Physik-Nobelpreis geht an drei US-Gravitationsforscher

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an die drei US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne für den ersten direkten Nachweis im All entstehender Gravitationswellen.

Die Königlich-Schwedische Akademie hat drei US-amerikanische Forscher für ihren Nachweis von Gravitationswellen im All mit dem Physik-Nobelpreisträger ausgezeichnet. Die Auszeichnung ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 935 000 Euro) dotiert.

Der in Berlin geborene Weiss erhält einen Teil des Preises, die beiden anderen Wissenschaftler teilen sich die andere Hälfte.

Einstein erahnte Gravitationswellen

Der Physiker Albert Einstein hatte die Gravitationswellen bereits vor 100 Jahren mit seiner Relativitätstheorie beschrieben. Sie entstehen, wenn Massen beschleunigt werden – etwa bei der Explosion von Sternen am Ende ihrer Lebenszeit oder beim Verschmelzen zweier Schwarzer Löcher.

Forscher hatten jahrzehntelang einen Nachweis versucht. Erstmals gelungen war er im September 2015.

Die US-Physiker Thorne und Weiss entwickelten seit den 70er Jahren die grundlegende Technik, mit der die Wellen gemessen wurden. Wissenschaftler Barish perfektionierte die Technologie. Forscher wollen die Gravitationswellen nutzen, um mehr im All zu erspähen als je zuvor.

Nicht der erste Preis für Gravitationsforscher

1993 gab es schon einmal einen Physik-Nobelpreis für einen – allerdings nur indirekten – Nachweis von Gravitationswellen: Die US-Astronomen Joseph Taylor und Russell Hulse hatten 1974 zwei einander umkreisende Neutronensterne beobachtet. Ihre Umlaufzeit nimmt langsam ab, was sich exakt mit dem Energieverlust durch Gravitationswellen erklären lässt.

Geteilte Auszeichnung

Der Nobelpreis für Physik wird in der Regel unter mehreren Wissenschaftlern geteilt, die sich um ein bestimmtes Forschungsgebiet verdient gemacht haben. In den vergangenen 25 Jahren wurde die Auszeichnung immer mehreren Preisträgern gemeinsam zuerkannt.

2016 war der Physiknobelpreis an die Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz gegangen. Sie waren für ihre Studien zum Zustand von Materie ausgezeichnet wurden.

Die Nobelpreis-Woche

Für Mittwoch wird die Entscheidung über die Verleihung des Nobelpreises für Chemie erwartet. Am Donnerstag folgt die Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers und am Freitag wird verkündet, wer den Friedensnobelpreis erhält.

Der Preis für Wirtschaft, der streng genommen kein Nobelpreis ist, wird am 9. Oktober bekanntgegeben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Oktober 2017 um 12:00 Uhr.

Physik-Nobelpreis für Nachweis der Gravitationswellen

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Stand: 03.10.2017 11:56 Uhr

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an die drei US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne für den ersten direkten Nachweis von im All entstehenden Gravitationswellen.

Weitere Informationen in Kürze.

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US-Waffengesetze: “Was muss denn noch passieren?”

Mit Entsetzen und Trauer haben Künstler wie US-Popstar Lady Gaga und Comedian Billy Eichner auf das Attentat in Las Vegas mit 59 Toten reagiert – aber auch mit Wut. Schärfere Waffengesetze – jetzt sofort, so der Tenor.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Es dauerte 15 Sekunden, nachdem die ersten Schüsse fielen, als der Sänger Jason Aldean und seine Band ihren Auftritt beim Route 91 Harvest Festival am Strip von Las Vegas unterbrachen und in Panik von der Bühne rannten.

Hinten im Backstagebereich hielt sich zu dem Zeitpunkt auch Sänger Jake Owen auf.  Dem Fernsehsender CBS erzählte er: “Ich rannte von der Bühne, landete auf der Straße und versteckte mich für ein paar Minuten hinter einem Auto. Dann rannte ich zu unserem Tourbus, der ein paar 100 Meter weiter auf einem Parkplatz stand. Wir legten uns im Crewbus auf den Boden – die ganze Zeit über fielen Schüsse.”

