Wenn Verbraucher streiken

Martin Gerth

Die Wahrnehmung von Verbraucher ‘Verbrauchermacht’ sowie Formen moralischen Konsums erfolgt mithin entlang absoluter Kategorien – stark/schwach, erfolgreich/gescheitert. Ein Blick in die Geschichte moralisierten Verbraucherverhaltens – hier am Beispiel von Konsumboykotten zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs – legt nahe, dieses Bild zu differenzieren. Aussagen zu Umfang und Wirkmächtigkeit moralisierten Verbraucherverhaltens kommen nicht umhin, dessen Prämissen und Variantenreichtum zu berücksichtigen.

Empfohlene Zitierweise
Gerth, Martin. 2017. Wenn Verbraucher streiken: Ein Überblick zu Rahmenbedingungen moralisierten Verbraucherverhaltens am Beispiel des Konsumboykotts zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs. In: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik, hg. von Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, 85-103. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW. doi:10.15501/978-3-86336-916-3_6.

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Die Kehrseite des Fortschritts

Uwe Spiekermann

Heutige Debatten über die gesundheitlichen Risiken von Zusatzstoffen und industrieller Lebensmittelproduktion sind Wiedergänger entsprechender Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit. Das sich durch die Vitamin und Mineralstoffforschung rasch erweiternde wissenschaftliche Wissen um “richtige” und “gesunde” Ernährung rief damals zahllose Rückfragen hervor, sowohl innerhalb der etablierten Wissenschaft als auch durch alternative Außenseiter. Am Beispiel zeitgenössischer Publizistik behandelt der vorliegende Beitrag Debatten über Fehlernährung und “Gift” in der Nahrung. Drei Themenfelder – Brotherstellung und Karies, Milchbestrahlung und Rachitis, Schönung von Lebensmitteln durch Farb- und Konservierungsstoffe – werden exemplarisch untersucht. Die historische Analyse verdeutlicht, dass ohne eine fundierte Rückfrage an Wissensproduktion und Debattenformationen auch heutige Verbraucherschutzarbeit Stückwerk bleibt.

Empfohlene Zitierweise
Spiekermann, Uwe. 2017. Die Kehrseite des Fortschritts: Kritik an Zusatzstoffen und “Veredelungsindustrie” in der Zwischenkriegszeit. In: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik, hg. von Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, 105-128. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW. doi:10.15501/978-3-86336-916-3_7.

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Puristen und Bagatellisierer

Heiko Stoff

Anhand der Debatte über die Novelle des westdeutschen Lebensmittelgesetzes in den 1950er-Jahren lässt sich zeigen, wie ein problematischer volksgesundheitlicher Diskurs zum Bestand der Verbraucherpolitik wurde. Dabei hatte sich das sozialmedizinische Konzept der “Volksgesundheit” in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in eine Zivilisationskritik verwandelt, die zwischen gesunden und natürlichen Stoffen einerseits und krankmachenden und künstlichen “Fremdstoffen” andererseits unterschied. Die sogenannte Verbraucherwartung ist seitdem auch an ernährungsreformerische und zivilisationskritische Diskurse gebunden.

Empfohlene Zitierweise
Stoff, Heiko. 2017. Puristen und Bagatellisierer: Über den Zusammenhang von Verbraucherpolitik und Volksgesundheit in Westdeutschland in den 1950er-Jahren. In: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik, hg. von Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, 129-146. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW. doi:10.15501/978-3-86336-916-3_8.

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(Ver-)Handlungsspielräume gegen genetisch veränderte Lebensmittel

Cornelia Reiher

Am Beispiel der No! GMO-Kampagne und der Stop TPP!-Kampagne in Japan zeigt dieser Aufsatz, dass transnationale Vernetzung, Mobilisierung und Themensetzung dazu beitragen, der Knappheit politischer und finanzieller Ressourcen zivilgesellschaftlicher Organisationen zu begegnen, Druck auf die japanische Regierung aufzubauen und Argumente und Mobilisierung zu stärken. Der Erfolg japanischer Verbraucherschützer hängt aber maßgeblich von political opportunity structures ab. Während zu Beginn der 2000er Jahre auf Druck der No! GMO-Kampagne Grenzwerte für GVO eingeführt wurden, weil in dieser Zeit auch ein neues Regulierungssystem für Lebensmittelsicherheit entstand, war die Stop TPP!-Kampagne nicht erfolgreich, weil die TPP für die japanische Regierung sowohl ökonomisch als auch sicherheitspolitisch wichtig und Verbraucherinteressen nachrangig waren.

Empfohlene Zitierweise
Reiher, Cornelia. 2017. (Ver-)Handlungsspielräume gegen genetisch veränderte Lebensmittel: Die transnationale Vernetzung japanischer Verbraucherorganisationen. In: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik, hg. von Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, 147-165. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW. doi:10.15501/978-3-86336-916-3_9.

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Anfänge eines koordinierten Verbraucherschutzes in Deutschland

Paul Hähnel

Der Beitrag richtet den Fokus auf die Anfänge eines koordinierten Verbraucherschutzes in Deutschland während des Kaiserreichs. Er stellt anhand der Regulierung von Nahrungsmitteln horizontale und vertikale Verflechtungen während des ersten Institutionalisierungsschubs in diesem neuem Feld staatlicher Intervention dar. Transformationsprozesse werden dabei auf spezifische inhaltliche Problemstrukturen und die föderale Staatsorganisation zurückgeführt.

