er deckt ca. 85 % des Einkaufspotentials ab. Die Wahl des Anbieters ist dagegen zweitrangig, denn die deckt nur ca. 15 % der Potenziale ab.

Haufe Online-Redaktion: Für wie lange muss sich ein Unternehmen beim Energieeinkauf denn binden bzw. wie schnell ist ein Wechsel möglich?

Michael Riechel: Von müssen kann nicht die Rede sein. Bei Festpreisen wird eine bestimmte Vertragslaufzeit vereinbart, i. d. R. bindet der Kunde sich für ein Kalenderjahr in die Zukunft. Theoretisch kann er sich aber auch bis 2023 binden. Ein Versorgerwechsel ist je nach Vertrag normalerweise kurzfristig nach Auslaufen bzw. Kündigung des aktuellen Vertrags möglich.

Haufe Online-Redaktion: Gibt es besondere Kündigungsgründe, um schneller günstiger Energie einkaufen zu können?

Michael Riechel: Ja. Je nach Vertrag und Rahmenbedingungen gibt es Sonderkündigungsrechte. In Härtefällen kann man auch zu juristischen Mittel greifen.

Empfiehlt sich ein Versorgerwechsel für einen unserer Kunden, versuchen wir zunächst den bestehenden Vertrag nachzuverhandeln. Denn Stromversorger geben ihre besseren Bezugskonditionen nicht immer an die Kunden weiter. Darum verwenden wir unsere Softwaretools, die uns die Stromeinkaufskonditionen der Versorger offen legen und somit Margen transparent macht. So wissen wir, was der Energieversorger zahlt und was für seine Energie gerechtfertigt ist. Im Zweifel raten wir dann zu einem Wettbewerbsvergleich. Nur wenn es keine Einigung gibt, leiten wir für unseren Kunden den Wechsel zu einem anderen Versorger ein.

Nach Vertragsabschluss verhalten sich übrigens viele Unternehmen ähnlich wie bei einem Mobilfunkvertrag. Sie legen das Thema Energiebeschaffung bis kurz vor Vertragsende zur Seite. Das Problem dabei ist, dass die Börsen außer Acht gelassen werden. Ein verrücktes Verhalten oder würden Sie Aktien kaufen und dann zwei Jahre nicht mehr nach dem Kursverlauf schauen?

Haufe Online-Redaktion: Für welche Unternehmen ist es wichtig, beim Energieeinkauf strategisch vorzugehen?

Michael Riechel: Ab einem Jahresverbrauch von ca. 200.000 kWh Strom oder Erdgas empfehlen wir eine systematische Vorgehensweise. Um das Potential eines Unternehmens zu überprüfen benötigen wir die Lastgangdaten (Viertel-Stunden-Werte) von Strom und/oder Erdgas vom letzten Jahr, eine aktuelle Abrechnung und wenn möglich den bestehenden Versorgungsvertrag.

Haufe Online-Redaktion: Und welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit beim Energieeinkauf?

Michael Riechel: Unser Kundenkreis ist eine bunte Mischung aus Gewerbekunden, größeren Dienstleistern und Industrieunternehmen. Viele legen selten explizit Wert auf Nachhaltigkeit, auch wenn die Frage nach der Herkunft der Energie durchaus berechtigt ist. Im deutschen Strommix der Stromanbieter ist übrigens immer ein Anteil aus regenerativen Energiequellen enthalten, aktuell ca. 35 %. Und es gibt am Markt nur noch wenige Versorger, die keinen Ökostromtarif anbieten. Diesen Ökostromtarif gibt es meist gegen einen kleinen Preisaufschlag im niedrigen Zehntel-Cent-Bereich.

Haufe Online-Redaktion: Und auf welche Zertifikate kann ich mich als Einkäufer verlassen?

Michael Riechel: Zertifikate gibt es mehr oder weniger gute. Aus unserer Sicht werden sie oft zum so genannten „Greenwashing“ verwendet und führen nicht zu mehr regenerativen Kraftwerken und zum Ausbau von regenerativen Energien. Denn oftmals werden selbst jahrzehntealte Anlagen, die keinen Mehrwert haben, mit einem Label versehen.

Haufe Online-Redaktion: Kann ein kleines oder mittelständisches Unternehmen (KMU) den Energieeinkauf heute überhaupt noch ohne externe Dienstleister bewältigen?

Michael Riechel: Wenn ein Unternehmen ab 200.000 kWh alle erwähnten Punkte wie strategische Marktpreisbeobachtung mit klarer Ziel- und Budgetpreisbeobachtung berücksichtigt, die Einkaufskonditionen der Anbieter kennt und ein großes Versorgernetzwerk mit den günstigsten Versorgern für die Ausschreibungen besitzt, dann ist es möglich, dies in Eigenregie zu stemmen. Allerdings ist der Zeit- und Personalaufwand groß, da man sich ja ständig mit dem Thema befassen muss.

