Kommentar: “All in” – aber wer bezahlt?

Soziale Gerechtigkeit ist das Motto der SPD im Bundestagswahlkampf – und dem muss sich auch das Steuerkonzept der Partei unterordnen. Das wird jedoch nicht klappen, wenn die Partei so zaghaft bei den Reformen der Einkommenssteuer bleibt.

Von Jens Wiening, ARD-Hauptstadtstudio

Die SPD geht “all in” – und setzt im Wahlkampf weiter unbeirrt alles auf die Karte der sozialen Gerechtigkeit – egal, ob sie ihr Renten- oder jetzt ihr Steuerkonzept vorstellt.

Doch Zuschüsse bei Sozialabgaben für Geringverdiener, die teilweise Abschaffung des Soli oder ein dauerhaftes Rentenniveau von 48 Prozent kosten zunächst mal zig Milliarden Euro – ganz zu schweigen von den 30 Milliarden Euro, die die SPD in den kommenden Jahren zusätzlich in Kitas und die Infrastruktur investieren will.

Auf die Frage, wo das Geld herkommen soll, hat die SPD im Prinzip nur eine Antwort parat und die lautet immer gleich: Aus Steuergeldern aus dem Bundeshaushalt sowie aus künftigen Mehreinnahmen. Gerechtigkeit müsse der Gesellschaft nun mal was wert sein.

Die Mehreinnahmen halten nicht ewig

Solange die Wirtschaft brummt, der Export fluppt, die Arbeitslosigkeit historisch niedrig ist und der Bund durch die Zinspolitik ordentlich Kasse macht, kann das gut gehen. Aber letztlich werden künftige Generationen mit immensen Mehrausgaben belastet, die sie auch dann aufbringen müssen, wenn der Laden mal nicht so brummt.

Das ist nicht gerecht und trifft letztlich wieder alle. Erst sparen, dann ausgeben wäre gerechter.  Und wo ist bitte die Gerechtigkeit, nur für geringe und mittlere Einkommen den Soli abzuschaffen?  Wenn die Zeit des Soli vorbei ist, dann doch bitte für alle.

Zaghafte Reformen bei der Einkommenssteuer

Auch die Pläne zur Einkommenssteuer sind wenig konsequent und bringen kaum mehr von der oft zitierten sozialen Gerechtigkeit. Gute Jahreseinkommen knapp unter 60.000 Euro werden entlastet. Ab 60.000 Euro steigt dann aber die Einkommenssteuer über den heutigen Spitzenwert hinaus: von aktuell 42 auf 45 Prozent – das ist halbherzig und mutlos.

Martin Schulz hat heute gesagt: Wer hart arbeitet, darf nicht schlechter gestellt sein als die, die ihr Geld für sich arbeiten lassen. Dann wäre es doch nur konsequent, eine Vermögenssteuer einzuführen. Die steht ja auch im Grundsatzprogramm der Partei.

Man muss sich nur mal genüsslich vor Augen führen: In Sachen Einkommensteuer ging es in den 1990er-Jahren sogar unter Helmut Kohl gerechter zu. Da lag der Spitzensteuersatz bei 53 Prozent. Aber das ist wohl selbst für die SPD etwas zu viel Gerechtigkeit.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Dieser Beitrag lief am 19. Juni 2017 um 13:48 Uhr auf WDR 5 im Mittagsecho.

Terrorermittlungen nach Angriff in Paris

Auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Elysées sind Polizisten erneut Ziel einer Attacke geworden. Nach Polizeiangaben rammte ein Mann mit seinem Auto ein Einsatzfahrzeug. Er wurde dabei getötet. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt.

Auf den Pariser Champs-Elysées hat ein Mann einen Polizeiwagen gerammt. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es kein gewöhnlicher Unfall, sondern ein Angriff war. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen zu dem Vorfall ein.

Der Fahrer des Autos ist laut dem Innenministerium tot. Sein Auto ging laut TV-Bildern nach der Kollision in Flammen auf. Polizisten oder Passanten wurden nicht verletzt.

Sicherheitskräfte sollen den Tatverdächtigen aus dem Auto entfernt haben. Nach Rettungsversuchen verstarb er offenbar noch am Tatort.

