Kommentar zum Fünfkampf: “Fast eine Wohltat”

Themen, die die Menschen interessieren, spitze Polemik und politischer Streit – der TV-Fünfkampf der kleinen Parteien hatte alles, was dem Duell zwischen Merkel und Schulz fehlte. Das liegt auch daran, dass es für die Parteien wirklich um etwas geht.

Von Oliver Köhr, ARD-Hauptstadtstudio

Nach dem Duell am Abend zuvor war das schon fast eine Wohltat: Da war politischer Streit. Da waren gegenseitige Angriffe. Da war Polemik. Ist im Wahlkampf ja auch nicht verboten. Okay, bei fünf Teilnehmern ist es einfacher, Leben in die Bude zu kriegen. Der Fünfkampf ist ein bisschen wie Anne Will, bloß nicht mit einem Thema, sondern mit allen Themen, die gerade wichtig sind.

Unterschiede werden klar

So eine Diskussion in größerer Runde möchte ich übrigens auch mit den beiden Kanzlerkandidaten sehen. Martin Schulz macht das, aber Angela Merkel verweigert sich dem. Gerade beim Aufeinandertreffen mit der Konkurrenz werden aber die Unterschiede klar. Wenn Zwischenfragen von rechts oder links kommen, wenn mal einer unterbricht. So wie eben beim Fünfkampf.

Ähnlich wie an diesen beiden Abenden könnte es auch bei der Wahl selbst werden. Ein etwas lahmer und vielleicht auch erwartbarer Kampf um die Spitzenposition. Aber wirklich spannend ist das Spiel um Platz drei. Da liegen die Positionen zum Teil weit auseinander – was dazu führt, dass es klare Abgrenzungen gibt.

Beispiel Flüchtlingspolitik und Abschiebungen: Von Linken über Grüne, FDP, CSU bis zur AfD wird der Kurs immer härter. Alles nicht neu, aber im Gegensatz zum Duell fragt sich hinterher keiner mehr: Wer steht hier eigentlich für was?

Alltagsthemen

Gut, dass es um Themen ging, die viele Menschen im Alltag betreffen: Mietpreise und Rente – das könnte für viele Bürger wahlentscheidender sein als Nordkorea. Beim Duell gestern konnte der Eindruck entstehen, dass Merkel und Schulz eine neue Große Koalition vorhaben. Dazu gab es heute Alternativangebote.

Die Herren Joachim Herrmann, Cem Özdemir und Christian Lindner diskutierten so leidenschaftlich und ernsthaft miteinander, dass es fast schon wie bei Koalitionsverhandlungen klang. Für die Kleinen Parteien – die AfD mal ausgenommen – ist der Kampf um Platz drei entscheidend: Wer hier gewinnt, hat gute Chancen, der nächsten Koalition inhaltlich seinen Stempel aufzudrücken.

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