Um wirklich effizient zu wirtschaften, ist nämlich auch zu berücksichtigen, dass Energiekosten nicht nur durch den reinen Energiepreis beeinflusst werden, sondern zum Großteil durch Steuern und Abgaben. Hier sind jährliche Änderungen die Regel. Es ist schwierig, über alle Regelungen auf dem Laufenden zu bleiben. Um Rückerstattungspotenziale weiter zu nutzen, ist der externe Fachmann eine Option.

Haufe Online-Redaktion: Ist ein komplettes Outsourcing des Energieeinkaufs sinnvoll und wer kontrolliert, ob die Erfolge auch wirkliche Erfolge sind?

Michael Riechel: Das ist eine schwierige Frage. Was ist Erfolg? Wenn ich Erfolg an Einsparungen festmache, ist das hier nicht zutreffend. Wenn ein Kunde heute einen Vertrag abschließt und anschließend die Börsenkurse steigen, dann ist es weder dem besten Dienstleister noch dem Kunden selbst möglich, einen besseren Preis als den bereits abgeschlossene zu erzielen. Faktisch wird der Kunde durch den Anstieg – ob mit oder ohne Dienstleister – mehr bezahlen.

Die Frage ist immer, ob ein Unternehmen eine Strategie besitzt oder nicht. Wie geht der Kunde damit um, wenn er ein sehr günstiges Niveau verpasst hat oder nicht registriert hat, dass die Börse sehr stark angestiegen ist. In unserem Kundenkreis sind viele Einkaufsleiter, die sich mit unserer Hilfe vor diesen Risiken schützen und Chancen rechtzeitig erkennen wollen. Andere sprechen mit der Geschäftsführung klare Zielpreise ab, lassen diese durch unsere Software überwachen und können Ihre zeitlichen Ressourcen für andere Bereiche einsetzen.

Haufe Online-Redaktion: Herr Riechel, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Bettina Brucker M. A., Freie Journalistin und Autorin.

 

Die en-invest GmbH berät Unternehmen im gesamten Bundesgebiet unabhängig im Energiebereich. Die Tätigkeitsfelder reichen von der energetischen Erstanalyse über die Umsetzungsbegleitung bis zur systematischen Einführung von Energiemanagementsystemen.

Anwalt Rehm gibt Auskunft: Welche Verantwortung tragen Führungskräfte im Arbeitsschutz?

Die Verantwortung für den Arbeitsschutz einer Führungskraft und damit die Gewährleistung von Gesundheitsschutz findet ihren Grundsatz im Gesetz. Im Zivilrecht in § 618 BGB, im Arbeitsrecht in § 3 ArbSchG, im Sozialversicherungsrecht im § 21 SGB VII und im Europarecht statuiert Art. 5 Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie 89/391/EWG diese Verpflichtung.

Die Führungskraft ist dafür verantwortlich, für ein sicheres Umfeld zu sorgen und erforderliche Maßnahmen zu treffen, durch die dieses Ziel verwirklicht werden kann. Es liegt in ihrer Pflicht, die getroffenen Maßnahmen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen.

Diese Pflichten gelten für jede Führungskraft in jedem Betrieb. Abweichende weitere Verantwortungen ergeben sich aus der Art des Betriebs und dazugehörigen Vorschriften.

Ist es nicht möglich, alle Pflichten persönlich zu erfüllen, können Pflichten auf eine oder mehrere andere Person übertragen werden. Durch die Delegation wird die Führungskraft aber nicht frei von Verantwortung, sondern obliegt der Überwachungspflicht der übertragenen Aufgaben.

Eine allgemeine Haftung beginnt schon beim bloßen Verstoß, selbst wenn dieser keine konkrete Gefährdung mit sich zieht. Voraussetzung dafür ist, dass die Führungskraft ihre Pflicht ganz oder teilweise verletzt hat. Entsteht dadurch ein Schaden, können straf-, zivil- und arbeitsrechtliche Folgen die Konsequenz sein.

Eine strafrechtliche Haftung entsteht, wenn der Verantwortliche durch die Pflichtverletzung das Leben, die Gesundheit oder die Arbeitskraft anderer gefährdet. Darunter zählen beispielsweise die fahrlässige Körperverletzung (§ 229 StGB) oder die Gesundheitsgefährdung von Beschäftigten durch Nichtgewährung der Mindestruhezeiten (§§ 22, 23 ArbZG).