Fassungslos, traurig, wütend

Künstlerkollegen reagierten umgehend auf die Geschehnisse von Las Vegas. “Unvorstellbar, aber wahr. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.” Es ist Fassungslosigkeit, die aus der Twitter-Botschaft der Moderatorin Ellen DeGeneres spricht. Fassungslos, traurig, wütend – so klingen die meisten Kommentare, die Schauspieler, Sänger und andere Künstler am Tag nach der verheerenden Gewalttat von Las Vegas veröffentlichen.

Country-Star Blake Shelton schreibt: “Mein tiefes Mitgefühl gilt allen, die von der Schießerei in Las Vegas betroffen sind. Ich verstehe gar nichts mehr …” Und er fügt in Großbuchstaben hinzu: WARUM? Sängerin Taylor Swift kommentiert, es gebe keine Worte, die ihrer Hilflosigkeit und Trauer gerecht würden. Ihr Herz sei gebrochen.

Lady Gaga fordert mehr Waffenkontrolle

Für Lady Gaga steht fest: “Das ist Terrorismus. Ganz einfach. Terror unterscheidet keine Hautfarben, Religionen oder Geschlechter. Demokraten und Republikaner, vereinigt euch endlich beim Thema Waffenkontrolle.” Die 31-Jährige richtet einen weiteren Tweet an Präsident Donald Trump und Paul Ryan, den Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses: “Gebete sind wichtig, aber Blut klebt an den Händen derer, die dazu gewählt wurden, Gesetze zu erlassen. Beeilt euch.”

US-Präsident Trump erschien am Montagnachmittag mit seinem Vizepräsidenten und den Ehefrauen vor dem Weißen Haus zu einer Schweigeminute.

“Wir brauchen Taten”

Broadway-Star Josh Gad schrieb dazu: “Lieber Kongress: Wir brauchen deine Schweigeminute nicht. Wir brauchen Taten, und zwar jetzt.” Comedian Billy Eichner, bekannt als scharfer Trump-Kritiker, entlud seine Wut in Tweets fast im Stundentakt. “Der Kongress tat nichts nach Sandy Hook”, schreibt er. “Das ist einfach nur verrückt.” 2012 hatte ein psychisch kranker 20-Jähriger bei einem Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule 20 Kinder und sechs Lehrer erschossen. Eichner schrieb weiter: “Wir brauchen schärfere Waffengesetze, und zwar sofort. Werdet endlich erwachsen. Ein normaler Bürger braucht kein Maschinengewehr. Es reicht.”

Some things shouldn’t be all-American. Join the movement to end gun violence: Text ACT to 64433. https://t.co/1VNUj2BCyG

2015 wurden bei einer Kinovorstellung eines Films von Amy Schumer zwei Besucherinnen erschossen, neun Menschen verletzt. Schumer setzt sich seitdem für strengere Waffengesetze ein. Sie schrieb via Twitter. “Es ist nicht zu früh, um über Lösungen von Waffengewalt zu sprechen. Es ist zu spät. Heute trauern wir mit den Opfern von Las Vegas, morgen kämpfen wir für sie.”

Caleb Keeter ist Musiker bei der Josh Abbott Band aus Texas, die ebenfalls in Las Vegas auftrat. Er schrieb: “Ich habe das Recht auf Waffenbesitz bislang immer verteidigt. Bis heute. Ich kann gar nicht beschreiben, wie falsch ich gelegen habe. Wir haben Teammitglieder, die verdeckt Waffen tragen dürfen, wir hatten ganz legal Waffen im Tourbus – sie waren nutzlos.” Und weiter: “Wir brauchen schärfere Waffengesetze. Sofort. Ich bedauere zutiefst, dass ich das nicht verstanden habe, bis wir selbst in Gefahr gerieten.”

