Nach “Irma”: “Größte Luftbrücke seit dem Zweiten Weltkrieg”

In Florida werden die Schäden von Hurrikan “Irma” erst langsam sichtbar. In der Karibik zeigt sich schon jetzt, dass das Ausmaß der Zerstörung enorm ist. Frankreich richtete eine Luftbrücke nach Saint-Martin ein. Die Bundesregierung schickte ein Krisenteam in die USA.

Angesichts der gewaltigen Zerstörung durch Hurrikan “Irma” läuft in der Karibik und im Süden der USA eine riesige Hilfs- und Aufräumaktion. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von der “größten Luftbrücke seit dem Zweiten Weltkrieg”, die zur Versorgung der Sturmopfer in der Karibik eingerichtet worden sei.

Macron sagte, rund 1900 bewaffnete Sicherheitskräfte und Hilfsgüter hätten auf die von “Irma” heimgesuchten Inseln Saint-Martin und Saint Barthélémy gebracht werden können. Der französische Präsident begann in Pointe-à-Pitre auf der Karibikinsel Guadeloupe einen Krisenbesuch.

Der niederländische König Willem-Alexander sagte bei einem Besuch auf Sint Maarten, die Verwüstung übersteige alle Vorstellungskraft. “So etwas habe ich noch nie gesehen. Und ich habe ziemlich viel Naturgewalt und Kriegsgewalt gesehen”, sagte er.

Einer der schwersten Tropenstürme

“Irma” war am vergangenen Mittwoch als Hurrikan der höchsten Stufe 5 auf der Karibikinsel Barbuda an Land getroffen. Er ist einer der schwersten jemals in der Region registrierten Tropenstürme. Insgesamt kamen mindestens 48 Menschen ums Leben. Einige Karibikinseln wurden so schwer zerstört, dass sie als unbewohnbar gelten.

Im Süden der USA wird das Ausmaß der Schäden nach und nach sichtbar. Die Katastrophenschutzbehörde Fema schätzt, dass auf der Inselgruppe der Florida Keys ein Viertel aller Häuser zerstört sind. Die übrigen 65 Prozent hätten große Schäden erlitten, sagte Fema-Direktor Brock Long. “Im Grunde ist jedes Haus auf den Keys auf irgendeine Art betroffen.”

Vom Auge des Sturms getroffen

Die Inselgruppe war am Sonntagmorgen direkt vom Auge des Sturms getroffen worden. Das US-Verteidigungsministerium schickte einen Flugzeugträger zu den Inseln, um die Rettungsmaßnahmen zu unterstützen.

Das Weiße Haus rechnete damit, dass geflohene Bewohner möglicherweise über Wochen nicht zurückkehren können. In dem gesamten Bundesstaat waren 15 Millionen Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten, wie das Heimatschutzministerium mitteilte.

Elf Tote

Im nördlichen Nachbarstaat Georgia hatten eine Million Menschen keinen Strom. Dort starben in Folge des Sturms drei Menschen. In South Carolina gab es ein Todesopfer. Damit stieg die Zahl der Toten inoffiziellen Schätzungen von US-Medien zufolge auf elf.

Die Westküste Floridas wurde von dem befürchteten Horrorszenario verschont. Bei ihrem Zug über die Halbinsel sorgte “Irma” aber in der nordöstlich gelegenen Stadt Jacksonville für heftige Überflutungen. Prognosen zufolge sollte es sich der Sturm am Abend auflösen.

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Krisenteam aus Deutschland

In den USA traf auch ein 31-köpfiges Krisenteam aus Deutschland ein. Dazu gehörten Mitarbeiter des Auswärtigen Amts, der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks, teilte das Auswärtige Amt mit. Ein A400M-Transportflugzeug der Bundeswehr brach zudem mit Hilfsgütern an Bord nach Curaçao auf. Bis zu 200.000 deutsche Staatsangehörige halten sich nach Angaben des Außenamts in Florida auf.

Auch in der Karibik seien Deutsche von dem Sturm betroffen. So sollen mit dem A400M in den nächsten beiden Tagen auf der karibischen Insel Sint Maarten/Saint-Martin gestrandete Deutsche ausgeflogen werden. In Atlanta im US-Bundesstaat Georgia sei zudem ein regionales Krisenzentrum zur Hilfskoordination eingerichtet worden. Das Generalkonsulat Atlanta sei personell verstärkt worden.

Mehr als 100 Schwerverbrecher ausgebrochen

Die Britischen Jungferninseln in der Karibik haben neben dem Durchzug von Hurrikan “Irma” mit einer weiteren Gefahr zu kämpfen gehabt. Mehr als 100 Schwerverbrecher waren aus einem Gefängnis ausgebrochen und stellten eine “ernsthafte Bedrohung” für Recht und Ordnung in dem britischen Überseegebiet dar, wie der britische Staatssekretär im Außenministerium, Alan Duncan, in London sagte. Es habe die Gefahr bestanden, dass der Rechtsstaat komplett zusammenbreche.

Nach dem Ausbruch der Häftlinge seien am Freitag britische Soldaten eingesetzt worden, um “den Gouverneur sowie alles zu beschützen, was mit Recht und Ordnung zusammenhängt”, sagte er. Nach wachsender Kritik an den Hilfsmaßnahmen der Londoner Regierung will Außenminister Boris Johnson die kommenden Tage in der Region verbringen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. September 2017 um 07:26 Uhr.

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