Wie die Behörden mitteilten, handelte es sich bei dem mutmaßlichen Angreifer um einen bei der Polizei als Extremisten geführten 31-jährigen Mann aus einer Pariser Vorstadt.

Mit Kalaschnikow und Gasflasche bewaffnet

Die Polizei sperrte die Straße mit einem Großaufgebot komplett ab. Sprengstoffspezialisten sicherten zunächst die Umgebung des Unfallorts ab. Laut den Behörden ist die Situation unter Kontrolle. Nach Angaben des Innenministeriums hatte der Mann eine Waffe. Wie Einsatzkräfte berichten, soll es sich dabei um eine Kalaschnikow gehandelt haben.

Außerdem habe der mutmaßliche Angreifer auch eine Gasflasche bei sich geführt, die er offenbar zur Explosion bringen wollte. Dies habe jedoch nicht funktioniert.

Metro-Station gesperrt

Die Behörden forderten die Menschen auf, das Gebiet zu meiden. Eine U-Bahn-Haltestelle wurde geschlossen. Die Champs-Elysées mit vielen Geschäften sind eine der größten Touristenattraktionen Frankreichs.

Collomb sagte, der Angriff habe den Sicherheitskräften gegolten. Das Maß der Bedrohung im Land sei “extrem hoch”. Er erinnerte daran, dass die Regierung am Mittwoch ein Gesetz vorlegen will, um den terrorbedingten Ausnahmezustand bis Anfang November zu verlängern. Darüber hinaus gibt es ein neues Sicherheitsgesetz. Frankreich wird seit zweieinhalb Jahren von einer beispiellosen islamistischen Terrorwelle erschüttert. Fast 240 unschuldige Menschen kamen dabei ums Leben.

Erst im April hatte ein Mann auf dem Boulevard das Feuer auf Polizisten eröffnet und einen Beamten getötet, bevor er selbst erschossen wurde. Die Attacke ereignete sich wenige Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl. Bei dem toten Angreifer wurde damals ein Schreiben mit Bezug zur Dschihadistenmiliz “Islamischer Staat” gefunden.

Über dieses Thema berichtete am 19. Juni 2017 Deutschlandfunk um 17:30 Uhr und tagesschau24 um 18:00 Uhr.

Soldaten-Auslieferung: Ankara respektiert Athens Nein

Bei der Nicht-Auslieferung von acht mutmaßlichen Putschisten an die Türkei beruft sich Griechenland auf die Entscheidungen der eigenen Justiz. Dies wurde von der Türkei nun akzeptiert. Die Zeichen stehen also auf Entspannung.

Die Türkei hat Griechenlands Entscheidung akzeptiert, acht türkische Soldaten nicht an ihr Heimatland auszuliefern. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte bei einem Besuch in Athen, sein Land wolle zwar nach wie vor die Auslieferung der Soldaten, die sich an dem Putsch gegen die Regierung im Juli 2016 beteiligt hätten.

Die Türkei respektiere aber die Entscheidung der griechischen Justiz und wolle verhindern, dass “diese Putschisten den türkisch-griechischen Beziehungen schaden”, erklärte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem griechischen Kollegen Alexis Tsipras. Dieser hatte zuvor gesagt, die griechische Justiz habe in der Sache entschieden, und diese Entscheidung müsse respektiert werden.

“Säulen der Terrorismus-Bekämpfung”

Die Militärangehörigen waren im Juli vergangenen Jahres aus der Türkei nach Griechenland gekommen und hatten Asyl beantragt. Die griechische Justiz hatte nach einem langen juristischen Tauziehen ihre Auslieferung mit der Begründung abgelehnt, sie erwarte in der Türkei kein gerechter Prozess.

Mehr zum Thema

Beide Regierungschefs erklärten, sie wollten ihre Zusammenarbeit verstärken. “Griechenland und die Türkei müssen die zwei Säulen der Bekämpfung des Terrorismus im östlichen Mittelmeer sein”, sagte Yildirim. “Jetzt mehr als je zuvor ist die Überwindung der Probleme notwendig”, schloss sich Tsipras an.

