US-Waffengesetze: “Was muss denn noch passieren?”

Mit Entsetzen und Trauer haben Künstler wie US-Popstar Lady Gaga und Comedian Billy Eichner auf das Attentat in Las Vegas mit 59 Toten reagiert – aber auch mit Wut. Schärfere Waffengesetze – jetzt sofort, so der Tenor.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Es dauerte 15 Sekunden, nachdem die ersten Schüsse fielen, als der Sänger Jason Aldean und seine Band ihren Auftritt beim Route 91 Harvest Festival am Strip von Las Vegas unterbrachen und in Panik von der Bühne rannten.

Hinten im Backstagebereich hielt sich zu dem Zeitpunkt auch Sänger Jake Owen auf.  Dem Fernsehsender CBS erzählte er: “Ich rannte von der Bühne, landete auf der Straße und versteckte mich für ein paar Minuten hinter einem Auto. Dann rannte ich zu unserem Tourbus, der ein paar 100 Meter weiter auf einem Parkplatz stand. Wir legten uns im Crewbus auf den Boden – die ganze Zeit über fielen Schüsse.”

Fassungslos, traurig, wütend

Künstlerkollegen reagierten umgehend auf die Geschehnisse von Las Vegas. “Unvorstellbar, aber wahr. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.” Es ist Fassungslosigkeit, die aus der Twitter-Botschaft der Moderatorin Ellen DeGeneres spricht. Fassungslos, traurig, wütend – so klingen die meisten Kommentare, die Schauspieler, Sänger und andere Künstler am Tag nach der verheerenden Gewalttat von Las Vegas veröffentlichen.

Country-Star Blake Shelton schreibt: “Mein tiefes Mitgefühl gilt allen, die von der Schießerei in Las Vegas betroffen sind. Ich verstehe gar nichts mehr …” Und er fügt in Großbuchstaben hinzu: WARUM? Sängerin Taylor Swift kommentiert, es gebe keine Worte, die ihrer Hilflosigkeit und Trauer gerecht würden. Ihr Herz sei gebrochen.

Lady Gaga fordert mehr Waffenkontrolle

Für Lady Gaga steht fest: “Das ist Terrorismus. Ganz einfach. Terror unterscheidet keine Hautfarben, Religionen oder Geschlechter. Demokraten und Republikaner, vereinigt euch endlich beim Thema Waffenkontrolle.” Die 31-Jährige richtet einen weiteren Tweet an Präsident Donald Trump und Paul Ryan, den Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses: “Gebete sind wichtig, aber Blut klebt an den Händen derer, die dazu gewählt wurden, Gesetze zu erlassen. Beeilt euch.”

US-Präsident Trump erschien am Montagnachmittag mit seinem Vizepräsidenten und den Ehefrauen vor dem Weißen Haus zu einer Schweigeminute.

“Wir brauchen Taten”

Broadway-Star Josh Gad schrieb dazu: “Lieber Kongress: Wir brauchen deine Schweigeminute nicht. Wir brauchen Taten, und zwar jetzt.” Comedian Billy Eichner, bekannt als scharfer Trump-Kritiker, entlud seine Wut in Tweets fast im Stundentakt. “Der Kongress tat nichts nach Sandy Hook”, schreibt er. “Das ist einfach nur verrückt.” 2012 hatte ein psychisch kranker 20-Jähriger bei einem Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule 20 Kinder und sechs Lehrer erschossen. Eichner schrieb weiter: “Wir brauchen schärfere Waffengesetze, und zwar sofort. Werdet endlich erwachsen. Ein normaler Bürger braucht kein Maschinengewehr. Es reicht.”

Some things shouldn’t be all-American. Join the movement to end gun violence: Text ACT to 64433. https://t.co/1VNUj2BCyG

2015 wurden bei einer Kinovorstellung eines Films von Amy Schumer zwei Besucherinnen erschossen, neun Menschen verletzt. Schumer setzt sich seitdem für strengere Waffengesetze ein. Sie schrieb via Twitter. “Es ist nicht zu früh, um über Lösungen von Waffengewalt zu sprechen. Es ist zu spät. Heute trauern wir mit den Opfern von Las Vegas, morgen kämpfen wir für sie.”

Caleb Keeter ist Musiker bei der Josh Abbott Band aus Texas, die ebenfalls in Las Vegas auftrat. Er schrieb: “Ich habe das Recht auf Waffenbesitz bislang immer verteidigt. Bis heute. Ich kann gar nicht beschreiben, wie falsch ich gelegen habe. Wir haben Teammitglieder, die verdeckt Waffen tragen dürfen, wir hatten ganz legal Waffen im Tourbus – sie waren nutzlos.” Und weiter: “Wir brauchen schärfere Waffengesetze. Sofort. Ich bedauere zutiefst, dass ich das nicht verstanden habe, bis wir selbst in Gefahr gerieten.”

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