Las-Vegas-Attentäter: Der unauffällige Nachbar

Las-Vegas-Attentäter: Der unauffällige Nachbar | tagesschau.de

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Stand: 03.10.2017 10:53 Uhr

Normal, nett und offen – so beschreiben Bekannte den Mann, der gestern in Las Vegas mindestens 59 Menschen ermordete und mehr als 500 verletzte. Stephen Paddock wohnte in einer Gegend, in der viele Rentner leben, und galt als absolut unauffällig.

Von Barbara Jung, NDR

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. Oktober 2017 um 22:25 Uhr.

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Schicksal von Flug MH370 bleibt ein Rätsel

Abschlussbericht: Flug MH370 bleibt ein Rätsel | tagesschau.de

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Stand: 03.10.2017 10:45 Uhr

Eine Boeing von Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord – spurlos verschollen. Seit dreieinhalb Jahren ist das Schicksal von Flug MH370 ein Rätsel. Zu diesem wenig erhellenden Ergebnis kommt der nun vorgelegte Abschlussbericht.

Dreieinhalb Jahre nach dem Verschwinden eines malaysischen Passagierflugzeugs mit 239 Menschen an Bord fehlt von der Maschine weiterhin jede Spur. Dies geht aus dem nun vorgelegten Abschlussbericht einer internationalen Suchkommission zu dem Malaysia-Airlines-Flug MH370 hervor.

“Wir bedauern zutiefst, dass wir weder das Flugzeug noch die 239 Seelen an Bord ausfindig machen konnten”, heißt es in dem 440-Seiten-Papier.

Eines der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte

Wie fassungslos die Ermittler sind, kommt auch in dem Bericht zum Ausdruck. In dem Papier, das von der australischen Behörde für Verkehrssicherheit (ATSB) in Sydney veröffentlicht wurde, heißt es: “Es ist nahezu unvorstellbar und mit Sicherheit für eine Gesellschaft auch nicht hinnehmbar, dass in der Ära der modernen Luftfahrt ein so großes Flugzeug verschwunden bleibt.”

Es gebe weiterhin keine konkreten Hinweise darauf, wo sich die Maschine befindet. Vermutet wird, dass sie ins Meer gestürzt ist.

Suche eingestellt

Die Boeing 777 war im März 2014 auf dem Flug von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur nach Peking, als sie mitten in der Nacht plötzlich von den Radarschirmen verschwand. Trotz aller Proteste von Angehörigen wurde die Suche nach mehr als tausend Tagen im Januar dieses Jahres eingestellt.

Die Kosten betrugen mehr als 150 Millionen US-Dollar (etwa 127 Millionen Euro). Die Suche soll erst wieder aufgenommen werden, wenn es glaubwürdige neue Hinweise gibt.

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Facebook-Werbung, die wohl aus Russland kam

Hat Russland Einfluss auf die US-Wahl genommen? Dieser Vorwurf steht nach wie vor im Raum. Auch Facebook ist dem nachgegangen und kommt zumindest zu dem Schluss: Zehn Millionen Nutzer haben politische Anzeigen gesehen, die mutmaßlich aus Russland finanziert wurden.

Der Internetkonzern Facebook schätzt, dass rund zehn Millionen Nutzer politische Anzeigen online gesehen haben, hinter denen möglicherweise russische Auftraggeber standen. Das teilte Kommunikationschef Elliot Schrage in einem Blogeintrag mit. 44 Prozent der Anzeigen seien vor der Präsidentenwahl am 8. November 2016 gesehen worden, 56 Prozent erst danach.

Die internen Ermittlungen dauerten an, schrieb Schrage. “Wir suchen weiter nach Missbrauch und Übeltätern auf unserer Plattform.”

Waffenbesitz, Einwanderung, Rechte von Schwulen und Lesben

Facebook hatte bereits im September erklärt, dass in den Monaten vor und nach der Wahl 2016 etwa 3000 Anzeigen mit polarisierenden Inhalten geschaltet worden seien. Die Auftraggeber säßen vermutlich in Russland. Seitdem werden in den USA Forderungen laut, Firmen wie Facebook strenger zu regulieren.

