Hurrikan „Irma“: Das „große Monster“ trifft Florida

Anders als erwartet tobt Hurrikan „Irma“ nicht nur über Floridas Ostküste, sondern besonders im Westen, wohin sich viele in Sicherheit gebracht hatten. Mehr als zwei Millionen Menschen sind ohne Strom. US-Präsident Trump sprach von einem „großen Monster“.

Der Hurrikan „Irma“ hat nach seinem Weg durch die Karibik nun auch im US-Bundesstaat Florida seine zerstörerische Kraft entfaltet. Zwar schwächte sich der Wirbelsturm inzwischen über Land ab und wird nun – zumindest vorübergehend – als Sturm der Kategorie zwei gewertet, dies mache ihn aber nicht weniger gefährlich, warnten die Behörden. Vor allem der Westen Floridas sei direkt betroffen, meldete das US-Hurrikanwarnzentrum NHC.

Durch seine Ausdehnung ist jedoch auch die Ostküste betroffen: So stehe das Wasser in Miami bereits in den Straßen und steige minütlich an, berichtet ARD-Korrespondent Jan Philipp Burgard. Zudem entwickelten sich dort zusätzlich Tornados – sechs binnen einer Stunde nach Angaben des nationalen Wetterdienstes.

Millionen ohne Strom

Mehr als zwei Millionen Menschen sind ohne Strom. Das teilte das Energieunternehmen Florida Power & Light mit, das den Großteil des Südens des US-Staates mit Strom beliefert. Mindestens drei Menschen starben in Florida bei Verkehrsunfällen in Folge der Sturmböen und des starken Regens.

„Stromkabel zerreißen“

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 215 Kilometern pro Stunde erreichte „Irma“ die Südspitze des US-Bundesstaats. Der Wirbelsturm zog zunächst über die Inselgruppe der Florida Keys, sein Auge bewegte sich dann langsam an der Westküste des „Sunshine State“ entlang.

„Die Schiffe werden weggerissen, die Palmen auf den Boden gedrückt, die Stromkabel zerreißen“, schilderte die Nothelferin Maggie Howes via Telefon das Eintreffen „Irmas“ von Key Haven aus. „Zur Zeit kann niemand nach draußen, man kann sich in den Böen nicht aufrecht halten.“

Am Abend – vor Ort nachmittags – befand sich „Irma“ 55 Kilometer südlich von Naples an der Westküste Floridas. Die Windgeschwindigkeiten des zu diesem Zeitpunkt auf Kategorie drei hinuntergestuften Wirbelsturms betrugen dort noch immer 195 Kilometer pro Stunde. „Irma“ bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 19 Kilometern pro Stunde in Richtung Norden. „Bleiben Sie weg vom Wasser“, schrieb das NHC. Nahe Naples werden bis zu fünf Meter hohe Wellen vorhergesagt.

Trump: „großes Monster“

US-Präsident Donald Trump zeigte sich besorgt: „Irma“ sei ein „großes Monster“, sagte Trump in Washington. Der Sturm werde hohe Schäden anrichten. Aktuell gehe es aber zunächst um die Rettung von Menschenleben. Er selbst werde „sehr bald“ Richtung Florida aufbrechen.

In dem Bundesstaat waren insgesamt 6,3 Millionen Menschen zur Evakuierung aufgefordert worden. Gouverneur Rick Scott hatte gewarnt, „Irma“ werde schlimmer als Hurrikan „Andrew“ sein, bei dem 1992 insgesamt 65 Menschen ums Leben gekommen waren. Alle 20,6 Millionen Einwohner des Bundesstaates sollten sich für eine Flucht bereithalten.

Die Schwierigkeit besteht nun insbesondere in der Unberechenbarkeit des Sturms: Die Meteorologen waren lange davon ausgegangen, dass „Irma“ vor allem die Ostküste treffen würde. Viele Menschen hatten sich daher beispielsweise in der Gegend um Tampa in Sicherheit gebracht. Doch genau dorthin soll der Sturm nun in den kommenden Stunden ziehen.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2017 um 20:00 Uhr.

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