Teilung Zyperns auf der Agenda

Neben der Probleme um Hoheitsrechte in der Ägäis zwischen Griechenland und der Türkei müsse auch die Teilung Zyperns überwunden werden, betonten beide Politiker. In der Flüchtlingspolitik gebe es eine gute Entwicklung. “Das EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen ist erfolgreich umgesetzt worden. Wir haben jetzt viel weniger Opfer in der Ägäis”, sagte Tsipras.

Yildirim wollte zum Abschluss seines eintägigen Besuches in Griechenland eine muslimische und zum Teil türkischstämmige Minderheit im Nordosten des Landes besuchen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2017 um 14:30 Uhr.

Paris: Polizei-Großeinsatz auf den Champs-Elysées

Vorfall in Paris: Polizei-Großeinsatz auf den Champs-Elysées | tagesschau.de

tagesschau.de-Logo

Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse:
www.tagesschau.de/ausland/paris-577.html

Stand: 19.06.2017 17:14 Uhr

Ein Mann ist mit seinem Auto auf der Pariser Prachtstraße Champs-Elysées in ein Polizeifahrzeug geprallt. Die Polizei sperrte den Bereich mit einem Großaufgebot ab. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein.

Auf den Pariser Champs-Élysées hat ein Mann einen Polizeiwagen gerammt. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es kein gewöhnlicher Unfall, sondern ein Angriff war. Der Verdächtige sei festgenommen worden, erklärte die Polizei, die zu einem Großeinsatz ausgerückt war. Laut den Behörden ist die Situation unter Kontrolle. Niemand außer dem Fahrer sei verletzt worden.

Nach Angaben des Innenministeriums hatte der Mann eine Waffe bei sich. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen zu dem Vorfall ein. Das teilte die Behörde in der französischen Hauptstadt mit.

Metrostation gesperrt

Die Behörden forderten die Menschen auf, das Gebiet zu meiden. Eine U-Bahn-Haltestelle wurde geschlossen. Die Champs-Elysées mit vielen Geschäften sind eine der größten Touristenattraktionen Frankreichs. Im April hatte ein Attentäter dort einen Polizisten erschossen. Dabei war auch eine deutsche Touristin verletzt worden.

#ChampsÉlysées Situation maîtrisée, pas de blessé parmi les forces de l’ordre et le public

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2017 um 17:00 Uhr.

Darstellung:

tagesschau.de-Logo

Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse:
www.tagesschau.de/ausland/paris-577.html



Afghanische Armee vertreibt IS aus Tora Bora

Operation der afghanischen Armee: IS aus Tora Bora vertrieben | tagesschau.de

tagesschau.de-Logo

Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse:
www.tagesschau.de/ausland/is-afghanistan-101.html

Stand: 19.06.2017 16:56 Uhr

Die afghanische Bergfestung Tora Bora ist als Versteck des Al-Kaida-Chefs Bin Laden bekannt geworden. Danach suchten dort Taliban- und IS-Kämpfer Unterschlupf. Nun ist es der afghanischen Armee offenbar gelungen, auch diese Terroristen zu vertreiben.

Die afghanischen Streitkräfte haben nach offiziellen Angaben die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) aus einer strategisch wichtigen Festung an der Grenze zu Pakistan vertrieben. Die Felsentunnel und -höhlen von Tora Bora in der ostafghanischen Provinz Nangarhar seien “komplett IS-frei”, hieß es in einer Mitteilung des Provinzgouverneurs.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul sagte, nach der zweitägigen Offensive “jagen Streitkräfte jetzt die, die entkommen sind”. Erst vor fünf Tagen hatte der IS die radikalislamischen Taliban aus Tora Bora vertrieben. Die Taliban sind ein Hauptgegner des IS in Afghanistan.

Höhlen boten Bin Laden Unterschlupf

Tora Bora war legendär geworden als Zuflucht von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden, der sich dort nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 versteckt gehalten hatte.

Mehr zum Thema

Nur wenige IS-Kämpfer in Afghanistan

Der IS war in Afghanistan erst Anfang 2015 aufgekommen und hatte dort nie große Kämpferzahlen. Die Provinz Nangarhar ist seine einzige große Basis. Seit Monaten ist er Ziel von US-Luftangriffen, und im April hatten die USA auf IS-Stellungen in Nangarhar auch die größte nicht-nukleare Bombe in ihrem Arsenal abgeworfen.

