Selbstbestimmte Arbeitszeiten: Wann Abschalten besonders schwer fällt

Extrem flexible Arbeitszeiten gehen häufig zulasten der Beschäftigten. Interessanterweise reagieren Männer hier anders als Frauen. Männer sind am meisten gestresst, wenn sie ihre Arbeitszeit völlig selbst bestimmen können. Für Frauen stellen vor allem kurzfristige, unvorhersehbare Änderungen der Arbeitszeiten durch den Arbeitgeber eine hohe psychische Belastung dar.

Für die Studie wurden in den Jahren 2011 und 2012 mehr als 10.000 Personen befragt. Aus den Ergebnissen lassen sich folgende Rückschlüsse auf die Zusammenhänge zwischen Arbeitszeitmodellen, Verhalten und Arbeitsbelastungen ziehen:

45 % der Personen, die im Homeoffice arbeiten, können abends nicht abschalten. Das sind doppelt so viele, wie dies bei Beschäftigten der Fall ist, die nie zu Hause arbeiten.

40 % der Männer, die ihre Arbeitszeit völlig selbst bestimmen können, fällt das Abschalten schwer. Das sind 11 % mehr als bei den Männern mit festen Arbeitszeiten. Männer neigen offenbar dazu, übermäßig lange zu arbeiten, wenn es kein Zeitlimit gibt.

Frauen setzen ihre zeitliche Flexibilität bei selbstbestimmten Arbeitszeiten eher dazu ein, sich neben dem Beruf um Haushalt und Familie zu kümmern.

Positiv auf die Work-Life-Balance von Männern wirkt sich Gleitzeit aus. Sie können dann besser mit hohem Arbeitsdruck umgehen und fühlen sich wenig belastet.

Insgesamt machen feste Arbeitszeiten wenig Stress und versprechen Planungssicherheit. Sie können jedoch mit z. B. Abholzeiten von Kindergärten kollidieren.

Da noch immer Frauen den größeren Teil der Haus-, Pflege- und Erziehungsarbeit übernehmen, leiden sie am meisten unter unvorhersehbare Dienstzeiten kombiniert mit hohem Arbeitsdruck. Denn dies erschwert die Planung des Alltags enorm und lässt den Stress deutlich ansteigen.

Als Fazit hält Studienleiterin Dr. Yvonne Lott mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit grundsätzlich als vertretbar. Voraussetzungen dafür seien aber zeitliche Obergrenzen, eine Zeiterfassung, realistische Vorgaben für das Arbeitspensum, genug Personal sowie Vertretungsregeln. Als Risiko bei einer völligen Arbeitszeitautonomie sieht sie die „Traditionalisierung der Partnerschaften“, sprich, dass meist die Frauen den Männern den Rücken freihalten müssen.

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