Kuba und Florida rüsten sich für „Irma“

Mit zerstörerischer Kraft ist Hurrikan „Irma“ über die Karibikinseln hinweggezogen. Die Zahl der Toten ist unklar. Auf Kuba werden Zehntausende Urlauber in Sicherheit gebracht, und auch Florida rüstet sich. Evakuierungen sind angeordnet.

Der Hurrikan „Irma“ ist mit zerstörerischer Wucht über die Inseln der Karibik hinweggefegt und hat mehrere Menschen in den Tod gerissen. Wie viele ist unklar. Frankreichs Premierminister Edouard Philippe sagte, im Überseegebiet Saint-Martin seien vier Tote gefunden worden. Auf der Insel Saint-Barthélemy, auch bekannt als St. Barth, sei dagegen bislang kein Todesfall festgestellt worden. Philippe betonte, dass diese Bilanz noch unsicher sei. Zunächst hatten die Behörden acht Tote gemeldet.

95 Prozent der Häuser in Saint-Martin beschädigt

Auf Saint-Martin sind nach Angaben der örtlichen Behörden 95 Prozent der Häuser beschädigt worden, 60 Prozent seien unbewohnbar. „Der Strom ist ausgefallen, es gibt kein Trinkwasser, Benzin ist nicht verfügbar“, zählte Philippe auf. „Die Straßen sind blockiert und nur teilweise nutzbar, auch wenn die ersten Aufräumarbeiten begonnen haben.“

Die Insel Barbuda sei zu 95 Prozent zerstört und „kaum mehr bewohnbar“, sagte der Premierminister des Zwei-Insel-Staats Antigua und Barbuda, Gaston Browne. Er bezeichnete die Insel als „Trümmerhaufen“.

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„Irma“ zieht nach Angaben des US-Hurrikanzentrums von den ostkaribischen Inseln westwärts. In Puerto Rico sorgten ihre Regenausläufer für Stromausfälle, 900.000 Menschen waren nach amtlichen Angaben betroffen. Der Sturm, der sich nur wenig auf Windgeschwindigkeiten bis zu 285 Kilometer pro Stunde abschwächte, verschonte die Insel aber.

Kuba bringt Touristen in Sicherheit

Derweil bringen die Behörden auf Kuba Tausende Touristen in Sicherheit. Mehr als 36.000 Urlauber werden von der besonders gefährdeten Nordküste an sicherere Orte gebracht, berichtete das staatliche Fernsehen. Die ausländischen Touristen sollen in anderen Hotels untergebracht werden, kubanische Urlauber werden nach Hause geschickt. „Irma“ soll in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) Kubas Nordküste streifen.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte Hurrikan „Matthew“ den Osten Kubas getroffen. Er verursachte schwere Schäden. Todesopfer gab es allerdings nicht, weil die Behörden die besonders gefährdeten Gebiete zuvor evakuiert hatten.

In Miami, wo „Irma“ am Wochenende erwartet wird, ordneten die Behörden Zwangsevakuierungen an. Zu den betroffenen Gebieten gehört auch der bei Touristen beliebte Stadtteil Miami Beach. „Raus aus Miami Beach, ob Tourist oder Bewohner. Die Lage ist ernst, das ist kein Spaß“, sagte Bürgermeister Miami Beach, Philipp Levine. Viele Betroffene seien Rentner, sagt Levine. Die Stadt stelle Busse und Rollstühle bereit, um Bewohner in Sicherheit zu bringen.

Florida sucht Helfer

Floridas Gouverneur Rick Scott erklärte, Florida brauche freiwillige Helfer, um auf den Sturm und dessen Folgen vorbereitet zu sein. „In den vergangenen Stunden haben sich 4000 freiwillige Helfer gemeldet. Das ist hervorragend, aber wir brauchen mehr“, so Scott. Insgesamt 17.000 Freiwillige würden gesucht.

Vom Tropensturm zum Hurrikan

Tropische Wirbelstürme entstehen über dem Meer, wenn das Wasser mindestens 26 Grad warm ist und stark verdunstet. Ihre Stärke wird nach der von den Meteorologen Herbert Saffir und Robert Simpson entwickelten Skala eingeteilt. Demnach ist in den USA bei einer maximalen Windgeschwindigkeit unter 63 Kilometern pro Stunde von einem Tropentief die Rede. Bei Tempo 63 bis 118 gilt es als Tropensturm, darüber wird Hurrikanstärke erreicht. Ein Hurrikan der Kategorie 1 reicht bis Tempo 153. Stufe 2 gilt bis 177, Stufe 3 bis 208 und Stufe 4 bis 251 Kilometer pro Stunde. Hurrikans der höchsten Kategorie 5 haben eine Windgeschwindigkeit von mehr als 252 Kilometern pro Stunde.

Hurrikane erzeugen zwar enorme Windgeschwindigkeiten, bewegen sich aber oft nur mit etwa 15 Kilometern in der Stunde vorwärts. Das ist verheerend, weil Niederschläge dann stunden- oder tagelang auf fast dasselbe Gebiet niederprasseln.

Oft nehmen Wirbelstürme bei ihrem Zug über das Meer an Stärke zu. Über Land verlieren sie schnell an Kraft, da der Nachschub feuchtwarmer Luftmassen fehlt. Bei Windgeschwindigkeiten unter 120 Kilometern pro Stunde wird ein Hurrikan zu einem Tropensturm herabgestuft.

Und es haben sich bereits zwei weitere Wirbelstürme gebildet. Das US-Hurrikanzentrum stufte sowohl den Sturm „Katia“ als auch den Sturm „José“ als Hurrikan ein. Vor allem „Katia“ im Golf von Mexiko bereitet den Experten Sorgen: Er erreiche Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde und soll sich im Laufe des Tages auf das Festland zubewegen.

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

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