Dennoch scheint der IS schwer zu bekämpfen zu sein und steckt, vor allem in der Hauptstadt Kabul, hinter einer Serie blutiger Anschläge. Erst vor vier Tagen hatten zwei Selbstmordattentäter des IS in einer schiitischen Moschee in Kabul mindestens vier Menschen getötet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2017 um 11:00 Uhr

Darstellung:

tagesschau.de-Logo

Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse:
www.tagesschau.de/ausland/is-afghanistan-101.html



NSA-Ausschuss: Opposition wirft Regierung Vertuschung vor

Bald will der NSA-Ausschuss seine Ergebnisse in einem Abschlussbericht veröffentlichen. Linkspartei und Grüne haben bereits jetzt ihr Sondervotum vorgestellt – und erheben schwere Vorwürfe gegen die Regierung.

Von Michael Stempfle, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist ein 456 Seiten langer Bericht. Dabei handelt es sich nicht etwa um den gesamten Abschlussbericht zum NSA-Untersuchungsausschuss, sondern allein um das Sondervotum der Oppositions-Fraktionen, also von Linkspartei und Grünen.

Gemeinsam mit den Regierungsfraktionen hatten sie zwar an einem Hauptteil (dem so genannten “Feststellungsteil”) des Abschlussberichts gearbeitet. Dieser trägt die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses zusammen. Allerdings: Regierung und Opposition bewerten die Ergebnisse sehr unterschiedlich.

“Intimstes Wissen über Betroffene”

Trotz aller Unterschiede: In einem Punkt sind sich alle einig. Der Untersuchungsausschuss hat viel zutage gefördert, was bislang unbekannt war. So sieht es auch der Obmann der Grünen, Konstantin von Notz.

Im Blickpunkt der letzten drei Jahre standen unter anderem die umstrittenen Kooperationen des deutschen Bundesnachrichtendienstes mit US-Diensten. Diese seien teilweise rechtswidrig gewesen. Zwar habe es 2002 zwischen BND und NSA eine Vereinbarung gegeben, das Memorandum of Agreement. Es sollte der NSA Zugriff auf Daten am Frankfurter Netzknoten verschaffen. Das “war jedoch mangels nötiger Zustimmung im Bundestag formell unwirksam”, heißt es in einer Pressemitteilung von Linkspartei und Grünen.

An dem Begriff “Massenüberwachung” halten die beiden Fraktionen übrigens fest. So habe der BND im Rahmen einer Kooperation in Bad Aibling, einem BND-Stützpunkt, “monatlich rund 1,3 Milliarden Daten an die NSA” übermittelt. Die Unterscheidung zwischen Inhaltsdaten (dem in einer Mail Geschriebenen) und übergeordneten Metadaten lassen Linkspartei und Grüne nicht gelten. Auch Metadaten seien geeignet, “intimstes Wissen über Betroffene preiszugeben”.

Lagerdenken und wechselseitige Vorwürfe

Weiter haben nach Ansicht von Linkspartei und Grünen die Filter nicht funktioniert, die deutsche Bürger eigentlich davor schützen sollten, dass ihre Kommunikationsdaten an die USA weitergegeben werden. Das habe sich etwa bei der Operation EIKONAL gezeigt, die zwischen 2005 und 2008 am Telekom-Knotenpunkt in Frankfurt am Main durchgeführt wurde. “Die für die Kabelerfassung erforderliche Technik hätte hier vom BND schon deswegen nicht eingesetzt werden dürfen, weil sie ohne vollständige Prüfung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ‘zertifiziert’ wurde.”

Der Untersuchungsausschuss nahm auch die Verwendung von Suchbegriffen unter die Lupe, mit denen der BND selbstständig digitale Kommunikation durchforstet hat. Es sei deutlich geworden, dass “diese Selektoren nicht nur die Bereiche des Auftragsprofils des BND betrafen, sondern etwa befreundete Regierungen, europäische Institutionen, internationale Organisationen, Journalist_innen und die Zivilgesellschaft”. Man habe dabei also auch politische Ziele verfolgt, so Martina Renner, Obfrau der Linkspartei. Entschuldigungen an Betroffene – etwa an Hillary Clinton – seien ausgeblieben, bedauert sie.