Empfohlene Zitierweise
Hähnel, Paul. 2017. Anfänge eines koordinierten Verbraucherschutzes in Deutschland: Administrative Verflechtungen bei der Regulierung der Nahrungsmittelqualität im Deutschen Kaiserreich (1871-1914). In: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik, hg. von Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, 167-185. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW. doi:10.15501/978-3-86336-916-3_10.

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Ereignishaftigkeit und Rechtsentwicklung in der Verbraucherpolitik

Peter Rott und Claudius Torp

Markierten Verbraucherskandale und Krisen des Marktvertrauens einen Bruch in der Rechtsentwicklung sowie politischen Institutionalisierung des Verbraucherschutzes? Und welche Bedeutung kam dabei den vorherrschenden Regulierungstraditionen sowie den sich wandelnden Akteurskonstellationen zu? Anhand von vier Beispielen werden zum einen die zeithistorischen Begleitumstände, zum anderen die verbraucherrechtlichen Folgen der ereignishaften Enthüllungen untersucht: den beiden größten Gesundheitsskandalen in der Geschichte der Bundesrepublik – Contergan und BSE –, dem Brustimplantate-Skandal um die Firma PIP sowie der Finanzkrise, die den Erlass der Wohnimmobilienkredit-Richtlinie 2014/17/EU beförderte.

Empfohlene Zitierweise
Rott, Peter und Claudius Torp. 2017. Ereignishaftigkeit und Rechtsentwicklung in der Verbraucherpolitik: Eine historische und rechtswissenschaftliche Annäherung an den Umgang mit Krisen und Skandalen seit den 1970er-Jahren. In: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik, hg. von Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, 187-207. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW. doi:10.15501/978-3-86336-916-3_11.

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Band 7: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart

Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik

Die Debatten über Verbraucherbilder, Konsumwandel oder Nachhaltigkeit wirken bisweilen seltsam geschichtslos, da die handelnden Akteure gegenwärtige Probleme lösen und an zukünftige Herausforderungen denken müssen. Allerdings können aus der Geschichte Einsichten für heute relevante Fragen gewonnen werden. Deshalb muss eine Verbraucherforschung, die als interdisziplinäres Projekt verstanden wird, die Geschichtswissenschaft einbeziehen. Sie eröffnet jenseits einfacher Handlungsanweisungen ein tieferes Verständnis für Entwicklungen und trägt dazu bei, alternative Blickwinkel einzunehmen und neue Pfade zu erkennen.

Empfohlene Zitierweise
Bala, Christian, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, Hrsg. 2017. Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW.

Identifier

ISBN Print 978-3-86336-915-6 | ISBN E-Book (PDF) 978-3-86336-916-3 | DOI 10.15501/978-3-86336-916-3

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Einleitung: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart

Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski

Empfohlene Zitierweise
Bala, Christian, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski. 2017. Einleitung: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik. In: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik, hg. von Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, 7-15. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW. doi:10.15501/978-3-86336-916-3_1.

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Verbraucherschutz in der gescheiterten Republik

Hartmut Berghoff

Der Verbraucherschutz wurde in der Weimarer Republik stark aufgewertet. Zugleich traten aber – bis heute – virulente Grundsatzprobleme auf. Wegen der Not der Konsumenten im Krieg und durch die von der Revolution von 1918/19 genährte Hoffnung auf ein besseres Leben wurde der Verbraucher vom Objekt zum Subjekt der Wirtschaftspolitik. Allerdings blieb die Definition der Verbraucherinteressen diffus und widersprüchlich. Obwohl der Staat beim Verbraucherschutz Mindeststandards setzte, schwenkte er zunehmend auf eine produzentenorientierte Wirtschaftspolitik um.

Empfohlene Zitierweise
Berghoff, Hartmut. 2017. Verbraucherschutz in der gescheiterten Republik: Erfahrungen der Weimarer Krisenjahre der Moderne. In: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik, hg. von Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, 17-33. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW. doi:10.15501/978-3-86336-916-3_2.

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Was macht Menschen zu Konsumenten?

Sebastian Nessel

Dieser Beitrag untersucht die sozialen und historischen Voraussetzungen der Konsumentenrolle. Vier Dimensionen der Konsumentenrolle werden hierzu unterschieden: Die Interessen des Konsumenten und deren strukturelle, kulturelle und politische Voraussetzungen; die spezifischen Wissensbestände des Konsumenten; die politisch-rechtliche Dimension des Konsumenten als Rechts- und als politisches Subjekt; und die gesellschaftlichen Anforderungen an Konsumenten. Mit der motivationalen, der wissens- sowie der politisch-rechtlichen und der gesellschaftlichen Dimension werden analytische Kategorien sichtbar gemacht, die historische sowie gegenwartsbezogene Studien aufgreifen können, um die Charakteristika und Voraussetzungen der Konsumentenrolle in Geschichte und Gegenwart genauer zu verdeutlichen.

Empfohlene Zitierweise
Nessel, Sebastian. 2017. Was macht Menschen zu Konsumenten? Dimensionen und Voraussetzungen der Konsumentenrolle in Geschichte und Gegenwart. In: Verbraucher in Geschichte und Gegenwart: Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik, hg. von Christian Bala, Christian Kleinschmidt, Kevin Rick und Wolfgang Schuldzinski, 35-54. Beiträge zur Verbraucherforschung 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW. doi:10.15501/978-3-86336-916-3_3.

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