Eine vorsätzliche oder fahrlässige Pflichtverletzung der Arbeitsschutzgesetze kann eine Ordnungswidrigkeit zur Folge haben. Die daraus folgende Höhe der Geldbuße ist durch das Gesetz bestimmt (z. B.: § 130 OWiG). Das Bußgeld muss der Verantwortliche selbst bezahlen.

Haftungsrisiken lassen sich durch verantwortungsvolles Handeln der Führungskräfte reduzieren. Eine Haftung ist die Folge eines Pflichtverstoßes. Für eine Führungskraft ist es dementsprechend wichtig, die Pflichten und Schutzvorschriften im Arbeitsschutz zu kennen, um sich keiner Haftungsgefahr auszusetzen.

Der Umfang an Vorschriften im Arbeitsschutz ist überwältigend, jedoch ist ein gewisses Grundverständnis wichtig. Zu diesen Grundkenntnissen gehören das Arbeitsschutzgesetz und die Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention. Jede Führungskraft sollte in den Grundzügen damit vertraut sein.

Unwissenheit schützt nicht vor Haftung. Deswegen sollten Führungskräfte sich durch Wissen schützen. Das können sie, indem sie sich darüber informieren, welche speziellen Sondervorschriften für ihren Betrieb gelten und wann ein Experte zu Rate gezogen werden sollte. Solche Experten für Führungskräfte sind insbesondere die Fachkräfte für Arbeitssicherheit.

Der Haufe Vorschriften Manager unterstützt Führungskräfte, Rechtssicherheit auch im Arbeitsschutz zu schaffen. Aufwändige Recherchen nach Rechtsänderungen entfallen, weil der Haufe Vorschriften Manager Sie automatisch über Aktualisierungen informiert.

Mit dem Haufe Vorschriften Manager sind Ihre Rechtskataster zu jeder Zeit auf dem aktuellen Stand. Die Erfassung der Unternehmenspflichten, deren Delegation sowie die Überwachung der Pflichtenumsetzung erfolgt schnell und spart Zeit.

Workaholic: Süchtig nach Arbeit

Der Übergang vom Arbeitseifer zum Arbeitswahn ist fließend. Deshalb lässt er sich schwer erkennen. Doch während sich der Eifer abstellen lässt, wenn ein bestimmtes Ziel erreicht ist, ist bei Arbeitssüchtigen die Leidenschaft für die Arbeit unabhängig von konkreten Zielen, so Dr. Ute Rademacher, Professorin an der International School of Management (ISM) und Autorin des Buches „Arbeitssucht – Workaholismus erkennen und verhindern“.

Arbeitssucht lässt sich nicht an der Zahl der Arbeits- bzw. Überstunden erkennen. Wer arbeitssüchtig ist, sieht allein in der Arbeit seine Selbstbestätigung und Sinnhaftigkeit. Er erledigt seine Aufgaben mit aller Energie, kann schlecht abgeben und delegieren und ist meist kein guter Teamarbeiter.

Die nächste Stufe der Karriereleiter erreichen? Das kann ein konkretes Ziel sein, für das es sich lohnt, vorübergehend mehr zu arbeiten. Gibt es aber kein konkretes Ziel für Vielarbeit, sollte man als Vorgesetzter hellhörig werden, wenn ein Mitarbeiter ständig seine private Interessen und die Familie für die Arbeit hintenanstellt. Wird der übertriebene Arbeitseinsatz auch noch vehement gerechtfertigt, kann dies bereits ein Zeichen in Richtung Arbeitssucht sein.

Arbeitssüchtige leben ausschließlich für ihre Arbeit. Mit der Zeit entwickeln sich durch diese zwanghafte Haltung zu Leistung und Arbeit dieselben Abhängigkeitssymptome wie bei anderen Suchterkrankungen: Kontrollverlust, Entzugserscheinungen und Dosissteigerung. Dieses dauerhafte Arbeiten auf Hochtouren gefährdet zudem die Gesundheit. Oft treten Herz-Kreislauf-Probleme oder Angststörungen und Depressionen als Folgeerkrankungen auf. Medizinisch gilt die Arbeitssucht allerdings nicht als eigenständige, anerkannte Krankheit.

Die Arbeitssucht eines Mitarbeiters wird spätestens dann für ein Unternehmen zum Problem, wenn die Arbeitsmotivation sinkt, die Zahl der Fehler steigt und das berufliche und private Umfeld mehr und mehr leidet. Professor Rademacher, selbst einige Jahre als Top-Managerin in international agierenden Unternehmen tätig, gibt in ihrem Buch Anregungen, wie man eine gesunde Einstellung zur Arbeit entwickeln und pflegen und dabei Spaß am Job haben kann.

Ein zentrales Thema in diesem Kontext aus Sicht des Arbeitgebers ist auch die Burnout-Prävention.