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In der aktuellen Stellungnahme heißt es jetzt, die Werbeanzeigen hätten sich auf umstrittene Themen wie Waffenbesitz, Einwanderung und die Rechte von Lesben und Schwulen konzentriert. In vielen Fällen hätten die Anzeigen die Nutzer dazu aufgefordert, Facebook-Seiten mit entsprechenden Ansichten zu liken und zu abonnieren.

In Rubel bezahlt

Die Werbeanzeigen spiegelten “politische Botschaften mit einem weiten ideologischen Spektrum” wider, erklärte Schrage. Für 99 Prozent der Anzeigen seien jeweils weniger als 1000 Dollar (etwa 854 Euro) bezahlt worden. Weniger als die Hälfte der Anzeigen sei vor der Wahl veröffentlicht worden, 56 Prozent nach der Abstimmung. Für manche der Werbeanzeigen sei mit der russischen Währung Rubel bezahlt worden, sagte Schrage.

Facebook hatte am Montag den Inhalt von Tausenden Werbeanzeigen drei Kongressausschüssen offengelegt, die wegen der Wahleinmischung Russlands ermitteln. Das Unternehmen hatte ähnliches Material bereits auch dem Sonderermittler Robert Mueller übergeben.

Drei Kongressausschüsse und ein Sonderermittler

Die drei Kongressausschüsse untersuchen eine russische Einmischung in die Wahl und ob es irgendwelche Verbindungen zur Kampagne von Präsident Donald Trump gibt. Sie konzentrierten sich in jüngerer Zeit auf die Verbreitung falscher Nachrichtenstorys und Propaganda in sozialen Medien. Der Kurznachrichtendienst Twitter teilte vergangene Woche mit, er habe 22 Konten ausgesetzt, die mit den 450 Facebook-Konten korrespondierten.

Nach Einschätzung der US-Geheimdienste beeinflusste die russische Regierung die Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr. Die Regierung in Moskau wies dies stets zurück. US-Präsident Trump erklärte, es habe keine Kooperation zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland gegeben.

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Großes Löschen in Affäre um G20-Akkreditierungen

In der Affäre um den Entzug von Presse-Akkreditierungen beim G20-Gipfel entwickelt sich der nächste Skandal. Denn viele der Betroffenen fordern Aufklärung und haben geklagt – doch das LKA Berlin vernichtet Beweismittel.

Von Arnd Henze, ARD Hauptstadtstudio

Als Po-Ming Cheung den Brief des Berliner Landeskriminalamtes las, traute er seinen Augen nicht: Von “besonders schwerem Landfriedensbruch” war darin die Rede, begangen bei einer Berliner Demonstration im Juli 2011. Cheung kann sich an den Abend erinnern: Als Pressefotograf hatte er über die Krawalle berichtet: “Ich hatte keine Ahnung, dass so ein Vorwurf jemals im Raum stand”, versichert Cheung. “Ich renne doch nicht mit einer teuren Kamera auf eine Demo und mache Randale”.

Weder wurden Cheungs Personalien an diesem Tag festgestellt noch wurde er dazu befragt. Dennoch war er in den Datenbanken des LKA sechs Jahre lang mit diesem Vorwurf gespeichert, zusammen mit zwei kleineren Vorgängen aus den Jahren 2005 und 2006, die ebenfalls nie zu einer Anklage geführt hatten.

Mit der Auskunft der Berliner Polizei kann sich Cheung nun auch erklären, warum ihn der Verfassungsschutz vor dem G20-Gipfel als “Mitglied eines gewaltbereiten oder gewaltbefürwortenden Beobachtungsobjekts” führte und warum ihm deshalb die Akkreditierung entzogen wurde. Wie viele seiner Kollegen hatte er nach dem Entzug seiner Akkreditierung zunächst beim Bundeskriminalamt und danach auch bei mehreren Landeskriminalämtern Auskunft über gespeicherte Daten verlangt.

LKA vernichtet Beweise

Das LKA Berlin teilte dem Fotografen nun mit, dass alle Datensätze vor kurzem gelöscht wurden. Eigentlich eine gute Nachricht für den Fotografen: “Es zeigt, dass an den Vorwürfen nichts dran war und mein Berufsverbot in Hamburg auf falschen Anschuldigungen beruhte.”