Überhaupt fällt auf: Lagerdenken und wechselseitige Vorwürfe charakterisierten die Zusammenarbeit von Vertretern der Regierung und Opposition. Linkspartei und Grüne halten die Kollegen von Union und SPD gar für eine “Schutztruppe des Bundesregierung”. Soll heißen: Die Vertreter von Union und SPD sollen die Fehler der Bundesregierung im Ausschuss bewusst nicht ausreichend benannt oder nicht im nötigen Maße kritisiert haben.

Mehr zum Thema

Lange Liste von Vorwürfen

Dabei ist Liste der Vorwürfe von Linkspartei und Grünen gegen die Regierung lang: Zunächst habe sie den Abgeordneten im Untersuchungsausschuss das Leben schwer gemacht, eine “Blockadehaltung” gezeigt und damit die Aufklärung “erschwert und faktisch verhindert”. Akten seien umfangreich geschwärzt oder Ausschusssitzungen als “streng geheim” eingestuft worden, obwohl dies aus Sicht der Opposition nicht nötig gewesen wäre.

Der ganz grundsätzliche Vorwurf aber an die Regierung: Die Kontrolleure des Bundesnachrichtendienstes, vor allem im Kanzleramt, hätten ihre Aufgabe nicht erfüllt. Ob bewusst oder aus Unwissenheit darüber, was beim BND an Überwachungsmaßnahmen geschieht oder nicht, sei zweitrangig.

Bewusstes Täuschen über No-Spy-Abkommen?

Zudem habe die Bundesregierung das Parlament und die Öffentlichkeit 2013 getäuscht. Der damalige Innenminister Friedrich und der damalige Kanzleramts-Chef Pofalla hatten den Eindruck erweckt, zwischen Deutschland und USA könne so etwas wie ein No-Spy-Abkommen ausgehandelt werden, also ein Vertrag, der die wechselseitige Spionage ausschließt. Dass auf Ebene der Dienste (vermutlich in Ansätzen) darüber gesprochen wurde, überzeugt die Vertreter der Oppositionsfraktionen nicht. Denn auf politischer Ebene waren die Chancen gleich Null, wie ein später veröffentlichter Email-Verkehr zwischen dem Kanzerlamt und dem Weißen Haus klar zeigte. Bewusstes Täuschen, um den Machterhalt zu sichern, so der Vorwurf. Der Grüne Hans-Christian Ströbele glaubt sogar, die Bundestagswahl hätte ein anderes Ergebnis gebracht, wenn die Bundesregierung an dieser Stelle nicht getrickst hätte.

Am kommenden Mittwoch wird der Gesamtbericht aller Fraktionen an Parlamentspräsident Norbert Lammert übergeben. Eine gemeinsame Pressekonferenz von Regierungs- und Oppositionsfraktionen bleibt aller Voraussicht nach aus. Kommende Woche, vermutlich am Donnerstag, folgt dann die Aussprache im Bundestag. Dabei wird es auch um die Konsequenzen aus dem NSA-Skandal gehen.

Sondervotum soll Edward Snowden zugesandt werden

Martina Renner fasst aus ihrer Sicht zusammen: Neue rechtliche und technische Möglichkeiten der Massenüberwachung müssten zurückgenommen werden. Die Datenschutzbeauftragte müsse mehr Zutritts- und Befragungsrechte bekommen, es müsse zudem strengere Dokumentationspflichten für den BND geben.

Das Sondervotum von Linkspartei und Grünen soll übrigens auf Englisch übersetzt und Whistleblower Edward Snowden elektronisch zugesandt werden. Der hatte mit seinen Veröffentlichungen 2013 die Debatte über anlasslose Massenüberwachungen durch Geheimdienste weltweit angestoßen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Juni 2017 um 16:31 Uhr

Confed Cup: Löw wechselt Personal und System

Joachim Löw kündigt für den Confed Cup viele personelle Wechsel an. Auch bei den Systemen will er einiges ausprobieren, um Deutschlands taktische Möglichkeiten wieder zur erhöhen.

