Myanmar: Tausende Rohingya fliehen nach Bangladesch

Seit militante Rohingyas in Myanmar Polizeistationen überfielen, spitzt sich der Konflikt zwischen Buddhisten und der muslimischen Minderheit weiter zu. Tausende Rohingyas fliehen vor der eskalierenden Gewalt. Sie erzählen von Mord, Folter und Vergewaltigungen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Wut und Tränen – Szenen der Verzweiflung ganz oben im Norden Myanmars an der Grenze zu Bangladesch. Frauen mit ihren Kindern, erschöpft und schmutzig von dem langen Fußmarsch aus der Unruheprovinz Rakhine, werfen sich schluchzend vor den Grenzsoldaten aus Bangladesh in den Staub.

Die blicken – ihr Sturmgewehr fest im Griff – betreten und starr an den Flüchtlingen vorbei. “Bitte schickt uns nicht zurück”, fleht eine, “wenn ihr uns zurückschickt, werden wir alle getötet. Dann erschießt uns lieber gleich hier, das ist gnädiger”.

“Allah, bitte rette die Rohingya-Muslims”

In stetem Strom ziehen sie aus dem ärmsten Teil Myanmars Richtung Grenze: In Lumpen gehüllte Frauen, Kinder und Männer, die mit ihrer Habe in Säcken auf dem Kopf barfuß durch den Matsch stapfen. Rohingya, die Angehörigen der muslimischen Minderheit im überwiegend buddhistischen Myanmar sind auf der Flucht vor der Armee und buddhistischen Mönchen.

“Allah, bitte rette die Rohingya-Muslims! Bitte Allah, sie sind in großer Gefahr, die Buddhisten töten unsere Leute, bitte rette sie!”, fleht eine Frau.

Sie berichten von Mord, Folter, Vergewaltigungen und in Brand gesetzten Dörfern. Nachprüfen lassen sich die Berichte nicht. Die Armee Myanmars verweigert Journalisten den Zutritt zur Rakhine-Provinz. Doch viele Flüchtlinge haben Schussverletzungen.  

Zehntausende Rohingya in Bangladesch

Vergangene Woche hatte ein UN-Bericht die Armee wegen ihres Umgangs mit den Rohingya kritisiert und vor Radikalisierung gewarnt – einen Tag nach seiner Veröffentlichung griffen Rohingya-Aktivisten Polizeistationen an. Es war der Auftakt zu einer neuen Welle der Gewalt.

Immerhin 27.000 Rohingya hatten es bist Freitag über die Grenze nach Bangladesch geschafft, die UN sprechen inzwischen sogar von 60.000. Sie vegetieren dort in armseligen Lagern. Auch hier sind sie unerwünscht. Die Regierung Bangladeschs warnt vor einer humanitären Katastrophe. Allein in den vergangenen Tagen wurden Dutzende Leichen aus dem Meer gefischt – Rohingya die in Nussschalen die Flucht auf die unruhige See gewagt haben.

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Wo ist Aung San Suu Kyi?

Angeführt von buddhistischen Mönchen in karmesinroten Roben demonstrieren in Myanmars größter Stadt Rangun derweil Tausende gegen die muslimische Minderheit. “Schützt Rakhine” steht auf ihren Transparenten. Ein Mönch fordert unter dem Beifall der Menge vom burmesischen Militär mehr Härte gegen die Rohingya.

Und was tut Aung San Suu Kyi, die Friedensnobelträgerin, Ikone der Demokratie, Vorkämpferin der Menschenrechte? Sie schweigt. Man kann das als Desinteresse interpretieren oder machttaktisches Kalkül. Oder als Zeichen, dass in der jungen Demokratie immer noch die Armee die heimliche Herrscherin ist.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2017 um 12:40 Uhr.

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