Zugleich bedeutet die Löschung aber den nächsten schweren Rechtsbruch. Denn Cheung hat wie zahlreiche Kollegen gegen den Entzug der Akkreditierung geklagt und bei der Bundesdatenschutzbeauftragten Beschwerde eingelegt: “Wenn Daten gelöscht werden, um zu verhindern, dass die Rechtmäßigkeit ihrer Speicherung überprüft wird, handelt es sich um die Unterdrückung von Beweismitteln”, kritisiert der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte, Peter Schaar. Auch in der Berliner Datenschutzbehörde ist man alarmiert. Man könne den Vorgang wegen des laufenden Verfahrens allerdings nicht öffentlich kommentieren, heißt es.

Die Akte leert sich

In einem anderen Fall löschte auch das LKA Mecklenburg-Vorpommern mindestens einen fehlerhaften Datensatz vor einer möglichen Prüfung. Deshalb wird wohl auch Cheungs Kollege Chris Grodotzki nicht mehr erfahren, was da vor Jahren als “Hausfriedensbruch” den Weg in die Verbunddateien des BKA gefunden hat.

Die Liste seiner angeblichen Delikte ist inzwischen von acht auf zwei geschrumpft. So kündigte allein das LKA Hannover die Löschung von vier Datensätzen an, sobald die Prüfungen der Datenschützer sowie das Verfahren vor Gericht abgeschlossen seien. Auf die Auskunft zu zwei Einträgen des LKA Hessen wartet Grodotzki noch. Auch in diesen beiden Fällen sind sich Experten sicher, dass die Speicherung keinen Bestand haben wird.

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Bundesregierung hält 28 Journalisten weiter für Sicherheitsrisiko

Po-Ming Cheung und Chris Grodotzki zählen zu den 28 Journalisten, bei denen die Bundesregierung bis heute darauf beharrt, dass der gravierende Eingriff in die Pressefreiheit aus Sicherheitsgründen zwingend notwendig gewesen sei.

Doch in allen der zwölf vom ARD-Hauptstadtstudio untersuchten Fälle erwiesen sich vor allem die gravierenden Vorwürfe wie “besonders schwerer Landfriedensbruch” und “Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion” als offensichtlich falsch.

Warten auf Entschuldigung

Immerhin hat der Fotograf Florian Boillot in der vergangenen Woche durch ein Schreiben der Bundesbeauftragten für den Datenschutz erfahren, dass die Bundesregierung ihn zu den vier Journalisten zählt, denen die Akkreditierung zu Unrecht entzogen worden sei. Wie das ARD-Hauptstadtstudio schon vor sieben Wochen berichtete, war er wegen “Widerstands gegen Polizeibeamte” in den BKA-Dateien als “linksextremistisch motivierter Gewalttäter” gespeichert worden, obwohl er längst wegen erwiesener Unschuld freigesprochen war.

Auf die mehrmals angekündigte Entschuldigung von Regierungssprecher Steffen Seibert wartet er allerdings wie die übrigen Betroffenen weiter vergeblich. Das Bundespresseamt teilte auf Anfrage lediglich mit, dass eine solche Geste “zeitnah” erfolgen werde – fast drei Monate nach dem Gipfel.

Polizei fehlen Informationen

Der hohe Anteil von Datensätzen, die nun außer der Reihe gelöscht werden, stützt Vermutungen, dass auch über den Kreis von Journalisten hinaus massenhaft Daten fehlerhaft oder illegal gespeichert werden. Darauf deutet auch die Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linkspartei hin, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Viele Datensätze blieben gespeichert, ohne dass im Einzelfall geprüft werden könne, ob die Tatvorwürfe überhaupt noch aktuell seien: “In der Praxis besteht ein uneinheitliches Meldeverfahren der Justizbehörden, sodass die Polizei teilweise keine Kenntnis von der Beendigung des Verfahrens und deren Gründen erhält”, heißt es in der Antwort.

Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, warf der Bundesregierung vor, einen permanenten Rechtsbruch zu akzeptieren: “Es kann nicht angehen, dass die Polizeibehörden genau darüber Bescheid wissen, wie fehleranfällig das System ist, aber keinerlei Schritte unternehmen, um diesen rechtswidrigen Zustand endlich abzustellen.”

Regierung hat keinen Überblick über Zahlen

Empört zeigt sich Jelpke aber vor allem über die Auskunft, dass die Bundesregierung nicht einmal wisse, wie viele Personen in den vom Bundeskriminalamt geführten Staatschutzdateien gespeichert sind. Es sei “keine zentrale systemseitige Auswertung der Löschungen und Einrichtungstermine von Dateien möglich”, heißt es im Schreiben aus dem Innenministerium. Auch auf zahlreiche weitere Fragen zum Datenbestand des BKA liegen der Bundesregierung demnach keine Daten vor. So sei es nicht möglich zu unterscheiden, wie viele der als “Gewalttäter links” eingestuften Personen tatsächlich verurteilt seien oder aus anderen Gründen weiter gespeichert würden.

Ohne eine gründliche Bestandsaufnahme sei aber keine Korrektur von Fehlentwicklungen möglich, kritisiert Jelpke: “Bei der Aufarbeitung dieses Datenschutzskandals herrscht bei Bundesregierung und BKA reinste Arbeitsverweigerung.”

Absurder Umgang mit Akkreditierungen

Seit dem G20-Gipfel sind im übrigen schon mehrmals Journalisten vom BKA abgewiesen worden. Mitunter führt das zu absurden Situationen. So war vor zwei Wochen bei einer CSU-Kundgebung in Passau dem Fotografen Michael Trammer der Zugang zum Pressebereich “aus Sicherheitsgründen” verwehrt worden. Nach Rückfragen der Presse wurde er wenige Tage später zur Abschlusskundgebung in München zugelassen. Die Homepage der CSU zeigt ein Foto mit jubelnden Merkel-Anhängern – es stammt von Michael Trammer.

Rocklegende Tom Petty gestorben

Der US-Musiker Tom Petty ist tot. Nach Angaben seiner Familie starb der Frontman der Band “Tom Petty and the Heartbreakers” 66-jährig nach einem Herzinfarkt in einem Krankenhaus in Los Angeles. Zu Pettys Hits zählen “American Girl” oder “Free Fallin'”.

Ob mit den “Heartbreakers”, gemeinsam mit anderen Superstars wie Bob Dylan, George Harrison, Ringo Starr und Roy Orbison oder solo – Tom Petty war Ausnahmemusiker und Rock’n’Roll-Legende. Songs wie “American Girl”, “Free Fallin'”, “Refugee” oder “I Won’t Back Down” sind längst Klassiker.

Nun ist der Musiker gestorben. Der 66-Jährige habe einen Herzstillstand erlitten und sei in einem Krankenhaus in Los Angeles gestorben, erklärte seine Sprecherin Carla Sacks am späten Montagabend (Ortszeit). Seiner Familie zufolge hatte Petty am Sonntag in seinem Haus in Malibu einen Herzstillstand erlitten. Rettungskräfte brachten ihn ins Krankenhaus.

Der zehnjährige Petty trifft Elvis

Pettys Karriere fing an, als der damals Zehnjährige aus Florida einem jungen Mann vorgestellt wurde – Elvis Presley. Faszinierend, geradezu spirituell sei Elvis mit seiner Entourage gewesen. Dann sah der junge Petty auch noch die Beatles im Fernsehen und sein Berufswunsch war klar.

Nach der Schule ging er noch kurz auf ein College, aber dann begann er, Bands zu gründen. Mit Tom Petty & the Heartbreakers feierte er ab den 1970er-Jahren Erfolge, erst in Europa, dann auch im Heimatland. In den 1980er-Jahren gehörten “Petty und die Heartbreakers” zu den festen Größen im amerikanischen Musikgeschäft und spielten mit Grateful Dead und anderen Rocklegenden zusammen. Später kamen die “Wilburys”, dann eine eigene Radioshow. Petty rückte ab vom Rock und wechselte zum Pop : 1996 für “She’s the One” mit Jennifer Aniston und Cameron Diaz sogar Filmmusik. Das letzte Album der Heartbreakers, “Hypnotic Eye”, schaffte es 2014 auf Platz 1 der Charts in den USA.