Montag, Donnerstag, Sonntag: Das Programm der deutschen Nationalmannschaft beim Confed Cup ist schnell getaktet. Schon der straffe Zeitplan würde vermutlich dazu führen, dass Joachim Löw sein Personal rotieren lässt. Der Bundestrainer plant dies aber vor allem auch, um jeden seiner nur 18 Feldspieler des Kaders etwa gleich lange unter Wettkampfbedingungen zu beobachten.

Da die meisten Spieler noch wenig Länderspiele in ihren Karrierestatistiken stehen haben, wäre es möglich, ihnen eine feste Grundordnung an die Hand zu geben. Doch auch in dieser Beziehung plant Löw die Veränderung. “Wir haben zwei oder drei unterschiedliche Systeme. Es ist gut möglich, dass wir während des Turniers variieren, auch innerhalb eines Spiels”, sagte der Bundestrainer vor dem Auftaktspiel am Montag (19.06.17) gegen Australien.

Das Konterspiel ist ein bisschen verloren gegangen

Bis zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika legte Löw vor allem Wert darauf, dass seine Mannschaft sicher in der Defensive steht und bei Ballbesitz schnell und steil nach vorne spielt. Danach begann die Phase, in der Deutschland nach hohen Ballbesitzanteilen strebte. Mit dieser Spielweise wurde Deutschland Weltmeister, aber es ging im Lauf der Jahre auch etwas verloren.

Joachim Löw bemängelte bei der Europameisterschaft 2016, die mit der Niederlage im Halbfinale gegen Frankreich endete, dass die Stärke im Konter ein bisschen verloren gegangen sei. Außerdem vermisste er Spieler, die gerne das Dribbling suchen und dies dann auch möglichst oft gewinnen.

Joachim Löw will seine Mannschaft wieder flexibler machen. Die Zeiten, als er recht stur in einem 4-2-3-1-System spielen ließ, sind vorbei. Gegen Australien wird von den meisten Beobachtern mit einer Dreierkette gerechnet.

“Mal auf Konter zu setzen”, wie es Löw nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino am 10. Juni andeutete, wird beim Confed Cup aber wohl erst am Donnerstag (22.06.17) gegen Chile gelingen, das von vielen als Turnierfavorit gehandelte Team, das sich nicht gegen Ballbesitz scheut und auch die Spieler hat, um damit umzugehen.

Schwerpunkt “Laufwege im letzten Drittel”

Australien wird sehr wahrscheinlich mit einer Dreierkette spielen, die dann überwiegend eine Fünferkette sein wird, weil Deutschland den Ball hat. Damit rechnet zumindest der Bundestrainer. Löw sagte am Sonntag, dass ein Schwerpunkt der Arbeit in den vergangenen Wochen auf den Laufwegen gelegen habe, “vor allem den Laufwegen im letzten Drittel”. Während der EM bemängelte Löw häufiger, dass sich zu wenige deutsche Spieler im Strafraum aufgehalten hätten, um dem Passgeber mehrere Optionen zhu bieten.

Beim 1:1 in Dänemark und dem 7:0 gegen San Marino habe ihm gut gefallen, wie sich die Trainingsarbeit auf den Wettkampf ausgewirkt habe: “Ich bin überrascht, wie schnell die Mannschaft manche Dinge in taktischer Hinsicht umgesetzt hat.”

Auch Deutschland vermutlich mit einer Dreierkette

Es kann gut sein, dass auch die deutsche Mannschaft gegen Australien mit einer Dreierkette beginnen wird. Löw hat dabei die Auswahl aus den vier Innenverteidigern Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Niklas Süle und Matthias Ginter.Joshua Kimmich (rechts) und Jonas Hector dürften die äußeren Mittelfeldspieler sein, Sebastian Rudy der zentrale Stratege, Leon Goretzka der dynamische “Zwischenspieler”, wie Löw gerne sagt, der sich häufig bis zum und in den gegnerischen Strafraum bewegt und auch zum Abschluss kommen soll.

Als zentraler Stürmer dürfte Sandro Wagner beginnen. Um ihn herum könnten Timo Werner oder Lars Stindl spielen, Julian Draxler dürfte als Kapitän auf der Position des offensiven Strategen, der auch das Dribbling sucht, gesetzt sein.

Verbesserter Riesenflieger: Airbus kämpft um den A380

Der Flugzeughersteller versucht, seinen Riesenraumer A380 vor dem Aus zu retten. Weniger Spritverbrauch, mehr Sitzplätze, lautet die Devise. Doch weiterhin soll die Produktion drastisch gesenkt werden.

Grundlegende Neuerungen oder nur kosmetische Veränderungen? Darüber werden wohl in den kommenden Jahren die Kunden des Riesenfliegers entscheiden. Pünktlich zur Luftfahrt-Leistungsschau im französischen Le Bourget hat Airbus angekündigt, den Airbus A380 fitter für den Einsatz und attraktiver für die Airlines zu machen.

Hoch den Flügel!

So erhält der “A380 plus” so genannte Winglets, abgeknickte Flügelenden, die den Treibstoff-Verbrauch um vier Prozent senken sollen. Winglets sind bereits bei vielen Maschinen, die auf geringen Treibstoff-Verbrauch getrimmt sind, im Einsatz. Die Kabine des Flugzeugs soll aufgeräumt werden, so dass der Airbus bis zu 600 Passagiere bei üblicher Klasseneinteilung fassen können soll.

Ob die Initiativen in die richtige Richtung gehen, wird sich wohl bald bei Neubestellungen für den Super-Vogel zeigen. Derzeit setzen Airlines – zum Bedauern von Airbus – vermehrt mittelgroße Jets für ihre Strecken ein, die auch auf weniger stark frequentierten Strecken rentabel sind, sie können dort schlicht besser ausgelastet werden. Auf der Langstrecke, für die der A380 eigentlich gedacht ist, ist der “Dreamliner” 787 von Boeing oft die erste Wahl für die Luftfahrt-Gesellschaften. Auch der A350, ein zweistrahliges Langstreckenflugzeug, ist stärker gefragt.

Nachfrage schleppend, Entwicklungskosten hoch

Den großen Wurf, einen A380 neo, der mit spritsparenderen Triebwerken ausgestattet ist, fordert zwar die Kundschaft, allen voran die arabische Airline Emirates, die insgesamt 142 A380 bestellt hat. Doch dies hat Airbus bislang abgelehnt. Die derzeitige Nachfrage reiche nicht aus, so der Kommentar aus dem Management. Damit könnte Airbus auf eine Zwickmühle zwischen zu hohen Verbrauchskosten und zu geringem Interesse auf Kundenseite zusteuern.

Weitere Kursinformationen zu Airbus

Vorsorglich hat der Konzern trotz der geplanten Verbesserungen an der Maschine an der Senkung der Produktionszahlen festgehalten. Im vergangenen Jahr wurden noch 28 Maschinen fertiggestellt, im kommenden Jahr sollen es nur noch zwölf Stück sein. In die Bresche soll der neue A350 springen, ein zweistrahliges Langstreckenflugzeug, das in Konkurrenz zum Dreamliner treten soll.

Kampf um den Spritspar-König

Boeing seinerseits hat in Le Bourget einen weiteren Wurf angekündigt: Der Mittelstreckenjet 737 soll um eine noch längere Version ergänzt werden. Das Flugzeug mit dem Namen 737-MAX-10, das mit dem A321 neo von Airbus konkurriert, soll dank eines verlängerten Rumpfs bis zu 230 Passagiere fassen. Die Initiative scheint in die richtige Richtung zu gehen: Nach eigenen Angaben hat Boeing bereits Bestellungen und Kaufabsichten für mehr als 240 Exemplare des Jets eingesammelt – von mehr als zehn Interessenten.

Weitere Kursinformationen zu Boeing

Die Airbus-Aktie schafft am Montag zum Start der Messe in Le Bourget immerhin ein Plus von 2,3 Prozent in einem günstigen Marktumfeld. Die Hoffnung auf neue Aufträge sorgt auch beim Kurs für Auftrieb.

AB