Auf Jubiläumstour in den USA

Die Rock and Roll Hall of Fame, die Petty 2002 aufnahm, pries seine Musik als “dauerhaften, hart arbeitenden, einnehmenden und einfachen” Rock an.

Erst vor wenigen Tagen war die Band in Los Angeles aufgetreten, zum Abschluss einer großen Tour, mit der sie ihr 40. Jubiläum gefeiert hatten. Für November waren zwei Konzerte in New York angekündigt. Die Tour war als Abschiedstournee angekündigt gewesen. Diese Tour werde wohl die letzte große US-Tournee sein, hatte er kürzlich dem “Rolling Stone” gesagt. “Ich denke, es wird meine letzte Reise durchs Land sein. Wir sind ja alle weit über 60.”

Falschmeldungen stiften Verwirrung

Vor der Bestätigung des Todes hatte es Verwirrungen um Falschmeldungen zum Tod Pettys gegeben. Der Sender CBS meldete gestern unter Berufung auf eine anonyme Polizeiquelle, der Rocksänger sei gestorben. Viele Medien übernahmen diese Information. Das Magazin “Rolling Stone” veröffentlichte bereits eine Nachruf auf Petty, in dem auch Sänger Bob Dylan zu Wort kam. Früheren Äußerungen der Tochter war aber zu entnehmen, dass der Musiker tatsächlich gesundheitliche Probleme hat. Seine Einlieferung in ein Krankenhaus hatte den Anstoß zu den Falschmeldungen gegeben.

Schäuble hält Streit um Obergrenze für überflüssig

Schäuble zu Koalitionsoptionen: “Streit um Obergrenze ist Scheinstreit” | tagesschau.de

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Stand: 03.10.2017 05:55 Uhr

Noch ist offen, wie die künftige Koalition aussehen wird. Noch-Finanzminister Schäuble kann sich aber gut vorstellen, dass es mit Jamaika klappt. Der Streit um die Obergrenze ist aus seiner Sicht kein Hindernis. Der sei ohnehin ein “Scheinstreit”.

Der scheidende Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht keine Notwendigkeit, eine Obergrenze für Flüchtlinge in den nächsten Koalitionsvertrag aufzunehmen. “Juristen wissen, dass überflüssige Dinge nicht extra erwähnt werden müssen”, sagte der CDU-Politiker der Feiertagsausgabe der Zeitung “Bild am Sonntag”.

Hier werde innerhalb der Union ein “Scheinstreit” geführt, obwohl es inhaltlich keine wirklichen Differenzen gebe. Zugleich verteidigte Schäuble die Willkommenskultur in der Flüchtlingskrise: “Auf die große Hilfsbereitschaft der Deutschen in der Flüchtlingskrise werden noch unsere Kinder stolz sein.”

“Es wird sich ein Weg finden”

Die CSU fordert eine Obergrenze für Flüchtlinge. Dies wird in der CDU abgelehnt. Auch die möglichen Koalitionspartner Grüne und FDP sind dagegen.

Schäuble äußerte sich zuversichtlich, dass eine solche Jamaika-Koalition zustande kommt: “Ich rate zu Gelassenheit. Es wird sich ein Weg finden.” Jamaika liege nahe, sagte der CDU-Politiker, “denn wir brauchen eine stabile Regierung für unser Land”.

Gelassenheit im Umgang mit AfD angemahnt

Im Umgang mit der AfD im Bundestag mahnte er zur Gelassenheit. “Jeder Abgeordnete ist dem Grundgesetz verpflichtet”, sagte der designierte Bundestagspräsident. Er wünsche sich mehr Selbstbewusstsein: “Unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat ist so stark, dass ihn niemand einfach so zerstören kann. Weder von außen, noch von innen. Wenn das jemand vorhaben sollte, wird er scheitern.”

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